Die Wochenzeitung Werdener Nachrichten aus dem Essener Stadtteil Werden wurde 1850 gegründet. Sie sieht sich als älteste Zeitung des Ruhrgebiets.Sandra Anni Lang: Die älteste Zeitung des Ruhrgebiets behält das Lokale im Blick. In: labkultur.tv, 21. März 2011, online (31. Oktober 2014). Bei den Werdener Nachrichten handelt es sich um eines der seltenen Beispiele einer lokalen Wochenzeitung, die nicht als kostenloses Anzeigenblatt verteilt, sondern verkauft wird. Das Blatt gehört zur Funke Mediengruppe.Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung: Beschluss im Fusionskontrollverfahren B 6 – 98/13, Erwerb von Programmzeitschriften der Axel Springer SE durch die Funke Mediengruppe, 25. April 2014, S. 16, hier online (30. Oktober 2014).

Geschichte Die Werdener Nachrichten wurden 1850 vom Holsteiner Drucker Wilhelm FlüggeTankred Stachelhaus: Mitten ins Herz der Leser. Die Werdener Nachrichten feiern 150. Geburtstag. In: Neue Ruhr Zeitung, 1. September 2000, hier online (31. Oktober 2014). als Werdener-Kettwiger Wochenblatt gegründet und 1851 in Gemeinnütziges Wochenblatt und Allgemeiner Anzeiger für Werden und Kettwig umbenannt. Nach einem Zwischenschritt als Neue Ruhr-Zeitung trug das Blatt von 1871 bis 1938 den Namen Werdener Zeitung.Deutsche Nationalbibliothek: Katalog, online (31. Oktober 1914). Auf Flügge Senior war nach dessen Tod 1893 Wilhelm Flügge junior als Eigentümer gefolgt. Die anfangs zwei Mal in der Woche erscheinende Zeitung brachte von Beginn an Nachrichten aus aller Welt, Unterhaltung und vor allem Anzeigen, jedoch nur wenig Lokales.Stachelhaus 2000. Das Blatt erschien seit spätestens Ende der 1920er Jahre täglich außer sonntags.Werdener Zeitung.; Institut für Zeitungswissenschaft an der Universität Berlin: Handbuch der Deutschen Tagespresse. 6. Auflage. Leipzig, Frankfurt/Main 1937, S. 149 1938 wurde die Zeitung von einem anderen Verlag übernommen und 1941 eingestellt.Stachelhaus 2000; Lang 2011. Diese kriegswirtschaftlich begründete Einstellung erfolgte zugunsten der Werdener Allgemeinen Zeitung, einer Nebenausgabe der nationalsozialistischen Essener Allgemeinen ZeitungInstitut für Zeitungswissenschaften an der Universität Berlin (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Tagespresse. 7. Auflage. Leipzig 1944, S. 39. aus der Essener Verlagsanstalt.

Nach dem Verbot der Zeitung durch den Nationalsozialismus, das auch von den britischen Besatzungsbehörden aufrechterhalten wurde, gründete Ernst Möller im Sommer 1948 das Werdener Anzeigenblatt für Stadt und Land, ein damals typisches Wochenblatt zur Veröffentlichung amtlicher lokaler Bekanntmachungen und Anzeigen. Ab 8. Oktober hieß die Zeitung Werdener Nachrichten für Stadt und Land. Sellmann, Wilhelm: Essener Bibliographie 1574-1960, Band 1. Essen: Stadtbibliothek 1980, Spalte 10/11; Stadtbibliothek Essen (Hrsg.): Neue Essener Bibliographie. Bibliographie für das Gebiet der Stadt Essen, Stand: 31. Oktober 2012, , S. 1203 (30. Oktober 2014). Indem für die Werdener Nachrichten weder durch einen gemeinsamen Verlag (Verleger Ernst Möller statt Wilhelm Flügge), gemeinsame Inhalte (Lokales statt Überregionales), dieselbe Erscheinungsweise (wöchentlich statt täglich) oder denselben Namen (Werdener Nachrichten statt Werdener Zeitung) eine Beziehung zum 1850 gegründeten Vorgängerblatt nachgewiesen ist, können die Werdener Nachrichten auf keine wirkliche mehr als 150-jährige Traditionslinie zurückblicken, sondern es handelt sich um eine sogenannte (bei Zeitungen jedoch übliche) "falsche Tradition".Stefan Matysiak: Zwischen Traditionsbildung und Traditionsverweigerung. Zu den Konstruktionsmechanismen von Tageszeitungstradition durch die Verlage. In: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte Nr. 7/2005, S. 122–146, hier S. 132, hier Onlinefassung. Allerdings verfügt die Zeitung über das rund 150 Jahre zurückreichende Zeitungsarchiv aller Vorgängerzeitungen. Dies lässt zumindest auf eine kontinuierliche und verbindliche Übergabe schließen.

1959 erfolgte der Verkauf der Zeitung an die Brüder Walter und Franz-Josef Wimmer, die im Essener Stadtteil Borbeck bereits die Borbecker Nachrichten herausgaben.Stachelhaus 2000.

Im Jahr 2000 verkaufte der Eigentümer Walter Wimmer die Zeitung an die WAZ-Mediengruppe.Stachelhaus 2000. Dies geschah zwar aus Altersgründen,Stichwort Werdener Nachrichten Wilhelm Wimmer GmbH & Co KG. In: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): medienatlas, Stand: August 2014, (31. Oktober 2014). Wimmer war jedoch zuvor von der WAZ durch eine aggressive Expansionspolitik mürbe gemacht worden: Nachdem der Verlag bereits Mitte der 1980er Jahre einen Teil der Anteile der Werdener Nachrichten erworben hatte, verschärfte er Ende der 1990er Jahre den Wettbewerb durch Gründung von Lokalausgaben der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und eines lokalen Anzeigenblattes, um die beiden Blätter Borbecker Nachrichten und Werdener Nachrichten komplett übernehmen zu können.Roland Kirbach: Feindliche Truppen. Der WAZ-Konzern will die letzte eigenständige Zeitung im Ruhrgebiet schlucken. In: Die Zeit, 25. Juni 1998, hier online (1. November 2014). Walter Wimmer bezeichnete das Verhalten der WAZ-Mediengruppe in der Wochenzeitung Die Zeit als "nackte Gewalt".Roland Kirbach: Kleinkarierte WAZmänner. Der Verband der Lokalpresse protestiert gegen Zensur durch den westdeutschen Zeitungsriesen. In: Die Zeit, 16. Juli 1998, hier online(1. November 2014).

Auflage Die Werdener Nachrichten gehören zu den deutschen Wochenzeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Sie beträgt gegenwärtig Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent.

Einzelnachweise

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