Der Fecht-Club Tauberbischofsheim eingetragener VereinVereinsregistereintragung VR67 beim Amtsgericht Tauberbischofsheim (kurz FC Tauberbischofsheim e. V.) ist ein Idealverein zur Förderung des Sports mit Sitz in Tauberbischofsheim im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Der FC Tauberbischofsheim arbeitet am Bundesstützpunkt für Frauen-Florett und ehemaligen Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim insbesondere an der Weiterentwicklung und Förderung der Sportart Fechten. Mit über 380 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sowie über 650 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften zählt der Fecht-Club zu den erfolgreichsten Sportvereinen weltweit.
Geschichte Vorgeschichte Am 12. Oktober 1954 kam es auf Initiative von Emil Beck – der in einer Kino-Wochenschau durch Fechtszenen aus dem Film Die drei Musketiere inspiriert wurdeCorinna Egerer, Michael Latzel: Tauberbischofsheim. Fränkische Nachrichten, Tauberbischofsheim 2005, S. 93. – im „Gasthaus zum Schwanen“ zur Gründungsversammlung einer Fechtabteilung im TSV Tauberbischofsheim. Erste Trainingsabende wurden in der Aula des alten Gebäudes des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Tauberbischofsheim abgehalten. Später kamen die Turnhalle des Gymnasiums und die neu errichtete Festhalle der Stadt Tauberbischofsheim dazu. Das erste öffentliche Vereinsturnier fand 1955 im „Gasthaus zur Bretze“ statt. 1958 wurde die erste Fechtbahn angeschafft. Mit dem Fechtturnier um die Frankenland-Trophäe lockte der Fecht-Club seit 1966 schon bald internationale Teilnehmer nach Tauberbischofsheim.Richard Möll: Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim. Ein programmierter Weg zum Erfolg. Verlag Laub, Elztal 1987, S. 180.
Gründung und Aufbau des Fecht-Clubs mini|Eingangsbereich des Fechtzentrums Tauberbischofsheim (2016) Am 30. Juni 1967 trat die Fechtabteilung aus dem TSV Tauberbischofsheim aus, am 14. Oktober fand in der Raststätte Block die offizielle Gründungsversammlung des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim statt. 1972 wurden in einem ersten von vielen Bauabschnitten 14 Fechtbahnen eingerichtet, bevor 1976 nach einem zweiten Bauabschnitt unter anderem die Einweihung von Sozialräumen, Internatsräumen und Trainingszimmern folgte. Im selben Jahr gewannen Tauberbischofsheimer Fechter erstmals Goldmedaillen bei Olympischen Spielen. Von den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal kehrten zehn Tauberbischofsheimer Teilnehmer mit elf Medaillen zurück.Richard Möll: Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim. Ein programmierter Weg zum Erfolg. Verlag Laub, Elztal 1987, S. 7.Richard Möll: Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim. Ein programmierter Weg zum Erfolg. Verlag Laub, Elztal 1987, S. 171. 1983 wurde im bereits fünften Bauabschnitt eine neue Fechthalle mit 18 Bahnen sowie einer Unterkellerung mit Konditionsraum, Werkstatt und Waffenkammer errichtet. Der Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau verhinderte die Teilnahme von zehn fest nominierten Tauberbischofsheimer Fechtern. Vier Jahre darauf konnte der Fecht-Club bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles zwölf Medaillen erringen.
Auf Initiative von Emil Beck wurde der Fecht-Club Tauberbischofsheim am 22. September 1986 Teil eines neu gegründeten Olympiastützpunktes (OSP) Tauberbischofsheim. Das Damendegen-Weltcup-Turnier um den „Reinhold-Würth-Cup“ findet seit 1987 regelmäßig in Tauberbischofsheim statt. Um neben der sportlichen auch die pädagogische Betreuung der jungen Fechter zu fördern, erfolgte 1988 die Einweihung des Vollinternates Berghof. Im gleichen Jahr konnte auch der größte Erfolg der Vereinsgeschichte errungen werden: Das Florett-Team mit Sabine Bau, Anja Fichtel und Zita Funkenhauser holte bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul Gold und auch im Einzel lagen die drei aus Tauberbischofsheim vorn und konnten Gold, Silber und Bronze für den Fecht-Club Tauberbischofsheim gewinnen. Dieses Kunststück – drei Starter aus einem Verein siegten nicht nur im Mannschaftswettkampf, sondern erlangten auch noch alle drei Medaillen in der Einzeldisziplin – gelang zuvor noch keinem Verein.Corinna Egerer, Michael Latzel: Tauberbischofsheim, Fränkische Nachrichten, Tauberbischofsheim 2005, S. 95.
Der Fecht-Club im 21. Jahrhundert Zur Verbesserung der Regenerationsmaßnahmen wurde 2002 ein Vitalzentrum als eigene GmbH gegründet. 2007 beging der Fecht-Club Tauberbischofsheim sein 40-jähriges Jubiläum, 2011 wurde das 25-jährige Bestehen des Olympiastützpunktes gefeiert. Der Emil-Beck-Gedächtnispreis wurde 2008 erstmals durch den Fecht-Club Tauberbischofsheim verliehen. Mit diesem Preis ehrt der Club Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den Fechtsport verdient gemacht haben.
Die Finalhalle des Fechtzentrums wurde am 20. Juli 2015 in Emil-Beck-Halle umbenannt. Anlass war der 80. Geburtstag des 2006 verstorbenen Ehrenbürgers der Stadt Tauberbischofsheim. Zur Erinnerung wurde vor der Halle eine Stele aufgestellt. Hauptredner war der ehemalige Tauberbischofsheimer Fechter und 9. IOC-Präsident Thomas Bach.
Im Jahre 2017 verlor das Fechtzentrum Tauberbischofsheim nach 31 Jahren seinen Status als Olympiastützpunkt und wird seitdem als Bundesstützpunkt geführt. 2024 wurde die Bundesstützpunktfunktion für Herren-Degen aberkannt. Die Bundesstützpunktfunktion für Frauen-Florett wurde bestätigt.
Seit 2026 führt die Stadt Tauberbischofsheim offiziell die Zusatzbezeichnung Fechterstadt.
Stützpunktfunktionen Der Fecht-Club Tauberbischofsheim nimmt an seinem Sitz in Tauberbischofsheim die folgenden Stützpunktfunktionen zur Weiterentwicklung und Förderung der traditionellen Sportart Fechten wahr:
Landesleistungszentrum Fechten Bereits 1970 wurde Tauberbischofsheim offizielles Landesleistungszentrum für Fechten des Bundeslandes Baden-Württemberg. Daneben wurden dem Fechtzentrum auch Bundesaufgaben für den Fechtsport anerkannt. In der Folge wurde die Tauberbischofsheimer Fechtinfrastruktur rasch ausgebaut, was zu einer sprunghaften Leistungsentwicklung führte: Bereits 1973 gewannen Athleten des Leistungszentrums erste Medaillen bei Fecht-Weltmeisterschaften.Richard Möll: Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim. Ein programmierter Weg zum Erfolg. Verlag Laub, Elztal 1987, S. 153–157 (Das Leistungszentrum).
Ehemaliges Bundesleistungszentrum Fechten Das deutsche Bundesleistungszentrum für den Fechtsport befand sich ab 1976 in Tauberbischofsheim.
Ehemaliger Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim Beim Fecht-Club Tauberbischofsheim wurde am 22. September 1986 von Emil Beck der Olympiastützpunkt (OSP) Tauberbischofsheim gegründet. Er war bis 2017 einer von 19 Olympiastützpunkten Deutschlands. Dieses Prädikat wurde dem Fecht-Club Tauberbischofsheim nach Maßgabe bestimmter sportlicher Leistungsanforderungen (z. B. Anzahl von Kadersportlern, räumliche Anbindung an Universitäten usw.) verliehen. 2011 wurde das 25-jährige Bestehen des Olympiastützpunktes gefeiert.
Im Juli 2017 teilte der Landessportverband Baden-Württemberg mit, dass das Fechtzentrum Tauberbischofsheim nach 31 Jahren seinen Status als Olympiastützpunkt verliert. Als Begründung wurde unter anderem genannt, dass in dem weltbekannten Zentrum zuletzt weniger als 100 Bundeskaderathleten betreut wurden. Ferner sei dort im Vergleich zu anderen Olympiastützpunkten nur eine einzige Sportart beheimatet. Zukünftig werde das Fechtzentrum Tauberbischofsheim nur noch als Bundesstützpunkt eingestuft. Der Fecht-Club Tauberbischofsheim weigerte sich zunächst, diese Vereinbarung zu unterzeichnen. Im September 2017 unterzeichnete der Fecht-Club schließlich die Grundvereinbarung „Olympiastützpunkte Baden-Württemberg“, womit die Statusänderung offiziell wurde und der Fecht-Club die Trägerschaft über den Olympiastützpunkt verlor. Neben dem OSP Tauberbischofsheim wurden im Januar 2018 auch die anderen, weiterhin bestehenden Olympiastützpunkte in Baden-Württemberg (OSP Freiburg-Schwarzwald, OSP Rhein-Neckar und OSP Stuttgart) unter der Rechtsträgerschaft des Landessportverbands (LSV) Baden-Württemberg zusammengeführt.Fechten Trägerschaft des Olympiastützpunktes Tauberbischofsheim wechselt vom FC zum Landessportverband. Klares Bekenntnis zum Standort. In: fnweb.de. 29. September 2017, abgerufen am 11. Oktober 2017.
Eliteschule des Sports Der Fecht-Club Tauberbischofsheim bietet mit dem „Modell Tauberbischofsheim“ ein Voll-/Teilinternat als eine Eliteschule des Sports an. Das schulische Umfeld wird in Kooperation mit fünf Partnerschulen mit Sportprofil erbracht: dem Matthias-Grünewald-Gymnasium, der Kaufmännischen Schule Tauberbischofsheim, der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim, der Riemenschneider-Realschule und der Pestalozzi-Hauptschule. Somit können von den Fechtern alle Schulabschlüsse abgelegt werden.Richard Möll: Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim. Ein programmierter Weg zum Erfolg. Verlag Laub, Elztal 1987, S. 141. Seit 2009 wird jährlich ein Eliteschüler des Sports gewählt.
Bundesstützpunkt Fechten Nach einer Neuorganisation des DOSB-Stützpunktkonzepts ist der Fecht-Club heute neben dem OFC Bonn und dem Heidenheimer SB einer von drei Bundesstützpunkten der Aktiven im Fechtsport. Die Rechtsträgerschaft des Bundesstützpunkts Tauberbischofsheim wechselte im Januar 2018 vom Fecht-Club Tauberbischofsheim zum Landessportverband (LSV) Baden-Württemberg. Nach der Auflösung des Status als Olympiastützpunkt im Jahre 2017 werden die Aufgaben des ehemaligen Olympiastützpunkts durch den Bundesstützpunkt am Fechtzentrum Tauberbischofsheim weitergeführt. Laut Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, sei es wichtig zu erwähnen, „dass die bisher angebotenen Leistungen für die Sportler weiter nutzbar bleiben und die Betriebskosten für Tauber als Stützpunkt für den Leistungssport gesichert sind“. Und Ressel führte weiter aus: „Momentan sind unserer Kenntnis nach damit keine finanziellen Einschnitte verbunden.“
2024 wurde Bundesstützpunktfunktion für Herren-Degen aberkannt. Die Bundesstützpunktfunktion für Frauen-Florett wurde bestätigt.
Aufgaben Der Bundesstützpunkt Tauberbischofsheim ist eine Betreuungs- und Serviceeinrichtung des Spitzensports und Teil des nationalen Gesamtkonzeptes des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Bundeskaderathleten (A-B-C-Kader). Am Bundesstützpunkt wird im täglichen Trainingsprozess die Leistungssportkonzeption des Spitzenverbandes DOSB umgesetzt. mini|Fechtübungen am Olympiastützpunkt (2013) Der Bundesstützpunkt Tauberbischofsheim verfolgt die übergeordneten Ziele, die Sportart Fechten auf internationalem Parkett weiterzuentwickeln, Qualitätsstandards zu sichern, den Behindertensport (Rollstuhlfechten) nachhaltig zu fördern sowie die integrative Kraft und Werteordnung des Sports im Rahmen projektbezogener Maßnahmen der Integration und der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen nutzbar zu machen. Die Hauptaufgabe des Bundesstützpunkts Tauberbischofsheim liegt in der Sicherstellung einer umfassenden Betreuung der Bundeskaderathleten, insbesondere in der Wettkampfvorbereitung der Teams im täglichen Training vor Ort und bei zentralen Maßnahmen der Spitzenverbände. Diese Maßnahmen berührten sportmedizinische, physiotherapeutische, trainingswissenschaftliche, soziale, psychologische und ernährungswissenschaftliche Aufgabenbereiche.