Krasnogorskoje (, , auch: Martischen, 1938 bis 1945 Martinshof, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Gussew. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gussew. Die Ortsstelle Martischen/Martinshof ist verlassen.

Geographische Lage Krasnogorskoje liegt neun Kilometer nordöstlich der Stadt Gussew (Gumbinnen) an einer Nebenstraße (27K-152), die Otschakowo (Groß Kannapinnen, 1938 bis 1946 Steinsruh) an der russischen Fernstraße A 198 (27A-040, ehemalige deutsche Reichsstraße 132) mit der Regionalstraße R 508 (27A-027) südlich von Kubanowka (Brakupönen, 1938 bis 1946 Roßlinde) verbindet. Die nächste Bahnstation ist Gussew an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode) der einstigen Preußischen Ostbahn zur Weiterfahrt nach Moskau.

Geschichte Niebudszen/Herzogskirch Das einstige NiebudenDietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Herzogskirch erfuhr im Jahre 1554 seine erste Erwähnung und wurde 1615 Kirchdorf. Am 18. März 1874 wurde der Ort Amtsdorf und damit Zentrum und namensgebend für einen AmtsbezirkRolf Jehke, Amtsbezirk Niebudszen/Niebuschen/Herzogskirch, der – zwischen 1936 und 1939 in „Amtsbezirk Niebudschen“, 1939 bis 1945 in „Amtsbezirk Herzogskirch“ umbenannt – bis 1945 bestand und zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. In der Landgemeinde Niebudszen waren im Jahre 1910 329 Einwohner registriert. Ihre Zahl verringerte sich bis 1933 auf 305 und betrug 1939 noch 291.

Am 17. September 1936 änderte sich die Namensschreibweise Niebudszens in „Niebudschen“, und am 3. Juni – offiziell bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 wurde der Ort im Zuge der Umbenennung von Orten in Ostpreußen im Jahr 1938 in „Herzogskirch“ umbenannt und kam 1945 in Kriegsfolge mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Niebudszen/Herzogskirch (1874–1945) Der zwischen 1874 und 1945 bestehende Amtsbezirk Niebudszen (Niebudschen, Herzogskirch) bestand anfangs aus sieben, am Ende noch aus fünf kommunalen Einheiten:

Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Bemerkungen Groß Kannapinnen (Gut) Steinsruh Otschakowo 1928 nach Guddatschen eingemeindet Groß Kannapinnen (Dorf) vor 1900 in den Gutsbezirk Groß Kannapinnen eingegliedert Guddatschen Kleehagen Niebudszen1936–38: Niebudschen Herzogskirch Krasnogorskoje Skroblienen Buchenrode Warkallen Roloffseck Dwinskoje Warnehlen Haselhof

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Herzogskirch noch die Gemeinden: Buchenrode, Haselhof, Herzogskirch, Kleehagen und Roloffseck.

Martischen/Martinshof (Baikalskoje) Der kleine ehemals MartischenDietrich Lange, Geographisches Ortsregiste Ostpreußen (2005): Martinshof genannte Ort bestand vor 1945 lediglich aus ein paar kleinen Höfen. Zwischen 1874 und 1945 war das Dorf in den Amtsbezirk SpringenRolf Jehke, Amtsbezirk Springen (heute russisch: Tamanskoje) eingegliedert, der zeit seines Bestehens zum Kreis Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Es waren 85 Einwohner, die 1910 in Martischen lebten. Ihre Zahl betrug 1933 bereits 92 und 1939 nur noch 77.

Am 3. Juni 1938 musste auch Martischen seinen Namen wechseln und hieß ab sofort „Martinshof“. 1945 kam der Ort in Kriegsfolge zur Sowjetunion und wurde 1950 in Baikalskoje umbenannt.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)

Krasnogorskoje Im Jahre 1947 wurde Niebudschen in Krasnogorskoje umbenannt und gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Gussew.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Der russische Name wurde auf Grund des hügeligen Reliefs des Geländes des Dorfsowjets gewählt. Vor 1976 wurde der Ort Baikalskoje an Krasnogorskoje angeschlossen.Gemäß dem Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976. Von 2008 bis 2013 gehörte Krasnogorskoje zur Landgemeinde Kubanowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gussew.

Krasnogorski selski/Sowet okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Krasnogorski selski Sowet (ru. Красногорский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Der Verwaltungssitz des Dorfsowjets war zunächst die Siedlung Krasnogorskoje. Vor 1975 wurde der Verwaltungssitz nach Kubanowka verlegt.Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei). Auf einer Karte von 1972 ist noch Krasnogorskoje als Verwaltungssitz gekennzeichnet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Krasnogorski selski okrug (ru. Красногорский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Kubanowskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Afanassjewo (Афанасьево) Lenglauken, 1938–1945: „Pommerfelde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Baikalskoje (Байкальское) Martischen, 1938–1945: „Martinshof“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 an den Ort Krasnogorskoje angeschlossen. Baturino (Батурино) Schillgallen, 1938–1945: „Heimfelde“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Charitonowka (Харитоновка) Skardupönen, 1938–1945: „Matzrode“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Dwinskoje (Двинское) Warkallen, 1938–1945: „Roloffseck“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Gawrilowo (Гаврилово) Schorschienen, 1938–1945: „Moosgrund“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Gorbatschowo (Горбачёво) Chorbuden Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Iljino (Ильино) Bumbeln Der Ort wurde 1947 umbenannt. Judino (Юдино) Blecken Der Ort wurde 1950 umbenannt. Kirowo (Кирово) Mingstimmen, 1938–1945: „Angerfelde“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kljutschi (Ключи) Schurklauken, 1938–1945: „Fuchshöfchen“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Krasnogorskoje (Красногорское) Niebudszen/Niebudschen, 1938–1945: „Herzogskirch“ Verwaltungssitz bis vor 1975. Krassilowo (Крассилово) Henskehmen, 1938–1945: „Sprindacker“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kubanowka (Кубановка) Brakupönen, 1938–1945: „Roßlinde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war seit vor 1975 der Verwaltungssitz. Lichatschowo (Лихачёво) Antszirgessen/Antschirgessern, 1938–1945: „Seewiese“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Nowy Mir (Новый Мир) Wannagupchen, 1938–1945: „Habichtsau“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Otschakowo (Очаково) Groß Kannapinnen, 1938–1945: „Steinsruh“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Panfilowo (Панфилово) Seekampen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Schilino (Жилино) Schockwethen, 1938–1945: „Randau“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Schmeljowka (Шмелёвка) Koselshof Der Ort wurde 1950 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen. Sewernoje (Северное) Klein Kannapinnen, 1938–1945: „Kleinblecken“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und 1997 in Sewerny umbenannt. Sosnowka (Сосновка) Ballienen, 1938–1945: „Riedwiese“, und Karmohnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Studjonowka (Студёновка) Worupönen, 1938–1945: „Roseneck“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Stupino (Ступино) Mikuthelen, 1938–1945: „Michelsdorf“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Tamanskoje (Таманское) Springen Der Ort wurde 1947 umbenannt.

Der 1950 umbenannte Ort Wischnjowoje (Kummeln), der zunächst ebenfalls in den Krasnogorski selski Sowet eingeordnet worden war, kam dann (vor 1975) zum Sawetinski selski Sowet im Rajon Nesterow.

Kirche

mini|Ruine der Niebudszener Kirche Kirchengebäude Bereits 1615 gab es in Niebudszen eine evangelische Kirche, die jedoch 1689 abgebrochen werden musste. In den Jahren 1691 bis 1700 wurde sie durch einen Neubau ersetzt. Es handelte sich dabei um einen Backsteinbau auf Feldsteinsockel. 1697 fertigte Isaak Riga einen Barockaltar an. Das Kirchengebäude überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde dann jedoch als Getreidelager und Fleischverkaufsstelle zweckentfremdet genutzt. Im Mai/Juni 2012 brannte das Gebäude aus. In den Restmauern richtete die Russisch-orthodoxe Kirche einen Betraum ein.

Kirchengemeinde Die evangelische Kirchengemeinde Niebudszen wurde im Jahre 1615 gegründet. Bis 1945 gehörte sie zum Kirchenkreis Gumbinnen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte die Gemeinde 4.958 Gemeindeglieder, die in 34 Kirchspielorten lebten. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die restriktive Kirchenpolitik der Sowjetunion ließen das kirchliche Leben in Krasnogorskoje einbrechen. Heute liegt das Dorf im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew. Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Persönlichkeiten Aus dem Ort gebürtig Bruno Moeller (* 20. März 1875 in Niebudszen; † 1952), deutscher Reichsbahnbeamter

Mit dem Ort verbunden Matthäus Prätorius (um 1635 bis 1704), deutsch-litauischer Theologe, Historiker und Ethnograph, war von 1664 bis 1685 Pfarrer an der Niebudszer Kirche.

Weblinks Krasnogorskoje bei bankgorodov.ru Krasnogorskoje bei prussia39.ru

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Gussew