Scheibbs ist eine Stadtgemeinde und Sitz der Bezirkshauptmannschaft mit Einwohnern (Stand ) im gleichnamigen Bezirk Scheibbs in den niederösterreichischen Eisenwurzen im Mostviertel. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über einen großen Teil des mittleren Erlauftals. Die Stadt Scheibbs selbst liegt etwa 20 Kilometer südlich der Westautobahn beziehungsweise der Donau bei Ybbs und ist der historische, verwaltungstechnische und medizinische Mittelpunkt des Bezirks Scheibbs. Wirtschaftlich nimmt in der Gemeinde neben dem Verwaltungs- und Dienstleistungssektor die Produktion von Aufzügen eine herausragende Stellung ein, des Weiteren ist die Bevölkerung insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben oder der Landwirtschaft beschäftigt. Scheibbs, am Übergang zwischen hügelig-sanftem Alpenvorland und bergigen Voralpen, gilt als Tor ins Ötscherland und zählte als Umschlagplatz von Agrarprodukten und Eisenfabrikaten neben Steyr und Waidhofen an der Ybbs zu den bedeutendsten und wohlhabendsten Städten der Eisenindustrie nördlich der Alpen. Das jahrhundertealte Erbe der Eisenwurzenregion ist in der Betriebslandschaft kaum noch spürbar, ebenso wenig die historisch starken Bande mit der Kartause Gaming, deren Besitz Scheibbs über Jahrhunderte hinweg war.

Name Scheibbs wurde erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. In einer Originalurkunde vom 19. August 1160, die sich im Stift Reichersberg im oberösterreichischen Innviertel befindet, erscheint ein Otto de Schibis, Gefolgsmann der Grafen von Peilstein. Der Name Scheibbs stammt vermutlich aus dem Slawischen, als nach dem Ende der Völkerwanderung um 568 Slawen aus Pannonien ins Gebiet drangen. Sie bezeichneten die damalige Ansiedlung Ščipéčje, was so viel wie „wildwachsende Hecken-Rose“ bedeutet. Noch heute gibt es mundartliche Begriffe wie „Hetscherl“ oder „Hetschipetsch“. Aus dem slawischen Ščipéčje wurde nach dem Erlöschen der slawischen Sprache in der Region um 1160 Scibes, um 1200 Schibes, 1367 Schibsa, 1537 Scheybs, 1700 Scheibs und 1800 Scheibbs.

Geografie Lage Der Bezirk Scheibbs ist ein Teil der Eisenwurzen sowie des Mostviertels in Niederösterreich, das den Südwesten des Bundeslandes umfasst, inklusive der Zentralregion um St. Pölten. Das Gemeindegebiet von Scheibbs liegt im Zentrum des Bezirkes und umfasst im Wesentlichen das mittlere Erlauftal sowie die umliegenden Voralpen. Die Stadt Scheibbs liegt an der Großen Erlauf, die bei Pöchlarn in die Donau mündet, der die Region beherrschende Ötscher ist meist in Sichtweite. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 45,96 Quadratkilometer. 48 Prozent der Fläche sind bewaldet. mini|Blick auf Scheibbs vom Blassenstein in Richtung Norden mini|Gemeindegliederung Scheibbs (rot dicht verbautes Gebiet)

Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde Scheibbs besteht aus sechs Katastralgemeinden, namentlich aus Brandstatt, Fürteben, Ginning, Neustift bei Scheibbs, Scheibbs und Scheibbsbach.

Die sechs Katastralgemeinden umfassen jedoch mehrere Siedlungsgebiete, die aus der Stadt Scheibbs und den umliegenden Orten sowie den Siedlungen auf den Anhöhen rund um Scheibbs bestehen und sich aus der Geschichte erklären. So waren damals beispielsweise die Orte Schöllgraben und Scheibbsbach außerhalb der Stadtmauer, im Laufe der letzten 100 Jahre sind diese Siedlungsgebiete mit dem Stadtkern zusammengewachsen, sodass heute nur mehr Reste der mittelalterlichen Stadtmauer erahnen lassen, wo die Grenzen verlaufen.

Das Gemeindegebiet umfasste bis 2017 folgende 14 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017):

Seit einer Neugliederung 2018 umfasst das Gemeindegebiet formal nur mehr eine Ortschaft (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Scheibbs ()

mini|Hügellandschaft nordwestlich von Scheibbs (Brandstatt) mit Einzelgehöften

Nachbargemeinden

Flächennutzung Das Gemeindegebiet von Scheibbs umfasst 45,96 Quadratkilometer, wobei 47,96 Prozent auf Waldflächen entfallen, die sich hauptsächlich auf den Anhöhen rund um Scheibbs befinden.

Geologie Im Süden wird Scheibbs von der ultrahelvetischen Grestener Klippenzone und penninischen Ybbsitzer Klippenzone, im Norden von der penninischen Flyschzone geprägt. Höhenzonal liegt das Gemeindeareal im kollin-submontanen Bereich und weist entsprechend der polymorphen geologischen Struktur auch chorographisch unterschiedliche Landschaftsformen auf. Von der erst im Quartär den heutigen Zustand erreichenden Erlaufniederung erheben sich links und rechts die das Relief bestimmenden Höhenrücken von Lampelsberg und Blassenstein, die am Übergang zum Alpenvorland der Szenerie beinahe alpinen Charakter verleihen.

Berge mini|Scheibbs mit dem Ötscher Scheibbs liegt in den Voralpen und befindet sich im Übergangsbereich vom Flach- und Hügelland zu voralpinen Ausläufern. Das Gemeindegebiet gehört mit seinen Anhöhen bis weit über 800 Meter der oberen Hügelstufe beziehungsweise unteren Bergstufe an. Rund um Scheibbs befinden sich Hochweinberg, Lampelsberg, Ginselhöhe, Buchberg, Schneekogel, Hochkienberg, Roter Stein, Greinberg, Holzkogel und der Blassenstein (844 Meter) mit der am 9. August 1903 eröffneten Urlingerwarte, einer Aussichtswarte, von der man bei klarem Wetter nahezu das gesamte Mostviertel überblickt, bis Linz, St. Florian in Oberösterreich und ins Waldviertel. Natürlich allgegenwärtig ist der Ötscher mit 1892 Meter Höhe.

Flüsse mini|Blick über die Erlaufwehr Richtung Altstadt Der wichtigste Fluss ist die Erlauf, die im Oberlauf Güteklasse I-II, im übrigen Verlauf Güteklasse II aufweist. Die Erlauf ist etwa 70 Kilometer lang, und fast 40 Prozent des Flussverlaufes sind noch als naturnah zu nennen. Eine Fischwanderung ist aufgrund mehrerer Kraftwerke dennoch nicht möglich. Außerdem gibt es noch einige Bäche, wie Scheibbsbach, Lueggrabenbach und Schöllgrabenbach. Auch ein Teil der II. Wiener Hochquellenwasserleitung quert das Gemeindegebiet. Dies ist auch der Grund, warum auf einer konstanten linearen Höhe über Scheibbs nicht gebaut werden darf und zwar dort, wo die Gefahr besteht, dass der Hang abrutscht (Ausnahme: BORG Scheibbs, wo es bei dessen Bau auch zu Rutschungen kam, die mit riesigen Fundamenten gestoppt werden mussten).

mini|Statistische Klimawerte (Temperatur, Niederschlag, Sonnenstunden, Windgeschwindigkeit)

Klima Scheibbs liegt großklimatisch im Bereich der Westwindzone. Es herrschen daher abgeschwächte ozeanische Klimaeinflüsse vor. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,7 Grad Celsius, der durchschnittliche Niederschlag bei 1144 Millimeter und Sonnenstunden bei 1508 Stunden im Jahr.

Geschichte mini|hochkant|Mercurius von Scheibbs im Kunsthistorischen Museum Wien mini|hochkant|Diana von Scheibbs Vorgeschichte und Antike Einige Funde belegen eine Besiedlung bereits in der Jungsteinzeit (zum Beispiel am Blassenstein). Daraufhin folgten die Kelten (400 vor Christus), die dem beherrschenden Berg der Region den Namen ocan für „Vaterberg“ gegeben haben sollen, woraus Ötscher entstand. Die keltische Statuette Diana von Scheibbs aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus, die 1864 in einem Feld bei Scheibbs gefunden wurde und sich nun im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet, zeugt von der Anwesenheit der Kelten. Die bronzene römische Mercurius-Statue, die sich heute ebenfalls im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet und etwa 250 nach Christus datiert, zeugt von der Anwesenheit der Römer, im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum. Sicher hatten schon Kelten oder Römer auf dem erhöhten Platz (heute Rathausplatz), wo sich heute Schloss und Pfarrkirche befinden, eine Wehrburg für eine kleine Ansiedlung errichtet, die 488 geräumt wurde, diente aber der einheimischen Bevölkerung in unruhigen Zeiten immer wieder als Fluchtburg.

Scheibbs im Mittelalter Mit dem Ende der germanischen Völkerwanderung drangen im 6. Jahrhundert (um 568) Slawen aus Pannonien ein (Einmarsch der Slawen). Sie mussten sich bald der Herrschaft der Awaren unterwerfen, die 795 endgültig von Pippin, Sohn Karls des Großen, geschlagen wurden. Im Osten wurde eine Mark gebildet (Awarische Mark), die jedoch 907 von den Magyaren zerstört wurde. Nun herrschten diese fünf Jahrzehnte, bis sie 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg durch die Deutschen unter König Otto I. eine schwere Niederlage erlitten. Ab 976 regierten Markgrafen und Herzöge aus dem Geschlecht der Babenberger das Land. Ostarrichi war als Grenzmark zunächst nur ein schmaler Landstreifen zwischen Enns und Traisen (entspricht in etwa dem heutigen Mostviertel). Seit dem beginnenden 11. Jahrhundert kamen neue Bewohner, vorwiegend aus Bayern, ins Land, errichteten Weiler und Dörfer, erbauten Burgen und später auch Siedlungen.

Im Mittelalter stand an der Stelle von Schloss Scheibbs eine Burg als Zentrum einer Handwerkssiedlung. Vermutlich handelt es sich beim Schloss Scheibbs um eine Burg-Kirchenanlage des frühen Mittelalters, die an einem strategisch günstigen Punkt im Erlauftal (Kreuzung mit der Verbindung Ybbstal – Melktal) von den Vorfahren der Grafen von Peilstein errichtet und später ein wesentlicher Bestandteil der Befestigungsanlage von Scheibbs wurde. Konrad I. von Peilstein machte das „Gemäuer“ zum Verwaltungszentrum seiner Herrschaft.

mini|Der „Markt“ Scheibbs 1681 1160 erscheint urkundlich ein Otto de (von) Scibis (Schibis), Gefolgsmann der Grafen von Peilstein, die Scheibbs 1120 zum Verwaltungszentrum ihrer Gebiete machten und bis 1218 Herrschaftsinhaber waren. Scibis war von den Peilsteinern als Verwalter des kleinen Wehrbaues eingesetzt worden. Der Vorläufer des späteren Schlosses war mit Ausnahme der Kirche das einzige gemauerte Gebäude weit und breit und wurde daher als „Gemäuer“ bezeichnet. Scheibbs war damals eine Grenzsiedlung gegen Karantanien. Vor den dort lebenden Slawen hatte man im 11. und 12. Jahrhundert noch großen Respekt. Von Scheibbs aus konnte jederzeit der Verkehr im Erlauftal kontrolliert werden. Nach dem Aussterben der Peilsteiner fiel Scheibbs um 1218 an die Babenberger und wurde landesfürstlich, die im 14. Jahrhundert Markt (1338) und Burg (1349) der Kartause Gaming schenkten. Ab diesem Zeitpunkt war das Schicksal von Scheibbs über Jahrhunderte hinweg eng mit der Kartause verknüpft. Bis zur Aufhebung des Klosters 1782 war Scheibbs weltliches Verwaltungszentrum der Klosterherrschaft. Die Gaminger Amtleute und Hofrichter hatten ihren Sitz im Schloss Scheibbs.

Scheibbs ist seit 1352 Stadt, den Titel erhielt Scheibbs von Herzog Albrecht II. zugesprochen, wurde aber in der Folgezeit stets als Markt bezeichnet (Titularstadt). Sitz der Scheibbser Marktrichter war ab 1538 das von den Bürgern erworbene Rathaus. Herrschaftsrechte besaßen die Gaminger Kartäuser über Stadt und Schloss Scheibbs, Oberndorf, Texing und Ruprechtshofen. Obwohl sie keine Seelsorger stellten, wurden ihnen die großen Pfarren Gaming und Scheibbs, Ruprechtshofen und Oberndorf mit den Filialen Texing, Neuhaus, Lackenhof und St. Anton an der Jessnitz einverleibt.

1348 trat die Pest zum ersten Mal auf, bis 1732 insgesamt 20 Mal. Meist waren Kinder und Jugendliche betroffen. Ein Pestkreuz von 1644 erinnert noch an diese Zeit.

1448 schloss sich Scheibbs mit acht niederösterreichischen Gemeinden – Amstetten, Waidhofen, Ybbs, Ybbsitz, Pöchlarn, Wieselburg, Gresten und Pöggstall – zu einem Gauhandelsverband zusammen, der die steirischen Eisenbetriebe mit Proviant und Waren versorgte und dafür am Eisentransport und -handel beteiligt war. Ende des Jahrhunderts, als die Zahl der beteiligten Orte auf achtzehn gestiegen war, ließen Scheibbs, Pöggstall und Gresten, deren Fuhrwerke vornehmlich in Pöchlarn be- und entladen wurden, den bisher nur von Saumtieren passierbaren Weg über den Grubberg vom Erlauf- ins Ybbstal zur Fahrstraße ausbauen. Nun lag Scheibbs an der bald frequentierten Dreimärktestraße zur Donau.

Mittelalterliche Burgen um Scheibbs: Siehe Burgruinen im Erlauftal

Scheibbs während Neuzeit und Dreißigjährigem Krieg