Leitzersdorf ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich. mini|Trockenrasen am Waschberg, im Hintergrund: Leitzersdorf
Geografie Leitzersdorf liegt im niederösterreichischen Weinviertel, nordöstlich von Stockerau. Der Hauptort liegt auf 227 Metern Seehöhe. Leitzersdorf ist ein langgestrecktes Linsenangerdorf an der Landesstraße L26 zwischen Stockerau und Ernstbrunn. Das Gemeindegebiet ist überwiegend sanft hügelig und liegt großteils rund 200 Meter über dem Meer. Im Osten steigt das Gebiet zum Waschberg an. Der in der amtlichen topografischen Karte als Waschberg bezeichnete Gipfel liegt auf 388 Metern. Im östlich anschließenden bewaldeten Kamm erreicht das Gelände innerhalb der Gemeinde Leitzersdorf rund 395 Meter. Der Waschberg liegt sowohl in der Gemeinde Leitzersdorf als auch in der Gemeinde Niederhollabrunn. Das Gemeindegebiet wird in westlicher Richtung zum Senningbach entwässert.
Die Fläche der Gemeinde beträgt km². Der Waldanteil liegt bei 7,75 Prozent. Rund 83 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Die bewaldeten Flächen im Osten gehören zum Rohrwald.Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Gemeinde Leitzersdorf, Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1, S. 50–59.
Der Waschberg gehört zum Natura-2000-Europaschutzgebiet „Weinviertler Klippenzone“. Im offenen Bereich rund um das Gipfelkreuz befindet sich einer der wenigen noch erhaltenen größeren Halbtrockenrasen des Weinviertels. Durch das trocken-warme pannonische Klima, den Waschbergkalk und die traditionelle Bewirtschaftung sind dort artenreiche Lebensräume entstanden. Dazu zählen naturnahe Kalk-Halbtrockenrasen und pannonischer Eichen-Hainbuchenwald. Am Waschberg gibt es außerdem eine Kolonie des Ziesels, das in Österreich stark gefährdet ist.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Hatzenbach () Kleinwilfersdorf () Leitzersdorf () Wiesen () Wollmannsberg ()
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Hatzenbach, Kleinwilfersdorf, Leitzersdorf, Wiesen und Wollmannsberg.
Nachbargemeinden
Geschichte Der Ortsname Leitzersdorf kommt vermutlich von einem slawischen Personennamen wie „Lěv-c“. Erstmals erwähnt wird der Ort um 1140 im Klosterneuburger Traditionsbuch; darin wird ein „Adelhalmus de Leucinesdorf“ genannt. Im 13. Jahrhundert ist das Dorf als landesfürstliches Lehen an Graf Otto von Plain-Hardegg gekommen, 1313 dann an Graf Berchtold von Maidburg-Hardegg. Die Familie der Leitzersdorfer, die vor Ort ansässig war, stand im Dienst der Hardegger. Von ihrem damaligen Sitz sind heute keine Reste mehr erhalten.
Die Schlacht bei Leitzersdorf fand am 11. Mai 1484 statt. Dabei besiegten die Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus die Streitkräfte Kaiser Friedrichs III. Das kaiserliche Heer war unterwegs, um das von den Ungarn belagerte Korneuburg zu entsetzen. Eine Schule ist bereits für 1544 nachgewiesen. Im Jahr 1795 bestand Leitzersdorf aus 106 Häusern. Bei einem Großbrand im Jahr 1846 wurden 84 Häuser zerstört.
Nach der Aufhebung der Grundherrschaft 1848 entstand die politische Gemeinde Leitzersdorf. Ihre heutige Struktur erhielt sie durch mehrere Gemeindezusammenlegungen: Wollmannsberg kam mit 1. Jänner 1970 hinzu, Hatzenbach mit 1. Jänner 1971 und Kleinwilfersdorf mit 1. Jänner 1972.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Leitzersdorf
Sakralbauten Die katholische Pfarrkirche Leitzersdorf ist dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht. Sie steht erhöht am südlichen Ende des Angers und wurde um 1337 erstmals urkundlich erwähnt. Im Kern ist die Kirche romanisch und gotisch; später wurde sie barock umgestaltet. In der südlichen gotischen Seitenkapelle aus dem frühen 14. Jahrhundert sind Wandmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Das Langhaus wurde 1721 nach Westen erweitert, die Portalvorbauten kamen 1737 hinzu. Von der früheren Kirchhofmauer sind noch Teile erhalten.
Die Pfarrkirche Kleinwilfersdorf ist dem heiligen Brictius geweiht. Die Pfarre wurde 1785 gegründet. Der spätgotische Chor stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts; das heutige Langhaus und die Sakristei wurden 1838 errichtet. Die Kirche steht erhöht im Norden des Ortes am Ende einer Allee. Zum Bauensemble in Leitzersdorf gehört außerdem der 1737 errichtete barocke Pfarrhof. Vor dem Pfarrhof steht eine 1763 gestiftete Statue des heiligen Johannes Nepomuk.
Kellergassen und Themenwege Erhaltene Kellergassen befinden sich in Hatzenbach, Leitzersdorf und Wollmannsberg. Nähere Angaben zu den einzelnen Anlagen enthält die Liste der Kellergassen in Leitzersdorf.
Der Planetenweg wurde am 6. Juni 2015 eröffnet. Ausgangspunkt ist die Station „Sonne“ bei der Ernstbrunner Straße 5. Außerdem führt der Jakobsweg Weinviertel über den Waschberg und durch Leitzersdorf weiter nach Stockerau.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftsstruktur Im Jahr 2020 bestanden 49 land- und forstwirtschaftliche Betriebe; 2010 waren es noch 56. Bei den nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten stieg die Zahl dagegen von 66 im Jahr 2011 auf 88 im Jahr 2021. An den Arbeitsstätten innerhalb der Gemeinde waren 2021 insgesamt 240 Personen beschäftigt. Davon arbeiteten 33 im primären, 15 im sekundären und 192 im tertiären Sektor, somit der überwiegende Teil im Dienstleistungsbereich.
Arbeitsmarkt und Pendeln Im Jahr 2021 gab es 628 Erwerbstätige mit Wohnsitz in Leitzersdorf. Davon waren 512 Auspendler, während 134 Personen zum Arbeiten in die Gemeinde einpendelten. Die Erwerbsquote betrug 55,82 Prozent.
Öffentliche Einrichtungen In Leitzersdorf bestehen ein niederösterreichischer Landeskindergarten und eine Volksschule. In jeder der fünf Ortschaften ist eine Freiwillige Feuerwehr eingerichtet: in Hatzenbach, Kleinwilfersdorf, Leitzersdorf, Wiesen und Wollmannsberg.
Vereinsleben und Sport Das Vereinsleben umfasst Kultur, Musik, Jugend, Dorferneuerung, Natur, Brauchtum und Sport. Zu den dokumentierten Vereinen und Initiativen gehören die Astronomische Gesellschaft Leitzersdorf, der Chor E!CHO, die Dorferneuerung Hatzenbach, die Landjugend Leitzersdorf, die Ortskapelle Leitzersdorf, der Verein KunstStall, der WoschBergPass, die Gesunde Gemeinde, die Jagdgesellschaft, der Kinderchor der Pfarre, der NÖ Kameradschaftsbund Leitzersdorf und die örtliche Seniorengruppe.
Der Fußballverein der Gemeinde ist der USV Leitzersdorf. Daneben besteht die Tennis- und Sportunion Leitzersdorf, deren Angebot unter anderem Tennis, Tischtennis, Beachvolleyball, Nordic Walking und Darts umfasst. Der Leitzersdorfer Waschberg-Crosslauf wird seit 2002 mit Unterbrechungen ausgetragen. Im Jahr 2026 fand die 21. Auflage statt. Angeboten werden unterschiedliche Strecken für Haupt-, Familien-, Jugend- und Kinderläufe.
Im November 2023 wurde Leitzersdorf bei der niederösterreichischen Herzensmensch-Gala in der Kategorie „Vereinsfreundlichste Gemeinde“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Auf den weiteren Plätzen folgten Felixdorf und Gutenbrunn. Die Auszeichnung wurde im Rahmen der Würdigung ehrenamtlicher Tätigkeiten vergeben.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 3 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 8 ÖVP und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 7 ÖVP, 2 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 8 ÖVP und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 8 ÖVP, 2 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 7 ÖVP, 2 Liste FPÖ und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP, 8 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 1 FPÖ und 1 SPÖ. Mit der außertourlichen Gemeinderatswahl vom 3. April 2022 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, 6 BGL–Bürgerinitiative Großgemeinde Leitzersdorf, 1 MFG, 1 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 5 FPÖ und 2 SPÖ.
Bürgermeister Die Bürgermeister der Gemeinde seit 1900 waren: 1900–1910 Leopold Grundschober 1911–1913 Franz Kreitmayer 1914–1917 Leopold Zehetmayer 1919–1920 Josef Beidl 1921–1938 Franz Westermayer 1938–1945 Franz Lehner 1946–1950 Anton Glasl (ÖVP) 1950–1965 Johann Grundschober 1966–1970 Anton Pevny 1971–1985 Josef Reinsperger 1985–1995 Franz Zehetmayer 1995–2005 Franz Schöber (BGL) 2005–2010 Günter Glasl (ÖVP) 2010–2020 Franz Schöber (BGL) seit April 2020 Sabine Hopf (ÖVP)
Wappen Mit Bescheid vom 24. März 1987 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Gemeinde das Wappen. Es zeigt in einem blauen Schild über grünem Schildfuß ein silbernes Steinmal aus fünf Steinen, aus dem fünf strahlenförmig angeordnete goldene Ähren wachsen. Die vom Gemeinderat festgelegten und ebenfalls genehmigten Gemeindefarben sind Blau-Weiß-Grün.
Literatur
Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Gemeinde Leitzersdorf, Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1.
Weblinks
https://www.leitzersdorf.at/
Topothek Leitzersdorf Bildmaterial zur Gemeinde Leitzersdorf, verortet, beschlagwortet und datiert
Einzelnachweise
Kategorie:Rohrwald Kategorie:Ersterwähnung 1140