Bündnis zwischen Preußen, Hessen-Kassel, der Kurpfalz und Kaiser Karl VII.

Frankfurter Union 1744 Unter der Frankfurter Union wird in der Geschichtswissenschaft zunächst ein in Frankfurt am Main am 22. Mai 1744 während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) geschlossenes Bündnis zwischen Preußen, Hessen-Kassel, der Kurpfalz und Kaiser Karl VII. verstandenMeyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885–1892 VI. Band S. 505. Durch den Frieden von Füssen wurde es im Frühjahr 1745 gesprengtDas Grab der Frankfurthischen Union. Von einem patriotischen Teutschen. Frankfurt und Leipzig 1745, Download: https://download.digitale-sammlungen.de/BOOKS/download.pl?id=bsb10886207.

Frankfurter Union 1803 Die am 29. August 1803 in Frankfurt am Main gegründete und nach dem Gründungsort benannte Frankfurter Union (auch Union von Frankfurt) war von einer Gruppe regierender Fürsten und Grafen protestantischer weltlicher Territorien des alten Reiches ins Leben gerufen worden. Die Assoziation adliger Häuser (deren Mitglieder überwiegend zum Wetterauer Grafenverein gehörten) hatte das Ziel, die Mediatisierung dieser „Stände des 2. und 3. Ranges“ („mindermächtige“ Adelshäuser), die mit dem Reichsdeputationshauptschluss begann, zu verhindern. Da dies in Folge des Friedens von Preßburg (26. Dezember 1805/franz.: 5. Nivose Jahr XIV), nach dem die reichsritterlichen Besitzungen bis auf wenige Ausnahmen und die kleineren weltlichen Fürstentümer den größeren weltlichen Territorialstaaten zugeteilt wurden, nicht mehr zu erreichen war, verfolgte die Union nach nur drei Jahren ihre Aufgaben nicht weiter. Die Interessen der Mitglieder der Frankfurter Union wurden auch nach deren Auflösung, dem Untergang des alten Reiches und der Mediatisierung ihrer Territorien als lose Standesherren-Vereinigung im Rheinbund und später auf dem Wiener Kongress neu vorgebracht.Eva Kell: Die Frankfurter Union (1803–1806) – Eine Fürstenassoziation zur „verfassungsmäßigen Selbsterhaltung“ der kleineren weltlichen Adelsherrschaften. In: Zeitschrift für Historische Forschung, Vierteljahresschrift zur Erforschung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, Duncker & Humblot, Berlin 1991 (Heft 1) S. 72 unter Berufung auf Peter Burg Die deutsche Trias in Idee und Wirklichkeit. Vom Alten Reich zum Deutschen Zollverein. Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte, Stuttgart 1989 S. 136

Gründung (August 1803) Vorbereitungen von Solms-Laubach und Isenburg Auf Grund der Vorschläge des Grafen von Solms-Laubach gegenüber Löwenstein-Wertheim, wandte sich dieser an Isenburg-Birstein (Residenz in Offenbach am Main). Daraufhin traf sich der isenburgische Geheime Rat Goldner am 3. August 1803 („morgens um 6 Uhr“ in Vilbel [heute: Bad Vilbel nordöstlich von Frankfurt am Main, quasi auf halbem Weg zwischen den beiden Residenzen] im Gasthaus „Zum goldenen Engel“) mit Solms-Laubach zur Abklärung des weiteren Vorgehens, um die Gründung einer Vereinigung von mindermächtigen Ständen (Adelsassoziation) einzuleiten. Kurz danach, am 20. August 1803, kam es zu einer Vorbesprechung der Abgesandten von sechs Adelshäusern in Rückingen (damals im Fürstentum Isenburg), und am 29. August 1803 wurde zum Zwecke verfassungsmäßiger Selbstverwaltung in Frankfurt am Main die Einigungsakte beschlossen.Manfred Mayer: Geschichte der Mediatisierung des Fürstentums Isenburg, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891, S. 162–164National-Zeitung der Teutschen, 45stes Stück, den 10ten November 1803, Verlag der Becker’schen Buchhandlung, Gotha 1803 Sp. 1012 Daran haben teilgenommen die Adelshäuser Erbach, Hohenlohe-Neuenstein (in Öhringen), Isenburg (Fürsten und Grafen), Leiningen und Solms (Fürsten und Grafen), Löwenstein (Fürsten und Grafen), Wied-Runkel (Fürst) und Wittgenstein (Fürst), Oettingen-Spielberg und Limpurg-Speckfeld.

Mitglieder Am 12. Oktober 1803 haben die Chefs der fürstlichen und gräflichen Häuser den Vertrag unterzeichnet (Ausnahme: Fürst von Wied); bereits Mitte September 1803 waren der Fürst von Hohenlohe-Waldenburg und der Graf von Salm-Reifferscheid-Krautheim beigetreten. Der erste Unionstag fand am 7. November 1803 in Miltenberg statt, inzwischen waren auch Wartenberg (Graf) und Salm (Rheingraf) beigetreten: Zehn teutsche Reichsfürsten, wovon der Fürst von Löwenstein-Wertheim an der Spitze stehtManfred Mayer Geschichte der Mediatisirung des Fürstenthumes Isenburg M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891; S. 45.

Die EinigungsakteManfred Mayer: Geschichte der Mediatisirung des Fürstenthumes Isenburg M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München: 1891, Beilagen I No. 2, S. 162–164 verzeichnete folgende Mitglieder:

1. das gräfliche Gesamthaus Erbach, Erbach-Schönberg; Erbach-Erbach; Erbach-Fürstenau;

2. das fürstliche Haus Hohenlohe, Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst; Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen; Hohenlohe-Neuenstein-Ingelfingen; Hohenlohe-Neuenstein-Kirchberg; Hohenlohe-Neuenstein-Langenburg;

3. das fürstliche und gräfliche Gesamthaus Isenburg, Ysenburg-Birstein; Ysenburg-Büdingen; Ysenburg-Meerholz; Ysenburg-Wächtersbach;

4. das fürstliche Haus Leiningen,

5. das fürst- und gräfliche Gesamthaus Löwenstein-Wertheim,

6. das fürstliche Haus Oettingen-Spielberg,

7. das fürst- und gräfliche Haus Solms, Solms-Braunfels; Solms-Lich; Solms-Laubach; Solms-Rödelheim;

8. das fürstliche Haus Wied-Runkel;

9. das fürstliche und gräfliche Haus Wittgenstein;

10. das gräfliche Haus Limpurg-Speckfeld.

Folgendes sind die Nahmen der Fürsten und Stände der schwäbischen Union, welche der Frankfurter Verbindung beygetreten sind:Kurpfalzbaierische Münchner Staats-Zeitung von Lorenz Hübner, Fünfter Jahrgang 1804 Nro. 170 Mittwoch, den 14. November 1804, S. 1100

Fürstenberg, Oettingen-Wallerstein, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Waldburg und Wolfegg.

Aufgaben Nach der Einigungsakte vom 29. August 1803 war das Hauptziel der Union die Einrichtung von Gesandtschaften in Paris, Berlin, Wien und Petersburg und die Unterhaltung von Geschäftsträgern auf gemeinsame Kosten, um für die „verfassungsmäßige Selbsterhaltung“ der Mitglieder tätig zu sein (Art. 1–3). Sie erstrebte z. B. auch die Mitwirkung bei der künftigen Kreiseinteilung der Reichskreise und der Möglichkeit für die kleineren Adelsherrschaften Virilstimmen (Einzelstimmen) im Reichstag des alten Reiches zu erhalten oder eine Regelung zur Mitwirkung des Grafenstandes in einer zukünftigen Reichsdeputation.

Unionskonferenz in Miltenberg (1804) Die Union, die eher hinter den Kulissen operierte, hatte keinen offiziellen Vertreter bei dem von Napoleon in Mainz abgehaltenen Fürstentag (20. September–1. Oktober 1804), sie beschloss aber eines ihrer Mitglieder zu Napoleons Krönung nach Paris zu sendenKurpfalzbaierische Münchner Staats-Zeitung von Lorenz Hübner, Fünfter Jahrgang 1804 Nro. 170 Mittwoch, den 14. November 1804, S. 1100. Die Wahl fiel auf Carl Fürst zu Isenburg-Birstein, der dort auch die offizielle Akkreditierung (Anerkennung) des leiningischen Vertreters Ludwig Franz Greuhm als Geschäftsträger der Union erreichte.

Preßburger Friede (Dezember 1805) Im Jahr 1805 kam kein Unionstreffen zustande, obwohl Solms-Laubach warnte, „dass eine längere Lethargie das Grab der Union“ sei. Erkrankungen des Unionsgesandten in Paris und des leiningenschen Geheimrates Lang, der von Amorbach (Residenz des Leininger Fürsten) aus die gesamte Korrespondenz koordinierte, lähmten die Union zusätzlich.Eva Kell: Die Frankfurter Union (1803–1806) … S. 83

Als sich nach dem Preßburger Frieden (Ende Dezember 1805) abzeichnete, dass die Ziele der Frankfurter Union auf Erhaltung der Selbständigkeit kaum zu verwirklichen waren, suchten etliche Mitglieder nach anderen Wegen. Leiningen suchte eine Übereinkunft mit einem der zukünftigen Mittelstaaten, um günstige Bedingungen für die nachfolgende Mediatisierung zu erhalten, denn es gab im alten Reich Mediatisierungen, die diesen Standesherren das ius territoriale subalternum zusicherten.Thomas Bruckner Lehnsauftragung, Dissertation jur. Universität Würzburg, Würzburg 2002 Deshalb schloss Leiningen knapp drei Monate später, am 22. März 1806 einen Schutz- und Erbvertrag mit Bayern ab, um seine politische Existenz zu sichern. In diesem Vertrag erklärte sich das Haus Leiningen bereit, sich unter die staatliche Souveränität Bayerns zu begeben. Napoleon akzeptierte den Vertrag nicht (Leiningen kam später zu Baden). Der Fürst erklärte daraufhin, dass er in die Notwendigkeit gesetzt gewesen sei, für sich selbst zu sorgen und seine Verhandlungen es nicht erlaubten, mit den übrigen Fürsten jetzt gemeinsame Sache zu machen.Eva Kell: Die Frankfurter Union (1803–1806) …, S. 82 unter Berufung auf ein Schreiben Wolfgang von Goldners vom 17. September 1803 an den Grafen von Solms-Laubach

Militärunion (1806) Goldner und Isenburg verfolgten einen anderen Plan: den Ausbau der Union zu einer Militärunion, wenn schon nicht bei einer Neuordnung der deutschen Reichsterritorien jedem einzelnen Mitglied die Souveränität erhalten werden könne, diese wenigstens gemeinschaftlich (en corps) zu sichern. Der Union sollte „eine gleiche Souveränität“ verschafft werden, „wie solche der Preßburger Frieden creirt hat“. Auf einer Tagung des Unionsausschusses in Rödelheim (Residenz von Solms-Rödelheim; heute Stadtteil von Frankfurt am Main) am 6. Februar 1806 wurde dieser Plan beschlossenManfred Mayer: Geschichte der Mediatisierung des Fürstentums Isenburg, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891; S. 52 f. und Goldner mit dieser Mission in Paris beauftragt. Aber auch dies schlug fehl, die Militärunion kam zwar im Juli 1806 durch den Rheinbund zustande, von den Mitgliedern der Union erhielt jedoch nur Isenburg die Souveränität; die Territorien der anderen Mitglieder wurden mediatisiert.

Unterschiedliche Interessen der Mitglieder Untereinander waren sich die Mitglieder keineswegs einig, gegenseitige Vorwürfe, übervorteilt worden zu sein oder sich auf Kosten der Nachbarn oder Agnaten bereichert zu haben, waren an der Tagesordnung und trugen nicht gerade zu der z. B. von Solms-Laubach beschworenen Solidarität des Grafenstandes bei: „Die Instruktionen an die Gesandten mußten vorsichtshalber so abgefaßt werden, dass selbst der Eifersüchtigste, Mißtrauische und Schwache darüber nicht hadern kann“Eva Kell Die Frankfurter Union (1803–1806) … S. 82 unter Berufung auf ein Schreiben Wolfgang von Goldners vom 17. September 1803 an den Grafen von Solms-Laubach. Innerhalb der Union gab es stets Fraktionierungen. Hohenlohe-Öhringen z. B. erkannte die Einigungsakte nur mit Einschränkungen an und drohte mit „gänzliche(r) Verweigerung“, wenn seinen Bedingungen nicht entsprochen werde. Prestigeneid, Rivalität, unterschiedliche regionale Orientierung, fiskalische und administrative Probleme, Territorialabgrenzungen durch unklare Regelungen im Reichsdeputationshauptschlusses und nicht zuletzt die Adelshierarchie taten ein Übriges, dass die Gräben innerhalb und zwischen den Gruppierungen des deutschen Adels auch durch die akute Mediatisierungsgefahr nicht zugeschüttet werden konnten.Eva Kell: Die Frankfurter Union (1803–1806) … S. 82 unter Berufung auf ein Schreiben Wolfgang von Goldners vom 11. Oktober 1803 an den Grafen von Solms-Laubach

Solms-Laubach: Tradition als adeliger „Berufspolitiker“ mini|hochkant|Friedrich Ludwig Christian Graf zu Solms-Laubach (* 1769; † 1822)