mini|Ewald Grothe, 2018
Ewald Grothe (* 23. Februar 1961 in Nieheim) ist ein deutscher Historiker und Hochschullehrer. Seit 2009 ist er außerplanmäßiger Professor an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2011 leitet er das Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.
Leben Ewald Grothe wuchs in dem kleinen Ort Bredenborn im Kreis Höxter auf. Er machte 1980 das Abitur am Städtischen Gymnasium in Brakel und leistete danach den Grundwehrdienst. Er studierte ab 1981 an der Universität Marburg Geschichtswissenschaft, Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte und schloss mit dem Magisterexamen ab. Zu seinen wichtigsten akademischen Lehrern gehörten im Fach Alte Geschichte Karl Christ, in Neuerer und Neuester Geschichte Hartwig Brandt und im Öffentlichen Recht Gerhard Hoffmann.
Von 1988 bis 1992 bearbeitete Grothe im Auftrag des Hessischen Landtags eine Aktenedition zur Geschichte des kurhessischen Parlamentarismus im Vormärz. Zwischen 1992 und 1995 war er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Mittelalterliche und neuzeitliche Staatlichkeit (10.–19. Jahrhundert)“ an der Universität Gießen und von 1993 bis 1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Forschungsstelle Georg Büchner – Literatur und Geschichte des Vormärz“ an der Universität Marburg. Er wurde 1994 in Marburg bei Hellmut Seier mit einer Dissertation über die Verfassungsgeschichte des Kurfürstentums Hessen in den 1830er Jahren promoviert. 1995 ging er als Wissenschaftlicher Assistent von Hartwig Brandt an die Bergische Universität Wuppertal, an der er sich 2003 zur deutschen Verfassungsgeschichtsschreibung im 20. Jahrhundert habilitierte. 2004 wurde er in Wuppertal zum Privatdozenten ernannt. Er lehrt seit 2007 auch an der Universität zu Köln. 2007/2008 war er Lehrbeauftragter am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel. Von 2006 bis 2010 war er Betreuer im Promotionskolleg „Gesellschaftliche Interessen und politische Willensbildung. Verfassungskulturen im historischen Kontext“ am Historischen Institut der FernUniversität in Hagen. 2009 wurde er an der Universität Wuppertal zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Zum April 2011 wurde er als Nachfolger von Monika Faßbender zum Leiter des Archivs des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach berufen. Er ist seit 2011 Fiduziar der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung.
Forschungstätigkeit Sowohl die Dissertation als auch die Habilitationsschrift wurden in der Wissenschaft rezipiert. Zur Doktorarbeit äußerte Hans-Christof Kraus, sie zähle „zu den Büchern, bei deren Lektüre sich der Leser mehr als einmal fragt, warum sie nicht schon längst geschrieben worden sind.“Rezension von Hans-Christof Kraus in: Historische Zeitschrift 266 (1998), S. 527–529. Die Habilitationsschrift über die deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung gehört nach dem Urteil von Hans Boldt „in eine Reihe mit den neuen großen Werken der Wissenschaftsgeschichtsschreibung, mit Wilhelm Bleeks ‚Geschichte der Politikwissenschaft’ und der ‚Geschichte des öffentlichen Rechts’ von Michael Stolleis.“Rezension von Hans Boldt in: Neue Politische Literatur 51 (2006). Wilhelm Bleek zufolge „schließt sie eine wichtige Lücke in der wissenschaftsgeschichtlichen Literatur“.Rezension von Wilhelm Bleek in: Politische Vierteljahresschrift 47 (2006).
Er hat mehrere auch jenseits der Geschichtswissenschaft Editionen veröffentlicht, so den Briefwechsel der Brüder Grimm mit Ludwig Hassenpflug,Rezension von Wilhelm Alfred Eckhardt in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 119 (2002), S. 53. den zwischen Carl Schmitt und Ernst Rudolf Huber,Rezension von Stephan Schlak in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Oktober 2015. eine Ausgabe von Quellen zur Alltagsgeschichte im 19. Jahrhundert und zuletzt einen Band mit „unerhörten Reden“ von Walter Scheel.
Grothe betreute Publikationsprojekte für den Hessischen Landtag,Ludwig Hassenpflug: Denkwürdigkeiten aus der Zeit des zweiten Ministeriums 1850–1855, Historische Kommission für Hessen, Marburg 2008 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 48,11; Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Bd. 32), ISBN 978-3-7708-1317-9; auf der Website des Hessischen Landtags. Abgerufen am 29. Januar 2018. die Historische Kommission für Hessen, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, den Deutschen BibliotheksverbandBernd Heidenreich (Hrsg.): Hessen – Kultur und Politik. Die Bibliotheken, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2005. und das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.Publikation über 100 Jahre Landeshaus. Abgerufen am 4. April 2022.
Grothes Forschungsgebiete sind die Verfassungsgeschichte, die Wissenschaftsgeschichte, die Liberalismusgeschichte und die politische Ideengeschichte (Konservatismus, Liberalismus). Er hat insbesondere über den Staatsrechtler und Verfassungshistoriker Ernst Rudolf Huber, den hessischen Politiker Ludwig Hassenpflug, die Germanisten Brüder Grimm sowie die liberalen Wissenschaftler und Politiker Moritz Julius Bonn, Ludwig Haas, Friedrich Naumann, Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker geforscht. 2023 veröffentlichte er einen Band mit 18 Aufsätzen zur Liberalismusgeschichte unter dem Titel Freiheitliche Ideen. Der schwierige Weg zur liberalen Demokratie.
Auszeichnungen 1995 gewann Grothe für seine Dissertation den Wilhelm-Liebknecht-Preis der Universitätsstadt Gießen. Von 2000 bis 2002 erhielt er ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und 2010/2011 ein Forschungsstipendium der Gerda-Henkel-Stiftung für die Herausgabe des Briefwechsels zwischen Carl Schmitt und Ernst Rudolf Huber. Für seine Habilitationsschrift bekam er 2004 einen Druckkostenzuschuss des Förderungsfonds Wissenschaft der Verwertungsgesellschaft Wort.
Wissenschaftliche Ämter und Mitgliedschaften Grothe ist Mitglied des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und der Georg Büchner Gesellschaft. Darüber hinaus ist er seit 1997 Mitglied des Wissenschaftlichen Rates und seit 2017 Vorsitzender der Brüder Grimm-Gesellschaft Kassel, seit 2001 Wissenschaftliches Mitglied und seit 2012 Mitglied des Hauptausschusses der Historischen Kommission für Hessen in Marburg, seit 2006 Mitglied und von 2022 bis 2026 stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung für Verfassungsgeschichte, seit 2011 Gründungsmitglied des Interdisziplinären Zentrums für Editions- und Dokumentwissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal,. Abgerufen am 13. Mai 2019. seit 2011 Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an der Universität Wuppertal, seit 2012 Mitglied des Auswahlausschusses für Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, seit 2013 Mitglied des Editionsfachbeirats „Fraktionsprotokolle“ der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, seit 2013 Mitglied des Gesamtvorstandes und von 2017 bis 2025 Vorsitzender der Fachgruppe 6 (Archive der Parlamente, politischen Parteien, Stiftungen und Verbände) des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare, seit 2015 Mitglied des Vorstands des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen, seit 2017 Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Geschichte und Biographie an der Fernuniversität in Hagen,Webseite des Instituts für Geschichte und Biographie. Abgerufen am 12. Dezember 2019. seit 2017 Mitglied des Historikerausschusses des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands,. Abgerufen am 21. Januar 2018. seit 2018 Mitglied des Beirats der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart,Webseite der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Abgerufen am 12. Dezember 2019. seit 2020 Mitglied des Kuratoriums der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung zur Verleihung des Wolf-Erich-Kellner-Preises,Webseite für den Wolf-Erich-Kellner-Preis. Abgerufen am 25. November 2020. seit 2021 Vorsitzender der Jury zur Verleihung des Arno-Esch-Preises,Preisverleihung 2022. seit 2022 Mitglied der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, seit 2023 Mitglied der German Scholars Organization (GSO).Mitglieder der GSO. Abgerufen am 8. November 2024.
Herausgebertätigkeit Grothe ist seit 2012 Mitherausgeber des Jahrbuchs zur Liberalismus-Forschung und seit 2000 des Jahrbuchs der Brüder Grimm-Gesellschaft.
Grothe ist Mitherausgeber der Quellen zur Brüder Grimm-Forschung (seit 2010) (gemeinsam mit Rotraut Fischer u. a.) sowie der Veröffentlichungen des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften (seit 2015) (gemeinsam mit Arthur Benz u. a.).
Schriften (Auswahl) Monographien Verfassungsgebung und Verfassungskonflikt. Das Kurfürstentum Hessen in der ersten Ära Hassenpflug 1830–1837, Duncker & Humblot, Berlin 1996 (= Schriften zur Verfassungsgeschichte, Bd. 48), ISBN 3-428-08509-4 (Zugleich: Marburg, Univ., Diss., 1994).Rezensionen u. a. von Hans-Christof Kraus. In: Historische Zeitschrift 266 (1998) und von Albrecht Eckhardt. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 68, online S. 313–315. Zwischen Geschichte und Recht. Deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung 1900–1970, Oldenbourg, München 2005 (= Ordnungssysteme, Bd. 16), ISBN 3-486-57784-0 (Zugleich: Wuppertal, Universität, Habilitationsschrift, 2003).Rezension von Ernst-Wolfgang Böckenförde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Januar 2006; Rezension von Reinhard Mehring. In: H-Soz-Kult, 16. November 2005; Rezension von James J. Sheehan. In: The American Historical Review 114 (2009); Rezension von Michael Stolleis. In: Historische Zeitschrift 282 (2006); Rezension von Edgar Liebmann. In: Archiv für Sozialgeschichte 47 (2007). Grothe, Ewald. Zwischen Geschichte und Recht. Deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung 1900–1970, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009 (); Rezension von Martin Kirsch. In: sehepunkte 7 (2007), Nr. 7/8 [15. Juli 2007]. Insgesamt erschienen über dreißig Rezensionen.
Aufsatzsammlung Freiheitliche Ideen. Der schwierige Weg zur liberalen Demokratie. CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2023, ISBN 978-3-86393-160-5.Rezension von Detmar Doering. In: Online-Rezensionen des Jahrbuchs zur Liberalismus-Forschung 2024/1.
Editionen (Herausgeber, Mitherausgeber bzw. Mitbearbeiter) Bearb. mit Hellmut Seier: Akten und Briefe aus den Anfängen der kurhessischen Verfassungszeit 1830–1837, hrsg. v. Hellmut Seier, Elwert, Marburg 1992 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 48,4; Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen, Bd. 8), ISBN 3-7708-0993-9.Rezension von Eckhardt Treichel. In: Historische Zeitschrift 261 (1995). Hrsg.: Brüder Grimm. Briefwechsel mit Ludwig Hassenpflug (einschließlich der Briefwechsel zwischen Ludwig Hassenpflug und Dorothea Grimm, geb. Wild, Charlotte Hassenpflug, geb. Grimm, ihren Kindern und Amalie Hassenpflug). Brüder Grimm-Gesellschaft, Kassel/Berlin 2000, ISBN 3-929633-64-7 (= Brüder Grimm. Werke und Briefwechsel. Kasseler Ausgabe. Briefe, Bd. 2).Rezension von Christian Jansen. In: H-Soz-Kult, 9. Januar 2002; Rezension von Karl Stackmann. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 132 (2003), S. 139–144; Pasteten, Braten und Würste. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2002. Insgesamt erschienen knapp dreißig Rezensionen. Hrsg. mit Hartwig Brandt: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1815–1870, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005 (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Reihe B, Bd. 44), ISBN 3-534-12775-7.Rezension von Peter Borscheid. In: Historische Zeitschrift 284 (2007); Rezension von Bärbel Holtz. In: sehepunkte 6 (2006), Nr. 4, 15. April 2006.