Die Alsenztalbahn – auch Alsenzbahn genannt – ist eine Hauptbahn in Rheinland-Pfalz. Sie verläuft von Hochspeyer über Winnweiler und Alsenz nach Bad Münster am Stein. Die Strecke folgt ab Enkenbach bis Bad Münster dem Fluss Alsenz, den sie mehrmals überquert. Sie wurde in erster Linie in Konkurrenz zur rechtsrheinischen Verbindung über Frankfurt als kürzeste Transit- und Fernverkehrsstrecke von den Nordseehäfen in Belgien und den Niederlanden und den Kohlerevieren am Niederrhein nach Süddeutschland, der Schweiz und Italien gebaut. Diese Funktion hatte sie allerdings schon seit dem Ende des Ersten Weltkriegs durch den Heimfall des Elsass an Frankreich eingebüßt.

Geschichte Planung (1860–1868)

Bereits in Geschäftsberichten der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft für die Jahre 1859 und 1860 machte sich diese für eine Bahnstrecke entlang der Alsenz stark. Argumente für eine solche Bahnlinie waren, dass es sich bei dem Alsenztal um eine fruchtbare Region mit viel Industrie handelte und dass die Strecke das Potenzial besaß, zu einer wichtigen Transitstrecke der damals bayerischen Pfalz in Nord-Süd-Richtung zu werden. Zwar bestand ab 1859 eine durchgehende Nord-Süd-Magistrale vom Rheinland über Rheinhessen bis Ludwigshafen in Form der linken Rheinstrecke Köln – Mainz und der Bahnstrecke Mainz – Ludwigshafen. Jedoch war die Linienführung über Mainz ein Umweg, sodass es Pläne gab, eine kürzere, von der Rhein-Nahe-Bahn abzweigende Bahnlinie ab etwa Münster am Stein in Richtung Süden entlang der Alsenz im Einzugsgebiet des Donnersbergs über Rockenhausen und Winnweiler und von dort aus Richtung Neustadt einzurichten.

Noch 1859 bildete sich mit Zustimmung der bayerischen Staatsregierung ein Komitee. 1860 sah ein erstes Projekt die Linienführung von Kaiserslautern über Otterberg und Winnweiler nach Münster am Stein vor.Geschichte des Bahnbaus aus dem Bericht der Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen für das Jahr 1871 Da diese wegen der zu erwartenden hohen Kosten alleine nicht rentabel erschien, folgte 1863 ein Entwurf von Ingenieuren der Ludwigsbahn-Gesellschaft für die kürzeste Verbindung zwischen Bingerbrück und Neustadt und eine ergänzende Linie von Winnweiler nach Hochspeyer. Die Pläne für diese Alsenzstrecke konkurrierten mit denen des Comitees der Notabeln des Glan- und Lautertales, das sich für eine Magistrale von Kaiserslautern entlang des Lauter- und des unteren Glantals zur Nahe einsetzte. Parallel trat die Donnersberger Bahn mit der Linienführung von Kaiserslautern über Kirchheimbolanden nach Alzey in den Vordergrund. Dies führte 1864/1865 zur Kombination beider Strecken mit einer Linienführung der Alsenzbahn von Hochspeyer nach Münster am Stein und der Linie Enkenbach nach Langmeil als Gemeinschaftsstrecke.

Diesen Plänen fehlte allerdings noch der sichere Anschluss an die Rhein-Nahe-Bahn in Münster am Stein. Hierzu schlossen am 28. Oktober 1865 Bayern und das Königreich Preußen einen Staatsvertrag, der vorsah, die Alsenzstrecke im preußischen Münster in die Nahestrecke einzufädeln. Nach einer Verzögerung durch die Kriegsereignisse von 1866 wurde die „Bauconession“ durch die bayerische Regierung am 23. November 1867, durch die preußische Regierung am 12. Juli 1868 erteilt. Die Baukosten wurden mit 7700 Gulden veranschlagt, es wurde eine Zinsgarantie von vier Prozent zugesagt.

Bau, Eröffnung und Folgezeit (1868–1875)

Die Projektierung für die endgültige Linienführung wurde im Juli 1868 abgeschlossen und die Genehmigung für den Erwerb der notwendigen Grundstücke im September 1868 erteilt. Als Betreiber der Strecke war die 1866 gegründete Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen vorgesehen, die auch für die zwei Jahre später eröffnete Bahnstrecke Landstuhl–Kusel zuständig war. Vier Sektionen (Hochspeyer, Winnweiler, Alsenz und Ebernburg) unter der Leitung der Ingenieure Foltz, Kärner, Opfermann und Serini waren für den Bau verantwortlich, der 1868 begann. Das für die Errichtung der Bahn notwendige Grundeigentum wurde problemlos erworben. Klärungsbedarf gab es noch bezüglich der Lage des Bahnhofs Alsenz und der Einfädelung der Bahnlinie in die Nahe-Bahn. Obwohl der Oberbau zunächst nur eingleisig war, wurde der Unterbau schon für zwei Gleise ausgeführt. Nur auf der Strecke Enkenbach – Hochspeyer war auch der Unterbau nur eingleisig. Beim Bau gab es geologische Probleme, so musste beispielsweise die Wasserscheide zwischen dem Hochspeyerbach und der Alsenz überwunden und der 436 Meter lange Altenhof-Tunnel aus Sandstein durchgebrochen werden. Den 363 Meter langen Tunnel bei Imsweiler musste man durch Tonschiefer und äußerst harten Melaphyr treiben, den 283 Meter langen Tunnel bei Alsenz durch sehr wasserreichen Tonschiefer. Für den kurzen preußischen Abschnitt vor Münster folgte die Besitzeinweisung erst im Februar 1870.

Um die Interessen der Stadt Kaiserslautern nicht außer Acht zu lassen, wurde südlich von Fischbach eine Verbindungskurve nach Hochspeyer erstellt, um entsprechende Zugläufe zu ermöglichen. Eigens dafür erhielt Hochspeyer einen neuen Abzweigbahnhof. Der Abschnitt Hochspeyer – Winnweiler wurde am 29. Oktober 1870 eröffnet. Die Fertigstellung des Abschnitts Winnweiler – Münster am Stein verzögerte sich wegen der Tunnels und durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges. Am 16. Mai 1871 war die Gesamtstrecke fertiggestellt. Zunächst diente sie ausschließlich dem Rücktransport deutscher Truppen samt Waffen aus dem Krieg. Die Eröffnung für den Zivilverkehr fand am 15. Juli statt. Die Alsenzstrecke entwickelte sich in der Folgezeit zur Stammstrecke der Nordbahn-Gesellschaft. In Kombination mit dem Ludwigsbahn-Abschnitt Neustadt (Weinstr) – Hochspeyer und der Pfälzischen Maximiliansbahn war die Alsenztalbahn fortan Teil einer weiteren pfälzischen Magistrale als kürzeste linksrheinische Nord-Süd-Verbindung. Auf diese Weise konnten auf diesen Strecken Züge von Köln bis Basel unter Vermeidung der bisherigen Route entlang des Rheins geführt werden.

Weitere Entwicklung

Trotz der Anbindung der Strecke in Richtung Hochspeyer/Kaiserslautern wurde bereits 1875 die Bahnstrecke Kaiserslautern–Enkenbach in Betrieb genommen, die in Richtung Westen eine kürzere Verbindung darstellt als der Weg über Hochspeyer. Aus diesem Grund befuhren ab Enkenbach viele Züge nach Kaiserslautern diese neue Strecke. Nachdem von 1873 bis 1874 mit der Donnersbergbahn Alzey – Marnheim und der Zellertalbahn Langmeil – Monsheim zwei benachbarte Magistralen nach Hessen entstanden waren, nahm der Verkehr zwischen Enkenbach und Langmeil deutlich zu. Fortan verkehrten dort Züge bis ins Rhein-Main-Gebiet, so beispielsweise nach Frankfurt (Main) oder Mainz. Aus diesem Grund war dieser Streckenabschnitt ab dem 15. Oktober 1877 zweigleisig befahrbar. Da der Verkehr auf der restlichen Alsenzstecke in der Folgezeit ebenfalls zunahm, wurde sie bis 1901 vollständig zweigleisig ausgebaut. In den Folgejahren erhielten die Bahnhöfe und Haltepunkte Bahnsteigsperren.

mini|Bahnhof Ebernburg im Jahr 1910

Am 1. Januar 1909 ging die Strecke zusammen mit den übrigen zu den Pfälzischen Eisenbahnen gehörenden Gesellschaften in das Eigentum der Bayerischen Staats-Eisenbahnen über. Damals verwaltete die Betriebs- und Bauinspektion Kaiserslautern I den Abschnitt von Hochspeyer bis kurz vor Enkenbach, für die Reststrecke war Kaiserslautern II zuständig. Nachdem 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, fuhren zu Kriegsbeginn über den Streckenabschnitt Langmeil – Enkenbach vom 9. bis 16. August täglich 20 Militärzüge von Worms nach Saarbrücken.

1920 wurde die Linie Eigentum der Deutschen Reichsbahn. 1922 erfolgte die Eingliederung des pfälzischen Streckenabschnitts in die neu gegründete Reichsbahndirektion Ludwigshafen. Zum 1. Juni 1936 wurde deren Grenze zugunsten der Reichsbahndirektion Mainz verschoben, die nun auch für den Bahnhof Ebernburg zuständig war. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 30. Mai 1936, Nr. 25. Bekanntmachung Nr. 253, S. 125. Am 1. April 1937 wurde die Ludwigshafener Direktion aufgelöst; zuständig war fortan die Direktion in Mainz. Für den Abschnitt Hochspeyer – Langmeil war das Betriebsamt (RBA) Neustadt (Weinstr) zuständig, für die Reststrecke das Amt Bad Kreuznach. Im Zweiten Weltkrieg diente die Strecke hauptsächlich Truppentransporten.

Deutsche Bundesbahn (1945–1993) Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstand die Bahnstrecke zunächst der Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen (SWDE), die 1949 in die neu gegründete Deutsche Bundesbahn (DB) überging. Bereits seit 1945 war sie Bestandteil der Eisenbahndirektion Mainz.

In den Folgejahren wurden mit Neuhemsbach, Dielkirchen, Bayerfeld-Cölln, Mannweiler und Ebernburg mehrere Unterwegshalte aufgrund mangelnder Inanspruchnahme aufgelassen. Bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke Mannheim – Saarbrücken in der ersten Hälfte der 1960er Jahre war dies auch für die Alsenzstrecke vorgesehen. Aus diesem Grund erhielt der Rangierbahnhof Einsiedlerhof ein Unterwerk. Eine Elektrifizierung der Alsenztalbahn wurde jedoch bis heute nicht in Angriff genommen.

Im Juli 1963 wurde der Abschnitt zwischen Hochspeyer und Enkenbach (einschließlich der Verbindungskurve Richtung Frankenstein) auf eingleisigen Betrieb umgestellt.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 12. Juli 1963, Nr. 31. Bekanntmachung Nr. 282, S. 132. Im gleichen Jahr wurden die Namen von Hochstein-Tunnel und Kupferschmelztunnel getauscht.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 4. Oktober 1963, Nr. 44. Bekanntmachung Nr. 434, S. 205; Begründung: weil „der Örtlichkeit entsprechend“. Der neue Hochstein-Tunnel bei Streckenkilometer 18,4 wurde 1970 aufgeschlitzt. Im Zuge der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz wechselte die Strecke mit Wirkung zum 1. August 1971 in den Zuständigkeitsbereich der Bundesbahndirektion Saarbrücken. Nachdem sämtliche Anschlussstrecken, wie die Eistalbahn, die Zellertalbahn und die Donnersbergbahn für den Personenverkehr stillgelegt worden waren, war die Alsenztalbahn von 1983 bis 1994 im 1969 gebildeten Donnersbergkreis die einzige Bahnstrecke, die vollständig in Betrieb war. Die Schmalspurbahn nach Obermoschel war bereits in den 1930er Jahren stillgelegt worden.

In den 1980er Jahren wurde die Stellwerkstechnik der Strecke erneuert. So wurden die Form- durch Lichtsignale ersetzt und weitere Rationalisierungsmaßnahmen durchgeführt. Nur die Bahnschranken bei Schweisweiler wurden noch per Hand bedient. Mit Einführung des Interregio waren Bemühungen vor Ort vergeblich, diesen auf der Strecke verkehren zu lassen.

Deutsche Bahn (seit 1994) Im Zuge der Bahnreform ging die Alsenztalbahn in das Eigentum der Deutschen Bahn (DB) über. 1999 wurde in Münchweiler an der Alsenz zwischen Langmeil und dem aufgelassenen Bahnhof Neuhemsbach ein neuer Haltepunkt eingerichtet. Damit verlor der Bahnhof Langmeil, der bisher von der Münchweilerer Bevölkerung benutzt worden war, an Bedeutung, weshalb dieser Ende 2006 aufgelassen wurde. Seit 1999 ist der Abschnitt Hochstätten – Bad Münster Bestandteil des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbundes (RNN). Ab 2000 gehörte der Abschnitt Hochspeyer – Alsenz zum Westpfalz-Verkehrsverbund (WVV), ehe dieser 2006 im Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) aufging.

Im Zuge des Rheinland-Pfalz-Taktes 2015 werden die neuen Regionalexpress-Linien Koblenz – Bingen – Bad Kreuznach – Kaiserslautern (ab Dezember 2016) sowie Mainz – Bad Kreuznach – Kaiserslautern (ab Dezember 2014) eingerichtet, die beide über die Alsenztalbahn fahren und vom Eisenbahnverkehrsunternehmen Vlexx betrieben werden.Zughalt.de: Dieselnetz Südwest geht an DB Regio und Netinera

Der Haltepunkt Altenbamberg wurde bis zum Jahr 2018 umgebaut, mit der Fertigstellung wurde dort dann der letzte Schrankenwärterposten in der Pfalz, wo die Schranke von Hand herunter gekurbelt wurde, aufgelöst. In: Allgemeine Zeitung. 11. Dezember 2015.