Denizli ist eine türkische Provinzhauptstadt im westlichen Kleinasien und ist mit 1.059.082 Einwohnern (Stand 2024) nach Izmir und Aydın die drittgrößte Stadt der Ägäisregion.
Erste Siedlungen in der Gegend des heutigen Denizli werden auf etwa 4000 v. Chr. datiert.Denizli Valiliği: , abgerufen am 11. September 2014. (Türkisch) Das Gebiet wurde von Hethitern, Phrygern, Griechen, Römern, Seldschuken und Mongolen erobert bzw. besiedelt. Die Stadt ist die Nachfolgesiedlung des in der Nähe gelegenen Laodikeia am Lykos.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt im Mittel in 354 Metern Höhe in einer nach Nordosten geneigten, etwas hügeligen Landschaft, deren viele kleine Flüsse teilweise in den südlich gelegenen Bergen oder direkt um und in Denizli entspringen und zum Einzugsgebiet des Çürüksu Çayı gehören, der in den Großen Mäander mündet. Der Vali-Recep-Yazıcıoğlu-Staudamm befindet sich in unmittelbarer Nähe östlich der Stadt. Denizli ist etwa 190 km vom Golf von Gökova am Ägäischen Meer entfernt.
Stadtgliederung Seit einer Gebietsreform 2012 ist die Provinz Denizli als Großstadtkommune (Büyükşehir Belediyesi) organisiert. Die Stadt Denizli bildet seither die kommunale Organisation der gesamten Provinz. Die Großstadt und die Provinz sind in 19 İlçe eingeteilt, die jeweils sowohl Unterbezirke der Provinzverwaltung unter einem Kaymakam als auch gleichnamige Mitgliedskommunen (Belediye)/Stadtbezirke der Großstadtkommune bilden. Der vormalige Zentralbezirk (Merkez) der Provinz mit der alten Kommune Denizli im Zentrum wurde dabei in die İlçe Merkezefendi und Pamukkale aufgespalten.
+ Bevölkerung in den 19 Landkreisen per 31. Dezember 2016Statistikinstitut der Türkei, abgerufen am 8. Februar 2017 (MS Excel; 44 kB) İlçe Fläche(km²), abgerufen am 8. Februar 2017. Einwohner Dichte(Einw./km²) Acıpayam 1.772 55.279 31 Babadağ 124 6.498 53 Baklan 283 5.632 20 Bekilli 304 7.045 24 Beyağaç 333 6.611 20 Bozkurt 462 12.715 28 Buldan 523 27.335 53 Çal 860 19.431 23 Çameli 758 18.238 25 Çardak 423 8.798 21 Çivril 1.570 60.721 39 Güney 362 10.197 29 Honaz 449 32.136 72 Kale 684 20.465 30 Merkezefendi 336 287.852 857 Pamukkale 823 337.444 410 Sarayköy 379 30.173 80 Serinhisar 256 14.600 57 Tavas 1.432 44.517 31 Denizli Büyükşehir Belediyesi (Gesamt) 12.134 1.005.687 83
Klima Die Stadt hat aufgrund ihrer Lage zwischen dem Ägäischen Meer und Zentralanatolien ein insgesamt trockenes Klima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 16,9 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich über 28 °C, die kältesten Dezember, Januar und Februar mit unter 10 °C im Mittel. Die tiefste Temperatur seit Messbeginn wurde am 9. Februar 1965 mit – 11,4 °C registriert. Die Sommertemperaturen können während der Hitzeperioden, die oft mehrere Tage andauern und von Juni bis September auftreten, bis über 40 °C im Schatten erreichen. Die höchste Temperatur seit Messbeginn wurde am 15. August 2007 mit 44,4 °C registriert. Durchschnittlich fällt jährlich 574 Millimeter Niederschlag. Die meisten Niederschläge fallen im Januar mit durchschnittlich etwa 86 Millimetern, die geringsten Niederschläge werden für die Monate Juli, August und September verzeichnet.
Geschichte Das Gebiet um die Stadt war schon seit prähistorischer Zeit besiedelt und gehörte später zum Byzantinischen Reich. Die nahe gelegene antike Stadt Laodikeia am Lykos wurde etwa 6 km nördlich von Denizli zwischen 261 und 245 v. Chr. von Antiochos II. anstelle einer älteren Siedlung namens Diospolis errichtet. Sie wurde nach seiner Frau Laodike benannt. In römischer Zeit war die Stadt Zentrum eines Gerichtsbezirks (conventus) der Provinz Asia, galt als wirtschaftliches Zentrum und war ein wichtiges Baumwollanbaugebiet. Anfang des 4. Jahrhunderts war Laodikeia Metropolis der Provinz Phrygia Pacatiana. Zwischen 363 und 364 fand dort das Konzil von Laodicea statt. In mittelbyzantinischer Zeit gehörte Laodikeia zum Thema von Thrakesion, hatte nach einem Erdbeben im Jahr 494 aber jede Bedeutung verloren.
Das Gebiet um die Stadt wurde zwischen 1081 und 1095 von den Seldschuken unter Führung Çaka Beys erobert und die Stadt wurde in ihrer jetzigen Lage gegründet. Die Bewohner von Laodikeia am Lykos (Lâdik) wurden in der seldschukischen Periode nach dem späteren Denizli umgesiedelt.John Freely: The western shores of Turkey: discovering the Aegean and Mediterranean coasts, 2004, S. 182. Im Zuge der Einnahme Anatoliens durch die Seldschuken und auf der Flucht vor der späteren Expansion der mongolischen Ilchane kam es zu zahlreichen Einwanderungen von türkischen Stämmen in Anatolien. Al-Umari verzeichnete im 14. Jahrhundert 200.000 oghusische Zelte in Denizli.Halil İnalcık Devlet-i Aliyye – Osmanlı İmparatorluğu Üzerine Araştırmalar 1 – Klasik Dönem (1302–1606), S. 6 Das Gebiet von Denizli gehörte zeitweise zu den Beyliks der Sahipataoğulları, Germiyan und İnançoğulları. Ibn Battūta besuchte 1332 die Stadt und beschrieb Denizli mit seinen sieben Moscheen und Marktplätzen als eine der schönsten und größten Städte in Anatolien.Halil İnalcık Devlet-i Aliyye – Osmanlı İmparatorluğu Üzerine Araştırmalar 1 – Klasik Dönem (1302–1606), S. 20 1390 eroberte Bayezid I. Denizli, später gehörte es vorübergehend zum Herrschaftsbereich von Timur.
Denizli gehörte im Osmanischen Reich dem Vilâyet-i Aydın an.Encyclopædia Britannica: Denizli, abgerufen am 30. August 2009. (Englisch)
Entwicklung des Namens Die früheste Schreibweise der Stadt lautet Ṭoñuzlu.Stichwort Denizli in EI 2 Das Eigenschaftswort ṭoñuzlu bezieht sich auf ṭoñuz (Schwein).Carl Brockelmann: Mitteltürkischer Wortschatz. Budapest 1928, S. 213, dort als toŋuz transliteriert Es handelte sich also zunächst um einen Ort voller Schweine.Stichwort Deñizli in EI 1 In Ibn Battutas Seyahatname wird die Stadt Dūn Ġuzluh genannt, was Ibn Battuta selbst mit „Stadt der Schweine“ übersetzt.Horst Jürgen Grün (Hrsg. u. Übers.): Die Reisen des Ibn Battuta. Band I, München 2007, S. 284 Diese Bezeichnung geht möglicherweise auf die Anwesenheit christlicher Schweinezüchter in der Stadt zurück.Horst Jürgen Grün, München 2007, Band I, S. 284, Fußnote 946 Bereits bei Timur wird eine euphemistische Wandlung sichtbar. Bei ihm kommt die Bezeichnung Tenguzluğ (von alttürk. Tengiz für Meer) vor. Dem folgend führte Evliya Çelebi den Namen der Stadt auf die Flüsse und Seen der Umgebung zurück;Evliya Çelebi: Seyahatname. Ausgabe Istanbul 1935, Band ix, S. 192–195 denn Tengiz oder Deniz kann auch See, Fluss oder einfach Wasser heißen. Lâzıkıyye Denizli oder Denizli Lâdik, wie es oft zur Unterscheidung vom alten Lâdik (Laodikeia) genannt wurde, kann demnach als „Wasserreiches Lâdik“ übersetzt werden. Mehrere, den Bedeutungen von Ṭoñuzlu und Denizli entsprechende Schreibweisen kamen im Laufe der Geschichte der Stadt vor, bis sich schließlich der heutige Name Denizli durchsetzte.Turan Gökçe: XVI ve XVII. yüzyillarda Lâzikiyye (Denizli) kazâsi. Ankara 2000, S. 15–20
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Denizli stieg von 2.500 im Jahr 1888 auf 15.704 1927, 48.925 1960, 135.373 1980, 275.500 2000 und auf über eine Million 2016.
Datum Einwohner 1888 2.500 28. Oktober 1927 15.704 23. Oktober 1960 48.925 24. Oktober 1965 64.331 25. Oktober 1970 82.372 26. Oktober 1975 106.902 12. Oktober 1980 135.373 Datum Einwohner 20. Oktober 1985 169.130 21. Oktober 1990 203.800 22. Oktober 2000 275.500 31. Dezember 2007 324.200 31. Dezember 2008 479.381 31. Dezember 2009 488.768 31. Dezember 2010 498.643 Datum Einwohner 31. Dezember 2011 511.751 31. Dezember 2012 525.497 31. Dezember 2013 963.464 31. Dezember 2014 978.700 31. Dezember 2015 993.442 31. Dezember 2016 1.005.687
Politik Stadtregierung mini|Rathaus von Denizli am Delikliçınar-Platz Bürgermeister von Denizli ist Bülent Nuri Çavuşoğlu von der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP. Er übernahm bei den Kommunalwahlen 2024 das Amt von seinem Vorgänger Osman Zolan (AKP), der von 2011 bis 2024 Bürgermeister der Stadt war. Weitere Bürgermeister der Stadt waren Nihat Zeybekçi (AKP) von 2004 bis 2011, Ali Aygören (DYP) von 1999 bis 2004, Ali Marım (bis 1994 SHP, danach CHP) von 1989 bis 1999, Ziya Tıkıroğlu (ANAP) von 1984 bis 1989, Hasan Gönüllü (CHP) von 1973 bis 1984 und der erste Bürgermeister Ali Dertenel (DYP) von 1963 bis 1973. Das Rathaus befindet sich am Delikliçınar-Platz.
Städtepartnerschaften Denizli unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:denizlihaber.com: Denizli'nin Kardeş Şehirleri , Türkei (1986) , Türkei (1988) , Türkei (2008) , Türkei (2008) , Türkei (2011) , Niederlande (1974) , Georgien (1993) , Kasachstan (1995) , Belarus (2001) , Deutschland (2002) , Volksrepublik China (2002) , Rumänien (2005) , Polen (2005) , Russland (2005) , Griechenland (2007) , Südkorea (2009) , Bosnien und Herzegowina (2009) , Syrien (2010) , Iran (2011)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Sinterterrassen von Pamukkale Denizli ist in der Türkei für die Denizli-Kräher (türk. Denizli Horozu) genannte Haushühnerrasse berühmt, insbesondere wegen deren Aussehen und Farbe. Der Hahn der Denizli-Kräher ist das Wahrzeichen der Stadt und im Wappen der Stadt abgebildet. Diese Rasse ist einer der ältesten Langkräherrassen der Welt. Der typische Hahn des Denizli-Krähers hat schwarze Augen, dunkle graue Beine, einen langen Hals und einen roten Kamm. Er wiegt 3 bis 3,5 kg und hat ein charakteristisches Krähen.
Von der seldschukischen Karawanserei von Akhan (türk. Akhan Kervansarayı), die etwa 6 km nordöstlich der Stadt an der Schnellstraße Denizli-Afyon liegt, ist ein großer Teil erhalten. Die Karawanserei wurde zwischen 1253 und 1254 von Karasungur bin Abdullah gebaut, der Kommandant von Denizli Lâdik war. In der Nähe der Karawanserei liegen einige Konaks, die den Besuchern zum Übernachten dienten.
Im Norden von Denizli liegen die Kalksinterterrassen von Pamukkale mit den Ruinen der antiken Stadt Hierapolis, die zusammen Weltkulturerbe der UNESCO sind. Das Quellwasser von Pamukkale ist mit Calciumhydrogencarbonat gesättigt. Beim Austreten entweicht durch den Druckabfall Kohlendioxid, wodurch die Löslichkeitsgrenze von Calciumcarbonat überschritten wird, das in Form von Travertin ausfällt. Pro Sekunde werden 250 l Thermalwasser (ca. 30 °C) ausgeschüttet, d. h. täglich 21.600 m³. In einem Liter sind 2,2 g Kalk gelöst, der zum Teil ausgeschieden wird; die tägliche Menge könnte damit maximal 48 Tonnen erreichen, tatsächlich ist es deutlich weniger.
In Denizli befinden sich mehrere Parks, der größte davon ist der İncilipınar-Park mit einer Fläche von 17,4 Hektar. Weitere Parkanlagen sind der Adalet-Park, Bağbaşı-Park, Çamlık-Park, Eskihisar-Park, Servergazi-Park, Sümer-Park und Yunus-Emre-Park.
Sport In Denizli ist der am 26. Mai 1966 gegründete Fußballverein Denizlispor beheimatet, der schon mehrfach in der höchsten türkischen Spielklasse spielte. Die Heimstätte des Vereins ist das Denizli Atatürk Stadı. Den international größten Erfolg erreichten die Horozlar („Hähne“) in der Saison 2002/03 des UEFA-Pokals, als sie das Achtelfinale erreichten und erst am späteren Pokalsieger FC Porto scheiterten. Seit der Saison 2010/11 spielt Denizlispor in der zweiten türkischen Liga.
Mit Denizli Büyükşehir Belediyespor und Kızılcabölükspor ist die Stadt mit zwei weiteren professionellen Fußballvereinen vertreten. Beide Vereine spielen in der TFF 3. Lig. Die Heimstätte von Denizli Büyükşehir Belediyespor ist das Doğan Seyfi Atlı Stadı. Kızılcabölükspor spielt im Tavas İlçe Stadı.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft