Die Antonow An-24 (NATO-Codename: Coke) ist ein Kurzstrecken-Passagier- und Frachtflugzeug sowjetischer Herkunft. Ausgelegt als typischer Antonow-Schulterdecker und angetrieben von zwei Turboproptriebwerken wird sie vorrangig in der zivilen Luftfahrt eingesetzt. Über 1300 Flugzeuge dieses Typs wurden gebaut.

Geschichte Die An-24 entstand aufgrund einer Forderung der Aeroflot aus dem Jahr 1957 nach einem 32-sitzigen Passagierflugzeug, das auf schlecht befestigten Kleinflugplätzen unter wechselnden Witterungsbedingungen operieren konnte. Es sollte die Lissunow Li-2, Iljuschin Il-12 und Il-14 der sowjetischen Fluggesellschaft ersetzen. Das OKB Antonow erhielt Im Dezember 1957 den Entwicklungsauftrag und entwarf einen Schulterdecker, der ursprünglich von vier Kolbenmotoren mit je angetrieben werden sollte. Schließlich fiel die Entscheidung für einen Antrieb mit zwei Turboproptriebwerken Iwtschenko AI-24. Der Erstflug mit dem ersten Prototyp (Luftfahrzeugkennzeichen СССР–1959) war am 20. Oktober 1959 in Kiew mit J. Kurlin und G. I. Lisenko. Der zweite Prototyp (СССР–1959) mit modifiziertem Bug, nach vorn vergrößertem Seitenleitwerk und längeren Triebwerksgondeln flog ein Jahr später. Nach dem Bau dreier Vorserienflugzeuge begann Anfang 1962 die Serienfertigung des Flugzeuges mit zwei Iwtschenko AI-24A und Vierblattpropellern AW-72. Sie wurde in den Werken Nr. 39 in Irkutsk, Nr. 99 in Ulan-Ude und Nr. 473 in Kiew durchgeführt.Ulf Gerber: Das große Buch der sowjetischen Luftfahrt 1920–1990. Entwicklung, Produktion und Einsatz der Flugzeuge. Rockstuhl, Bad Langensalza 2019, ISBN 978-3-95966-403-5, S. 612, 616 und 625. Die An-24 wurde bei der Aeroflot als Frachtflugzeug im Juli 1962 in Dienst gestellt und am 1. Dezember 1963 auf der Strecke Kiew–Cherson als 44-sitziges Passagierflugzeug mit je acht Fenstern an den Kabinenseiten. Zirka ein Drittel aller Passagierbewegungen in der Sowjetunion wurden später mit An-24 abgewickelt.Soviet Civil Aircraft Dokumentation

mini|Strahltriebwerk Tumanski RU-19A-300 in der rechten Motorgondel der Version An-24RW Im Laufe der Zeit entstanden um das Basismodell eine ganze Reihe erfolgreicher Flugzeuge, so zum Beispiel die An-24RW mit einem zusätzlichen Strahltriebwerk Tumanski RU-19A-300 anstelle des TG-16-Startergenerators in der rechten Motorgondel, die Frachtversion An-24T und das Löschflugzeug An-24P. Die An-24 wurde in der Volksrepublik China als Xian Y-7 weiter produziert.

Aus der An-24 wurden die militärische Transportvariante An-26, das Luftbildflugzeug An-30 und das Transportflugzeug An-32 abgeleitet. Das zivile Nachfolgemodell ist die An-140.

Zwischenfälle Seit 1962 kam es bis Juli 2025 zu insgesamt 172 Totalverlusten der An-24. Bei 92 davon kamen insgesamt 2215 Menschen ums Leben.Liste von Unfällen mit Antonov An-24, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 23. Januar 2025.

Am 2. Februar 1966 verunglückte eine Antonow An-24W der ägyptischen United Arab Airlines (heute Egypt Air) (Luftfahrzeugkennzeichen SU-AOB) bei einem Testflug am Flughafen Luxor (Ägypten). Über Personenschäden ist nichts bekannt. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt.

Am 18. März 1966 stürzte eine von Nikosia kommende An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (SU-AOA) beim Landeanflug auf den Flughafen Kairo-International fünf Kilometer nordöstlich davon ab. Alle 30 Insassen, fünf Besatzungsmitglieder und 25 Passagiere, wurden getötet (siehe auch United-Arab-Airlines-Flug 749).Unfallbericht An-24 SU-AOA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. August 2017.

Am 30. September 1966 wurde mit einer Antonow An-24W der ägyptischen United Arab Airlines (heute Egypt Air) (SU-AOM) auf dem Flughafen Kairo-International (Ägypten) eine vorbereitete Bauchlandung durchgeführt. Beim vorhergegangenen Start auf dem Flughafen Luxor war die Maschine mit einem auf der Startbahn gehenden Kamel kollidiert. Daraufhin konnte das rechte Hauptfahrwerk nicht mehr korrekt eingefahren werden. Die Piloten entschieden sich dafür, den Flug zum Zielort Kairo fortzusetzen und machten dort eine Bauchlandung auf einem Sandstreifen. Alle 43 Insassen, sechs Besatzungsmitglieder und 37 Passagiere, blieben unverletzt. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt.

Am 18. August 1968 stürzte eine An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (SU-AOL) auf einem internationalen Linienflug von Kairo nach Damaskus ins Mittelmeer. Alle 40 Insassen, sieben Besatzungsmitglieder und 33 Passagiere, kamen ums Leben.Unfallbericht AN-24 SU-AOL, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. August 2017.

Am 2. April 1969 flog eine An-24B (SP-LTF) der polnischen Fluggesellschaft Polskie Linie Lotnicze LOT abseits der Flugroute in den Hang des Berges Polica in der Gemarkung von Zawoja in den Westkarpaten, nachdem die Crew aus einer nicht abschließend geklärten Ursache den Zielflughafen Krakau um ca. 50 Kilometer verfehlt hatte. Alle 53 Personen an Bord der vollbesetzten Antonow An-24B wurden dabei getötet (siehe auch LOT-Flug 165).Unfallbericht An-24 SP-LTF, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.

Am 3. August 1969 stürzte eine Antonow An-24 der Aeroflot (CCCP-46248) auf dem Flug von Dnipropetrowsk nach Winnyzja durch einen Propellerblattbruch kurz nach dem Start ab, wobei alle 55 Insassen starben.

Am 30. Januar 1970 brach bei einer An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (SU-AOK) bei der Landung auf dem Flughafen Luxor das Fahrwerk zusammen. Die Maschine wurde irreparabel beschädigt. Alle Personen an Bord überlebten den Unfall.Unfallbericht AN-24 SU-AOK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 28. Dezember 2018.

Am 4. Februar 1970 wurde eine auf einem im Auftrag der rumänischen Regierung durchgeführten Sonderflug von Bukarest nach Oradea befindliche Antonow An-24W der TAROM (YR-AMT) gegen einen verschneiten Berghang der Vlădeasa-Gebirgskette geflogen. Obwohl es ursprünglich acht Überlebende gegeben hatte, überlebte aufgrund der frostigen Temperaturen und eines um drei Tage verschleppten Rettungseinsatzes von den 21 Insassen an Bord nur ein Passagier den Unfall (siehe auch TAROM-Flug 35).

Am 14. März 1970 ereignete sich an einer Antonow An-24W der ägyptischen United Arab Airlines (heute Egypt Air) (SU-AOC) eine Explosion in der Triebwerksverkleidung von Motor 1 (links). Die Maschine war auf dem Weg von Athen über Alexandria zum Flughafen Kairo-International (Ägypten). Der Motor musste abgestellt werden, Landeklappen und Fahrwerk konnten nicht mehr ausgefahren werden. Die Piloten machten am Zielflughafen eine Bauchlandung auf einem Sandstreifen. Alle 15 Insassen, sieben Besatzungsmitglieder und 8 Passagiere, blieben unverletzt. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt.

Am 1. April 1970 kollidierte eine An-24 der sowjetischen Aeroflot (CCCP-47751) bei Togutschin, Region Nowosibirsk (UdSSR), mit einem Wetterballon und stürzte ab. Alle 45 Insassen starben (siehe auch Aeroflot-Flug 1661).Unfallbericht AN-24 CCCP-47751, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.

Am 19. Juli 1970 verunglückte eine Antonow An-24W der ägyptischen United Arab Airlines (heute Egypt Air) (SU-ANZ) am Flughafen Kairo-International. Während eines Trainingsfluges führte die Crew fünf Touch-and-Go-Manöver durch. Beim fünften Start stieg das Flugzeug nach dem Abheben auf 50 Meter und rollte bis 90° Querlage nach rechts. Nach einem Strömungsabriss stürzte es ab. Als Ursache wurde menschliches Fehlverhalten festgestellt. Alle 3 Insassen kamen ums Leben (siehe auch Flugunfall einer Antonow An-24 der United Arab Airlines bei Kairo 1970).

Am 13. November 1971 geriet eine Antonow An-24 der Aeroflot (CCCP-46378) beim Endanflug auf Kertsch (von Simferopol kommend) in ein Gebiet mit lokalen Nebel. Die Besatzung ließ das Flugzeug unter den Gleitpfad sinken, bis es am Stadtrand von Wojkowe, 2.610 Meter vor der Landebahnschwelle, gegen einen Betonmast einer Hochspannungsleitung prallte. Zu diesem Zeitpunkt flog das Flugzeug 17 Meter unter dem Niveau der Landebahn. Das Flugzeug kollidierte mit dem Dach einer Lagerhalle und stürzte ab. Alle vier Besatzungsmitglieder und sechs der elf Passagiere kamen ums Leben.

Am 16. Mai 1972 stürzte eine Antonow An-24T der Seefliegerkräfte der Baltischen Rotbannerflotte auf einen Kindergarten in Swetlogorsk. Die Besatzung hatte den barometrischen Höhendruck des Flugplatzes nicht eingestellt, so dass der Höhenmesser eine höhere Höhe als die tatsächliche Höhe anzeigte. Nach dem Überfliegen der Küstenlinie geriet sie in dichten Nebel. Die Besatzung konnte den Boden nicht mehr sehen und sank auf eine gefährlich niedrige Höhe ab. In Swetlogorsk kollidierte die Tragfläche bei einer angezeigten Höhe von 150 Metern mit einer Kiefer an einem Hang in 42 Metern Höhe. Das Flugzeug stürzte dann 200 Meter weiter auf einen Kindergarten; dabei wurden 25 Personen am Boden getötet sowie alle 6 Besatzungsmitglieder und beide Passagiere.Unfallbericht AN-24 Soviet Navy 05, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Januar 2025.

Am 4. November 1972 wurde eine Antonow An-24B der sowjetischen Aeroflot (CCCP-46202) im Anflug auf den Flughafen Kursk Wostotschny (UdSSR) unter schwierigen Wetterbedingungen, zu denen auch Schneefall gehörte, unter den Gleitpfad geflogen. Das Flugzeug berührte 2.500 Meter vor der inneren Markierung Bäume; es kam zu einer Bruchlandung. Die Maschine ging in Flammen auf. Alle drei Besatzungsmitglieder, die einzigen Insassen auf dem Überführungsflug, überlebten diesen CFIT (Controlled flight into terrain).Unfallbericht AN-24 CCCP-46202, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 22. Januar 2025.

Am 21. Januar 1973 stürzte eine Antonow An-24 der sowjetischen Aeroflot (CCCP-46276) im Distrikt Bolschesosnowski nach einem Zusammenstoß mit einem unbekannten Objekt ab, vermutlich einem Wetterballon. Die Maschine war auf einem Linienflug von Krasnodar nach Perm, als sie aus einer Höhe von 5400 Metern abstürzte. Dabei starben alle 39 Insassen.Unfallbericht An-24 CCCP-46276, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. Januar 2022.

Am 18. August 1973 kam es bei einer Antonow An-24B (CCCP-46435) kurz nach dem Abheben vom Flughafen Baku-Bina mit Ziel Schewtschenko zum Ausfall des linken Triebwerks. Anstatt über dem Kaspischen Meer auf die Sicherheitsmindesthöhe zu steigen, flogen die Piloten eine Linkskurve und stürzten auf einem Ölbohrgelände ab. Von den 64 Insassen überlebten der Kapitän, der Flugingenieur und 6 Passagiere. (siehe auch Aeroflot-Flug A-13).Unfallbeschreibung CCCP-46435 (englisch) im Aviation Safety Network, abgerufen am 30. Januar 2022.

Am 29. Dezember 1974 wurde eine Antonow An-24RW der rumänischen TAROM (YR-AMD) auf dem Flug von Oradea nach Bukarest im Landeanflug zu einem Zwischenstopp am Flughafen Sibiu in die Lotrolui-Berge geflogen. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 33 Insassen getötet, Passagiere und Besatzung. Den Zwischenstopp soll ein hochrangiger lokaler Funktionär gefordert haben.Unfallbericht AN-24 YR-AMD, Aviation Safety Network, abgerufen am 6. Januar 2025.

Am 22. November 1975 wurde eine Antonow An-24B der Balkan Bulgarian Airlines (LZ-ANA) bei Schneefall am Flughafen Sofia für einen Flug nach Warna enteist. Nachdem die Maschine zum Start rollte, verzögerte sich der Start, da der Schnee auf der Startbahn durch Winterdienstfahrzeuge geräumt wurde. In dieser Zeit verstrich die Wirksamkeitsdauer der durchgeführten Enteisung. Als die Startbahn wieder freigegeben wurde und der Maschine die Startfreigabe erteilt wurde, gewann diese nach dem Start nicht an Höhe und stürzte hinter der Startbahn in den Graben des Flusses Iskar. Von den 45 Insassen der Maschine starben der Erste Offizier und zwei Passagiere, die nach dem Aufprall im Fluss ertranken (siehe auch Flugunfall der Antonow An-24 LZ-ANA der Balkan Bulgarian Airlines).