Leobendorf ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich. Die Gemeinde liegt im südlichen Weinviertel unmittelbar nördlich der Bezirkshauptstadt Korneuburg und besteht aus den vier Ortschaften Leobendorf, Oberrohrbach, Tresdorf und Unterrohrbach. Überregional bekannt ist Leobendorf insbesondere durch die weithin sichtbare Burg Kreuzenstein.

Geografie

Leobendorf liegt im südlichen Weinviertel nördlich der Donau. Die Katasterfläche der Marktgemeinde beträgt 2.994,19 Hektar beziehungsweise rund 29,94 km². 19,8 Prozent der Fläche sind bewaldet. Einen wesentlichen Anteil an den Waldflächen hat der Rohrwald. Die Donau bildet einen Teil der südlichen Gemeindegrenze.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Leobendorf () samt Badesiedlung Kreuzenstein, Erholungsgebiet I und Kohlstatt Oberrohrbach () Tresdorf () Unterrohrbach ()

Die Gemeinde besteht aus den gleichnamigen Katastralgemeinden Leobendorf, Oberrohrbach, Tresdorf und Unterrohrbach.

Leobendorf gehört zum Regionalentwicklungsverein 10 vor Wien – Donau Raum Weinviertel, in dem elf Gemeinden der Region zusammenarbeiten.

Nachbargemeinden

Geschichte

Die Geschichte Leobendorfs ist eng mit der Burg und der Herrschaft Kreuzenstein verbunden. Der Ort wurde 1142 erstmals urkundlich erwähnt. Frühere Namensformen waren unter anderem Lubendorf, Liubendorf, Leubendorf, Leutmannsdorf, Loimdorf und Loiberndorf. Der Ortsname wird auf den altdeutschen Personennamen Liupmann beziehungsweise mittelhochdeutsch Liepmann zurückgeführt.

Die Pfarre Leobendorf wurde bereits um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegründet und war Mutterpfarre für den östlichen Teil des Herrschaftsgebietes der Grafen von Formbach im Raum Kreuzenstein–Bisamberg. Aus Teilen ihres Pfarrsprengels entstand später die Pfarre Korneuburg. 1260 übergab König Ottokar II. Přemysl das Patronatsrecht dem Deutschen Orden. Von 1451 bis zur Aufhebung des Stiftes Waldhausen im Jahr 1788 war die Pfarre diesem inkorporiert.

Die Burg Kreuzenstein ist bereits 1115 urkundlich belegt. Im September 1645 wurde sie während des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen erobert und gesprengt. Nach ihrer Zerstörung wurde Leobendorf Sitz der Herrschaft Kreuzenstein. 1702 gelangten Burg und Herrschaft in den Besitz der Familie Wilczek.

Johann Nepomuk Wilczek ließ über den Resten der mittelalterlichen Burg zwischen 1874 und 1906 eine historistische Idealburg errichten. Dabei wurden zahlreiche echte romanische und gotische Werkstücke und ältere Bauteile verwendet. Bei einem Brand im Jahr 1915 wurden Teile der Burg und ihrer Sammlungen zerstört; weitere Schäden entstanden während der Kampfhandlungen 1945.

Ein erster Hinweis auf ein Schulwesen in Leobendorf stammt aus dem Jahr 1544. 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr Leobendorf gegründet, 1895 die Raiffeisenkasse Leobendorf, 1898 eine Milchgenossenschaft und 1899 ein neues Schulgebäude errichtet. 1926 wurde Leobendorf elektrifiziert. 1933 erfolgten die Gründung des Sportvereins Leobendorf und die Eröffnung der Bahnhaltestelle Leobendorf-Burg Kreuzenstein.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam es im Gemeindegebiet zu schweren Kampfhandlungen. Die Kämpfe im Raum Leobendorf dauerten vom 15. April bis 17. Mai 1945. In der Nachkriegszeit folgten der Ausbau der Infrastruktur und eine starke Siedlungsentwicklung. 1955 wurde die Wasserleitung errichtet, 1956 eine Erdgasleitung verlegt und 1962 die Schnellbahn eröffnet.

Im Jahr 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Leobendorf, Tresdorf, Oberrohrbach und Unterrohrbach zur heutigen Großgemeinde Leobendorf zusammengeschlossen. Mit Beschluss der Niederösterreichischen Landesregierung vom 31. Mai 1983 wurde Leobendorf zur Marktgemeinde erhoben.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Burg Kreuzenstein mini|Pfarrkirche Leobendorf mini|Filialkirche Oberrohrbach

Burg Kreuzenstein: Die mittelalterliche Burg wurde 1645 von schwedischen Truppen zerstört. Unter Johann Nepomuk Wilczek erfolgte von 1874 bis 1906 der Wiederaufbau als romantisch-historistische Idealburg unter Verwendung zahlreicher historischer Bauteile. Heute zählt Kreuzenstein zu den bekanntesten Schauburgen Niederösterreichs.

Pfarrkirche Leobendorf hl. Markus: Die ursprünglich gotische Kirche stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde im 17. Jahrhundert barockisiert und nach dem großen Ortsbrand von 1733 umgebaut. 1952 wurden an den Chorwänden gotische Wandmalereien aus der Zeit um 1340 freigelegt.

Filialkirche Oberrohrbach: Die Kirche „Vom Erbarmen Gottes“ wurde 2007 und 2008 errichtet und am 28. September 2008 von Kardinal Christoph Schönborn geweiht.

Filialkirche Tresdorf: Die dem heiligen Johannes Nepomuk geweihte Kirche wurde von 1984 bis 1986 nach Plänen des Architekten Erwin Plevan errichtet und am 21. September 1986 geweiht. Der freistehende Kirchturm ist 19 Meter hoch.

Filialkirche Unterrohrbach hl. Johannes der Täufer: Die heutige Kirche wurde 1970/71 nach Plänen von Erwin Plevan errichtet und 2021/22 renoviert.

Sühnekapelle: Die auch Armensünderkapelle genannte Kapelle steht an der Stockerauer Straße. Nach örtlicher Überlieferung steht ihre Entstehung mit dem großen Ortsbrand von 1733 und der Hinrichtung der damals der Brandstiftung beschuldigten Magdalena Reisinger in Zusammenhang.

Dampf- und Dieselgarage: Das private Landtechnikmuseum der Familie Schmidt befindet sich in Unterrohrbach. Auf rund 600 m² werden etwa 2.000 Objekte gezeigt, darunter historische Traktoren und Motoren, Maschinen, Werkzeuge sowie Haushalts- und Alltagsgegenstände aus der Landwirtschaft.

Adlerwarte Kreuzenstein: In unmittelbarer Nähe der Burg werden im Rahmen von Flugvorführungen verschiedene Greifvogelarten präsentiert.

Der bewaldete Schliefberg westlich des Ortszentrums ist eine hohe Erhebung der Waschbergzone. Auf seinem Höhenplateau befand sich in der Urnenfelder- beziehungsweise Hallstattzeit eine Höhensiedlung; später wurde dort eine mittelalterliche Befestigungsanlage errichtet.Hermann Schwammenhöfer: Archäologische Denkmale Weinviertel. Wien 2020 (online).

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Leobendorf entwickelte sich von einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem bedeutenden Wohn-, Gewerbe- und Industriestandort im nördlichen Wiener Umland. Im Jahr 2021 bestanden 429 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten, 2020 wurden 45 land- und forstwirtschaftliche Betriebe gezählt. 2021 waren 2.551 Erwerbstätige am Wohnort und 3.051 Erwerbstätige am Arbeitsort registriert. 2.568 Personen pendelten zur Arbeit in die Gemeinde ein, 2.020 aus der Gemeinde aus.

Zu den größeren beziehungsweise überregional tätigen Unternehmen und Betriebsstandorten im Gemeindegebiet zählen:

Bühler betreibt in Leobendorf einen großen Produktions- und Entwicklungsstandort. Das Werk wurde 1975 eröffnet, beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und verfügt über etwa 20.000 m² Produktionsfläche. Produziert werden unter anderem Anlagen für Waffeln, Kekse und Cracker; außerdem befindet sich dort ein Wafer Innovation Center.

Die Croma-Pharma GmbH hat ihren Hauptsitz sowie ihren Produktions- und Lagerstandort in Leobendorf. Das international tätige Unternehmen ist auf Produkte für die minimalinvasive ästhetische Medizin und insbesondere Hyaluronsäure-Spritzen spezialisiert. Am Standort Leobendorf beschäftigt Croma rund 340 Mitarbeiter.

Die esarom gmbh hat ihren Hauptsitz in Oberrohrbach. Das international tätige Familienunternehmen produziert Grundstoffe, Aromen, Extrakte und weitere Zutaten für die Getränke- und Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 400 Personen.

Kwizda Agro betreibt in Leobendorf ein Werk zur Entwicklung, Produktion, Verpackung und Lagerung von Pflanzenschutzmitteln. 1982 wurde am Standort die Produktion aufgenommen.

Die Rudolf Metallbau GmbH eröffnete 2005 ihren Standort in Leobendorf. Auf einem rund 20.000 m² großen Betriebsgelände sind etwa 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Bernegger eröffnete 2023 in Leobendorf einen Standort für Spezialtiefbau. Das rund 5,2 Hektar große Areal verfügt über einen eigenen Bahnanschluss; bei der Eröffnung waren dort rund 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Die REISSWOLF Österreich GmbH betreibt in Leobendorf einen Standort für Akten- und Datenträgervernichtung, Archivierung, Digitalisierung und Softwarelösungen.

Die Fetter Baumarkt Gesellschaft m.b.H. betreibt an der Laaer Straße einen Baumarkt- und Baustoffstandort in Leobendorf.

In der Industriezeile befindet sich ein Depot des Paketdienstes DPD.

Öffentliche Einrichtungen

Die Marktgemeinde verfügt über eine Volksschule mit angeschlossenem Hort sowie vier Kindergärten: zwei in Leobendorf, einen in Oberrohrbach und einen in Tresdorf. Darüber hinaus ist Leobendorf am Musikschulverband Bisamberg-Leobendorf beteiligt.

In allen vier Ortschaften bestehen Freiwillige Feuerwehren: die Freiwillige Feuerwehr Leobendorf, die Freiwillige Feuerwehr Oberrohrbach, die Freiwillige Feuerwehr Tresdorf und die Freiwillige Feuerwehr Unterrohrbach.

Verkehr

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Wiener Außenring Schnellstraße S 1. Die Verkehrsstation Leobendorf-Burg Kreuzenstein liegt an der Nordwestbahn und bindet die Gemeinde an das Bahnnetz des Wiener Umlandes an.

Die Laaer Straße B 6 führte lange durch Tresdorf und verursachte dort ein hohes Durchzugsverkehrsaufkommen. Nach rund vierjähriger Bauzeit wurde die Umfahrung Harmannsdorf–Tresdorf am 20. September 2024 für den Verkehr freigegeben. Sie entlastet insbesondere Harmannsdorf, Rückersdorf, Tresdorf, Seebarn und Stetten vom Durchzugs- und Schwerverkehr.

Sport und Freizeit

Der SV Leobendorf wurde 1933 gegründet. In der Saison 2017/18 gewann der Fußballverein die 1. Landesliga Niederösterreich und stieg erstmals in die Regionalliga Ost auf.

Im Gemeindegebiet bestehen außerdem mehrere ausgeschilderte Wanderwege, die die vier Ortschaften, den Rohrwald und das Gebiet um Burg Kreuzenstein miteinander verbinden.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat seit der Gemeinderatswahl 2025 29 Mitglieder.

Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995: ÖVP 13, SPÖ 8, 2 FPÖ 2. (23) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000: ÖVP 13, SPÖ 8, 2 FPÖ 2. (23) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005: ÖVP 14, SPÖ 9, GRÜNE 2. (25) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010: ÖVP 14, SPÖ 7, GRÜNE 3, FPÖ 1. (25) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015: ÖVP 13, SPÖ 5, LKR–Liste Kreuzenstein 3, GRÜNE 3, FPÖ 1. (25) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020: ÖVP 15, SPÖ 4, GRÜNE 4, LKR 1, FPÖ 1. (25) Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025: ÖVP 15, SPÖ 6, GRÜNE 4, FPÖ 3, LKR 1. (29)

Bürgermeister

1990–2015: Karl Stich (ÖVP) seit 2015: Magdalena Batoha (ÖVP)

Wappen

Mit Bescheid vom 31. Mai 1983 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Gemeinde ein Wappen. Die amtliche Wappenbeschreibung lautet:

„Ein gespaltener Schild, vorne in Grün ein aufrechter bewehrter silberner Greif, hinten in Gold ein schwarzes Zahnrad, das von einem blauen Wellenbalken überdeckt wird.“

Der Greif geht auf das Familienwappen der Grafen von Formbach-Wasserburg zurück, die zu den ersten urkundlich nachweisbaren Besitzern der Burg Kreuzenstein gehörten. Das grüne Feld verweist auf die waldreiche Umgebung. Das schwarze Zahnrad symbolisiert die in der Gemeinde angesiedelte Industrie, das goldene Feld die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Erwerbsstruktur und der blaue Wellenbalken die Donau an der südlichen Gemeindegrenze. Die Gemeindefarben sind Grün-Gelb.

Gemeindepartnerschaften

Seit 1989 besteht eine Ortspartnerschaft mit Leobendorf, einem Ortsteil der Stadt Laufen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land.

Persönlichkeiten

Personen mit Bezug zur Gemeinde

Hieronymus Roth (1826–1897), Politiker, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Leobendorf