Nendingen ist ein ländlich geprägtes Dorf an der jungen Donau zwischen der Kreisstadt Tuttlingen, dessen Ortsteil es seit 1973 ist, und Mühlheim an der Donau. Es hat rund 3000 Einwohner und geht auf eine alemannische Siedlung zurück. Regionale Bekanntheit hat es durch seine katholische Pfarrkirche St. Petrus und Jakobus maior, seine Flussauen im Naturpark Obere Donau und als Ringerhochburg (ASV Nendingen).
Geographie mini|Luftbild von Süden: Zentral das Häldele, rechts Nendingen und vorne Beginn des Rottweiler Tals mini|Blick ins Ursental, rechts der Bräunisberg mini|Die Donau bei Nendingen
Geographische Lage mini|Blick über die Breitwiesen ins Donautal nach Stetten und Mühlheim, im Hintergrund Kalksteinfelsen Nendingen liegt im südlichen Scherragau im Naturpark Obere Donau im in die Hochebenen der Schwäbischen Alb eingeschnittenen Tal der Donau. Der 48. Breitengrad geht zentral durch die Nendinger Gemarkung. Die Donau teilt die Berge des großen Heubergs im Norden des Nendinger Siedlungsgebiets von den Bergen der Hegaualb. Der Ortskern von Nendingen liegt auf . Die niedrigste Stelle mit befindet sich auf den Breitwiesen (genauer Kreuzwiesen), einem sehr breiten und flachen Wiesengebiet Richtung Stetten, welches aus Hochwasserschutz nicht bebaut werden darf. (PDF; 335 kB). Das Nendinger Donautal ist Teil des Naturraums Oberen Donautal. Nendingen liegt am Donau-Kilometer 2736. In das Hochplateau des Großen Heubergs zieht sich nördlich von Nendingen das Ursental mit einem Rast-, Sport- und Spielplatz an der Quelle des Ursentaler Baches als Teil des Landschaftsschutzgebiets Ursental mit unterem Bräunisberg. Östlich grenzt das Gebiet Sommerschafweide auf dem Bäunisberg und Kraftstein direkt an. Im Ursental befindet sich außerdem ein besonderer Grenzstein, weil im Mittelalter viele Gemeinden von der Quelle profitieren wollten. Dies sind im Uhrzeigersinn Nendingen, Wurmlingen, Rietheim, Dürbheim und Mühlheim. Der nördliche Teil des Ursentals gehört zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.stadt-schoemberg.de: Gemeindebetroffenheit Die höchste Stelle der Nendinger Gemarkung ist am Bräunisberg mit , wobei sich die höchste Stelle des Berges auf Mühlheimer Gebiet befindet. Von den Höhen von Nendingen ist ein Blick auf die Alpen sowie das Schloss Bronnen und die Burg Wildenstein, jedoch nicht auf den Bodensee möglich. Eine noch erhaltene Ruine zeugt von der ehemaligen Bräunisburg, die dem Bräunisberg seinen Namen gegeben hat. Die Berge der nördlichen Gemarkung sind Teil des Naturraums Hohe Schwabenalb (093.20 Westlicher Heuberg) und der Tourismusregion Donaubergland.
Der höchste „Gipfel“ auf Nendinger Gebiet ist Brennten mit im Süden der Gemarkung. Das zweite Landschaftsschutzgebiet Altental-Rottweiler Tal ist auf dem südlichen Teil der Gemarkung und verbindet den Weiler Altental mit dem Dorf Nendingen. Die südlichen Berge Nendingens gehören zur westlichen Flächenalb mit der Hattingen-Kreenheinstettener Hochfläche, welche sich durch die naturnahen Bergwiesen auszeichnen (beispielsweise Bergwiesengewand Haldenlang).
Wasserwirtschaft Das Donautal bei Nendingen ist verglichen mit dem Donaudurchbruch östlich von Mühlheim verhältnismäßig breit und wird insbesondere Richtung Tuttlingen durch die Altarme der mäandernden Donau dominiert (Altwasser bei der Bleiche). Obwohl die Donau hier noch sehr jung ist, ist die Wasserqualität durch viele Wehre, die den geringen Wasserstand durch die Donauversinkung ausgleichen sollen, sehr schlecht. (PDF; 386 kB). Besonders das Wehr an der „Groß Bruck“ in Tuttlingen sorgt seit Jahren für Diskussionen bezüglich der Sicherung einer Wasserqualität nach Vorgaben der EU.Sauber: Offenes Wehr lässt Schlamm abfließen. In: Gränzbote, 14. Januar 2011. Um die Wasserqualität zu verbessern und somit eine aktive Nutzung des Wassers zu erlauben,. sollte in Nendingen ein Lamellenabscheider installiert werden. Bisher bleibt die Nutzung der Donau auf das vierjährlich stattfindende Wasserfest und vereinzelte Angler beschränkt, was dem fischökologisch bedeutsamen Gewässer nicht Rechnung trägt. (PDF; 3,2 MB). Jedoch schränken gefährliche Strudel und Sogströmungen ab 200 Meter westlich der Donaubrücke das Schwimmen ein, wovor Kindern mit dem Hakenmännle gewarnt werden.Die Geschichte vom „Hakenmännle“. Ein Abbau des Wehres von Nendingen wird derzeit (2010) von der Stadt Tuttlingen aufgrund von möglichem Verlust der Trinkwassersicherung ausgeschlossen.Stadt steht Abbau des Wehrs bei Nendingen skeptisch gegenüber.
Umgebung
Der Stadtrand der Kreisstadt Tuttlingen ist am Ludwigstal rund zwei Kilometer von Nendingen entfernt. Zum Oberzentrum der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg Villingen-Schwenningen sind es etwa 30 Kilometer. Nächstgelegene Großstädte sind Winterthur (57 km) und Reutlingen (60 km). Die Landeshauptstadt Stuttgart (89 km) ist über die Autobahn 81 sowie die Gäubahn, die Bezirkshauptstadt Freiburg (76 km) über die Bundesstraße 31 sowie die Höllentalbahn zu erreichen.
Flächennutzung Nendingen verfügt über reichlich agrar- und forstwirtschaftlich nutzbare Flächen. So sind 55,44 % der Gemarkung Wald und 36,36 % landwirtschaftlich (680 ha) genutzte Fläche. Etwa 5 % der Gemarkung sind bebaut. (PDF).
Da in Nendingen die Teilung der Erbflächen vor allem durch Realteilung und nur selten durch das Anerbenrecht vollzogen wurde, gibt es in Nendingen wesentlich kleinere Höfe als beispielsweise in Oberschwaben oder dem Allgäu. (PDF; 218 kB). Dies führte dazu, dass es vor allem bis zur baden-württembergischen Flurbereinigung 1979, aber auch noch heute, viele sehr kleine oder „unförmige“ Felder gab, auch durch die vergleichsweise hohe Anzahl an landwirtschaftlichen Familienbetrieben und damit Besitzern.
Der Großteil der 1036 ha Waldflächen, mehrheitlich Buchenwälder, liegt südlich des Ortes Richtung der angrenzenden Gemeinden Mühlheim, Fridingen und Neuhausen. Teile dieser Waldflächen (160 ha) gehören auch heute noch der Familie Enzberg.
Besitzer Waldfläche in ha Stadt Tuttlingen (früher Gemeindewald Nendingen) 700 von Enzberg 160 Land Baden-Württemberg 22 Katholische Kirchengemeinde Nendingen 8 Diözese Rottenburg-Stuttgart 1 Flugplatz Neuhausen 12 Tauschwald mit Stetten 3 privat 139
Am südlichen Rand liegen 26 Hektar des Neuhauser Flugplatzes auf Nendinger Gemarkung.
Geologie mini|Der häufig in Nendingen zu findende idoceras balderum im naturhistorischen Museum der Universität Michigan
Nendingen liegt im Geopark Schwäbische Alb. Der Boden in Nendingen gilt als mittelfruchtbar, der besonders auf der Hochebene von Gesteinstrümmern erfüllt ist. In der Donautalebene haben sich für den Wiesenbau fruchtbare Alluvionen abgelagert. Beim Gestein Nendingens handelt es sich wie im gesamten Heuberg-Bereich um Weißen Jura, das Mergel mit Mergelkalkbänken und Kalkbänken umfasst. Dieser wurde früher in Steinbrüchen zur Gewinnung von Baumaterial abgebaut. Ebenso gab es eine Lehmgrube und eine Töpfertongrube. Ammoniten, vor allem der Idoceras Balderum, sind reichlich vorhanden.Chemische Untersuchung des Bohnerzes von Nendingen und einiger anderer damit in Beziehung stehender Gegenstände; Autor/Hrsg.: Gmelin, Christian Gottlob/Schweizer, Carl; Verlagsort: Tübingen; Erscheinungsjahr: 1825; Verlag: Hopfer. Eine Besonderheit ist das starke Auftreten von Bohnerzen, welches die Nendinger Bauern früher zum Nebenerwerb gesammelt und an die Schwäbische Hüttenwerke im Ludwigstal weitergegeben haben.
Morphologie und Tektonik Die durch Transgression eines Burdigalmeeres entstandene Albhochfläche wurde ab dem untersten Pliozän von der Aare-Donau mäandert. Anhebungen im Pliozän führten zu jungpliozänen Laufverlegungen, beispielsweise einer großen Donauschlinge bei Berchenreute durch das Hummerstal und das Rottweiler Tal, mit Prallhang entlang des Hebsacks und Gleithang entlang des Dietweges. Im Gegensatz zu den direkten Erdbebengebieten gibt es auf Nendinger Gemarkung nur geringe Verwerfungen und Störungen mit Sprunghöhen bis drei Metern.Die Geologie des Blattes Nendingen (Nr. 7919) 1:25 000 (Schwäbische Alb), Gerhard Hafner; Stuttgart 1969; Arbeiten aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Stuttgart (TH). Neue Folge Nr. 58.
Klima Nendingen besitzt ein Seeklima, Cfb nach der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger. Es gibt das ganze Jahr regelmäßigen, deutlichen Niederschlag. In den niederschlagschwachen Monaten Januar, Februar, März und Oktober zwischen 63 mm und 65 mm, im niederschlagreichen Juni durchschnittlich 109 mm. Der Jahresniederschlag beträgt damit 973 mm, die Jahresdurchschnittstemperatur 8,3 °C.Climate-Data.org: Klima: Nendingen, abgerufen am 22. Oktober 2013. Die klimatischen Verhältnisse gehören aufgrund der Tallage zu den milderen des Landkreises. Der Januar ist der einzige Monat, der mit −0,3 °C eine negative Durchschnittstemperatur aufweist. Im Juli hat es durchschnittlich 17,2 °C. Frühlingsfröste und kalte Nebel kommen zuweilen vor. Die Auen und Altarme der Donau begünstigen diese häufigen, typischen Nebel.
Traditionell wurde daher als Getreide vor allem Dinkel und Gerste, ferner viel Kartoffeln, Futterkräuter (dreiblätterigen Klee, Luzerne, Esparsette) und Hanf angebaut. Bestimmend für die landwirtschaftlichen Flächen sind jedoch seit jeher Wiesen. Obstwirtschaft ist nicht möglich.
Naturkatastrophen sind in Nendingen selten und überwiegend durch Hochwasser verursacht. Bei einem hundertjährigen Donau-Hochwasser stehen flussnahe Teile des Dorfes voraussichtlich unter Wasser,Überflutungsfläche HQ100, abgerufen am 22. Juli 2025 weshalb zusätzlich zum ständigen Damm auf der Donau-Südseite Häuser mit objektbezogenem Hochwasserschutz ausgestattet sind.Örtlicher HWS in Tuttlingen-Nendingen (Objektschutz), abgerufen am 22. Juli 2025 Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Starkregenereignis im Ursental oder im Rottweiler Tal / Altental plötzlich auch die Wohnbebauung in diesen Tälern fluten kann, sodass im Rottweiler Tal ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut wurde.schwäbische.de: Hochwasserhaltebecken Rottweiler Tal wird für 280.000 Euro ausgebaut, abgerufen am 22. Juli 2025 Nendingen liegt in der Erdbeben-Zone 2 und damit außerhalb der besonders gefährdeten Gebiete der Schwäbischen Alb bei Albstadt. Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten.wikisource:Beschreibung des Oberamts Tuttlingen/Kapitel B 10, abgerufen am 22. Juli 2025Bericht über die Hagelabwehr 2013 im Raum mittlerer Neckar, abgerufen am 22. Juli 2025 Durch die Tallage betreffen Stürme vor allem die unbebauten Hochflächen der Gemarkung auf dem Bräunisberg, dem Leutenberg und beim Flugplatz Neuhausen.
Nachbarortschaften Die umliegenden Gemeinden und Ortsteile sind im Uhrzeigersinn von Westen Tuttlingen, Wurmlingen, Rietheim, Dürbheim, Mühlheim, Stetten, Fridingen, Neuhausen und Liptingen.
Ortsgliederung mini|Der Weiler Altental südlich des Dorfes Siedlungen außerhalb des Dorfgebietes sind:
Ziegelhütte mit Ottilienkapelle (im Südwesten), errichtet um 1560 Schinderhütte (im Süden) Altental (im Süden) Neumühle (im Osten), erbaut 1834 vom Müller Xaver Schellinger Aussiedlerhof mit Wasserreservoir (im Norden) Ortsentwicklung