mini|hochkant=1.3|Wawel-Schloss mini|Schloss (rechts) und Kathedrale (links) auf dem Wawel Das Königliche Schloss auf dem Wawel (), kurz Wawel-Schloss (Zamek Wawelski), ist der ehemalige Wohn- und Regierungssitz der Könige von Polen in Krakau. Gegründet um 1000 während der Herrschaft von Bolesław I., ist es einer der bedeutendsten Orte der polnischen Geschichte und gehört seit 1978 zum UNESCO-Welterbe.Historisches Zentrum von Krakau – UNESCO-Welterbezentrum

Überblick mini|Wawelburg von der Weichsel 2022 mini|Sandomirer Turm

Der Wawel ist ein hoher Hügel aus Kalkfelsen, der sich im Zentrum Krakaus über die Weichsel an deren linkem Ufer erhebt. Er ist der südlichste Ausläufer des Krakau-Tschenstochauer Jura, eines 161–155 Millionen Jahre alten Kalksteingebirges im südlichen Zentralpolen. Das ganze Gebiet ist stark verkarstet, und die Landschaft ist von Höhlen durchzogen.

Auf der am Weichselufer liegenden Seite des Wawel (vermutlich zu poln. wąwóz: Schlucht) führt eine solche Karsthöhle Smocza Jama von den Burgmauern oben auf dem Hügel bis zu seinem Fuß. Nach ihrer Form gaben ihr die Menschen den Namen „Drachenhöhle“. So erzählt die Legende, dass hier einst ein Drache gehaust habe, bis der Ritter Krak kam und den Drachen durch List überwand. An diesem Platz wurde dann die Stadt Krakau gegründet, die nach dem Ritter benannt wurde.

Auf dem Wawelhügel befinden sich das Wawelschloss (Zamek na Wawelu), die ehemalige Residenz der polnischen Könige von 1040 bis 1795, der Waweldom (Katedra na Wawelu), die einstige Krönungskirche der polnischen Monarchen, und andere historische Bauten. Der Erstbebauung des Hügels im Frühmittelalter folgten im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Gebäude.

Zusammen mit der Krakauer Altstadt ist das Bauensemble seit 1978 Weltkulturerbe der UNESCO. Historisch belegt ist, dass sich seit dem frühen Mittelalter auf diesem Hügel eine Burg befand. Die komplexe Bebauung zeugt von einer über tausendjährigen Baugeschichte. Dabei finden sich Zeugnisse aus allen Stilepochen wie der Romanik, der Gotik, der Renaissance sowie des Barock. Zu den wichtigsten erhaltenen Bauwerken gehören:

das Schloss auf dem Wawel (Zamek na Wawelu), kurz Wawelschloss, die Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel auf dem Wawel (Katedra św. Stanisława i Wacława na Wawelu), kurz Wawelkathedrale, die Rotunde der Allerheiligsten Jungfrau Maria, mehrere gotisch-romanische Türme und Basteien, vier Tore aus der Gotik, der Renaissance und dem Barock, ehemalige Kasernenbauten aus dem 19. Jahrhundert, Burgmauern und andere Befestigungsanlagen, Fundamente mehrerer romanischer und gotischer Kirchen, Reste des Kantorhauses Fundamente mehrerer Wirtschaftsgebäude aus der Renaissance sowie ein Höhlengang von den Wehrmauern bis zur Drachengrotte.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Nordfassade auf vorromanischen … mini|hochkant|… und Westfassade des Waweldoms auf romanischen Fundamenten Seit der Altsteinzeit bewohnen Menschen den Wawelhügel und seine Höhlen. Unweit des Wawels, auf dem Gebiet des heutigen Wieliczka, siedeten die ersten Bewohner in der Steinzeit Salz. Die Siedlung wuchs, da sie an der Kreuzung wichtiger Handelswege lag. Von der Spätantike bis zum frühen Mittelalter war der Wawel ein Machtzentrum des westslawischen Stammes der Wislanen (wie die Bewohner an den Ufern des Flusses Wisła genannt wurden), der im 6. Jahrhundert ein erstes lockeres Staatsgebilde in dem Gebiet des heutigen Kleinpolens schuf.

Aus dem 7. Jahrhundert stammen zwei Hügelgräber südöstlich des Wawels, die dem legendären Herrscher Krak und seiner Tochter Wanda zugeschrieben werden. Nach dem Chronisten Wincenty Kadłubek aus dem 12. Jahrhundert soll Krak mit Hilfe einer List eines Schusterlehrlings den Wawel-Drachen getötet haben. Es gibt Vermutungen, wonach sich auf dem Wawel zu jener Zeit eine heidnische Kultstätte befunden haben soll.

Frühmittelalter Im 9. Jahrhundert kamen die heidnischen Wislanen unter die Herrschaft des Großmährischen Reiches. Der Slawenapostel Methodius drängte den namentlich nicht bekannten Wislanenfürsten, das Christentum anzunehmen. Historiker vermuten, dass dieser das Ansinnen des Methodius ablehnte und daraufhin von den Großmähren unterworfen wurde. Diese sollen den Wislanen das Christentum im slawisch-orthodoxen Ritus aufgezwungen haben. Auf dem Wawel wurden Überreste einer Holzkirche aus dem 9. Jahrhundert entdeckt, die diese These stützen.

Mit dem Zerfall des Großmährischen Reiches erlangten die Wislanen für kurze Zeit wieder ihre Unabhängigkeit und wurden in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts von den Polanen, dem mächtigsten polnischen Stamm, erobert. Die Polanen, die seit dem Jahr 966 Katholiken waren, gliederten die Wislanen in ihr Reich ein, das später zu Polen wurde.

Vorromanik

Im 10. Jahrhundert wurden auf dem Wawel die vorromanische Marienrotunde und die Kirche B. (da der Schutzpatron nicht namentlich bekannt ist) errichtet. Sie sind wohl die ältesten steinernen Bauten auf dem Wawel. Als Krakau im Jahr 1000 Bischofssitz wurde, wurde mit dem Bau eines zeittypischen dreischiffigen Doms auf dem Wawel begonnen, der nach seinem Stifter, König Boleslaus I., König-Boleslaus-I.-Dom genannt wird. Nur die Fundamente sind erhalten geblieben.

Die Kirche wurde wahrscheinlich bereits 1038 beim großen Heidenaufstand und dem Einfall des böhmischen Herrschers Břetislav I. stark beschädigt und fiel schließlich um 1080 einem Brand zum Opfer. Neben dem Dom entstand bald darauf eine Burganlage, die um 1040 von Kasimir I. dem Erneuerer zur Königsresidenz erhoben wurde. Innerhalb der Burg wurde die dreischiffige Kirche des Hl. Gereon mit zwei Zwillingstürmen und einer Krypta errichtet, die wahrscheinlich als Burgkapelle fungierte.

Daneben standen auf dem Wawel seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts noch zwei weitere vorromanische Kirchen, die Kirche des Hl. Georg und die Kirche des Hl. Michael. Während des erwähnten Einfalls Břetislavs im Jahre 1038 wurden diese Gebäude größtenteils zerstört. Nur von der vorromanischen Burg sind Teile des als Saal der 24 Säulen bezeichneten Palastes, Grundmauern eines Wirtschaftshauses, das wohl als Speicher diente, und Reste des Bergfrieds erhalten.

Romanik mini|hochkant|Grab Kasimirs III. des Großen von ca. 1370

In den Jahren 1038/1039 kehrte Kasimir I. nach Polen zurück und machte den Wawel in Krakau zu seiner Residenz. Dieses Datum gilt auch als Beginn der Romanik in Polen. Der zweite Waweldom wurde nach dem Brand 1080 von Władysław I. Herman gestiftet. Er entstand an der Stelle der ersten Kirche und wird auch teilweise nach seinem Stifter benannt. Die Weihe erfolgte 1142.

Der Turm der Silberglocken sowie die achtsäulige Krypta des Hl. Leonards sind Relikte dieses Bauwerks. Außerdem befindet sich das älteste erhaltene Grab des Waweldoms, das Grab des Bischofs Maurus aus dem Jahr 1118, in dieser Kirche. Seit dem 20. Jahrhundert wird die Domgruft als eine Begräbnisstätte für die bedeutendsten Personen aus der polnischen Geschichte, wie Marschall Józef Piłsudski und Józef Antoni Poniatowski, aber auch für die Nationaldichter Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki genutzt.

Aus der Zeit der Romanik stammen auch die Rotunden an den Basteien Władysławs IV. und Sandomirs, das Baptisterium sowie die Kirche an der Drachenhöhle. Zudem wurden die anderen zerstörten Kirchen und die Burg in der Romanik wiedererrichtet. Die Romanik war bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts der beherrschende Baustil auf dem Wawel. Sie zeichnete sich durch die Verwendung von Kalkstein als wichtigstem Baumaterial aus. Die Fundamente der Kathedrale sowie der nicht erhaltenen romanischen Gebäude sind daher aus weißem Kalkstein.

Gotik Um 1250 verdrängte im Zuge der polnischen Backsteingotik der Ziegel den Kalkstein als Baumaterial. Daher wurden für die höheren Partien des Doms sowie der alten Burgmauern rote Ziegelsteine verwendet. Für die Bildhauerarbeiten kam Sandstein und im Inneren vor allem Marmor aus dem Heiligkreuzgebirge und Ungarn zum Einsatz.

Während des Albertaufstandes 1305 brannten das Dach und der obere Teil der romanischen Kirche ab. Doch bereits 1320 war der Schaden so weit behoben, dass Władysław I. Ellenlang dort zum König gekrönt werden konnte. Gleichwohl ließ der neue König noch im selben Jahr die alte Kirche bis auf die Fundamente abtragen, worauf mit dem Bau eines dritten Waweldoms im gotischen Stil begonnen wurde. Dieser Kirchenbau, der 1364 eingeweiht wurde, erfuhr seitdem keine wesentlichen Änderungen.

Władysław I. wurde nach seinem Tod in dem Sakralbau bestattet, und sein Grab ist das einzige Königsgrab, das im Waweldom erhalten blieb. Den frühgotischen Sarkophag ließ sein Sohn Kasimir III. der Große um 1350 aus Sandstein meißeln. Zu den wichtigsten gotischen Bildhauerarbeiten im Inneren zählen auch die hochgotischen Sarkophage von Kasimir dem Großen, Władysław II. Jagiełło und Władysław III. Zu den schönsten spätgotischen Grabmälern weltweit gehören die Tumben der Könige Kasimir IV. – von Veit Stoß – sowie Alexander I., das wahrscheinlich von Jörg Huber geschaffen wurde.

Der Korpus des gotischen Waweldoms entspricht dem einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus und Chorumgang, an die Kapellen angebaut wurden. Die erste Kapelle war die der hl. Margaretha von 1322, die später nach Stephan Báthory benannt wurde. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts stiftete Königin Zofia Holszańska die nach ihr benannte Kapelle am Westeingang. Gegenüber dieser Kapelle ließ ihr Sohn Kasimir III. die Heiligkreuzkapelle erbauen. Es folgten weitere gotische Kapellen, so dass hier im 15. Jahrhundert 19 Kapellen vorhanden waren.

Kasimir der Große ließ auch die Burg im gotischen Stil ausbauen. Władysław II. Jagiełło und Königin Jadwiga ließen den Dänischen Turm und den Hahnenfuß anbauen. Beide sind erhalten und geben der Ostfassade der Burg ihr charakteristisches Gepräge. Von der gotischen Burg ist darüber hinaus der nach Zofia Holszańska und Kasimir dem Großen benannte Saal erhalten, in dem das Waffenmuseum untergebracht ist. In der Gotik wurden auch sämtliche Kirchen auf dem Wawel umgebaut und viele Fürsten-, Beamten- und Handwerkergebäude sowie die sieben Basteien, die Jordanka-, Lubranka-, Sandomir-, Tęczyńska-, Adels-, Diebes- und Jungfrauenbastei errichtet.

Renaissance mini|Die gotische Kernburg, rot, überlagert die spätestens 1519 geplante Vierflügelanlage mini|Arkaden des Nord- und Ostflügels (zum großen Teil eine Rekonstruktion ab 1906) mini|hochkant|Sigismundkapelle von 1517–1533 Während der Herrschaft der letzten Jagiellonen erlebte der Wawel sein Goldenes Zeitalter.

Als erstes Kunstwerk der Hochrenaissance nach italienischen Vorbildern auf dem Wawel gilt das Grabmal König Jan Olbrachts von Franciscus Italus aus den Jahren 1502 bis 1503, das von seiner Mutter Elisabeth von Habsburg und seinem Bruder, dem kunstinteressierten späteren König Sigismund gestiftet wurde.

Ab 1504 wurde die königliche Burg bis zu ihrem heutigen Erscheinungsbild schrittweise umgebaut.Die ausführlichste neuere Darlegung der Baugeschichte und funktionalen Analyse findet sich bei: Stanisław Mossakowski: Rezydencja królewska na Wawelu w czasach Zygmunta Starego. Program użytkowy i ceremonialny [Die königliche Residenz auf dem Wawel zur Zeit Sigismunds des Alten. Funktionales Programm und Zeremoniell]. Warschau 2013. In einer ersten Bauphase wurde bis zur Dachdeckung 1507 unter Verwendung älterer Mauern der dreigeschossige Westflügel nördlich des Tores der Kernburg ausgebaut. Ob dies für die verwitwete Königinmutter Elisabeth von Habsburg geschah, die jedoch die Fertigstellung aufgrund ihres Todes 1505 nicht mehr erlebte, ist aktuell umstritten.