Das Niederliegende Vergissmeinnicht (Myosotis decumbens), auch Veränderliches Vergissmeinnicht genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Sie ist mit mehreren Unterarten in Europa und im westlichen Nordafrika verbreitet.
Beschreibung mini|Blütenstand
Vegetative Merkmale Das Niederliegende Vergissmeinnicht wächst als überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 40 Zentimetern erreicht. Sie bildet kurze Ausläufer. Der Stängel ist mit abstehenden, langen Trichomen behaart.
Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette und am Stängel wechselständig verteilt angeordnet. Die Grundblätter sind lang gestielt. Die sitzenden Stängelblätter sind bei einer Länge von bis zu 8 Zentimetern sowie einer Breite von etwa 2 Zentimetern eiförmig und auf beiden Blattflächen sind abstehende Trichome vorhanden.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis August.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelchgrund ist abgerundet und bricht bei der Reife vom Fruchtstiel ab. Der Kelch ist oft wenig oder viel kürzer als die Kronröhre, und er hat dreieckige Kelchzipfel mit abstehenden, hakig gekrümmten, 0,4 bis 0,5 Millimeter langen Haaren. Die fünf Kronblätter sind hell-blau.
Die Fruchtstiele sind 3 bis 4 Millimeter lang. Die Klausen sind mindestens 2 Millimeter lang.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18 oder 32.
Ökologie Beim Niederliegenden Vergissmeinnicht handelt es sich um einen Hemikryptophyten.
Vorkommen Standorte des Niederliegenden Vergissmeinnicht sind frische Bachstaudenfluren, Quellfluren, feuchte Wälder und Lägerfluren. Myosotis decumbens kommt in Pflanzengesellschaften des Adenostylion alliariae-Verbands oder des Verbands Rumicion alpini vor. In den Allgäuer Alpen steigt die Art von den Tallagen bis zu einer Höhenlage von 1720 Metern am Grünten auf.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Systematik und Verbreitung Die Erstbeschreibung von Myosotis decumbens erfolgte 1827 durch Nicolaus Thomas Host in der Flora Austriaca, Band 1, Seite 228. Das Artepitheton decumbens bedeutet „liegend“. Synonyme für Myosotis decumbens sind: Myosotis frigida , Myosotis silvatica subsp. frigida
Von Myosotis decumbens gibt es mehrere Unterarten: Myosotis decumbens subsp. decumbens: Sie hat Vorkommen in Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich, Kroatien, Norwegen, Schweden und Finnland. In Deutschland kommt sie im Allgäu und südlich Rosenheim vor. Myosotis decumbens subsp. florentina : Sie kommt nur in Italien vor. Myosotis decumbens subsp. kerneri (Syn.: Myosotis kerneri , Myosotis variabilis subsp. kerneri ): Sie kommt in Österreich, in der Schweiz, in Italien, im früheren Jugoslawien, in Tschechien, der Slowakei, in Polen, Rumänien und in der Ukraine vor. In Österreich kommt sie in Tirol, Oberösterreich, Osttirol, Salzburg und in der Steiermark vor. Myosotis decumbens subsp. rifana (Syn.: Myosotis alpestris var. rifana ): Sie kommt in Algerien und Marokko vor. Myosotis decumbens subsp. teresiana (Syn.: Myosotis teresiana , Myosotis sylvatica subsp. teresiana , Myosotis rosalie , Myosotis rouxii ): Sie kommt in Spanien und im südlichen Frankreich vor. Myosotis decumbens subsp. variabilis (Syn.: Myosotis variabilis , Myosotis sylvatica subsp. variabilis ): Sie kommt in Polen, Österreich, der Slowakei, in Rumänien, Kroatien und Slowenien vor. Auch in Südtirol kommt sie vor.
Literatur Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Siegmund Seybold: Die Flora von Deutschland und der angrenzenden Länder. Ein Buch zum Bestimmen aller wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. 95. vollst. überarb. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01498-2. Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3. Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2.
Einzelnachweise
Benito Valdés, E. von Raab-Straube 2011+: Boraginaceae. Datenblatt bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 380. Jens G. Rohwer: Boraginaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder, 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 647.
Weblinks
Datenblatt mit Fotos von Myosotis decumbens subsp. teresiana (Sennen) Grau bei Flores Silvestres del Mediterráneo. Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos. Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt mit Fotos bei Flora Nel Parco Nazionale della Valgrande. Blüten im Detail
Kategorie:Vergissmeinnicht