Birkholz ist ein Ortsteil der Stadt Bernau bei Berlin. Die Stadt gehört zum Landkreis Barnim im Bundesland Brandenburg. Bis zur Kreisreform im Jahr 1993 war Birkholz, einschließlich Birkholzaue, eine selbstständige Gemeinde mit 417 Einwohnern innerhalb des Kreises Bernau. Im heutigen Bernauer Ortsteil Birkholz leben etwa 290 Einwohner.
Geografie Geografische Lage Birkholz ist der südlichste Ortsteil von Bernau. Die Grenzen des Ortes bilden im Westen, Süden und Südosten auch die Bernauer Stadtgrenze zu den umliegenden Gemeinden. Im Westen verläuft die Grenze zum Ortsteil Schwanebeck der Gemeinde Panketal entlang der A 11, wobei die Autobahn bis zur Brücke der Schwanebecker Straße über die A 11 auf Birkholzer Gebiet liegt. Hinter der Brücke über die Autobahn schwenkt die Stadtgrenze nach Südosten und belässt das Autobahndreieck Barnim und die Siedlung Neu Schwanebeck bei Panketal. Im Süden reicht eine kleine Ecke des Ortsgebietes von Birkholz über die A 10; die Grenze verläuft vor dem Jürgensbusch nach Nordosten und bildet dort die Grenze zum Ortsteil Blumberg der Gemeinde Ahrensfelde.
Nach Querung der Birkholzer Straße erreicht die Grenze das Waldgebiet vor der Bernauer Chaussee, von wo sie an der Waldkante in Richtung Norden verlaufend das Waldgebiet bei Blumberg belässt. Weiter nördlich ist die genaue Abgrenzung von Birkholz zum Bernauer Ortsteil Birkholzaue bisher nicht festgelegt. Birkholzaue war vor 1993 ein Ortsteil der Gemeinde Birkholz bis an die Bernauer Chaussee in der Nordostecke des Gemeindegebietes. Die Nordgrenze sowohl von Birkholzaue als auch von Birkholz bildet die Seestraße zum Blumberger Ortsteil Elisenau. In Richtung Westen führt die Nordgrenze von Birkholz zum Bernauer Ortsteil Birkenhöhe von der Seestraße über die Bernauer Straße zur A 11.
Naturraum Birkholz liegt abseits der Bernauer Heerstraße inmitten einer kuppigen und welligen Grundmoränenlandschaft auf der Hochfläche des Barnim. Nördlich des Ortes beginnt eine Kette von Osern, die sich bis Ahrensfelde-Marzahn hinziehen. Diese Oser, die sich wie breite Eisenbahndämme aus dem Gelände herausheben, bestehen aus Kiesen, Sand und Steinen. Sie sind das Ergebnis der letzten Eiszeit, wo sich nach dem Rückzug des Eises in den Schmelzwasserrinnen die mitgebrachten Materialien ansammelten. Im Boden befindet sich sehr fruchtbarer Geschiebemergel. Höchste Erhebung von Birkholz ist mit 81,2 Metern der Spitze Berg nahe der Neubauernsiedlung im Norden des Ortsteilgebietes. In der Umgebung von Birkholz gibt es teils naturbelassene Bereiche wie Feuchtbiotope, Gräben, Baum- und Buschgruppen und Wiesen. Eine außerordentliche Vielfalt von Feder-, Nieder- und Rehwild ist hier anzutreffen. Die alljährlich zu beobachtenden Weihen haben zum Beispiel ihre Brutgebiete in der Baum- und Buschgruppe des mit Schilf bestandenen Feuchtbiotops östlich des ehemaligen Reitplatzes. Regelmäßig werden auch Kiebitze, Falken, Milane, Reiher, Störche, Kraniche, Graugänse, Schwäne, Grünspechte, Goldhähnchen, Rotkehlchen, Nachtigallen und verschiedene Reptilien beobachtet, zum Beispiel Blindschleichen.
Geschichte mini|Jungsteinzeit Schabermesser Zufallsfund in Birkholz mini|Gründung eines Dorfs während der Deutschen Ostsiedlung, Heidelberger Sachsenspiegel Die Region Birkholz als Siedlungsort wurde schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum ca. 11.500 v. Chr. in Mittel- und Westeuropa) bewirtschaftet. Zeugnis ist ein Schabermesser aus Feuerstein, das am 9. November 2017 am Dorfanger gefunden wurde. Ein weiteres Zeugnis ist das Bodendenkmal (Nr. 40555) Siedlung Rast- und Werkplatz Mesolithikum in der Gemarkung Birkholz, auf der heutigen Grenze zu Blumberg.
Mittelalter 1230 begann die Aufsiedelung des Barnims gemäß den Vorgaben der Markgrafen Otto III. und seines Bruders Johann I.Johann I. und Otto III., abgerufen am 16. April 2024. Es wurde flächendeckend mit großen regelmäßigen Anger- und Straßendörfern mit eigenen Pfarrkirchen angesiedelt.Winfried Schich: Die Landesherrschaft und die Entwicklung der Kulturlandschaft im Bereich der Mark Brandenburg vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. In: Ernst Badstübner: (Hrsg.): Die Kunst des Mittelalters in der Mark Brandenburg. Lukas-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86732-010-8, S. 14–29, hier S. 19. Die Kirche von Birkholz stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. 1266 wurde der Dachstuhl über dem Chor der Dorfkirche Birkholz errichtet. Zu dieser Zeit war Otto IV „mit dem Pfeil“ aus dem Hause der Askanier Markgraf von Brandenburg. Um 1280 wurde der Ort selbst erstmals bei der Bede für Otto IV. urkundlich erwähnt.Max Rehberg: Birkholz und seine Vergangenheit. In: Heimat und Welt. Blätter zur Pflege des Heimatgedankens (Beilage zum Niederbarnimer Kreisblatt), Nr. 81 vom 11. Oktober 1931, S. 641–642, hier S. 642, linke Spalte Erreichtes & Online Museum Birkholz
1365 hatten Peter von Blankenfelde (* um 1335; † nach 1396), Bürgermeister von Berlin, und sein Bruder Hans Eigentum in Birkholz, aus Afterlehen der Gebrüder Hans und Heinrich von der Gröben.Ernst Fidicin: Geschichte des Kreises Teltow und der in demselben belegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. (= Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben; als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV., Band 1, Teilband 1). Guttentag, Berlin 1857, S. 69–70 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). 1375 verfasste der kaiserliche Landreiter für das Landbuch Kaiser Karls IV. einen genauen Bericht über die mittelalterlichen Verhältnisse in Birkholz (verschiedene Schreibweisen: „Bercholitz“, „Berchholz“). Birkholz hatte damals 52 Hufen. 1376 traten die Gebrüder Hans und Peter von Blankenfelde ihre Rechte an Birkholz an den Rat der Städte Berlin und Cöln ab.Ernst Fidicin: Geschichte des Kreises Nieder-Barnim und der in demselben gelegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. (= Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben; als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV., Band 1, Teilband 2). Guttentag, Berlin 1857, S. 43 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). 1450 wurde Birkholz im Schoßregister des Kurfürsten Friederich II. (Eisenzahn) genannt, und zwar mit der ersten Erwähnung einer Bockwindmühle und den Abgaben und dem Besitz, die sich zur Hälfte die Städte Berlin und Cöln teilten. 1461 verkauften die Brüder Lukas und Peter Trebbuse (in unterschiedlicher Schreibweise auch „Trebitz“ und „Trebus“) den Städten Berlin und Cöln 10 Stück Geldes aus dem Dorfe „Berkholz“ und seiner Feldmark für 120 Schock Groschen märkischer Landwährung.Eduard Fidicin: Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte Berlins, Band 3: Berlinische Regesten von 949 bis 1550. Duncker und Humblot, Berlin 1837, S. 352, Regest Nr. 471 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
Frühe Neuzeit Das Bistum Brandenburg gliederte sich zu Anfang des 16. Jahrhunderts in 18 „Sedes“ (lateinisch: Sitze) genannte Verwaltungsbezirke, denen jeweils ein Erzpriester vorstand und die nach dem Ort benannt wurden, in dem dieser seinen Sitz hatte. Birkholz gehörte zur Sedes Bernau, also hatten die Birkholzer in Bernau die dem Grundherrn zu leistenden Abgaben zu entrichten.Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Band 2: 1488–1519, 1545. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8305-0943-1, S. 377. Dieses „Hufengeld“ betrug in den 1520er Jahren 24 Groschen und 6 Pfennige, ohne die Rückstände aus 48 Hufen.Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Band 2: 1488–1519, 1545. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2009, S. 356. Von 1542 bis 1579 war Johann von Blankenfelde (* 1507; † 1579), Bürgermeister der Stadt Berlin und Cölln,Johannes Blankenfelde, abgerufen am 16. April 2024. der Erbherr von Birkholz, Blankenburg, Weißensee und Kaulsdorf.
1608 bezeichnete der Landreuter Peter Schulzen in seinem Verzeichnis des Niederbarnimschen Kreises Birkholz als wüste.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Reg. 78, 83, S. 238 ff. Kaum hatte sich die Gemeinde einigermaßen erholt, so brach 1618 der Dreißigjährige Krieg aus. Die Besitzer von Birkholz wechselten in der Folgezeit mehrfach: 1669 kam Gerhard Bernhard Freiherr von Pölnitz der Aufforderung des Großen Kurfürsten von Brandenburg nach und kaufte der Familie Röbel für 15.000 Taler die Rittergüter Buch, Karow und Birkholz ab. Nach seinem Tod 1679 verwaltete seine Witwe, Eleonora Freifrau von Pölnitz (* um 1620; † März 1700), auch Eleonoren von Naßau genannt, eine uneheliche Tochter von Fürst Moritz von Oranien, 21 Jahre lang den Besitz, den ihr Mann ihr auf Lebzeiten überschrieben hatte. Nach ihrem Tod erbten die Enkel Friedrich Moritz und Karl Ludwig von Pöllnitz die Güter.Johann Georg Knup: Historische und Genealogische Beschreibung des uhraltadelichen und freyherrlichen Geschlechts derer von Poellnitz, aus richtigen Urkunden und glaubwürdigen Nachrichten zusammengetragen. Johann Christian Langenheim, Leipzig 1745, S. 115–116 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). 1724 veräußerten die Brüder den Besitz für 45.000 Taler an Adam Otto von Viereck.Bernd Heider: Die Adelsfamilie Pölnitz (= Adel und Kunst, Teil 2). In: Bucher Bote, Ausgabe Mai 2010, S. 9 (online). 1747 trat der Magistrat von Cölln seine Anteile an Birkholz an Adam Otto von Viereck ab, der somit dessen Alleinbesitzer wurde.Ernst Fidicin: Geschichte des Kreises Nieder-Barnim und der in demselben gelegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. (= Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben; als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV., Band 1, Teilband 2). Guttentag, Berlin 1857, S. 44 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). 1761 vererbte Otto von Viereck seinem Schwiegersohn, dem Geheimen Rath und Dompropst Friedrich Christian Hieronymus von Voß (* 1724; † 3. Oktober 1784), das Dorf Birkholz. Nach dessen Tod 1784 übernahm sein Sohn Otto von Voß die Güter Buch, Karow und Birkholz.
19. Jahrhundert 1828 gehörte Birkholz den Grafen Friedrich Wilhelm Maximilian von Voß (* 3. Mai 1782; † 28. Februar 1847) und Karl Otto Friedrich von Voß (* 26. September 1786; † 3. Februar 1864). Birkholz war in die Matrikel der landtagsfähigen Rittergüter eingetragen. Von den Erben der Grafen Voß kaufte 1908 die Gemeinde Weißensee die Güter.Heinrich Ruths: Fünfzig Jahre Berliner Stadtgüter. Verlag von Alfred Metzner, Berlin 1928, S. 42. Weißensee hatte sich zu einem Kanalisationsverbund mit Hohenschönhausen und Heinersdorf zusammengeschlossen. Birkholz sollte als Rieselfeld für die Abwässer der Gemeinden dienen.
Am 22. März 1897 feierte man in Birkholz den 100. Geburtstag von Wilhelm I., König von Preußen und deutscher Kaiser. An diesem Tag wurden auf dem Birkholzer Dorfanger und in Schwanebeck zwei so genannte Kaisereichen (Stieleichen) aus dem Sachsenwald gepflanzt, Geschenke des Altkanzlers Otto von Bismarck.Niederbarnimer Kreisblatt vom 17. März 1897(mehrow.de, abgerufen am 16. April 2024).
Ab dem 20. Jahrhundert 1912 wurde nach Plänen von Otto Pasedag eine Abwasser-Pumpstation gebaut. Eine Fläche von 570 Hektar im Norden von Birkholz wurde zum Rieselfeld, den Betrieb stellte man 1922 ein.Sandra Klaus: Städtebau und Architektur in den nordöstlichen Berliner Außenbezirken Weißensee und Pankow zwischen 1870 und 1970 unter besonderer Betrachtung des Wohnungsbaus. Inauguraldissertation. Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald, S. 45 (online).
Im Jahr 1934 gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr, die heute noch aktiv ist.Die Freiwillige Feuerwehr von Birkholz (Bernau bei Berlin).
Am 6. Dezember 1993 wurde Birkholz nach Bernau eingemeindet. Seit Anfang Juni 2014 ist Birkholz ein Ortsteil mit Ortsbeirat.Ortsbeirat Birkholz