Der Drobschsee ist ein 13 Hektar umfassender Natursee im Südwesten der Gemarkung Görsdorf, einem Ortsteil der brandenburgischen Gemeinde Tauche im Landkreis Oder-Spree. Am Nordostufer des Sees befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei der Görsdorfer Wohnplatz Drobsch.
Der langgestreckte Rinnensee ist das südlichste Gewässer einer fünfteiligen Seenkette, die vom Blabbergraben verbunden und von Nord nach Süd in die Krumme Spree zwischen Kossenblatt und Werder entwässert wird. Der See gehört zum Naturpark Dahme-Heideseen und zum FFH-/Naturschutzgebiet Schwenower Forst. Innerhalb des Naturschutzgebiets ist der südliche Seeteil mit seinen Verlandungsteilen und dem anschließenden Teil des Blabbergrabens bis zur Mündung in die Spree unter dem Namen Drobschseerinne als Naturentwicklungsgebiet (früher: Totalreservat) ausgewiesen. Die der direkten menschlichen Einflussnahme entzogene Zone soll die Erhaltung der natürlichen Gewässer- und Vegetationsdynamik mit ihren Verlandungsstadien sicherstellen.
Geographie
Geologie und Naturraum Der Drobschsee liegt auf dem südlichen Ausläufer der Beeskower Platte, die als Nr. 824 in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands in der Haupteinheitengruppe Nr. 82 Ostbrandenburgisches Heide- und Seengebiet geführt wird. Im Untergrund der Platte überwiegen Saaleeiszeitliche Grundmoränenflächen, die weitgehend von flachwelligen Endmoränenbildungen der letzten Eiszeit überlagert werden.
mini|In der Preußischen Uraufnahme von 1846 erstreckt sich der Drobschsee noch bis zur Spree. Er endet heute gleichauf mit dem Südufer des benachbarten Schwenowsees. Der restliche, verlandete Teil wird vom Blabbergraben durchflossen und gehört zum Naturentwicklungsgebiet Drobschseerinne im NSG Schwenower Forst.
Der See gehört zur glazialen Rinne des Blabbergrabens, die im Norden am Herzberger See beginnt und über den Lindenberger, Ahrensdorfer, Premsdorfer See und Drobschsee in einen Altarm der Krummen Spree entwässert. Aufgrund des stark mäandrierenden Verlaufs wird die Spree zwischen dem Neuendorfer See und Schwielochsee als Krumme Spree bezeichnet. Die Spree fließt in diesem Abschnitt in der glazialen Brieschter Talung von West nach Ost und trennt die Beeskower Platte von der südlich anschließenden Lieberoser PlatteOlaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten, 95, Berlin 2003, ISBN 3-9806807-2-X. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5./Leuthener Sandplatte.Managementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg (Managementplanung Natura 2000 für die FFH-Gebiete 37, 58, 221, 265, 337, 651). (PDF) Bearbeitung: Ingenieur- und Planungsbüro LANGE GbR. Hrsg.: Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MUGV) und Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, Potsdam 2014, S. 4. Die Blabbergrabenrinne verläuft parallel zur westlichen Scharmützelsee-Glubigseen-Rinne, deren Schmelzwasser ursprünglich wie die der Blabbergrabenrinne nach Süden Richtung Baruther Urstromtal flossen, deren Abflussrichtung sich allerdings nacheiszeitlich nach Norden zum Berliner Urstromtal umgekehrt hat.Wolfgang Zwenger: Die Geologie des Scharmützelseegebiets. In: Kreiskalender Oder-Spree 2012. Hrsg.: Landkreis Oder-Spree, Amt für Bildung, Kultur und Sport, Beeskow. S. 50–56, hier S. 52 f.; Redaktionsschluss 30. September 2011. Rund 280 Meter westlich des Drobschsees erstreckt sich, gleichfalls in Nord-Süd-Ausrichtung, der 24,73 Hektar umfassende Schwenowsee, dessen Wasser über den Schwenowseegraben in den Drobschsee gelangen.Digitale Topographische Karten 1:10.000. Brandenburg-Viewer, Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)
Orte und Umgebung Der See liegt im Südwesten der Gemarkung Görsdorfs. Der Dorfkern Görsdorfs (Kirche) befindet sich rund 2,4 Kilometer nordöstlich des Gewässers. Rund 100 Meter nordöstlich befindet sich der Görsdorfer Wohnplatz Drobsch, Mediaprint Infoverlag (Hrsg.), in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Tauche, Mering 2013, S. 10. der aus vier Gebäuden besteht. Etwa 430 Meter nördlich des Sees beschreibt der Blabbergraben einen Halbkreis um das Bodendenkmal Räuberberg mit Resten des Burgwalls einer deutschen Adelsburg aus dem 12./13. Jahrhundert. Bis zum in das Südbecken einmündenden Schwenowseegraben und parallel zur rund 60 Meter breiten Verlandungszone des Westufers verläuft die Grenze zum Dorf Schwenow, einem Wohnplatz des Storkower Ortsteils Limsdorf. Der Dorfkern Schwenows liegt 850 Meter westlich des Drobschsees. Das restliche Seestück und der anschließende Südteil des Blabbergrabens bilden die Westgrenze zur Gemarkung des Görsdorfer Ortsteils Werder.
Eine Anbindung des Sees an das Straßennetz besteht nicht; der Wohnplatz Drobsch ist mit Görsdorf durch einen unbefestigten, sandigen Fahrweg verbunden. Das nahe gelegene Dorf Schwenow ist von Limsdorf oder Werder auf der Kreisstraße 6726 zu erreichen. Zudem führt durch Drobsch einer der regionalen Hauptwanderwege von Schwenow oder Ahrensdorf nach Kossenblatt.
Gewässerprofil und Hydrologie Struktur und Entwicklung Die Fläche des Drobschsees beträgt 13,157 Hektar, sein Umfang 2,734 Kilometer. Der Wasserstand liegt 44m ü. NHN. Er hat eine Gesamtlänge von rund 1,2 Kilometern und eine maximale Breite von rund 220 Metern. Das Gewässer ist in drei Teile strukturiert. Auf ein 590 Meter langes und 220 Meter breites Nordbecken folgt ein 330 Meter langer Mittelteil, der sich mit maximal rund 30 Metern auf Flussbreite verengt. Danach öffnet sich ein 280 Meter langes und bis zu 120 Meter breites Südbecken.
Die Preußische Uraufnahme von 1846 (siehe Abbildung oben) zeigt den See in weitgehend einheitlicher Form und Breite. Zudem erstreckte sich das Gewässer zu dieser Zeit noch bis zur Spree. Heute endet er gleichauf mit dem Südufer des benachbarten Schwenowsees. Der restliche Teil ist inzwischen verlandet und wird vom Blabbergraben durchflossen. Die Lauflänge des Grabens von der heutigen Südspitze des Drobschsees bis zur Mündung in die Spree beträgt rund 1,23 Kilometer. mini|Blick über die Blabbergrabenrinne nördlich des Drobschsees von West (Schwenow) nach Ost (Görsdorf)
Zuflüsse und Abfluss Der Zu- und Abfluss erfolgt durch den Blabbergraben, der im mittleren Lauf – insbesondere in den Sommermonaten – allerdings oft trocken liegt.Sieghard H. Richter, Sabine Schümberg, Hans-Dieter Schreyer: Mehrjährige Untersuchungen zur hydrologischen und hydrogeologischen Charakterisierung des LITFASS-Gebietes als Vorlauf für ein komplexes Experiment im Rahmen von BALTEX. In: Selbstverlag des Meteorologischen Amtes für Nordwestdeutschland: Annalen der Meteorologie. 1998, S. 274. Einen weiteren Zufluss bildet der insgesamt 7,924 Kilometer lange Landesumweltamt Brandenburg (LUGV), Stand 25. April 2014, S. 42. Schwenowseegraben, der östlich von Behrensdorf, einem Ortsteil von Rietz-Neuendorf, entspringt, parallel zum Blabbergraben von Nord nach Süd fließt und in den Schwenowsee mündet. Am unteren Ostufer tritt er aus dem Schwenowsee wieder aus und führt seine Wasser auf einem letzten, rund 280 Meter langen Teilstück dem Drobschsee zu. In seinem oberen Teil liegt auch der Schwenowseegraben streckenweise trocken.
Beide Zuflussgräben sind Teil des „Gewässerentwicklungskonzepts (GEK) Krumme Spree“ zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), das die Durchgängigkeit des Schwenowseegrabens, des teils verrohrten Blabbergrabens und weiterer Fließe der Region wiederherstellen will. Landesumweltamt Brandenburg, Flyer, Potsdam 2010.
Naturschutz, Flora und Fauna
Naturentwicklungsgebiet Drobschseerinne mini|Osthang der Blabbergrabenrinne/Drobschseerinne zwischen dem Drobschsee und der Spree mini|Röhricht und Seerosenteppiche im Nordbecken
Der gesamte Drobschsee gehört zum 746 Hektar umfassenden Naturschutzgebiet Schwenower Forst. Das seit 2004 geschützte Gebiet ist zudem als FFH-Gebiet im Natura 2000 Verbund ausgewiesen. Innerhalb des Naturschutzgebiets wurden ein Streifen des Westufers des Nordbeckens, der südliche Seeteil und der anschließende Teil des Blabbergrabens (verlandeter Seeteil) bis zur Mündung in den Altarm der Krummen Spree unter dem Namen Drobschseerinne als Naturentwicklungsgebiet (früher: Totalreservat) unter besonderen Schutz gestellt und als Zone 1 gekennzeichnet.Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schwenower Forst“. Potsdam, 8. September 2004. Inkrafttreten der Verordnung am 9. Oktober 2004. Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung; Brandenburgisches Vorschriftenssystem (BRAVORS). Das rund 39 Hektar umfassende Naturentwicklungsgebiet Drobschseerinne ist nach § 21 Abs. 2 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes der direkten menschlichen Einflussnahme entzogen, die Lebensräume und Lebensgemeinschaften sollen langfristig ihrer natürlichen Entwicklung überlassen bleiben.Gesetz über den Naturschutz und die Landschaftspflege im Land Brandenburg. (PDF) pro-liepnitzwald.de (Brandenburgisches Naturschutzgesetz – BbgNatSchG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 26. Mai 2004 (GVBl.I/04, [Nr. 16], S. 350), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 15. Juli 2010 (GVBl.I/10, [Nr. 28]) In der Drobschseerinne soll insbesondere die Erhaltung der natürlichen Gewässer- und Vegetationsdynamik mit ihren Verlandungsstadien sichergestellt werden.
Pflanzen und Pflanzengemeinschaften Der Fließgewässerverlandungskomplex ist von Erlen-Moor-, Bruchwäldern und feuchten Hochstaudenfluren geprägt. Die kalkliebende Laubwaldflora ist mit Arten wie Kamm-Wachtelweizen, Niedrige Schwarzwurzel, Schuppenwurzen, Wiesen-Primel und Gelbes Windröschen vertreten. Zudem gedeihen der in der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschlands als „stark gefährdet“ eingestufte Sand-Tragant, Schwalbenwurz, Blutroter Storchschnabel, der „gefährdete“ Ährige Blauweiderich, die „gefährdete“ Wohlriechende Skabiose, Spießblättriges Helmkraut und das „gefährdete“ Duftende Mariengras.Wolfgang Klaeber: Teufelsklauen unter Tannen. In: JahreBuch 2009. Hrsg.: NABU RV Dahmeland e. V. und Naturpark Dahme-Heideseen (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg), Prieros; S. 111. Die an den Hängen des Drobschsees und Schwenowsees ehemals reichen Vorkommen des gemäß Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) in Deutschland „besonders geschützten“ Leberblümchens konnten im Jahr 2013 nicht mehr nachgewiesen werden.Wolfgang Klaeber: Himmelblauer Frühlingsbote kalkgrundiger Laubwälder. Das Leberblümchen. In: JahreBuch 2014. Hrsg.: NABU RV Dahmeland e. V. und Naturpark Dahme-Heideseen (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg), Prieros; S. 75.
Bemerkenswert sind die Bestände der sehr seltenen Wassernuss im Drobschsee.Stephan Runge: Die Wassernuss. In: JahreBuch 2013. Hrsg.: NABU RV Dahmeland e. V. und Naturpark Dahme-Heideseen (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg), Prieros, Die Wasserpflanze des Jahres 2011 wird in der Roten Liste gefährdeter Arten deutschlandweit als „stark gefährdet“ und in Brandenburg als „vom Aussterben bedroht“ geführt.Michael Ristow: Rote Liste der etablierten Gefäßpflanzen Brandenburgs (und Berlins). In: Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg. 15, Heft 4, Beiheft, 2006: Der See verfügt weitgehend über naturnahe Uferbereiche und stellenweise über ausgedehnte Röhrichtbestände. Seerosenteppiche nehmen große Teile der Wasserfläche ein.
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