Der AH-64 Apache [] ist ein schwerer zweimotoriger Kampfhubschrauber (, AH), der vor allem von der United States Army eingesetzt wird. Der Apache wurde vom US-amerikanischen Unternehmen Hughes Aircraft entwickelt und wird heute von Boeing produziert.
Geschichte Im Vietnamkrieg setzten die US-Truppen erstmals in größerem Ausmaß Hubschrauber ein. Die eingesetzten Modelle waren abgesehen von der Bell AH-1G Cobra jedoch überwiegend für Transport- und Aufklärungsaufgaben und nicht für Kampfeinsätze entwickelt worden und nur unzureichend bewaffnet und geschützt. Die USA verloren fast 5000 Hubschrauber in einem Krieg mit asymmetrischer Kriegsführung. Feindliche Einheiten traten nur selten in der Größe und Dichte wie bei konventionellen Schlachten auf. Hoch beanspruchte Bauteile korrodierten bei der vorherrschenden hohen Luftfeuchtigkeit und Temperatur des Einsatzgebiets im Bereich der wechselfeuchten Tropen.
Im Jahr 1964 hatte die US Army einen Entwicklungsauftrag für einen schweren Kampfhubschrauber ausgeschrieben. Das Ergebnis war der Lockheed AH-56 Cheyenne. Dessen Entwicklung wurde im April 1969 eingestellt. Einen Monat zuvor war ein Testpilot beim Absturz eines Cheyenne gestorben.
Die US Army wünschte sich nun zusätzlich bessere Manövrierfähigkeit, Nachteinsatzfähigkeit und herausragende Tiefflugfähigkeiten. Der neue Hubschrauber wurde für den Einsatz in bewaldeten, hügeligen und gebirgigen Gebieten Europas und Asiens konzipiert. Der Hughes YAH-64-Prototyp stellte seine Fähigkeiten bei Testflügen ab 30. September 1975 eindrucksvoll unter Beweis und ging nach einer gründlichen Testphase im März 1982 in die Serienproduktion. Er kostete anfangs rund 17 Millionen US-Dollar pro Stück. Am 26. Januar 1984 erhielt die US Army die ersten AH-64A. Als erste Einheit meldete das 6th Cavalry Regiment im Juli 1986 die volle Einsatzfähigkeit mit der AH-64A. Bis Juli 1993 wurden 800, bis Oktober 1995 insgesamt 900 und bis ins Jahr 2000 1048 AH-64 Apache in diversen Versionen gebaut und ausgeliefert.Jane’s Air Force News: In: janes.com, Jane’s Information Group, 13. Oktober 2000 (englisch, Website teilweise mit der veralteten Adobe-Flash-Technik). Die A-Baureihe wurde bis 2012 betrieben; parallel begann der Einsatz der E-Baureihe.
Einsatz mini|AH-64A in Tuzla im Rahmen der Stabilization Force (SFOR)
Der Apache-Kampfhubschrauber hatte seinen ersten Kampfeinsatz Ende 1989 bei der US-Invasion in Panama. Später spielte der AH-64 wesentliche Rollen im Zweiten Golfkrieg, bei der Operation Enduring Freedom in Afghanistan und im Irakkrieg.
Der Einsatz der AH-64A Apache in der Operation Desert Storm (1990/91) richtete sich meist gegen irakische Kampfpanzer und andere gepanzerte Fahrzeuge und erwies sich als sehr wirksam, da die irakische Luftabwehrtaktik hierauf nicht vorbereitet war. In der ersten Angriffswelle wurden die Kampfhubschrauber auch gegen Teile des irakischen Radarnetzes eingesetzt, um damit den US-Bombern ein unbemerktes Eindringen in den Luftraum des Irak zu ermöglichen. Die US Army hatte erhebliche Probleme mit der Wartung und Instandsetzung der AH-64: der feine Wüstenstaub verstopfte die Filter der Klimaanlagen im Cockpit und wirkte sich langfristig negativ auf die Einsatzfähigkeit der Piloten aus. Ebenso häufte sich der Verschleiß der Turbinen und anderer beweglicher Teile und erforderte somit zusätzliche Logistikkapazitäten. Während des gesamten Krieges wurden acht Hubschrauber von irakischer Luftabwehr getroffen. Einer der getroffenen Hubschrauber wurde abgeschossen, wobei die Besatzung den Absturz überlebte.Jane’s Modern Military Helicopter. 1998, S. 114 (englisch). Bei Apache-Einsätzen wurden unter anderem über 500 Kampfpanzer, 120 Transportpanzer, 30 Luftabwehrsysteme, 50 Bunker und 10 Hubschrauber zerstört. Am 17. Februar 1991 zerstörte ein US-amerikanischer AH-64 mit Hellfire-Raketen versehentlich einen US-Schützenpanzer vom Typ Bradley und einen Transportpanzer vom Typ M113. Zwei US-Soldaten starben und sechs wurden verwundet.
Im Dritten Golfkrieg (2003) wurden AH-64D Apache Longbow bei der Invasion des Iraks eingesetzt. Beim Vorstoß auf Bagdad wurde eine große Anzahl dieser Kampfhubschrauber zwischen Kerbela und Kut eingesetzt. 33 Kampfhubschrauber des 11th Aviation Regiments – sonst stationiert in Illesheim – griffen am 24. März 2003 die irakische 2. Panzerdivision der Republikanischen Garde bei Kerbela an. Der US-Angriff scheiterte, weil die irakische Aufklärung den geordneten Anflug verfolgte und die irakische Flugabwehr die Kampfhubschrauber mit konzentriertem Abwehrfeuer belegte. 30 Hubschrauber wurden getroffen, konnten jedoch zur Basis zurückkehren. Ein AH-64D musste notlanden und die Besatzung geriet in Kriegsgefangenschaft. Bei einer Nachtlandung auf einem Wüstenflugplatz wurde ein weiterer AH-64D zerstört. Nach diesem Zwischenfall gab es keine Einsätze der AH-64D in der Tiefe des feindlichen Gebietes mehr; der Hubschrauber wurde nur noch an der vordersten Frontlinie eingesetzt. Auch die Triebwerke erwiesen sich trotz verschiedener Verbesserungen seit 1991 als wenig wüstentauglich; oft konnten AH-64D nicht starten, weil beim Start zu viel Wüstenstaub aufgewirbelt worden wäre.
Die Berichte über die Verwundbarkeit gegenüber Bodenangriffen vor allem in städtischen Gebieten häuften sich. So gelang es Bodentruppen oder Einzelkämpfern immer wieder, Teile von Antrieb oder Steuerung der Hubschrauber zu treffen und die Maschinen zur Notlandung zu zwingen oder gar zum Absturz zu bringen. Am 28. Januar und am 2. Februar 2007 kam es so durch Bodenfeuer in Taji und Nadschaf zum Verlust von je einem AH-64D und seiner Besatzung.
mini|Ein AH-64 feuert Täuschkörper ab
Untersuchungen ergaben, dass 80 Prozent aller in Afghanistan eingesetzten Apache mit Einschusslöchern an bisweilen kritischen und eigentlich als geschützt geltenden Stellen vom Einsatz zurückkehrten. Dies ist auch in der Auslegung als Anti-Panzer-Waffe oder Panzerjäger begründet, die ihn für das Umfeld der asymmetrischen Kriegsführung weniger tauglich macht. Der AH-64 ist, anders als etwa der Sikorsky UH-60-Transporthubschrauber, zum Beispiel nicht für Landungen in feindlichen Gebieten vorgesehen und daher auch nicht umfassend gepanzert. Im Rahmen der Operation Anaconda wurden sieben Apache eingesetzt, von denen alle Treffer aus Maschinengewehren und RPG-Panzerfäusten hinnehmen mussten. Es kam zwar zu keinem Absturz, allerdings mussten fünf Stück umfassend repariert werden.Fred Kaplan: Chop the Chopper – The Army’s Apache attack-helicopter had a bad war. In: slate.com, 23. April 2003 (englisch).
Ein weiteres Problem zeigte sich beim Absturz eines Apache und einer weiteren Notlandung: Teile der Abdeckung der Hellfire-Rakete waren in den Heckrotor geraten. Daher gab es zeitweise den Befehl, Raketen nur vom rechten Pylon aus abzufeuern, weil dort die Sogwirkung geringer war (siehe auch: Das Hellfire-Desaster).
Das RAH-66 Comanche-Tarnkappenhubschrauber-Projekt wurde am 23. Februar 2004 eingestellt. Der damalige Chief of Staff of the Army General Peter J. Schoomaker gab bekannt, dass zukünftig vor allem unbemannte Luftfahrzeuge eingesetzt würden.Sascha Lange: Das Pentagon stoppt den Kampfhubschrauber Comanche. Stiftung Wissenschaft und Politik März 2004.
Am 28. April 2023 stürzten 2 AH-64 in Alaska bei Healy rund 130 km SW Fairbanks ab. Drei von vier Mann Besatzung starben, ein Pilot wurde verletzt. Beide waren nach einer Übung auf dem Rückflug nach Fort Wainwright.US-Militärhubschrauber stürzten über Alaska ab orf.at, 28. April 2023, abgerufen am 28. April 2023.
In der Nacht 8./9. Juni 2026 wurde ein AH64 der USA beim Patrouilleneinsatz in den Gewässern vor der Küste von Oman von einer iranischen Shahed-Drohne abgeschossen und stürzte ins Meer. Die zwei Mann Besatzung wurden mit einer Seedrohne gerettet.
Technik Cockpit und Panzerung Der Apache ist ein zweisitziger Hubschrauber, in dem die Besatzung hintereinander angeordnet ist: Der Bordschütze sitzt dabei vorne und der Pilot 48 cm höher direkt dahinter. Das Cockpit verfügt über Front- und Seitenscheiben aus Thermoglas ohne Klassifizierung, eine Panzerglasscheibe zwischen den Piloten und ist mit Panzerplatten, welche zur Verstärkung aus chemischen Borverbindungen bestehen, ringsum ausgestattet, außerdem sind die Sitze der Piloten mit Kevlar verstärkt und bieten so zusätzlichen Schutz nach unten und hinten sowie eingeschränkt seitlich. Die Panzerung widersteht laut Spezifikation Treffern von 12,7-mm-Munition. Den Piloten stehen im Fall eines Absturzes keine Schleudersitze zur Verfügung.
Die Zelle des Hubschraubers ist gepanzert und viele Komponenten des Hubschraubers sind redundant ausgelegt. Die Panzerung besteht aus einem mehrere Zentimeter dicken Schaumstoff, der mit einem speziellen PET-Verbundstoff versetzt ist und durch ein feuerhemmendes Kunstharz mit einigen Lagen Kevlar verbunden ist. Der Hubschrauber kann laut Spezifikation nach Beschuss mit 12,7-mm-Munition von unten mindestens 30 Minuten weiterfliegen und kann Treffer von 23-mm-Munition, wie sie im weit verbreiteten ZSU-23-4-Flakpanzer verwendet wird, in einigen nicht flugkritischen Komponenten verkraften. Hierzu wurden unter anderem kritische Teile der Kraftübertragung mit Stahlmanschetten armiert. Das verwendete Panzerglas ist 4,5 cm dick und widersteht ebenfalls Treffern durch 23-mm-Projektile.[Aussage von Werksmitarbeitern. TV-Dokumentation, N24 – Die Hubschrauberfabrik. Ausgestrahlt am 7. Februar 2010]. Sollte der Fensterrahmen nach einer Bruchlandung verzogen sein, so können die Piloten die Scheiben auch absprengen. Auch sind Leitungen, Rohre und Kabel mit größtmöglichem Abstand im Rumpf verlegt, um die Chancen für gleichzeitige Beschädigung zu verringern. Aus demselben Grund wurden die Triebwerke möglichst weit voneinander entfernt am Rumpf angebracht. Der Apache hat ein nicht einziehbares gefedertes Hauptfahrwerk. Fahrwerk und Zelle bieten durch ihre Konstruktion der Besatzung eine rechnerische Überlebenschance von 95 Prozent bei Landungen mit einer Sinkgeschwindigkeit von bis zu 12,8 m/s, dies entspricht einer Aufprallgeschwindigkeit am Boden mit ca. 46 km/h.
Triebwerke mini|Ein Triebwerk während der Wartung. Gut zu erkennen ist das Infrarot-Unterdrückungssystem.
Zwei T700-GE-701-Triebwerke von General Electric mit je 1238 kW (1660 PS) bringen den Hubschrauber auf eine Höchstgeschwindigkeit von 293 km/h horizontal (ohne Außenlasten bzw. Mastvisier beim AH-64D Longbow), die maximal zulässige Geschwindigkeit (Never-exceed-speed, VNE) beträgt 365 km/h. Mit Mastvisier erreicht der AH-64D Longbow eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h horizontal. Beide Triebwerke können in Notfällen auf bis zu 1447 kW (1940 PS) für etwa zwei Minuten überlastet werden. Sollte eines der Triebwerke in Brand geraten, werden sämtliche Lüftungsklappen automatisch geschlossen, um das Feuer zu ersticken. Der Apache hat crashsichere interne Treibstofftanks mit einer Kapazität von 1421 Litern, die ihm eine Reichweite von bis zu 482 Kilometern mit 30 Minuten Reserve ermöglichen. Sie sind selbstabdichtend und bleiben auch nach Treffern durch 30-mm-Munition dicht. Zusätzlich kann mit externen Tanks die Treibstoffkapazität auf 4910 Liter und damit auch die Reichweite für Überführungen auf bis zu 1899 km mit einer 45-Minuten-Reserve gesteigert werden. Die Triebwerksauslässe sind mit einem speziellen System zur Reduktion der Infrarotsignatur ausgestattet. Durch die Beimischung von kalter Luft und einer besseren Verwirbelung soll so die Erfassungsreichweite feindlicher IR-Systeme verringert werden.
Rotoren