Die Schwertlilien, auch Iris genannt, bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Iridoideae in der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen.
Die an Arten umfangreiche Gattung mit Blütenblättern in sämtlichen Farben (ausgenommen nur das Rot des Klatschmohns) wurde gemäß Genaust von Carl von Linné nach der griechischen Göttin des Regenbogens (griechisch Ἶρις Íris, deutsch ‚Regenbogen‘) (Iris) benannt.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 207. Der wissenschaftliche Name ist auch im deutschen Sprachgebrauch geläufig. Die Iris-Arten, besonders aber die seit Jahrhunderten gärtnerisch durch Kreuzungen erzeugten Kulturformen (Sorten), werden wegen ihrer schönen und auffälligen Blüten als Zierpflanzen geschätzt. Sie sind trotz ihres Namens nur entfernt mit Lilien verwandt, weshalb der im Deutschen eingebürgerte Name „Schwertlilien“ (in alten Texten auch „Schwertel“ bzw. swertel) missverständlich ist.
Beschreibung und Ökologie mini|links|Illustration von Iris persica der Untergattung Juno (Scorpiris) mit Knolle (1791 beschrieben von James Sowerby) mini|Illustration des Hermesfingers Iris tuberosa mini|links|Kapselfrucht der Reichenbach-Schwertlilie (Iris reichenbachii)
Vegetative Merkmale Schwertlilienarten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden Rhizome oder Knollen, die oft unzutreffend „Zwiebeln“ genannt werden, als Überdauerungsorgane. Neuerdings werden auch die Arten der Gattung Belamcanda (beispielsweise Belamcanda chinensis, nun: Iris domestica) zu Iris gerechnet. Die hier folgende Beschreibung gilt für alle Iris-Arten, die nicht zur Gattung Belamcanda gehört haben.
Generative Merkmale Die zwittrigen Blüten der Schwertlilien sind dreizählig. Es sind sechs Blütenhüllblätter vorhanden, die trompetenförmig verwachsen sind; drei äußere als sogenannte „Hängeblätter“ mit stets nach links gedrehter Knospenlage und die bei einigen Arten auffällige Kämme oder Bärte tragen, sowie drei innere, häufig aufrecht stehende „Domblätter“. Über jedem „Hängeblatt“ steht ein ebenfalls wie ein Blütenhüllblatt geformter und gefärbter Narbenast. Es sind nur drei Staubblätter vorhanden. Der Griffel ist „dreiästig“, wobei jeder „Griffelast“ über der Narbe zweilappig ist. Bestäubungsbiologisch bildet jedes „Hängeblatt“ mit einem Narbenast und dem dazwischenliegenden Staubblatt eine Blume (Meranthium), d. h. jedes Drittel der Blüte kann unabhängig voneinander von Insekten (insbesondere Hummeln) angeflogen werden (Entomogamie).
Die lokuliziden Kapselfrüchte reißen bei Reife an den Rückennähten jedes Fruchtblattes auf. Außer bei Schwertlilien treten solche Kapselfrüchte auch bei Narzissen sowie Nachtkerzen und vielen Liliengewächsen auf. Es befinden sich 4 bis 20 Samen in ein bis zwei Reihen je Kapselfach. Die Samen sind mit oder ohne Arillus.
mini|Blüten von Iris pseudopallida und Orjen-Schwertlilie (Iris orjenii). Die zwei nahverwandten südostadriatisch-mediterranen Arten aus der Gruppe der Bartirise (Untergattung Iris Sektion Iris) haben angenehm duftende Blüten. Sie wurden aufgrund kosmetischer (Parfüm) und gärtnerischer Eignung in ganz Europa eingeführt.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Iris wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Iris sind: Hermodactylus , Xiphion , Xyphion orth. var., Belamcanda nom. cons., Beverna , Chamoletta , Gemmingia , Iriastrum , Xuris , Chamaeiris , Gattenhofia , Pseudo-iris , Xeris , Pardanthus , Evansia , Thelysia , Juno , Limniris , Oncocyclus , Limnirion , Costia , Coresantha , Neubeckia , Spathula , Xyridion , Joniris , Ioniris orth. var., Cryptobasis , Sclerosiphon , Iridodictyum , Siphonostylis , Junopsis , Pardancanda , Pardanthopsis , Alatavia , Ophioiris , Eremiris , Dielsiris , Lophiris , Phaeiris , Rodionenkoa , Syrianthus , Tectiris , Zhaoanthus .
Innere Systematik mini|Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) aus der Sektion Limniris in der Untergattung Limniris; Massenbestand im Eriskircher Ried am Bodensee
Die Gattung Iris wird in sechs Untergattungen gegliedert: Untergattung Hermodactyloides : Sie besitzen Knollen.Sammlung an Knollen- und Zwiebelpflanzen. In: Geophytensammlung. Botanischer Garten der Universität Würzburg. Auf bgw.Uni-Wuerzburg.de, abgerufen am 24. November 2019. Untergattung Iris: Sie besitzen Rhizome: Mit den Sektionen: Sektion Hexapogon Sektion Iris Sektion Oncocyclus Sektion Psammiris Sektion Pseudoregelia Sektion Regelia Untergattung Limniris : Sie besitzen Rhizome: Mit den Sektionen: Sektion Limniris Sektion Lophiris Untergattung Nepalenses: Sie besitzen Rhizome. Untergattung Scorpiris : Sie besitzen Knollen. Untergattung Xiphion .
Arten und ihre Verbreitung mini|Iris acutiloba subsp. lineolata mini|Iris albicans mini|Iris bismarckiana mini|Buchara-Schwertlilie (Iris bucharica) mini|Danford-Schwertlilie (Iris danfordiae) mini|Douglas-Iris (Iris douglasiana) mini|Übelriechende Schwertlilie (Iris foetidissima) mini|Iris fosteriana mini|Gras-Schwertlilie (Iris graminea) mini|Iris grant-duffii mini|Lichtblaue Zwerg-Schwertlilie (Iris histrio) mini|Sand-Schwertlilie (Iris humilis) mini|Regenbogen-Schwertlilie (Iris innominata) mini|Gefranste Schwertlilie (Iris japonica) in Japan (Fukushima) mini|Pyrenäen-Schwertlilie (Iris latifolia) in den Pyrenäen mini|Gelbliche Schwertlilie (Iris lutescens) mini|Iris minutoaurea mini|Rocky-Mountain-Schwertlilie (Iris missouriensis) mini|Schwarze Schwertlilie (Iris nigricans) in Jordanien mini|Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus) mini|Bestand der Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila) in Niederösterreich mini|Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila) mini|Netzblatt-Schwertlilie (Iris reticulata) mini|Ostsibirische Schwertlilie (Iris sanguinea) mini|Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) mini|Sintenis-Schwertlilie (Iris sintenisii) mini|Kretische Schwertlilie (Iris unguicularis) mini|Bunte Schwertlilie (Iris variegata) mini|Verschiedenfarbige Schwertlilie (Iris versicolor) mini|Winogradow-Schwertlilie (Iris winogradowii) mini|Spanische Schwertlilie (Iris xiphium)
Die 200 bis 285 Arten stammen alle von der Nordhalbkugel, meist aus den gemäßigten Zonen. In den gemäßigten Gebieten Asiens kommen 241 Arten, in Westasien 117 Arten, in China 61 Arten, in Zentralasien 70 Arten und in Afghanistan 34 Arten vor.
Die World Checklist of Selected Plant Families zählt (Stand 2020) folgende 304 Arten auf: Iris acutiloba : Es gibt drei Unterarten: Iris acutiloba subsp. acutiloba: Sie kommt im östlichen Kaukasusraum vor. Iris acutiloba subsp. lineolata : Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum Iran vor. Iris acutiloba subsp. longitepala : Sie kommt nur im Iran vor. Iris adriatica : Sie wurde 2002 aus Kroatien erstbeschrieben. Iris afghanica : Sie kommt im nordöstlichen Afghanistan vor. Iris aitchisonii : Sie kommt vom östlichen Afghanistan bis zum westlichen Himalaja vor. Iris alberti : Sie ist in Zentralasien verbreitet. Iris albicans : Sie kommt ursprünglich in Saudi-Arabien und im Jemen vor. Iris albomarginata : Sie kommt in Kasachstan vor. Iris alexeenkoi : Sie kommt im zentralen und im östlichen Kaukasusraum vor. Iris almaatensis : Sie kommt nur im südlichen Kasachstan vor. Iris anguifuga : Sie gedeiht an Hängen und im Grasland in den chinesischen Provinzen Anhui, Guangxi sowie Hubei. Iris antilibanotica : Sie kommt in Syrien vor. Nacktstängel-Schwertlilie (Iris aphylla ): Heimat: von Mitteleuropa und Italien bis Russland und Kleinasien. Iris arenaria : Sie kommt in Mittel- und in Osteuropa vor. Iris assadiana : Sie kommt in Syrien vor. Iris atrofusca : Sie kommt nur in Israel vor. Iris atropatana : Sie kommt von der nordöstlichen Türkei bis in südliche Transkaukasien vor. Iris atropurpurea : Sie kommt nur in Israel vor. Aucher-Schwertlilie (Iris aucheri , Syn.: Iris sindjarensis ): Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum Irak, Palästina und dem westlichen Iran vor. Iris auranitica : Sie kommt in Syrien vor. Iris austrotschatkalica : Sie wurde 2014 aus Usbekistan erstbeschrieben. Iris avromanica : Sie wurde 2019 aus dem Iran erstbeschrieben. Baker-Schwertlilie (Iris bakeriana ): Sie kommt von der östlichen Türkei bis zum westlichen Iran vor. Sie wird auch als Varietät Iris reticulata var. bakeriana zu Iris reticulata gestellt. Iris baldshuanica : Sie kommt vom südlichen Tadschikistan bis zum nordöstlichen Afghanistan vor. Iris barbatula : Sie gedeiht auf grasbestandenen Ebenen in Höhenlagen von 2400 bis 3600 Metern nur in Yunnan. Iris barnumiae : Von den zwei Unterarten kommt eine nur im nördlichen Iran und die andere von der östlichen Türkei über den nordöstlichen Irak bis zum nördlichen Iran vor. Iris basaltica : Sie kommt in Syrien vor. Iris benacensis : Dieser Endemit kommt nur am Monte Brione am Gardasee vor. Iris bicapitata : Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Italien vor. Iris biglumis : Sie kommt nur im südlichen Sibirien vor. Iris bismarckiana : Sie kommt vom Hermon im südlichen Libanon bis ins nördliche Israel vor. Iris bloudowii : Sie kommt von Zentralasien über Xinjiang bis zur Mongolei vor. Iris boissieri : Sie kommt nur im nördlichen Portugal sowie nordwestlichen Spanien vor. Iris bostrensis : Sie kommt in Syrien vor. Siskiyou-Iris (Iris bracteata ): Sie kommt in den westlichen USA vom südlichen Oregon bis nördlichen Kalifornien vor. Iris brevicaulis : Sie kommt von Ontario bis in die nördlichen, zentralen und östlichen Vereinigten Staaten vor. Buchara-Schwertlilie oder Geweih-Schwertlilie (Iris bucharica ): Heimat: Zentralasien (Tadschikistan), nordöstliches Afghanistan. Iris bulleyana : Sie kommt im nördlichen Myanmar, Tibet und in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan vor. Iris bungei : Sie kommt in der Mongolei, der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Gansu, Ningxia sowie Shanxi vor. Iris cabulica : Sie kommt im östlichen Afghanistan vor. Iris calabra : Sie kommt nur im südlichen Italien vor. Iris camillae : Sie kommt im östlichen Transkaukasien vor. Iris capnoides : Sie kommt in Zentralasien vor. Iris carterorum : Sie kommt im östlichen Afghanistan vor. Iris cathayensis : Sie gedeiht auf offenen Standorten auf Hügeln und im Grasland in den chinesischen Provinzen Anhui, Hubei, Jiangsu sowie Zhejiang. Iris caucasica : Sie kommt in vier Unterarten von der Türkei bis zum Kaukasusraum und dem nördlichen Iran vor. Iris cedreti : Sie kommt nur im Libanon vor. Iris celikii : Sie wurde 2006 aus der Türkei erstbeschrieben. Goldstreifen-Schwertlilie (Iris chrysographes ): Sie kommt nur im nordöstlichen Myanmar, Tibet und in den chinesischen Provinzen Guizhou, Sichuan, sowie Yunnan vor. Iris chrysophylla : Heimat: Oregon, Nordkalifornien. Iris clarkei : Sie kommt vom Himalaja (nordöstliches Indien, Bhutan, Sikkim, Nepal) Myanmar, Tibet bis ins westliche Yunnan vor. Iris colchica : Sie kommt im Kaukasusraum vor. Iris collettii : Von den zwei Varietäten kommt eine nur in Sichuan sowie Yunnan und die andere in Sichuan sowie Yunnan, Tibet, im nordöstlichen Indien, in Myanmar, Thailand, Vietnam und vielleicht Nepal vor. Iris confusa : Sie gedeiht an Waldrändern, offenen Schluchten, Grashügeln, Wassergräben in Höhenlagen von 1600 bis 2400 Metern in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, Sichuan sowie Yunnan. Kamm-Schwertlilie (Iris cristata ): Die Heimat sind die nördlichen, östlichen und zentralen Vereinigten Staaten. Kaschmir-Iris (Iris crocea ): Die Heimat ist der westliche Himalaja. Iris cuniculiformis : Sie gedeiht auf Grasebenen in Höhenlagen von 3100 bis 4000 Metern in Sichuan sowie Yunnan. Iris curvifolia : Sie gedeiht auf Grasländern auf Hügeln nur in Xinjiang. Rundzungen-Schwertlilie (Iris cycloglossa ): Sie kommt nur im nordwestlichen Afghanistan vor. Iris damascena : Sie kommt am Mount Qasioun bei Damaskus in Syrien vor. Danford-Schwertlilie (Iris danfordiae ): Heimat: Kleinasien.