200px|miniatur|Augustiner-Chorfrauenstift St. Peter bei Kreuznach, Zeichnung von Jacob Lamb, 1596 Das Augustiner-Chorfrauenstift St. Peter bei Kreuznach (mittellateinisch Monasterium (oder coenobium) S. Petri apud (oder prope, iuxta) CrucenacumSelten „in Kreuznach“ (in Crucenaco). monialium ordinis S. Augustini) war ein Kloster im heutigen Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, das von etwa 1140 bis 1566/68 bestand. Um 1669 wurden Teile des Klostergebäudes zu einem Wirtschaftshof des Schlosses Oranienhof umgewandelt, der nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg zerfiel, teilweise wiederhergestellt und Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Von 1834/42 bis 1929 befand sich an derselben Stelle das Hotel Oranienhof.
Geschichte des Klosters Gründung der Herren vom Stein und Vogtei der Rheingrafen Das Augustiner-Chorfrauenstift St. Peter wurde um 1140 von Wolfram I. (III.) vom Stein († um 1179),Zu ihm und den Anfängen der Familie zum Stein vgl. Brigitte Flug: Äussere Bindung und innere Ordnung. Das Altmünsterkloster in Mainz in seiner Geschichte und Verfassung von den Anfängen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Franz Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08241-7, S. 110–113. dem Besitzer der später Rheingrafenstein genannten Burg und Stammvater der Rheingrafen vom Stein, in einem Fronhof gestiftet, den die Herren vom Stein bei Kreuznach als Reichslehen besaßen.Vgl. Ludwig Knobloch: Agrar- und Verfassungsgeschichte des Wormsgaues im Mittelalter (Der Wormsgau. Beiheft 10). Verlag der Stadtbibliothek, Worms 1951, S. 128f und 138. Es lag etwa 600 Meter südwestlich der Kreuznacher Altstadt nicht weit vom rechten Naheufer an der Stelle des heutigen Oranienparks außerhalb der Stadt (extra muros … civitatis).Urkunde von 1247. In: Leopold Eltester, Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, Bd. III. Wilhelm Groos, Koblenz 1874, Nr. 925, S. 695 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Koblenz).„muros“ ist ein Rechtsbegriff und muss nicht unbedingt „Steinummauerung“ bedeuten; Jörg Julius Reisek: Die „Stadt Kreuznach jedweder Seite“. Neue Aspekte zur Genese des Kreuznacher Stadtbildes unter besonderer Berücksichtigung der spätmittelalterlichen Stadtplanung. 2014 (Digitalisat bei www.regionalgeschichte.net).
Wolframs Sohn Siegfried I. vom Stein († um 1194/98) amtierte als Vogt des Klosters.Vgl. Wilhelm Muschka: Bischof Siegfried von Regensburg, Kanzler Kaiser Friedrichs II. (diss. phil.).Freiburg i. Br. 2000, bes. S. 20 (PDF; 16,61 MB). Kaiser Friedrich I. Barbarossa († 1190) sicherte dem „nunnencloster sant Peters by Cruczennach“ 1179 seinen Schutz zu.Vgl. Urkunde vom 24. Januar 1176, ausgestellt in Worms; Johann Friedrich Böhmer(Hrsg.): Acta imperii selecta. Urkunden deutscher Könige und Kaiser. Wagner, Innsbruck 1870, Nr. 137, S. 129 f. (Digitalisat im Internet Archive).Deutsche Übersetzung des 15. Jahrhunderts aus dem Kopiar von St. Peter auf einem eingehefteten Einzelblatt im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Sammlung Nikolaus Kindlinger, Ms. II 137, Blatt 105); Ernst Schmidt: Geschichtliche Notizen über die früheren Kirchen und Klöster in Kreuznach. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 28/29 (1876), S. 254; Regest RI IV,2,3 n. 2480 bei Regesta Imperii Online (abgerufen am 10. Oktober 2014). Der Mainzer Erzbischof Konrad I. von Wittelsbach wurde von Kaiser Heinrich VI. zum Schutzherrn des Klosters ernannt und gestattet 1196 dem Kloster, das „fortan seiner Vogtei ledig“ sei, die freie Wahl eines Propstes und gewährte weitere Rechte.Urkunde vom 18. November 1196, ausgestellt in Mainz; Landeshauptarchiv Koblenz (A.2 Klöster und Stifte, Bestand 126 Kreuznach, Augustinerinnenkloster, Urkunde 103) = Stephan Alexander Würdtwein: Monasterium S. Petri apud Crucenacum monialium ordinis S. Augustini. In: Monasticon Palatinum Band V, Cordon, Mannheim 1796, S. 312–315 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
Topographie Die Geländeformation im Bereich des Klosters (dem späteren Oranienhof) und der heutigen Altstadt hat sich möglicherweise seit dem Mittelalter stark verändert. Der kurpfälzische Verwaltungsjurist und Landvermesser Peter Immanuel Dahn berichtete, dass sich der Lauf der Nahe nach Westen verschoben habe:
Das Gelände fällt im vermuteten Altbett des Flusses von der Salinenbrücke (ca. 112 m ü. NHN) über den Rand des Hasenrechs (111 m), die Salinenstraße (110 m in Höhe Oranienpark, Sinke-„No“(t)-Straße,Philipp Jakob Heep: Die römische Niederlassung bei Kreuznach. Zugleich ein Beitrag zur Kunde der Römergräber und zur Geschichte der unteren Nahegegend. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande (I) 21 (1854), S. 1–28, bes. S. 5 Anm. 1 (Google-Books). WassersümpfchenSändig, 1973. (108 m in Höhe Mannheimer Straße) und Heidenmauer (103 m) bis zur Gensinger Straße an der Nahe in Höhe der Rotlay (102 m) noch heute kontinuierlich ab.Topographische Karte (LANIS-online) der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz. Nach Dahns Beschreibung hätte das Areal des Klosters ursprünglich einmal auf dem linken Naheufer gelegen, wo das Kloster später auch über Grundbesitz verfügte. Eine mögliche Verlagerung des Flusslaufes der Nahe nach Westen wäre vielleicht schon vor seiner Gründung erfolgt, jedenfalls wohl vor dem Ausbau und der Befestigung der Kreuznacher Altstadt durch die Sponheimer Grafen im 12./13. Jahrhundert.Vgl. Eduard Schneegans: Historisch-topographische Beschreibung Kreuznachs und seiner Umgebungen. J. F. Kehr, Kreuznach 1839, S. 119 (Google-Books). Die Ausgrabungen am Römerkastell (1858–1866) ließen allerdings eher unwahrscheinlich erscheinen, dass das Kastell zur Römerzeit auf einer Insel gelegen hat.Gotthelf Huyssen: Die Heidenmauer und das christliche Kreuznach. In: ders.: Zur christlichen Alterthumskunde in ihrem Verhältniß zur heidnischen. Vorträge und Studien. J. H. Maurer / Fr. Wohlleben, Kreuznach 1870, S. 317–356, bes. S. 318 f. (Google-Books).
Die – wahrscheinlich 1247 erstmals erwähnte – Kreuznacher StadtmauerVgl. Karl Geib: Die Entwicklung des mittelalterlichen Städtebildes von Kreuznach. In: Otto Lutsch (Hrsg.): Festschrift zur Jahrhundertfeier des Gymnasiums und Realgymnasiums zu Kreuznach (1819–1919). Robert Voigtländer, Kreuznach 1920, S. 49–65 und Anhang S. 1–19 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz in Koblenz). erhielt als Zugang das sogenannte St. Peter-Pförtchen. Es befand sich ungefähr am heutigen Übergang von der Rossstraße zur Schlossstraße in der Verlängerung der Turmstraße, die noch im 19. Jahrhundert St. Petersgasse hieß, zur Kaiser-Wilhelm-Straße. Das St. Peter-Pförtchen wurde zum Schutz vor Überfällen oft zugemauert. Am Weg von der Stadtmauer zum Kloster St. Peter lag auf rheingräflichem Grund die St. Lamberti-Kapelle.Vgl. Franz Falk: Wie Kurfürst Friedrich III. in der vorderen Grafschaft Sponheim den Kalvinismus einführen wollte. In: Historisches Jahrbuch 12 (1891), S. 37–55 und 492–504, bes. S. 44 (Google-Books, eingeschränkte Vorschau); Wilhelm Fabricius: Weistümer aus dem Nahegau. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 3 (1904), S. 123–152, bes. S. 135 (Digitalisat im Internet Archive).Vgl. Altar- und Pfründenverzeichnis des Landkapitels (Archipresbyterats) Münsterappel im Archidiakonat des Mainzer Dompropstes vom 5. April 1401. In: Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus distincta et commentationibus diplomaticis illustrata, Bd. I. Akademische Druckerei, Mannheim 1769, S. 88–92 (Google-Books).
Schenkungen und Besitz Um 1200 war ein Landgut (predium) des Rheingrafen Wolfram III. (V.) d. Ä. vom Stein († 1220/21) in Wörrstadt für 15 Mark an das claustrum beati Petri in Krucenache verpfändet.Vgl. Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, Bd. II, Nr. 866, S. 235–238 (Digitalisat im Internet Archive); Wilhelm Fabricius (Bearb.): Güter-Verzeichnisse und Weistümer der Wild- und Rheingrafschaft. (Trierisches Archiv. Ergänzungsheft 12). Lintz, Trier 1911, S. 17 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz). 1202 schenkte Ritter Heinrich von Wahlbach dem Kloster St. Peter beim Eintritt seiner Tochter einen Hof in Gensingen.Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des unteren Nahegebietes. Der Nahegau und seine Umgebung. (Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz 6). Behrend, Bonn 1914, S. 28. Ritter Gernod von Bosenheim stiftete dem St. Peterskloster 1203 fünf Hufen (Joche) Weingärten im Belz (Belce) auf der direkt gegenüber liegenden Naheseite am Kautzenberg, Güter in Ippesheim sowie Geldrenten zu Sulze (im heutigen Salinental) und in der Hosterburc (untergegangenes Dorf Osterburg am Römerkastell).Johann Philipp Roos: Berichtigung der ersten Geschichte der Stadt-Pfarrkirche auf dem Wörthe zu Creutznach. Emmerich Joseph Henß, Kreuznach 1814, S. 14 Anm. 12 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz); Anonymus: Historische Notizen über Kreuznach. In: Gemeinnützige und unterhaltende Rheinische Provinzial-Blätter NF 2/2 (1835), S. 3–11 und 93–110; 2/3 (1835), S. 14–24, bes. 2/2, S. 105 (Google-Books).Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, Bd. II, Nr. 969, S. 268 (Digitalisat im Internet Archive).
Als Propst de Crucenaco wird (1217) 1219 Godefridus, Pastor zu Wallhausen, genannt.Urkunden vom 1. Mai, 10. und 16. Oktober 1219. In: Leopold Eltester, Adam Goerz (Bearb.): Urkundenbuch zur Geschichte der … mittelrheinischen Territorien, Bd. III Vom Jahre 1212 bis 1260. J. Hölscher, Koblenz 1874, Nr. 99a, S. 96f, und Nr. 106, S. 104 (Google-Books); Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten, Bd. II, Nr. 1434, S. 391 f.Gottfried „von Kreuznach“ (Crucenacho) und sein Bruder Embricho (III. vom Stein? von Sponheim?) beanspruchten 1191 das Patronat zu Gösselsheim, das im 13. Jahrhundert dem Chorfrauenstift St. Peter zustand; Urkunde vom 25. Juni 1191; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand A 2 Urkunden der ehemaligen Provinz Rheinhessen, Nr. 2/1). Papst Honorius III. stellte 1223 einen Schutzbrief für das Kloster aus.Urkunde vom 20. Januar im 7. Jahr des Pontifikats, ausgestellt in Rom. In: Stephan Alexander Würdtwein: Monasterium S. Petri apud Crucenacum monialium ordinis S. Augustini. In: Monasticon Palatinum Band V, Cordon, Mannheim 1796, S. 316 f. (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). 1224 bestätigte Rheingraf Embricho III. vom Stein (Ringravius de Lapide) († um 1241) die von seinen Eltern Rheingraf Wolfram III. (V.) und Guda von Bolanden gemachten Schenkungen an das Kloster.Regest einer Urkunde vom 21. August 1224; Adam Goerz (Bearb.): Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier, Bd. II, Nr. 1647, S. 445. Sein Bruder Wolfram war Propst des Klosters.Vgl.