Johann Friedrich Thilo Irmisch (* 14. JanuarIrmischs Selbstauskunft 1872, S. 272.Im Geburtenbuch von St. Trinitatis in Sondershausen (abgebildet bei May und Köhler S. 2; vgl. Commons) ist der 4. Januar als Geburtstag angegeben. Diese Angabe ist jedoch erst am 11. Februar eingetragen; ein Schreibfehler ist plausibel. 1816 in Sondershausen; † 28. April 1879Irmisch todt! (von Gottgetreu Schmidt) und Todesanzeige in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 29. April 1879, S. 202 bzw. 204. ebenda) war ein Botaniker, Heimatforscher und Gymnasiallehrer im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“. mini|Thilo Irmisch, etwa 43 Jahre altGeiger 1982, S. 338.
Leben Herkunftsfamilie Thilo Irmisch entstammte der Ehe von Johann Friedrich Irmisch (* 5. Dezember 1783 in Straußberg, † 29. Oktober 1864 in SchlotheimTodesanzeige in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung 1864 Nr. 131.) mit Antoinette Marianna Dorothea Freytag (* etwa 1798,laut May und Köhler S. 4: * 22. Mai 1794. Ihre Eltern (s. u.) haben jedoch erst am 16. Juli 1797 geheiratet (laut Nachrichten von der Familie Gottschalck 1851, S. 65). † 25. März 1834 in Schlotheim).
Antoinettes Vater war der Fürstliche Forstrat Johann Anton Christoph Freytag (* 16. März 1768 in Clingen, † 7. Februar 1827 in SondershausenTodesangabe in Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 18. März 1827, S. 92.) in Sondershausen; ihre Mutter war Henriette Christiane Emilie geb. Brinckmann (* 2. Dezember 1769 in Nordhausen, † 23. Dezember 1835 in SondershausenTodesanzeige in Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 27. Dezember 1835, S. 419.). Antoinette hatte zwei Schwestern. Friederike Louise (* 4. Mai 1805 in Sondershausen, † 6. Juli 1882 ebendaTodesanzeige in Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz 1882 Nr. 158.) heiratete den Regierungsrat Adolf Gottschalck (1794–1855); sie lebten im „Gottschalckschen Haus“ in Sondershausen. Bei ihnen wohnte auch die unverheiratete zweite Schwester Emilie (* etwa 1801, † Mai 1889Todesangabe in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 13. Juni 1889, S. 283.).Vgl. Adressbuch Sondershausen 1877, S. 28 und 30.
Thilos Vater Friedrich war ein Sohn des Johann Friedrich Irmisch (* 21. April 1748 in Blechhammer, † 26. Juli 1818 in Straußberg)laut May und Köhler S. 4., der (spätestens ab etwa 1777)Fürstlich-Schwarzburg-Rudolstädtischer Hof- und Addreß-Calender auf das Jahr 1778, S. 139. Förster im Schwarzburg-Rudolstädtischen Straußberg war. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Rudolstädter Hof mit Trüffeln zu versorgen; nebenbei betrieb er eine Feuerschwamm-Fabrikation.Über die Trüffeln usw. 1873, S. 382. Dessen Sohn (Friedrichs jüngerer Bruder) Ferdinand (* 17. März 1787 in Straußberg, † 19. Juli 1849 in Schlotheim) war als sein Amtsnachfolger ebenfalls ein Trüffelexperte. Friedrichs älterer Bruder Friedrich Carl (* 19. April 1781 in Straußberg, † 28. Mai 1862 in EbelebenTodesanzeige in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 3. Juni 1862, S. 520.) war zunächst Leibkutscher bei Fürst Günther in Sondershausen. In dieser Funktion half er dem Preußischen König Friedrich Wilhelm 1806 bei der Flucht vor den französischen Truppen.Beiträge zur Schwarzburgischen Heimathskunde, Band 1, S. 323; Huschke, Alte Geschichten, in Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz 1902 Nr. 178. Kurz darauf wurde Carl Leibjäger;Vgl. Schwarzburg-Sondershäusischer Hof- und Address-Kalender auf das Jahr 1831 S. 23. 1835 wurde er Hofjäger, 1837 Förster in Ebeleben und 1857 Wildmeister.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 11. Oktober 1835, S. 323, vom 1. Oktober 1837, S. 333, und vom 4. Juli 1857, S. 335. Zum Ruhestand 1860 erhielt er das Schwarzburgische Ehrenkreuz III. Klasse.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 8. September 1860, S. 899. Carls Witwe Christiane Auguste (* etwa 1800, † Mai 1883 in Sondershausen)Todesangabe in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 7. Juni 1883, S. 271. zog 1864 mit der Tochter Friederike nach Sondershausen.Anzeige in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 25. Juni 1864, S. 602; Adressbuch Sondershausen 1877, S. 36, und 1882, S. 37. Friedrichs jüngere Schwester Auguste Henriette (* 30. April 1791 in Straußberg, † 18. November 1826 in SondershausenTodesangabe in Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 1. Januar 1827, S. 6.) war mit dem Pächter G. W. Beyer verehelicht.
Thilos Vater Friedrich war, wie sein Bruder Carl, zunächst Fürstlicher Jäger in Sondershausen. Etwa zur Zeit der Eheschließung mit Antoinette Freytag am 24. November 1815 wechselte er als Privatförster in den Dienst der Familie Hopffgarten im Schwarzburg-Rudolstädtischen Schlotheim.Vgl. Geburtenbuch. Dort wuchs Thilo bis ins 14. Lebensjahr auf. In der Zeit wurden drei Geschwister geboren. Bei der Geburt des fünften (totgeborenen) Kindes 1834 starb die Mutter Antoinette. Der Vater ging 1835 eine zweite Ehe ein mit der Pfarrerstochter Johanne Friederike Theodore Spannaus (* 28. März 1799 in Schlotheim, † 16. Februar 1878 in Sondershausen). Beim Tod des Vaters 1864 war Thilo neben der Witwe Theodore und einer minderjährigen Tochter Auguste Herzer in Badra der einzige Erbe.Edictalladung in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 18. April 1865, S. 357. Die Witwe zog Ende 1864 nach Badra;Anzeige in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 20. Dezember 1864, S. 1210. sie starb jedoch in Sondershausen.Todesangabe in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 2. März 1878, S. 108.
Ausbildung und Beruf Ab Ostern 1829 besuchte Thilo das gerade gegründete Gymnasium in Sondershausen; dabei lebte er in der Familie seiner Tanten im Gottschalckschen Haus. In der musikreichen Residenzstadt lernte er den Kapell-Hautboisten David Himmelstoß (1776‒1840) kennen, in dessen musizierender Familie er „in [s]einer Jugend manche frohe Stunde verlebte“.Über den Schriftsteller Carl Ludloff usw. 1874, S. 543 Sp. 1 und 547 Sp. 2.Dazu gehörten neben dem Vater David mit seiner Frau Auguste geb. Kirchner (1783‒1862) und ihrer Schwester Dorothea verwitw. Ludloff (1774‒1845) die musizierenden Söhne Carl (1806‒1855), Wilhelm (1809‒1876) und August (1817‒1877). Vgl. Zur Erinnerung an Wilhelm Himmelstoß usw. 1876, S. 571 Sp. 3. Irmisch behielt sein Leben lang, wenn auch als Laie, eine Neigung zur Welt der Musik.
Vor allem beschäftigte er sich gern mit Pflanzensuchen und Pflanzenbestimmungen. Mit seinem engen Schulfreund Ludwig Bloedau (1820‒1870) besuchte er häufig dessen Eltern in Himmelgarten; dort befreundeten sie sich mit dem Arzt und Botaniker Friedrich Wallroth (1792‒1857), der als Kreisphysikus in Nordhausen und Freund der Familie ein sehr häufiger Gast war. Wallroth war mit Thilos Onkel Ferdinand gut bekannt; von ihm bezog er reiche Trüffelproben.Über die Trüffeln usw. 1873, S. 387. Thilo war mit Wallroth bis in dessen letzte Jahre in vielfältigem Kontakt. Nach seinem Tod schrieb er einen sehr persönlichen und informationsreichen Nachruf und half beim Nachlass.Zur Erinnerung an C. Fr. W. Wallroth usw. 1857; Wallroth’s Sammlungen 1858.
In Irmischs Abiturzeugnis vom Ende März 1836 wurden seine besonderen botanischen Interessen und Kenntnisse hervorgehoben. An der Universität Halle schrieb er sich Anfang Mai in der theologischen und in der philosophischen Fakultät ein, und in dem vorgeschriebenen dreijährigen Studium bis Frühjahr 1839 hörte er alles, was für das theologische Staats-Examen verlangt war.Laut Müllerott (1974; 1980, S. 59) hielt er auch eine Probepredigt in Sondershausen. Die faktische Grundlage für diese Angabe ist jedoch unbekannt. Nur im 1. Semester belegte er außerdem eine Veranstaltung von Schlechtendal, dem Direktor des Botanischen Gartens. Schlechtendal (1794–1866) nahm sich seiner sofort „auf das Wohlwollendste“ an, und er wandte der Botanik einen großen Teil seiner Energie zu. So war er 1837 mit Wallroth und Bloedau wochenlang auf ExkursionZur Erinnerung usw. 1857, Sp. 550f.; 1838 (in seinem 4. Semester) erschien ein erster langer Artikel von ihm in Schlechtendals Zeitschrift Linnaea, 1839 ein (kürzerer) zweiter. Im Herbst 1838 kam Bloedau nach Halle, um ein Medizinstudium aufzunehmen. Im Sommer 1839 belegte Irmisch noch ein zusätzliches SemesterVerzeichnis der Studierenden in Halle No. 35 (SS 1839), S. 11. mit naturwissenschaftlichen Veranstaltungen und hörte, wie Bloedau, Geognosie und Mineralogie bei Germar und Zoologie bei Burmeister; als Hilfskraft bei Schlechtendal stellte er einen neuen Herbar-Katalog mit 7600 Einträgen zusammen.Werner 1988, S. 13. Archiveintrag: Index Herbarii Universitatis Litter. Halensis / conscriptus a Thilone Irmisch theol. st. Thuringo. 1839. Handschrift, Signatur: Hs.-Abt. Yf 8° 28. (Katalognachweis)
Im Herbst 1839 setzte Bloedau sein Medizinstudium in Göttingen fort, und Irmisch ging als Hauslehrer in die Familie des Amtsrats Carl Christian Felber auf dem ehemaligen Klostergut Teistungenburg zwischen Duderstadt und Worbis.Geiger 1980, S. 360; Amtsblatt der königlichen Regierung zu Erfurt. Jahrgang 1840, S. 231. Felber selbst hatte 1812‒1813 den späteren Botaniker Ernst Meyer als Hauslehrer;Geiger 1982, S. 338; vgl. Meyers Autobiographie in Die neuen Preußischen Provinzial-Blätter andere Folge. Band XI, 1857, S. 204. vielleicht hat das diese Entscheidung begünstigt. In den fünf sehr harmonischen Jahren als Hauslehrer verfolgte er systematische botanische Interessen. Zum einen veröffentlichte er 1842 eine ausführlich begründete Ordnung der Orchideen.Bemerkungen über die Epipactisarten usw.; analysiert bei Reinhardt 2007. Zum andern entwickelte er eine sehr allgemeine Systematik der Lebensformen, die er als ein Büchlein drucken ließ, in dem er sich an den Freund Bloedau wandte.Der Anorganismus usw. 1843, S. 3.