Wolfpassing ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich.
Geografie Die Gemeinde liegt zwischen der Ybbs und der Kleinen Erlauf und gehört zum Mostviertel in Niederösterreich. Von der Ybbs im Norden, die in einer Seehöhe von rund 250 Meter fließt, steigt das Land steil zu einem teilweise bewaldeten Hügelland auf bis zu 340 Meter an, um dann sanft zur Kleinen Erlauf auf 300 Meter abzufallen.
Die Fläche der Gemeinde umfasst zwanzig Quadratkilometer. Davon sind 72 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche und 18 Prozent sind bewaldet.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 16 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Buch, Etzerstetten, Wolfpassing und Zarnsdorf.
Nachbargemeinden
Geschichte Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum.
Das Gebiet um Wolfpassing war ab 833 Besitz des Klosters Mondsee, ging nach der Vertreibung der Ungarn an das Bistum Regensburg.
Seit zirka 1100 gehört Wolfpassing zur Pfarre Steinakirchen.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als eine Hofstatt zu Wolfpazingen im Besitz des Landesfürsten genannt wurde. Für das Jahr 1391 wurde Gilig Wolfstein als Besitzer des Gutes Wolfpassing genannt. 1480 fiel das Anwesen durch eine Erbtochter an die Freiherren Auersperg. Es folgten mehrmalige Besitzerwechsel, bis die mittelalterliche Festung im 16. Jahrhundert zu einem Schloss ausgebaut wurde.
1747 wurde das Schloss wieder von der Familie Auersperg erworben und erhielt durch einen Umbau sein heutiges Aussehen. Da eine Tochter des Besitzers mit dem französischen General Karl Freiherr von Jaquinot verheiratet war, wurde das Gebäude in den Franzosenkriegen verschont.
Im Jahr 1834 kaufte Kaiser Franz I das Schloss, 1910 kam es durch Tausch an das Verteidigungsministerium, wobei der Großteil des Mobiliars nach Böhmen kam, wo es sich noch heute in Museen befindet. 1918 wurde das Schloss vom österreichischen Landwirtschaftsministerium übernommen, das zuerst das Lipizzanergestüt und später die Bundesversuchsanstalt für Milchwirtschaft darin unterbrachte. Daraus entstand das heutige Lebensmitteltechnologische Zentrum Wolfpassing.
1848 kam es zur Auflösung der Grundherrschaft, die Gemeinde Wolfpassing entstand.
Während des Zweiten Weltkrieges sind 63 Männer aus den Katastralgemeinden von Wolfpassing im Krieg gefallen. In: Kriegerdenkmäler unserer Heimat in Niederösterreich. Abgerufen am 10. April 2017.
Von 1930 bis 2007 befand sich am Areal des Schloss Wolfpassings die Bundeslehr und Versuchsanstalt bzw. Bundesanstalt für Milchwirtschaft.
1970 wurden die Gemeinden Buch, Etzerstetten und Zarnsdorf eingemeindet.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Wolfpassing: Das Schloss ist eine barocke viergeschoßige Vierflügelanlage mit Arkadenhof, vorgestellten Ecktürmen sowie Walmdach und entstand um 1690 aus einem Vorgängerbau. Für Aufsehen sorgte im Jahr 2013 das Auffinden der sogenannten „Führerglocke“ im Glockenturm des Schlosses. Nach einer öffentlichen Diskussion wurde am Gebälk des Glockenturms eine Hinweisetafel mit folgender Inschrift angebracht:
Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 30, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 111. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 634. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 49,73 Prozent.
2010 wurde, in enger Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband des IKB (Interkommunales Betriebsgebiet Kleines Erlauftal, eine Kooperation der sechs Gemeinden Wolfpassing, Steinakirchen, Gresten, Gresten-Land, Reinsberg, Wang) und der Raiffeisenbank Region Eisenwurzen der Ecoplus Wirtschaftspark Wolfpassing gegründet.
Wirtschaftssektoren Von den 83 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 waren 45 Haupt- und 38 Nebenerwerbsbauern. Im Produktionssektor arbeiteten 68 Erwerbstätige im Bereich Warenherstellung, sechs in der Bauwirtschaft und zwei in der Energieversorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber im Dienstleistungssektor waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (67) und der Handel (51 Mitarbeiter). WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)831119991Produktion1197628Dienstleistung402115491 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Öffentliche Einrichtungen In der Gemeinde gibt es einen Kindergarten.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP, 4 Bürgerliste mehr Licht und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 2 SPÖ, 2 Bürgerliste mehr Licht und 1 Überparteiliche Liste Wolfpassing. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 2 Überparteiliche Liste Wolfpassing, 2 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 2 Überparteiliche Liste Wolfpassing, 2 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP, 3 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 3 FPÖ und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 3 FPÖ und 2 SPÖ.
Bürgermeister
1945–1961 Alois Glösmann (ÖVP) 1961–1980 Michael Dammerer (ÖVP) 1980–1990 Leopold Gschaider (ÖVP) 1990–2005 Rudolf Glösmann (ÖVP) 2005–2015 Josef Sonnleitner (ÖVP) seit 2015 Friedrich Salzer (ÖVP)
Wappen Wolfpassing wurde 1970 ein Gemeindewappen verliehen. Es lehnt sich an das Wappen der Wolfsteiner, der frühesten Besitzer des Gutes Wolfpassing, an und zeigt einen abgerissenen Wolfskopf auf blaugelbem Hintergrund.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Maximilian von Auersperg (1771–1850), General der Kavallerie Josef Leichtfried (1926–2018), Politiker (SPÖ)
Ehrenbürger der Gemeinde Engelbert Dollfuß (1892–1934), Ehrenbürger seit Oktober 1933
Literatur
Weblinks
Offizielle Homepage der Gemeinde
Wirtschaftspark Wolfpassing bei ecoplus.at
Einzelnachweise