Gaweinstal ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich. In der Gemeinde befinden sich 1685 Haushalte. Inklusive der Zweitwohnsitze beträgt die Einwohnerzahl 4730 Personen (31. Dezember 2017).Unser Gaweinstal. Amtliche Nachrichten der Marktgemeinde Gaweinstal, Ausgabe März-Juni 2018, S. 14, auf gaweinstal.at, abgerufen am 24. März 2018.
Der Ort wurde um 1050 gegründet und ist somit einer der ältesten des Weinviertels. Er hieß ursprünglich Gaunersdorf. 1917 erfolgte eine Umbenennung in Gaweinsthal. Das Kirchdorf wurde durch Kriege und andere Katastrophen mehrmals zerstört, doch immer wieder aufgebaut.
Geografie Gaweinstal liegt im Weinviertler Hügelland an der Brünner Straße B 7 rund 25 km nordöstlich von Wien. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 51,6 Quadratkilometer, wovon 9,19 % bewaldet sind. Gaweinstal liegt auf einer Seehöhe von 199 m. Der aus Pellendorf kommende Goldbach (auch „Pellendorfer Bach“) mündet im Gemeindegebiet in den aus Atzelsdorf kommenden Weidenbach, der in Richtung Bad Pirawarth fließt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst die Marktgemeinde Gaweinstal sowie fünf Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Atzelsdorf () Gaweinstal () Höbersbrunn () Martinsdorf () samt Kellergasse Pellendorf () Schrick ()
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Herzog Friedrich II. der Streitbare nahm 1236 Gunesdorf in Besitz (Babenberger-Stammbaum, um 1490, Stift Klosterneuburg) mini|Archäologische Grabungen des Bundesdenkmalamtes zwischen Gaweinstal und Pellendorf, 2005 mini|Schloss Pellendorf um 1670, Kupferstich aus der Typographia Austriae inferioris des Georg Matthäus Vischer. mini|Gaunersdorf im 17. Jahrhundert (Kupferstich, Niederösterreichische Landesbibliothek) mini|Gaunersdorf und Umgebung (links oben) in der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme (1872/73) mini|hochkant|Alfred Fürst zu Windisch-Graetz ließ Gaunersdorf 1848 militärisch besetzen. Kolorierte Lithographie von Joseph Kriehuber, 1852
Etymologie des Ortsnamens Eine frühe Schreibweise (1207) spricht von „Gunisdorf“.Elfriede Popp, Gaweinstal in historischen Ansichten, Budapest 2000, S. 351. Während des 14. Jahrhunderts treten die Namen „Gaunestorf“ und „Gawnestorf(f)“ auf, ab dem 15. Jahrhundert ist „Gaunersdorf“ belegt. 1914 kam es zu einem Antrag an die Niederösterreichische Statthalterei, den Ort in „Schottenkirchen“ oder „Rudolfsthal“ umzubenennen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Der damalige Pfarrer von Gaunersdorf, Konstantin Vidmar, schlug daraufhin den Namen „Gaweinsthal“ vor, der an „Gawnesdorf“ anschließt und die zweite Komponente des Doppelworts euphemisiert. Mit dem Erlass des k. k. Ministeriums des Innern wurde 1917 diese Änderung des Ortsnamens bewilligt.Christian Jostmann, Die Brünner Straße. Eine Geschichte des Verkehrsweges von Wien nach Brünn in Bildern, Schleinbach 2009, S. 46f.
Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde der Name mit „Gaweinstal“ der veränderten Orthographie angepasst.
Frühgeschichte und Antike Spuren der ersten Besiedlungen des Raumes Gaweinstal reichen in die Jungsteinzeit (Neolithikum, Badener Kultur, ab etwa 4000 v. Chr.) und in die Frühbronzezeit (ab etwa 2300 v. Chr.) zurück. Hügelgräber aus der Mittleren Bronzezeit (ca. 1600 v. Chr.) sind ebenfalls bekannt. Eine erste größere Siedlungstätigkeit fand in der jüngeren Eisenzeit (Spät-Latènezeit, ab 450 v. Chr.) statt. Identifiziert ist eine germanische Siedlung – vermutlich Markomannen und Quaden – die vor allem durch eingetiefte Hütten, Pfostengruben von mehrschiffigen Wohnhäusern und tiefen Speichergruben charakterisiert ist.Christa Farka: TrassenArchäologie – Neue Straßen im Weinviertel. Fundberichte aus Österreich, Materialhefte Reihe A, Sonderheft 4. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale, Horn 2006, S. 20–23, 26–31 [= S. 19ff.: Die Hügelgräber von Gaweinstal S. 25ff.: 1400 Jahre Siedlungsgeschichte am Pellendorferbach].
Mittelalter Im Frühmittelalter, sowohl vom 4. bis ins 6. Jahrhundert als auch vom 8. bis ins 9. Jahrhundert, existierten bereits auf dem Territorium des späteren Dorfs Gebäude. Nachgewiesen wurden beutelförmig eingetiefte Vorratsgruben sowie Hütten- bzw. Kellereinbauten mit rechteckigem Grundriss und eckständigen Ofeneinbauten, die zum Teil aus Bruchsteinen aufgebaut waren. Kuppelförmige Backöfen waren von der Hüttenwand seitlich in den Löss gegraben worden.
Gaweinstal ist eine der ältesten Gründungen des Weinviertels. Es ist nach Angaben der Ortschronistin Elfriede Popp etwa um 1050 als „Gunisdorf“ ausgewiesen. Es habe ursprünglich aus drei selbständigen Niederlassungen bestanden, nämlich aus Markt-, Aigen- und Wieden-Gaunersdorf. Jede der Gemeinden wurde demnach eigenständig verwaltet.Elfriede Popp, Gaweinstal in historischen Ansichten, Budapest 2000, S. 351.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1207, als ein „Rapov von Gunisdorf“ bei der Abtrennung der Pfarre Kreuzstetten von der Mutterpfarre Rußbach als Zeuge anwesend war.Franz Strobl: Heimat Kreuzstetten. Geschichte & Geschichten, Krems 1991. Als den ersten namentlich genannten Ortspfarrer gibt ein Chronist 1826 den 1281 abtretenden „Chunrad Rector ecclesiae Gaunerstorfensis“ an.Honorius Ludwig Kraus: Die Pfarre und Kirche St. Laurenz im Schottenfelde. Wien 1826, dritte, berichtigte und vermehrte Aufl., S. 90. 1297 erhielten Leutold von Kuenring, Schenk in Österreich, und seine Frau Agnes das Dorf Schrick als Lehen von Herzog Albrecht I. von Österreich übertragen.
1360 beurkundete Erzherzog Rudolf IV. der Stifter den „purgern zu Gawnestorff“ mit einer umfangreichen „bestetigung der freihait und gnaden“ die „althergebrachten“ Rechte und Gewohnheiten. Dazu gehörte, dass Gaweinstal Gerichtsort war und einen Richter hatte, ferner das Marktrecht für zwei Tage der Woche und auch, dass dort „chain edlman sitzen sol“.Gustav Winter (Bearb.), Urkundliche Beiträge zur Rechtsgeschichte ober- und niederösterreichischer Märkte und Dörfer vom zwölften bis zum fünfzehnten Jahrhunderte, Innsbruck 1877, S. 81ff. 1374 hieß der Richter Leopold Malzer. Er und seine Frau stifteten in diesem Jahr dem Schottenkloster in Wien eine ewige Messe in der Kirche zu Gawnestorf.Ernest Hauswirth (Hrsg.): Urkunden der Benedictiner-Abtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien vom Jahre 1158 bis 1418. Wien 1859, S. 358.
Das Historische Ortsnamenbuch für Niederösterreich verzeichnet Gawnestorf ein erstes Mal für die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts (1413, 1423, 1439).Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. Band 8, S. Wien 1964, S. 101.
Frühe Neuzeit Die Pfarre Gaunersdorf stand unter der Lehnschaft des Wiener Schottenstifts. Die Reformationszeit verlief auch hier nicht ohne Konflikte.Die folgenden Angaben, soweit nicht anders angegeben: Theodor Wiedemann, Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns, Band 3, Prag 1882, S. 340, 365. Die regionale Bevölkerung war gespalten. Orte und Teilorte wechselten mehrfach die Konfession. Es kam zu Übergriffen. Um, wie es heißt, „lutherische Gesinnung zu zeigen“, stahlen der Richter und einige andere Bürger dem katholischen Pfarrer 1571 den Getreidezehnten vom Feld. 1574 hatte sich das Blatt gewendet. Nun war der Pfarrer ein Lutheraner. Wiederum kam es zu einem schweren Eigentumsübergriff. Er richtete sich jetzt gegen die von Luther als „Blutsauger“ und „ekelhaftesten Auswurf“ bekämpfte jüdische Minderheit: Pfarrer und Richter „im Verein mit einigen Bauern“ beraubten 1573 durchreisende jüdische Tuchhändler. Das Bemühen der Opfer um Strafverfolgung und Wiedergutmachung bei den landesherrlichen Behörden geriet schikanös. Eine Beschwerde in Wien führte 1574 zur vorübergehenden Festnahme der Täter und zu einem Prozess. Pfarrer und Richter wurden nach einer Strafzahlung davongejagt. Die Opfer blieben entschädigungslos. Auch ihren Wagen und die gestohlene Ware erhielten sie nicht zurück.Die Judenverfolgung zu Gaunersdorf. Eine Criminalgeschichte aus alter Zeit, in: Freies Blatt, 26. August 1894, S. 10 f. (Digitalisat siehe: anno.onb.ac.at).Wiedemann: Die Judenverfolgung zu Gaunersdorf (1573). In: Die Jüdische Presse, 1876, Nr. 25, nach: Ludwig Geige (Hrsg.): Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, „aus der Wiener Presse“, Reprint, 1975, S. 149, Band 2.
Erst 1606 war nach Absetzung und zeitweiser Inhaftierung eines „häretischen“ und „liederlichen“ Pfarrers die Pfarre Gaunersdorf wieder fest in katholischer Hand.
Der Dreißigjährige Krieg berührte auch den Raum Mistelbach und mit ihm Gaunersdorf. Im Frühjahr 1621 wurde der Markt Mistelbach von ungarisch-siebenbürgischen „Streifscharen“ geplündert und teilweise niedergebrannt.Arthur Stögmann: „Der Schwed“ im nördlichen Niederösterreich und die Erinnerungskultur, in: Martin Scheutz, Katrin Keller: Die Habsburgermonarchie und der Dreißigjährige Krieg. Wien 2019, S. 377–396, hier: S. 377. Nach der Schlacht bei Jankau in Böhmen im März 1645, die zur „Katastrophe“ (Herfried Münkler) für die kaiserlich-habsburgischen Truppen wurde, wandte sich das schwedisch-protestantische Heer unter General Lennart Torstensson in Richtung Wien. Das geschah entsprechend den üblichen Formen damaliger Kriegsführung in Gestalt eines großen „Plünderungsfeldzugs“ (Herfried Münkler) in Niederösterreich,Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618–1648, Reinbek 2017. von dem auch Gaunersdorf betroffen war. Der Ort sei, so ein Chronist 1839, niedergebrannt worden.Honorius Ludwig Kraus: Denkbuch der Pfarre und Kirche zum heiligen Laurenz im Schottenfelde. Wien 1839, S. 140.
1670 wurde die jüdische Bevölkerung in Wien für verschiedene Unglücke und Brände verantwortlich gemacht. Sie hatte bis zum 14. April 1670 die Stadt zu verlassen.Renate Zedinger: . Jüdische Vertriebene kamen auch nach Gaunersdorf, von wo sie durch eine Gewaltaktion erneut vertrieben wurden.. Bis ins 19. Jahrhundert wurde danach die Region nur noch von mobilen jüdischen Händlern besucht, da die Ansiedlung weiter verboten blieb.
1682 und noch wieder 1713 traf die Pest den Ort, 1704 und 1777 kam es zu verheerenden Bränden.Honorius Ludwig Kraus: Denkbuch der Pfarre und Kirche zum heiligen Laurenz im Schottenfelde. Wien 1839, S. 140. Seit 1724 gibt es ein Grundbuch. 1752 wurde Anna Maria Griesbacherin mittels Wasserschub ins Banat verbannt. 1762 wurde das Dorf an Graf Vilana Perlas verkauft.
Sattelzeit/19. Jahrhundert Durch die Koalitionskriege gegen die Französische RepublikZur politisch-militärischen Konstellation und zur üblichen Terminologie siehe: Dieter Ruloff, Wie Kriege beginnen. Ursachen und Folgen, München 2004, 3., völlig neu bearbeitete Aufl., S. 129 f. wurde der Ort wieder in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen. So mussten etwa im April 1797 Schusswaffen, über die Einwohner verfügten, an das k. k. Militär abgeliefert werden, und ein Teil der Ortsbevölkerung wurde zu Schanzarbeiten nach Wien beordert. 1800 brachte die Bevölkerung 150 Gulden als Kriegsbeitrag auf. Im gleichen Jahr quartierte sich die k.k.-Armee ein und beraubte die Bürger ihres gesamten Brennholzvorrates. 500 französische Kriegsgefangene wurden vorübergehend festgehalten. Am 5. November 1805 wurden französische Soldaten in Gaunersdorf einquartiert. Dem Ort an der Fernverbindung „Brünner Straße“, einer französischen Aufmarschstrecke, wurden Lieferungen an die französische Armee auferlegt.Peter Kolecko/Peter Dachgruber, 1809–2009. 200 Jahre Marchfeldschlachten Aspern, 750 Jahre Deutsch-Wagram, Weishaupt 2009, S. 63 f. In der Chronik des heutigen Ortsteils Schrick gibt es den Hinweis, dass auf dem Schricker Berg „zum Gedenken an Napoleon“ nach dem Sieg der französischen Armee über die habsburgischen und zaristischen Truppen in der Schlacht bei Austerlitz 1805 vier Lindenbäume gepflanzt worden seien.HP der Gemeinde Schrick ort-schrick.at, hier: Unser Heimatort Schrick, members.aon.at.