Scharowo (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Ortschaften und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Die Ortsstelle Martingken/Martingen ist verlassen.

Geographische Lage Scharowo liegt südlich der Regionalstraße 27A-026 (ex R511), 13 Kilometer südöstlich der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) und 17 Kilometer nordöstlich der einstigen Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg). Als Szardehlen bzw. Martingen war der Ort bis 1945 Bahnstation an der Bahnstrecke Kiauschen–Doristhal der Pillkaller Kleinbahn, die nicht mehr in Betrieb ist.

Geschichte Szardehlen/Scharden mini|Scharden als Ortsteil der Gemeinde Wetterau (ex Kiauschen) auf zwei Messtischblättern von 1936 und 1938 Das Schardellen, Szardellen und schließlich Szardehlen genannte kölmische Gut wurde im Jahre 1735 gegründet.Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): SchardenJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Littthauischen Cammer-Departement, S. 162. Im Jahre 1874 wurde der Gutsbezirk Szardehlen in den neu errichteten Amtsbezirk Girrehlischken im Kreis Pillkallen eingegliedert.Rolf Jehke, Amtsbezirk Girrehlischken/Jägerswalde 1928 wurde der Gutsbezirk Szardehlen in die Landgemeinde Kiauschen eingemeindet. Dort wurde dessen Schreibweise 1936 in Schardehlen geändert und 1938 der Ortsteil in Scharden umbenannt. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 91 1871 101 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 93 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 92 1910 64 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 76

Martingken/Martingen mini|Die Gemeinde Martingken auf einem Messtischblatt von 1936 Seine erste Erwähnung erlebte der damals Klein Aesernick genannte Ort im Jahre 1580.Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Martingen Um 1780 war Martinken ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Littthauischen Cammer-Departement, S. 93. 1874 kam auch die Landgemeinde Martingken zum Amtsbezirk Girrehlischken. Zu Martingken gehörte auch der Wohnplatz Schönwiese. 1938 wurde Martingken in Martingen umbenannt. 1945 kam der Ort zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 73 1871 71 davon im Ortsteil Schönwiese 10 1885 87 davon im Ortsteil Schönwiese 13 1905 94 davon 17 litauischsprachige 1910 93 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 70 1939 60

Scharowo Im Jahr 1947 erhielt das ehemalige Szardehlen die russische Bezeichnung Scharowo und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Pobedinski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad“ vom 17. November 1947) In der Folge wurde auch der Ort Martingken zu Poljanskoje gezählt.Gemäß dem amtlichen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 Von 2008 bis 2015 gehörte Poljanskoje zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-046 ~ 40 2002Allrussische Volkszählung von 2002 12 2010Allrussische Volkszählung von 2010 8 2021Allrussische Volkszählung von 2021 4

Kirche In den beiden Dörfern Szardehlen resp. Scharden sowie Martingken resp. Martingen war die Bevölkerung vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Beide gehörten zum Kirchspiel der Kirche Schillehnen, das Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union war. Heute liegt Scharowo im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Babuschkino (Groß Degesen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Weblinks Scharowo bei bankgorodov.ru Scharowo bei prussia39.ru Szardehlen bei wiki.genealogy.net

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk