mini|Frank Thelen (2020) Frank Thelen (* 10. Oktober 1975 in Bonn) ist ein deutscher Unternehmer, Investor und Autor.
Leben Frank Thelen besuchte zunächst das Pädagogium Bad Godesberg und dann die Carl-Schurz-Realschule in Bonn.Bonner Investor Frank Thelen: Skaten als Lebensphilosophie. In: general-anzeiger-bonn.de. 18. September 2015, abgerufen am 19. September 2015.
Bevor er sich der Software-Entwicklung zuwandte, war Thelens Leben in seiner frühen Jugend zunächst vor allem vom Skate- und Snowboarden bestimmt. Er unterstützt in dem Bereich bis heute Projekte wie „Skate-Aid“ von Titus Dittmann oder „Beton für Bonn“ von Philipp Nehren. Das später aufgenommene Informatikstudium an der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg brach Thelen ab, um sein erstes Unternehmen aufzubauen, und wurde zum Seriengründer von Start-ups. Heute ist er als Investor, Unternehmer und Autor aktiv.
Thelen lebt in Bonn und ist seit Mitte der 2000er-Jahre mit der Kieferorthopädin Nathalie Thelen-Sattler verheiratet.Frank Thelen privat: So lebt er mit Frau Nathalie, abendzeitung-muenchen.de
Geschäftstätigkeit
Frühere Unternehmen Nach eigenen Angaben in seiner Autobiografie gründete Thelen 1994 mit Softer Solutions Media sein erstes Unternehmen, das eine Plattform zur Produktion von Multimedia-CD-ROM entwickelte und 1996 mit einem anderen Unternehmen fusionierte, aus dem die Twisd AG hervorging, für die Thelen 1997 1,4 Millionen DM Wagniskapital erhielt. Die Firma entwickelte und verkaufte einen Linux-basierten Router, der lokale Netzwerke mit dem Internet verband und das Management über eine Webschnittstelle ermöglichte. 1999 bereitete sich die Firma auf einen Börsengang vor, musste im Zuge der geplatzten Dotcom-Blase dann allerdings Insolvenz anmelden.
Die im Jahr 2002 gegründete Idenion GmbH war ein IT-Start-up, das nach Angaben Thelens ein Content-Management-System für den Internethandel entwickelte. Die Gesellschaft wurde 2008 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht.
Die von ihm 2004 gegründete ip.labs GmbH war ein Online-Foto-Dienst. Die Firma wurde 2008 von der Fujifilm-Gruppe übernommen. In Fachkreisen wurde der damalige Kaufpreis auf umgerechnet zwischen 13 und 19 Millionen Euro geschätzt. Nach eigenen Aussagen hielt Thelen seinerzeit 75 % der Anteile und war noch längere Zeit für das Unternehmen unter dem neuen Eigentümer tätig.
Nachdem er ip.labs verlassen hatte, gründete er die doo GmbH, die eine App zur zentralen Dokumentenverwaltung mit vielfältigen Funktionen entwickelte.Endstation Papierkorb: Dokumenten-App Doo macht Schluss. In: t3n.de, abgerufen am 31. Oktober 2017. Zu Beginn investierten neben anderen Wagnisinvestoren Lars Hinrichs und DuMont Venture über zehn Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Nachdem der ursprüngliche Ansatz der App gescheitert war, wurde 2014 aus der doo App die Scanner-App Scanbot und auch das Unternehmen entsprechend umbenannt. Laut Thelen wurde damit Mitte 2018 die Gewinnschwelle erreicht.Daniel Hüfner: Scanbot-Erfinder Frank Thelen kündigt den nächsten Millionen-Exit an. In: t3n.de. 10. Juli 2018, abgerufen am 7. Juni 2022. Scanbot konzentriert sich inzwischen auf OCR und Scannertechnologien für Unternehmen, die Scanbot Consumer App wurde 2020 an die US-amerikanische Maple Media verkauft, das Unternehmen selbst 2025 an den US-Softwarehersteller Apryse.
Freigeist Capital und Investments Thelen ist zusammen mit Marc Sieberger und Alex Koch Gründer und Geschäftsführer der 2009 als „e42 GmbH“ gegründeten und im Jahr 2017 in „Freigeist Capital GmbH“ umbenanntenRupert Sommer: CEO Frank Thelen benennt e42 in Freigeist um. In: Kress Online. 21. August 2017, abgerufen am 14. September 2017. Risikokapitalgesellschaft, welche insbesondere in technologie- und designfokussierte Gründungen in der Frühphase investiert.
Seit Herbst 2025 ist er wieder, wie schon von 2014 bis 2020, einer der Investoren und Juroren in der VOX-Fernsehsendung Die Höhle der Löwen, in der Start-ups und junge Unternehmer versuchen, diese für ein Investment in ihre Geschäftsidee zu gewinnen. Seit 2014 hat Thelen über seine Investmentgesellschaft Freigeist in über 14 Start-ups investiert, deren Gründer in der Show aufgetreten sind. Darunter sind insbesondere Start-ups aus dem Food-Bereich. 2019 kündigte Thelen an, ab 2020 nicht mehr teilzunehmen, um wieder verstärkt in andere Technologie-Startups zu investieren.Daniel Hüfner: TV-Hammer: Frank Thelen verlässt „Die Höhle der Löwen“ endgültig. In: t3n.de. 10. November 2019, abgerufen am 7. Juni 2022. Im August 2024 kündigte VOX an, dass Thelen anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Show einmalig an einer Jubiläumssendung am 23. September 2024 teilnehmen werde. Im November 2024 wurde bekannt, dass Thelen ab Herbst 2025 wieder regelmäßig als Juror teilnehmen wird.
Mit seiner Firma Freigeist investiert Thelen Beträge bis zu einer Million (bisher größtes Invest in EnduroSat) oft zusammen mit großen Wagniskapitalgesellschaften oder Einzelinvestoren, darunter sind Investitionen in z. B. Lilium, Xentral ERP Software, Kraftblock (Energiespeicher) oder RobCo (Robotik). Im Mai 2022 investierte Freigeist erstmals in ein Biotech Startup; PROSION Therapeutics befasst sich u. a. mit der Entwicklung eines Krebsmedikaments. Im Januar 2024 investierte Freigeist in ein weiteres Startup aus dem Biotechnologie Bereich, BioThrust, das mit Bioreaktoren im Bereich der Stammzellentherapie tätig ist. Anfang 2026 wurde mit Zahnheld ein weiteres Investment aus dem Gesundheitssektor bekannt gegeben.
TEQ Capital Die 2021 von Thelen gegründete 10xDNA Capital Partners GmbH legt Aktienfonds auf, die sich an private und institutionelle Anleger wenden. 2024 erfolgte die Umbenennung in TEQ Capital.
Bisher umfasst die Familie drei aktiv gemanagte Aktienfonds: den 10xDNA Disruptive Technologies (September 2021), den 10xDNA Small & Mid Cap Technologies (Februar 2023) und den 10xDNA Clean Technologies (März 2024).Im Dezember 2023 wurde mit Geneve Invest der Bond-Fonds Tell’s Arrow aufgelegt. Im Januar 2026 folgte ein ETF mit AI Fokus, der sich primär an Privatanleger wendet.
Autorentätigkeit Im August 2018 erschien im Murmann Verlag seine Autobiografie Startup-DNA. Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern. Die Autobiografie wurde in Zusammenarbeit mit Christoph Schulte-Richtering erstellt und stand mehrere Wochen auf den Bestseller-Listen für Hardcover-Sachbücher. Im Mai 2022 wurde eine aktualisierte und überarbeitete Ausgabe als Taschenbuch im Goldmann Verlag veröffentlicht.
Sein zweites Buch 10xDNA: Das Mindset der Zukunft erschien im Mai 2020 und befasst sich mit aktuellen Entwicklungen in der IT, insbesondere auch Künstliche Intelligenz und Quantencomputer und stand ebenfalls auf Bestseller-Listen für Hardcover-Sachbücher. Im November 2020 wurde es unter dem Titel 10xDNA: Mindset for a thriving future in überarbeiteter Form in englischer Sprache veröffentlicht und im Oktober 2021 überarbeitet als deutschsprachiges Taschenbuch.
Er ist einer der Autoren des Buchs Zukunftsrepublik 80 Vorausdenker*innen springen in das Jahr 2030.
Politisches Engagement und Positionen Am 12. Februar 2017 war Thelen Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten als nominierter Vertreter des Landtags von Nordrhein-Westfalen für die FDP. Er gehört auch zu den zehn deutschen Start-up-Unternehmern, die im Juni 2021 insgesamt 500.000 Euro an die FDP gespendet haben. Thelen war bis April 2017 Mitglied der CDU. Bei der Bundestagswahl 2025 unterstützte er öffentlich sowohl die CDU als auch die FDP.
Er war zusammen mit Dorothee Bär von 2018 bis 2021 Leiter des Innovation Council der Bundesregierung.
Thelen setzt sich dafür ein, dass in Europa im Bereich der neuen Technologien Voraussetzungen geschaffen werden, dass mehr große Start-ups entstehen.
Anfang 2025 schrieb Thelen einen offenen Brief an den AfD-Unterstützer Elon Musk. Thelen kritisierte in seinem Schreiben den „rechtsextremen Nationalismus“ der AfD und meinte, Deutschland müsse Bürokratie abbauen und „sich von ,woken‘ Ideologien befreien und eine ganz andere Einwanderungspolitik verfolgen“. In der Debatte um die etwaige Öffnung der Lobbyorganisation Die Familienunternehmer für Gespräche mit der AfD kritisierte Thelen dann Unternehmen, die den Verband verließen. Laut Thelen sei das „Konzept #Brandmauer […] gescheitert“. Dies ergebe sich aus den aktuellen politischen Kräfteverhältnissen. Thelen schrieb: „Ich glaube, es ist Zeit für mutige Politik, offene Dialoge, unangenehme Wahrheiten (z. B. Rente) und neue Köpfe wie Milei.“
Sonstiges und Trivia 2018 trat Thelen als „Vertretungslehrer“ in der gleichnamigen VOX Show auf. Thelen ist regelmäßig Gast in Talkshows, u. a. Markus Lanz, Maischberger oder Inas Nacht. Als Kind wollte Frank Thelen Tischtennisprofi werden. Er trat in der Show Klein gegen Groß – Das unglaubliche Duell im Tischtennis an und setzt sich ein, den Sport populärer zu machen.
Kritik Im März 2019 berichteten unter anderem Manager Magazin und Wirtschaftswoche über Probleme bzw. Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Start-up Von Floerke. Es wird Thelens Werbeengagement im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne des Unternehmens kritisiert, dessen Zahlen er nach eigenen Aussagen nicht kannte und dessen Anteile er formal verkauft hatte, obwohl er sich in einem Werbevideo als „sehr, sehr glücklicher Investor“ bezeichnete.
Im April 2019 kritisierte die Rheinische Post, dass Thelen sein politisches Engagement zur Verfolgung eigener Interessen ausnutze, da in das Innovation Council der Bundesregierung gleich zwei Gründer von Start-ups, an denen er beteiligt ist, berufen wurden. Thelen erklärte, dass diese deshalb in den Beirat berufen worden seien, da er keine anderen Personen kenne, die die Themen Blockchain und Flugtaxis entsprechend kompetent vertreten könnten.Florian Rinke: Frank Thelen – die beginnende Entzauberung eines „Löwen“. In: Rheinische Post. 13. April 2019, abgerufen am 4. Juni 2022 (Artikelanfang frei abrufbar).
Die Wirtschaftszeitschrift Capital warf Thelen im Juli 2021 antidemokratische Tendenzen vor und bezieht sich damit auf eine Aussage Thelens während des PLAN W Kongresses in Berlin im Juni 2019: „Da schaue ich schon neidisch auf China. Einmal vier Jahre lang alles per Order und im Eiltempo aufbauen und dann ist auch wieder gut, dann können wir zurück zu unserer Staatsform.“ Darauf ergänzte Thelen noch, dass er Demokratie „nämlich sehr richtig“ finde. Die Kritik, Thelen vertrete antidemokratische Ideen, wiederholte im Juni 2022 Lukas Scholle im Jacobin. Er kritisierte Thelens Ausführungen in einem Interview mit Tilo Jung, wo er seinen Vorschlag einer „temporären Diktatur“ erneuert habe. Thelen habe „nicht nur ein defizitäres Verständnis von Freiheit, er glaubt auch, dass gegen ein kleines bisschen Diktatur letztlich nichts einzuwenden ist – es gehe ja um die gute Sache, nämlich die ökologische Wende.“