mini|Arthur Schnitzler, ca. 1912, Fotografie von Ferdinand Schmutzer Arthur Schnitzler ordnete bereits zu Lebzeiten seine Papiere (auf mehr als 40.000 Seiten geschätzt) und traf in seinen testamentarischen Bestimmungen über meinen schriftlichen Nachlaß Vorkehrungen, wie mit seinem Nachlass umzugehen sei. So legte er eine Sperrfrist für die Veröffentlichung seines Tagebuchs fest und bestimmte, dass seine Briefe niemals gekürzt veröffentlicht werden durften. Durch den „Anschluss“ Österreichs wurde der Großteil außer Landes gerettet und so vor der Zerstörung bewahrt. Heute hat dies zur Folge, dass es mehrere Aufbewahrungsorte gibt, die gemeinsam den Großteil der Papiere besitzen. Zu Lebzeiten trennte sich Schnitzler nur von wenigen Autografen, so dass Stefan Zweig 1928 befinden konnte, niemals „andere Arbeiten von Ihnen als Gedichte und Briefe im »Handel« gesehen zu haben.“
Geschichte des Nachlasses Rettung des Nachlasses nach Cambridge mini|Heinrich Schnitzler bewahrte den Wiener Nachlass in einer ehemaligen Waschküche in seinem Garten in der Sternwartestraße 56 auf, Fotos vom Zustand vor 1982Nach seinem Tod 1931 wurde der größte Teil seines literarischen Nachlasses in einem separat von außen zugänglichen Gartenzimmer seines Hauses belassen und dort von seiner Familie für wissenschaftliche Zwecke zugänglich gemacht. Zu Beratern seines Sohnes Heinrich in Nachlassangelegenheiten hatte Schnitzler testamentarisch seine beiden engsten Freunde bestimmt, den Schriftsteller Richard Beer-Hofmann und den Juristen und Schachmeister Arthur Kaufmann. Kurz nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde das Gartenzimmer des Schnitzlerschen Hauses auf Initiative des Cambridger Doktoranden der Germanistik Eric A. Blackall, der sich wegen seiner Dissertation über Adalbert Stifter in Wien aufhielt und mit Erlaubnis von Schnitzlers Nachkommen den Nachlass besichtigte, von der Britischen Botschaft in Wien versiegelt. Olga Schnitzler dürfte den Nachlass der Cambridge University Library „geschenkt“ haben, um es so zum englischen Eigentum werden zu lassen.Wilhelm Hemecker und David Österle: „»… so grundfalsch war alles Weitere« Zur Geschichte des Nachlasses von Arthur Schnitzler“, Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 58 (2014), S. 24. Problematisch erwies sich daran, dass Olga, da vom Autor geschieden, gar nicht verfügungsberechtigt war und der Autor testamentarisch seinen Sohn Heinrich zum einzigen Besitzer ernannt hatte. Dieser weilte aber nicht in Wien. Die Gestapo respektierte die britischen Siegel bei ihren Hausdurchsuchungen. Wenig später konnte der Großteil des Nachlasses, wiederum auf Blackalls Initiative und mit Zustimmung der Familie, nach England gebracht werden und fand in der Universitätsbibliothek Cambridge einen neuen Verwahrungsort. Zur von Heinrich Schnitzler angestrebten Weiterleitung an die Columbia University kam es nicht.Vgl. die Literaturliste zum Eintrag Arthur-Schnitzler-Archiv in Freiburg, sowie Thomas Trenkler: Im Labyrinth des Dr. Schnitzler. (über Konstanze Fliedls Arbeit), In: Tageszeitung Der Standard. Wien, 26. November 2011, Beilage Album, S. A1 f., und auf der Website der Zeitung seit 25. November 2011.
Olga Schnitzler hielt sich längere Zeit in Cambridge auf und kopierte (und fälschte) mit Unterstützung von Jella Lepman Materialien, um sie ihrem Sohn weiterzusenden.
Der als „privat“ eingestufte Teil des Nachlasses wurde der Familie rückgestellt, darunter das von Schnitzler an Olga geschenkte Manuskript des Reigen und Korrespondenzen sowie das Tagebuch, das frühestens 50 Jahre nach dem Tod veröffentlicht werden durfte. Dieser Nachlassteil wurde, weil Heinrich Schnitzlers aus den Vereinigten Staaten nach Österreich zurückgekehrt war, mit Wiener Nachlass betitelt und befindet sich heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach.
Mikroverfilmung 1950 war die Verfilmung des Nachlasses in Cambridge abgeschlossen,Hemecker/Österle, wie oben, S. 40. In der Zeit vor der Edition des NachlassverzeichnissesJutta Müller, Gerhard Neumann: Der Nachlass Arthur Schnitzlers. Verzeichnis des im Schnitzler-Archiv der Universität Freiburg i. Br. befindlichen Materials. Mit einem Vorwort von Gerhart Baumann und einem Anhang von Heinrich Schnitzler: Verzeichnis des in Wien vorhandenen Nachlassmaterials. Fink, München 1969. (Einleitende Bemerkungen zur "Gestalt und Geschichte des Nachlasses"; (Digitalisat)) wurde auch 1965 der Großteil der privaten Bestände im Familienbesitz in Wien auf Anordnung von Heinrich Schnitzler auf nunmehr insg. ca. 44Die genaue Anzahl ist unklar. Beispielsweise erwähnt das Nachlassverzeichnis 37 Rollen (Jutta Müller, Gerhard Neumann: Der Nachlass Arthur Schnitzlers. Verzeichnis des im Schnitzler-Archiv der Universität Freiburg i. Br. befindlichen Materials. Fink, München 1969, S. 15), führt aber einen Mikrofilm 40 an, bei Weiss (Robert O. Weiss: The Arthur Schnitzler Archive at the University of Kentucky. A series of microfilms made from Arthur Schnitzler's Nachlaß. In: MAL. 4 (1971), Nr. 1, S. 63–76, S. 63) wird von 38 gesprochen aber mit A und B, die sich gemeinsam auf einer Rolle befinden, werden 45 aufgeführt. Mikrofilmrollen reproduziert und anschließend Kopien erstellt.Brief von Bors & Müller an Heinrich Schnitzler, 15. März 1965. Aufbewahrt im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 372/B09 Solche wurden an zwei Forschungseinrichtungen in den USA (University of California, Los Angeles (UCLA) und International Arthur Schnitzler Research Association (IASRA), Binghamton (New York)) sowie an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg übergeben wurden, wo heute ein Arthur-Schnitzler-Archiv besteht. Eine vierte Kopie, die im Privatbesitz des Sohnes verblieb, wurde nach dessen Tod 1982 gemeinsam mit dem Wiener Nachlass Arthur Schnitzlers an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar übergeben.
Die Mikroverfilmung wurde in zwei Anläufen unternommen. Erste Verfilmungen entstanden 1947Unveröffentlichter Brief von Heinrich Schnitzler an Gisela Hajek, 8. Februar 1947, dabei wurden die Filme A, B und C, vermutlich auch D erstellt. Dann folgten um 1950 die Mikrofilme #1 bis #38 sowie #23A (D, hier zum ersten Mal genannt, gehört in den Anschluss von #34).Robert O. Weiss: The Arthur Schnitzler Archive at the University of Kentucky. A series of microfilms made from Arthur Schnitzler's Nachlaß. In: MAL, 4, Nr. 1, S. 63–76, 1971, S. 63. In einem Brief vom 12. Januar 1965 nennt Heinrich Schnitzler noch drei zu erstellende Filme, bis „wirklich der gesamte Nachlass zur Verfügung stände“.Heinrich Schnitzler an Gerhart Baumann, 12. Januar 1965. Arthur Schnitzler-Archiv, Freiburg. 1966 wurden für das Schnitzler-Archiv 38 Rollen kopiertAuskunft des Schnitzler-Archivs, 18. Juni 2014, nach Durchsicht des Briefwechsels Gerhart Baumann – Heinrich Schnitzler., woraus sich 41 als vollständige Anzahl der Filme ergäbe. Ein Verzeichnis der Bestände findet sich auf der Website der UCLA. Anhand der Mappe 212 mit Dramenplänen lässt sich die komplexe Situation illustrieren, in der sich der Nachlass heute befindet: Eigentlich gehört die Mappe nach Cambridge, dürfte aber zu den Wiener verfilmten Teilen gehören. Durch den Mikrofilm kam die Mappe in Kopie nach Freiburg und wurde umkategorisiert, hat hier die Signatur B. I. Die Mappe selbst ist aber nicht mehr an ihrem Verwahrungsort in England, sondern kam durch die Übergabe des Nachlasses von Heinrich Schnitzler an das DLA in Marbach. Hier wurden die alten Signaturen nur teilweise berücksichtigt, und sie findet sich nunmehr umbetitelt auf Dramatische Pläne mit der Zugangsnummer HS.NZ85.0001.00004. Die an sich schon problematische Situation verschlechtert sich auch dadurch, dass Teile des CUL-Nachlasses bei der Verfilmung vergessen wurdenVgl. die Auflistung im Janus-Katalog . Eine vollständige Überprüfung von Beständen lässt sich somit eigentlich nur durch Besuche in den drei Hauptorten Cambridge, Marbach und Freiburg vornehmen.
Seit Mai 2024 sind die Mikrofilme online als Website des Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) verfügbar.
Verzeichnisse Neben dem inzwischen digital zugänglichen Nachlassverzeichnis, das sich an den Freiburger Beständen orientiert, lassen sich die im Besitz des Deutschen Literaturarchivs und der Cambridge University erhaltenen Papiere über den Katalog Kallias des DLA suchen. Eine Konkordanz des Nachlasses selbst sowie der Mikrofilme ist über die Homepage des Editionsprojekts Arthur Schnitzler digital zugänglich.
Verwahrungsorte mini|Arthur Schnitzler, Manuskriptseite aus dem Theaterroman, Seite 108
Cambridge University Library In Cambridge wird bis heute der Großteil der Werkmanuskripte sowie die von Schnitzler selbst als bedeutend eingestuften Korrespondenzen aufbewahrt.
Restitutionsfrage Am 11. Jänner 2015 veröffentlichte Thomas Trenkler in der Wiener Tageszeitung Kurier eine Auswertung der im Herbst 2014 erschienenen Familiengeschichte Die Schnitzlers von Jutta Jacobi und der nahezu gleichzeitig veröffentlichten Darstellung der frühen Nachlasswirren durch David Österle und Wilhelm Hemecker. In seiner Schlussfolgerung, die er auf eine mündliche Äußerung des Anwalts Alfred Noll stützt, sieht er Familie Schnitzler von der Cambridge University Library in einer Notlage erpresst. Der Nachlass wäre demzufolge an die Erben Heinrich Schnitzlers zurückzustellen. In Folge gab es eine Übereinkunft der Enkel Peter und Michael Schnitzler, so dass der Nachlass in Cambridge blieb.
Deutsches Literaturarchiv Marbach Der sogenannte Wiener Nachlass, also Materialien die durchwegs im Familienbesitz geblieben waren, ging nach dem Tod von Heinrich Schnitzler 1982 nach Marbach am Neckar in das Deutsche Literaturarchiv. Er enthält neben wenigen Werkmanuskripten vor allem die private und berufliche Korrespondenz (mit Ausnahme ›großer‹ Namen). Objekte davon sind im Literaturmuseum der Moderne in Marbach in der Dauerausstellung zu sehen, insbesondere das Manuskript zu Lieutenant Gustl. Dort wird allerdings nur ein Faksimile gezeigt. Die Originalhandschrift befindet sich im Cambridger Bestand.
Österreichische Gesellschaft für Literatur (Kopien) Bevor der Wiener Nachlass nach dem Tod Heinrich Schnitzlers an das Deutsche Literaturarchiv gebracht wurde, wurden Fotokopien großer Teile des Bestands für die „Arthur Schnitzler-Gesellschaft“ gemacht. Diese liegen heute in der Österreichische Gesellschaft für Literatur. Dazu kamen teilweise Mappenkopien aus Cambridge und einzelne Kopien aus andere Quellen. Der Bestand enthält auch einen handgeschriebenen Karteikasten mit den erwähnten Personen in der Korrespondenz zwischen Schnitzler und seiner Frau Olga.
Exeter University Library Die Zeitungsausschnittsammlung Schnitzlers mit Rezensionen und Meldungen zu ihm wurde der Exeter University Library überantwortet. Eine Digitalisierung der Bestände wurde vom Austrian Centre for Digital Humanities 2019 online gestellt.
Arthur-Schnitzler-Archiv, Freiburg Ausgehend von den Mikrofilmen gründete Gerhart Baumann in den 1960er Jahren das Arthur-Schnitzler-Archiv in Freiburg. Es ist ein durch Sammlung erweitertes Kopienarchiv.
Weitere Bestände mini|Handschriftliches Rezept von Arthur Schnitzler, Privatbesitz
Schenkungen von Arthur Schnitzler Am 18. Mai 1898 meldete das Neue Wiener Tagblatt, dass – neben anderen – Schnitzler ein Autograph für das „Paradeisgartelfest“ im Garten des Schloss Belvedere zur Verfügung gestellt hatte. Es handelte sich um den Spruch: „So keusch, als du sie träumst, erringst Du kein Gemal; / Die Best ist auch schon Wittib: ihr starb ein Ideal.“ Verbleib ungeklärt. Eine 31 Blätter umfassende Skizze des dreiaktigen Aufbaus von Liebelei ist seit 1926 als Geschenk Schnitzlers im Bestand der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus (H.I.N. 63512). Ein Manuskript von Der Ruf des Lebens an Stefan Zweig, heute im Theatermuseum (Wien) … an Olga Schnitzler