Jacqueline Delubac (* 27. Mai 1907 in Lyon als Isabelle Jacqueline Basset; † 14. Oktober 1997 in Créteil) war eine französische Theater- und Filmschauspielerin. In den 1930er Jahren spielte sie erfolgreich in mehreren Stücken und Filmen von Sacha Guitry mit, den sie 1935 heiratete. Sie gehörte in dieser Zeit zu den bekanntesten Darstellerinnen in Frankreich und galt wegen ihrer modebewussten Erscheinung als Musterbeispiel der eleganten Pariserin. Nach Beendigung ihrer Bühnenkarriere widmete sie sich dem Aufbau einer Kunstsammlung, in der sich überwiegend Arbeiten von Künstlern des 20. Jahrhunderts befanden. Nach ihrem Tod hinterließ sie dem Musée des Beaux-Arts in Lyon bedeutende Werke ihrer Sammlung sowie aus dem Nachlass ihres zweiten Mannes, des Diamantenhändlers Myran Eknayan.
Leben Jugend Jacqueline Delubac kam 1907 in Lyon als Tochter des Kaufmanns Henri Basset und seiner Frau Isabelle, geborene Delubac, zur Welt. Henri Basset starb bereits 1911, als seine Tochter erst vier Jahre alt war. Isabelle Basset zog danach mit Jacqueline zu ihren Eltern nach Valence, wo der Großvater mütterlicherseits als Seidenhändler tätig war. Hier verbrachte Jacqueline Delubac ihre Kindheit. Schon früh zeigte sich ihr künstlerisches Talent. Im Alter von 13 Jahren veröffentlichte die Zeitschrift Les Marges, revue de littérature et d’art ein Gedicht der erst Dreizehnjährigen.Das Gedicht erschien in der Ausgabe vom 15. Dezember 1920. Siehe Brachlianoff, Briend: De Manet à Bacon, la collection Jacqueline Delubac, S. 97. Zusammen mit ihrer Mutter ließ sie sich 1928 in Paris nieder. Sie nahm Gesangs- und Tanzunterricht und trat auf der Bühne fortan mit dem Geburtsnamen ihrer Mutter auf.
Beginn der Schauspielkarriere Als Jacqueline Delubac debütierte sie 1928 in einer Revue von Rip (Georges-Gabriel Thenon) im Théâtre des Bouffes-Parisiens. 1930 trat sie im Théâtre de l’Empire in einer Revue auf, in der sie Tanzdarbietungen von Josephine Baker nachahmte. Als Schauspielerin trat sie im selben Jahr in einer Nebenrolle in dem Stück Étienne von Jacques Deval im Théâtre Saint-Georges auf. Parallel begann sie ihre Kinokarriere und drehte 1930 ihren ersten Film Chérie unter der Regie von Louis Mercanton. Es folgte eine Nebenrolle in dem Film Marions-nous (1931) ebenfalls von Mercanton und Une Brune piquante (1932) von Serge de Poligny.
Zusammenarbeit mit Sacha Guitry 1931 lernte Jacqueline Delubac den Dramatiker, Theaterregisseur und Schauspieler Sacha Guitry kennen. Er verpflichtete sie für eine Rolle in seiner Komödie Villa à vendre, in der er im Théâtre de la Madeleine an ihrer Seite spielte. Die beiden setzten ihre Zusammenarbeit fort, und Delubac trat in zahlreichen Stücken von Guitry auf, der immer wieder mit ihr gemeinsam auf der Bühne stand. So spielte sie 1933 die Hauptrolle in der Komödie Châteaux en Espagne am Théâtre des Variétés, trat am selben Theater in Mon double et ma moitié auf und hatte eine Rolle in L’École des philosophes im Théâtre du Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Hinzu kam ein Gastspiel in Son père et lui im Théâtre des Célestins in Lyon.
Im selben Jahr wurden Delubac und Guitry auch privat ein Paar, und sie zog in seine Wohnung in einem Hôtel particulier in der Pariser Avenue Élisée-Reclus ein. 1934 folgten weitere Auftritte in Guitrys Stücken L’Illusionniste im Théâtre des Variétes, und Le Nouveau Testament im Théâtre de la Madeleine. Jacqueline Delubac heiratete am 15. Februar 1935 den 22 Jahre älteren Sacha Guitry. Für sie war es die erste Ehe, für ihn bereits die dritte. Auf der Bühne war sie in diesem Jahr in La Fin du monde zu sehen, einem weiteren Stück von Guitry, das am Théâtre de la Madeleine aufgeführt wurde. Danach gastierte sie mit diesem Stück im Daly’s Theatre in London und in Italien.
Im selben Jahr überredete sie Guitry, erstmals für das Kino zu arbeiten. Der im April und Mai 1935 gedrehte Film Bonne chance! – Delubac spielte die Rolle der Marie Muscat – war die erste gemeinsame Arbeit fürs Kino. Es folgten weitere Filme, bei denen Guitry häufig seine eigenen Theaterstücke für das Kino bearbeitete, und in denen er meist selbst mitspielte. Delubac hatte unter Guitrys Regie allein 1936 Filmrollen in Le Nouveau Testament (als Juliette Lecourtois), Mon père avait raison (als Loulou), Le Roman d’un tricheur (als Henriette Gertrude Bled), Faison un rêve (als Elle) und Le Mot de Cambronne. Zudem spielte sie im selben Jahr auf der Bühne des Théâtre de la Madeleine in den Stücken Mon père avait raison, Geneviève und Le Mot de Cambronne (als La servante). Ebenfalls dort folgte 1937 die Rolle der Claudine André in Quadrille, wiederum ein Stück von Guitry. Quadrille wurde im selben Jahr von Guitry verfilmt, der neben Delubac und Gaby Morlay eine Hauptrolle spielte. Delubac (als Odette Cléry) und Guitry arbeiteten zudem in dem Film Désire zusammen. Zu ihren größten Erfolgen gehörte der ebenfalls 1937 gedrehte Film Les Perles de la Couronne (Die Perlen der Krone), den Guitry zusammen mit Christian-Jaque verwirklichte. An der Seite von Guitry und Raimu spielte Delubac in diesem Film gleich drei Rollen: Françoise Martin, Maria Stuart und Joséphine de Beauharnais. 1938 arbeiteten Delubac und Guitry wiederum in mehreren Produktionen zusammen. Bei der Neuinszenierung von Guitrys Stück Le Comédien im Théâtre de la Madeleine spielte Delubac die Rolle der Jacqueline Maillard. Weiter nahm sie die Rolle der Andrée Armand in dem nach einem Theaterstück von Guitry gedrehten Film L'Accroche-cœur von Pierre Caron an. Guitry schrieb zudem die Handlung des Films Remontons les Champs-Élysées, indem er selbst in mehreren Rollen auftrat und Delubac die Flora spielte. Ein Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit war ein Auftritt im Élysée-Palast während des Staatsbesuches des britischen Königs Georg VI. und seiner Frau Elizabeth. Guitry und Delubac spielten auf Einladung des französischen Präsidenten Albert Lebrun vor dem Königspaar und weiteren Gästen den von Guitry zu diesem Anlass geschriebenen Einakter Dieu sauve le Roy!
Am 3. November 1938 hatte das Stück Un monde fou am Théâtre de la Madeleine Premiere. Guitry trat in diesem von ihm geschriebenen Stück wiederum selbst auf, und Delubac übernahm die Rolle der Mademoiselle Putifat. Es war die letzte Zusammenarbeit von Guitry und Delubac, bevor sie sich im Dezember des Jahres trennten. Die Scheidung erfolgte am 5. April 1940.
Weitere Karriere als Schauspielerin Nach der engen Zusammenarbeit mit Guitry, setzte Delubac ihre Schauspielkarriere mit wechselnden Regisseuren fort. So übernahm sie 1939 im Film Jeunes Filles en détresse unter der Leitung von Georg Wilhelm Pabst die Rolle der Pola d’Ivry und spielte in Dernière Jeunesse die Figur der Marcelle. Regie führte bei diesem Film Jeff Musso und an ihrer Seite trat erneut Raimu auf, mit dem sie bereits in Perles de la Couronne zusammen gearbeitet hatte. 1940 folgten drei weitere Kinofilme. In La Comédie du bonheur von Marcel L’Herbier übernahm sie an der Seite von Michel Simon die Rolle der Anita, spielte in Le Collier de chanvre von Léon Mathot die Figur der Lady Gladys Carter-Fawcett und wirkte in L’Homme qui cherche la vérité von Alexander Esway mit. Hier tat sie als Jacqueline Diel erneut an der Seite von Raimu auf. 1941 kehrte sie zurück auf die Theaterbühne und spielt die Francine Chanal in La main passe von Georges Feydeau am Théâtre des Mathurins. Die Bühnenkostüme für diese Aufführung entwarfen der Schriftsteller und Maler Jean Cocteau und der Modeschöpfer Robert Piguet. Ebenfalls 1941 drehte sie unter der Regie von Maurice Tourneur den Film Volpone und übernahm die Rolle der Colomba.
1944 folgten weitere Auftritte am Theater. So spielte sie in Je vivrai un grand amour von Steve Passeur am Théâtre des Mathurins und in Trois douzaines de roses rouges von Georges Delance und Antonio de Benedetti. Mit diesem Stück gastierte sie 1948 am Théâtre des Célestins in Lyon und ging 1949 auf Tournee nach Marseilles, Algerien, Belgien und in die Schweiz. Zuvor war sie bereits 1945 auf Tournee in Südamerika unterwegs. Zusammen mit einer Gruppe Schauspielern unter der Leitung von Jean Marchat trat sie dort in den Stücken La Parisienne von Henry Becque, Le Misanthrope (Der Menschenfeind) von Molière, Histoire de rire von Armand Salacrou und Je vivrai un grand amour von Steve Passeur auf. Ebenfalls 1945 entstand der Film J’ai dix-sept ans von André Berthomieu, in dem sie die Rolle der Suzanne spielte. In Molieres Le Misanthrope trat sie 1947 im Pariser Théâtre des Mathurins erneut auf. 1948 folgten weitere Theaterrollen. So trat sie in N’empêchez pas la musique von Fabien Régnier am Théâtre de Poche in Genf und am Pariser Théâtre des Mathurins auf und ging mit Tous les deux von Michel Dulud auf Theatertournee durch die großen Städte Frankreichs und gastierte im Théâtre royal du Parc in Brüssel. 1949 war sie als Madame de Lannier in dem Film Le Furet von Raymond Leboursier zu sehen. Ihren letzten Film drehte sie 1950. In La vie est un jeu von Raymond Lebroursier spielte sie an der Seite von Louis de Funès die Rolle der Evanella. Im selben Jahr trat sie am Théâtre de la Potinière in Paris in Ce cher trésor von Pierre Maudru und Andre Rivollet auf. Es folgte 1951 eine Rolle in La Jeune Veuve von Antonio de Benedetti am Théâtre Monceau. Jacqueline Delubac beendete 1951 ihre Karriere als Film- und Theaterschauspielerin. Sie spielte insgesamt in 27 Theaterrollen und in 25 Kinofilmen mit. Unter dem Titel Faut-il épouser Sacha Guitry? veröffentlichte sie 1976 ihre Erinnerungen als Schauspielerin.
Der Modestil von Jacqueline Delubac