mini|Einfahrt zu einer Schießbahn auf dem NATO-Truppenübungsplatz Bergen – wirklichkeitsnahe Gefechtsausbildung für die Streitkräfte der NATO

Der Truppenübungsplatz Bergen (TrÜbPl Bergen, auch NATO-Schießplatz Bergen-Hohne) im Südteil der Lüneburger Heide (Niedersachsen, Deutschland) ist mit einer Fläche von 24.900 ha bei einer Ausdehnung von 26 km in Nord-Süd-Richtung und 18 km in Ost-West-Richtung einer der größten Truppenübungsplätze in Europa. Der Übungsplatz ist dem Unterstützungskommando der Bundeswehr unterstellt und gehört zum „Bereich Truppenübungsplatzkommandantur NORD“.

Er wurde ab 1935 von der Wehrmacht westlich des namensgebenden Ortes Bergen eingerichtet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag der Truppenplatz in der britischen Besatzungszone. Er wurde 1945 von den britischen Besatzungstruppen übernommen und während des Kalten Krieges kontinuierlich erweitert. Seit den 1960er Jahren wird das Areal auch von der Bundeswehr genutzt. Auch andere Streitkräfte der NATO haben hier Übungen abgehalten, darunter Niederländische Streitkräfte und Kanadische Streitkräfte. Die Briten nutzten bis zu ihrem Abzug im September 2015 den größten Teil der Kasernen (Truppenlager) in Oerbke und Bergen.

Geografie Lage Der Truppenübungsplatz erstreckt sich beiderseits der Grenze zwischen dem Heidekreis und dem Landkreis Celle. Dieser Teil der Lüneburger Heide wird auch Heidmark genannt. Der nördlichste Bereich beginnt unmittelbar an der Abfahrt Soltau-Süd der Bundesautobahn A7. Von hier verläuft die östliche Platzgrenze bis Bergen zunächst nahe der Bundesstraße 3 und danach weiter an der Landesstraße L 298. Die westliche Grenze ist unmittelbar parallel zur Autobahn A 7, an Bad Fallingbostel vorbei bis südlich des Autobahndreiecks Walsrode (A7/A27). Der südlichste Bereich grenzt an den 3.500 ha großen Bundeswehrübungsplatz Ostenholzer Moor, der aber nicht mehr zu dem NATO-Truppenübungsplatz gehört. Kommunalrechtlich gehört der Truppenübungsplatz zu den gemeindefreien Bezirken Lohheide und Osterheide, die 1945 aus dem 1938 gegründeten Gutsbezirk Platz Bergen hervorgingen.

Der Platz liegt ungefähr 40 km nördlich von Hannover, etwa 60 km südöstlich von Bremen und rund 60 Kilometer südlich von Hamburg. Das Gelände ist stark wellig bis hügelig. Der höchste Punkt ist der Falkenberg mit 150 m über NHN, sein tiefster Punkt befindet sich mit 40 m über NHN im Süden des Platzes, an der Grenze zum Ostenholzer Moor. Auf dem Gelände wurde mit einer Entfernung von 6,3 km zum nächsten Gebäude die abgelegenste Stelle Deutschlands gemessen.

Landschaftsbild Der Truppenübungsplatz wird in Südwest-Nordost-Richtung durchzogen von einer der am stärksten reliefierten Moränenlandschaften der Lüneburger Heide. Die in der vorletzten Kaltzeit am Rand des Inlandeises gebildete Falkenberg-Endmoräne wird im Nordteil vom Waldgebiet Becklinger Holz eingenommen und weiter südlich, im Mittelteil des Truppenübungsplatzes, von Heidelandschaft. Neben den Hauptgipfeln Falkenberg () und Hakenberg (143 m) gliedern zahlreiche Kuppen die Landschaft (Goldbockenberg (129 m), Staffelberg (126 m), Rehberg (125 m), Sinnberg (122 m), Hengstberg (121 m), Tutenberg (116 m), Galgenberg (110 m), Kahlberg (104 m), Kallenberg (103 m), Fuhrberg (102 m), Horstberg (98 m)Ausführlich: Das Becklinger Holz zwischen Bergen und Soltau, Matthias-Blazek.eu, abgerufen am 8. Februar 2014.). In den Niederungen am Nordwestfuß des Höhenzuges haben sich kleinere Feuchtgebiete entwickelt wie das Wittenmoor und der Grefel. Knapp außerhalb der Nordost-Grenze bei Becklingen liegt das Große Moor und im Süden das weiträumige Ostenholzer Moor. Bereits außerhalb des Sperrgebietes geht es über in das Bannetzer Moor mit den Meißendorfer Teichen. Abgesehen von den Panzerübungsflächen, den Schießbahnen und Teilen der Feuchtgebiete ist das Gelände großenteils bewaldet.

Im Nordwesten, außerhalb des Truppenübungsplatzes, durchfließt die Böhme den relativ engen Talabschnitt des Böhmeknies. Mehrere ihrer Nebenbäche entwässern den Nordwestteil des Platzes, die größten sind Forellenbach und Fischendorfer Bach. Die Böhme und die den Südosten und Süden des Übungsplatzes entwässernde Meiße sind rechte Nebenflüsse der Aller. Ungefähr im Zentrum des Platzes befinden sich die Sieben Steinhäuser, eine Gruppe von Großsteingräbern. Der Weg dorthin wird an bestimmten Tagen für die Öffentlichkeit freigegeben. Der Hohe Bach fließt direkt an diesen vorbei. In der Nähe liegt der kleine Meiersee, durch den der Meierbach in Richtung Südwesten fließt. Diese beiden Bäche entwässern den Mittel- und Südteil des Truppenübungsplatzes. Der Südostteil wird über den Liethbach (an dem das Schloss Bredebeck liegt) entwässert. Diese drei genannten Bäche sind Zuflüsse der Meiße. Direkt in die Aller mündet nördlich von Hodenhagen der südwestwärts gerichtete Fahrenholzer Bach, der unterhalb des engen Wolfsgrundes Krelinger Bach genannt wird. Entlang dieser Bäche gibt es zahlreiche künstlich angelegte Teiche.

2012 konnten auf dem Truppenübungsplatz erstmals zwei Wölfe gesichert nachgewiesen werden. Seit 2013 wurde ein Wolfs-Geschwisterpaar nachgewiesen, das regelmäßig Welpen zur Welt bringt.Wolfsnachweis auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Klima Auf dem Truppenübungsplatz herrscht ein Seeklima mit relativ kühlen Sommern und relativ milden Wintern.

Geschichte mini|hochkant=0.6|Historische Karte der Ostheidmark vor Umsiedlung der Ortschaften mini|„Wolfsstein“ im Becklinger Holz Bereits im 19. Jahrhundert nutzte die Hannoversche Armee hier zwei kleinere Exerzierplätze.

Östlich von Becklingen, in dem Forst „Becklinger Holz“, der heute auf dem Truppenübungsplatz liegt, wurde am 13. Januar 1872 der vorerst letzte Wolf in der Lüneburger Heide gesehen und geschossen. Schütze war der Förster zu Wardböhmen H. Grünewald, ehemaliger Leibjäger König Georgs V. von Hannover, des letzten Königs von Hannover.Der letzte Wolf der Lüneburger Heide, Lausitz-Wolf.de. Zur Erinnerung daran wurde dort 1929 vom Allgemeinen Deutschen Jagdschutz-Verein, Bezirksverein Hannover, ein „Wolfsstein“ aufgestellt.Hosang, Joachim: „Würger vom Lichtenmoor“, in: Land & Forst 35/1998, S. 41.Bilder des Wolfssteins - Koordinaten im Becklinger Holz: 52 51 38 N 09 51 46 E

mini|links|Tafel im Eingangsbereich der Düshorner Kirche mit den Namen der umgesiedelten Familien mini|Abschnitt der ehemaligen Reichsstraße 3 auf dem Truppenübungsplatz Bergen mini|Truppenübungsplatz Bergen (heute)

Die ersten Planungen für den Truppenübungsplatz begannen im August 1934 im Zusammenhang mit der Aufrüstung der Wehrmacht. Wegen der dünnen Besiedlung und des abwechslungsreichen Landschaftsbildes wurde diese Gegend zur Schaffung des größten Übungsplatzes der Wehrmacht ausgewählt. Am 15. September 1934 erfuhren die ortsansässigen Bauern davon. Am 1. Oktober 1934 versammelte sich eine Gruppe von Bauern aus der betroffenen Gegend zur Beratung am Platz Sieben Steinhäuser. Eine Abordnung fuhr noch am gleichen Tag nach Goslar, um dem „Reichsbauernführer“ Bedenken vorzutragen. Am 18. März 1935 fuhren dann mehr als 80 Bauern nach Berlin, um Gewissheit über ihre Zukunft und die geplante Umsiedlung ihrer Höfe zu erlangen. Trotz des Widerstands der Bevölkerung mussten innerhalb weniger Jahre etwa 3.650 Einwohner aus 25 Gemeinden ihre Heimat verlassen. Unter anderem verschwanden die Orte Deil, Hörsten, Hoppenstedt, Hohne bei Bergen,Dieses Hohne ist nicht das Hohne in der Samtgemeinde Lachendorf. Hohnerode, Manhorn, Lohe, Gudehausen, Ettenbostel, Oberndorfmark, Oberhode, Benhorn, Hartem, Fahrenholz, Böstlingen, Pröbsten, Kolk, Südbostel, Nordbostel, Obereinzingen, Untereinzingen, Achterberg, Wense und Teile von Oerbke, Ostenholz und Hasselhorst von der Landkarte.„Ehemalige Ortschaften auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Belsen“.Zerstörung der Ostheidmark in der Zeit des Nationalsozialismus. mini|Flächenbedeckung im Truppenübungsplatz Bergen 1985Nessenius (1985): Der kulturlandschaftliche Wandel im nördlichen Teil des Truppenübungsplatzes Bergen, 140 Seiten (unveröffentlicht)

Nachdem das „Gesetzes über die Landbeschaffung für Zwecke der Wehrmacht“Gesetz über die Landbeschaffung für Zwecke der Wehrmacht vom 29. März 1935. Im Reichsgesetzblatt, Teil I Nr. 37 vom 30. März 1935, S. 467f., Digitalisat. vom 29. März 1935 in Kraft getreten war, ordnete das Reichskriegsministerium den Ankauf und Ausbau des Truppenübungsplatzes Bergen an. Mit dem Grunderwerb und der Ersatzlandbeschaffung wurde die Reichsumsiedlungsgesellschaft Berlin beauftragt. Sie legte am 28. Oktober 1935 einen Aufgabenplan vor. Auch die Geschichte der betroffenen Höfe und Dörfer sowie die archäologischen Denkmale, darunter die Sieben Steinhäuser, sollten erfasst und dokumentiert werden, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Damit wurde der Landesarchäologe Hans Piesker aus Hermannsburg beauftragt. 108 Hügelgräber hat er von 1935 bis 1941 und erneut 1944 wissenschaftlich erforscht und inventarisiert.

Am Ostrand des Geländes, bei den Ortschaften Hohne und Belsen, seinerzeit „Ostlager“ genannt, entstanden rund 100 Kasernengebäude, 50 Pferdeställe und 40 Großgaragen, außerdem ein Lazarett, Depots und ein Scheibenhof, auf dem Zielscheiben für den Schießbetrieb hergestellt wurden. Im Süden dieser Kasernenanlagen befand sich eine Heeresmunitionsanlage für Infanteriemunition. Am 4. Mai 1936 bezogen die ersten Einheiten ihre Unterkünfte. Ab dem 1. August 1938 fanden auf der gesamten Fläche militärische Übungen statt.

Am Westrand des Geländes, bei der Ortschaft Oerbke, seinerzeit „Westlager“ genannt, entstanden vom 1. April 1937 bis ins Jahr 1942 weitere Kasernen, Pferdeställe, Garagen und Depots. Am Ostrand bei Belsen wurde von der Wehrmacht 1940 ein Kriegsgefangenenlager geschaffen. Ein Teil dessen wurde 1943 von der SS übernommen und diente fortan als KZ Bergen-Belsen.

Im Zuge der Errichtung des Truppenübungsplatzes musste der am äußersten Ostrand über den Übungsplatz verlaufende Teil der damaligen Reichsstraße 3, heute Bundesstraße 3, verlegt werden. Zwischen Wardböhmen und der Anschlussstelle Soltau-Süd der A 7 wurde 1936/37 parallel außerhalb des Platzes eine neue Streckenführung gebaut. Das Militär nutzt die alte Strecke zu Übungszwecken.

Aufstellung von militärischen Verbänden im Zweiten Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Truppenübungsplatz auch neue Großverbände der Wehrmacht aufgestellt, zum Beispiel am 5. Oktober 1940 die 131. Infanterie-Division.

Nach 1945 Am 15. April 1945, drei Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges besetzten britische Streitkräfte den Truppenübungsplatz. Sie nutzten zunächst nur den Ostteil des Platzes als „Royal Armoured Corps Training Centre“.

Nach Kriegsende wurden über 10 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches sowie aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa vertrieben.

1945 bis 1947 kamen etwa 1,5 Millionen dieser Heimatvertriebenen in die britische Besatzungszone.

Die britische Militärregierung entschloss sich, in den Randbezirken der Gutsbezirke Lohheide und Osterheide leerstehende Höfe, Häuser und Barackenlager für die Flüchtlinge zur Wiederbesiedlung freizugeben. Rund 6.000 Menschen bewarben sich. Auf 145 Siedler- und Nebenerwerbssiedlerstellen konnten Landwirte sich hier eine neue Existenz aufbauen, darunter auch einige der ehemaligen Platzbewohner. Auch in dem früheren Erholungsheim Achterberg kamen viele Flüchtlinge unter. Man hoffte damals, der Truppenübungsplatz würde nach dem Krieg seine Funktion verlieren, was sich aber nicht bewahrheitete.

Selbst in den Baracken des ehemaligen KZ Bergen-Belsen, die von den Briten im Mai 1945 nicht sofort niedergebrannt worden waren, brachte man Flüchtlinge unter; man nannte diese Barackensiedlung „Neu-Hohne“. Etwa 500 Flüchtlinge zogen in die ehemaligen Wehrmachtbaracken in Gudehausen (zwei Kilometer südwestlich von Bergen-Belsen), darunter viele Schwarzmeerdeutsche. Diese beiden Wohnlager wurden Anfang der 1950er Jahre abgerissen.