Das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, abgekürzt KRG, ist eine Regelschule in der pfälzischen Stadt Neustadt an der Weinstraße; Schulträger ist die Stadt.
Als Gymnasium im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz führt es in neun Jahren (Klassen 5 bis 13) zum Abitur oder in sechs (5 bis 10) zur Mittleren Reife. Das KRG ist ein altsprachliches Gymnasium, deshalb ist bis zum Ende der Sekundarstufe I (10. Klasse) die Belegung von drei Fremdsprachen Pflicht.
Die Veränderungen im Laufe der Geschichte des KRG (s. Abschnitt Geschichte) spiegeln sich auch in seinen Schülerzahlen wider: Während bei der vormaligen Lateinschule 180 Schüler die Obergrenze bedeuteten, waren es beim altsprachlichen Gymnasium maximal 300. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre stieg die Zahl dann bis auf 1400 an, um sich heute bei weniger als 1000 einzupendeln.
Die Schule wurde ausgezeichnet als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und als „Hospitationsschule“. In der Liste der besten Schulen von Rheinland-Pfalz steht es (Stand: 2021) an 14. Stelle.
Neben dem KRG gibt es in Neustadt zwei weitere Gymnasien: das Käthe-Kollwitz- und das Leibniz-Gymnasium.
Geographie Lage mini|Winzinger Wassergescheid: Hinter den Bäumen auf der „Insel“ zwischen Rehbach (links) und Speyerbach (rechts) liegen die Unterrichtsgebäude.
83 Jahre nach der Errichtung des Schulgebäudes in der innerstädtischen Hindenburgstraße 14 wurde am 3. Juni 1969 im Schulzentrum Böbig, das damals neu am Nordostrand des Stadtviertels Winzingen entstand, der KRG-Neubau in der Landwehrstraße 22 eröffnet. Für die Anlage wurde das Terrain rund 200 m unterhalb des Winzinger Wassergescheids gewählt, an dem sich Speyerbach und Rehbach trennen. Das Hauptgebäude steht auf HöheStandort des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums auf: , abgerufen am 28. Februar 2021. und damit an einer der tiefsten Stellen der heutigen Neustadter Kernstadt. Nahe dem KRG liegen eine Allgemeinbildende Schule, die Realschule plus im Böbig sowie die Berufsbildende Schule Neustadt.
Verkehrsanbindung Die Deutsche Bahn betreibt beim Schulzentrum Böbig einen Haltepunkt, der ebenfalls Böbig heißt und vom Neustadter Hauptbahnhof etwa 1,5 km entfernt ist. Von dort aus liegt er 400 m vor der Stelle, wo sich östlich der Stadt die Bahnstrecken in Richtung Mannheim (rechts) bzw. Bad Dürkheim/Monsheim (links) trennen. Über den vom KRG 150 m entfernten Haltepunkt erreichen jeden Tag mehr als 1000 Schüler das Schulzentrum, während das übrige Schüleraufkommen über Busse und Privatfahrzeuge abgewickelt wird.
Geschichte Das KRG besitzt von allen Neustadter Gymnasien die längste Tradition. Quelle für diesen Abschnitt war 2004 u. a. auch die Website des KRG. Mittlerweile wurden auch Formulierungen des Wikipedia-Artikels auf die KRG-Website übernommen.
Name mini|100px|links|Kurfürst Ruprecht mini|Kurfürst Ruprecht und die beiden Frauen, mit denen er nacheinander verheiratet war: Elisabeth von Namur (1330–1382) und Beatrix von Berg (1360–1395; rechts)
Als im Jahre 1880 an der Schule die Neunklassigkeit eingeführt wurde, gehörte die Pfalz zum Königreich Bayern. Deshalb hieß die Schule seitdem Königliche Studienanstalt. 1891 wurde sie in Humanistisches Gymnasium umbenannt; diesen Namen behielt sie bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bis 1964 firmierte sie dann als Altsprachliches Gymnasium, für dessen Besuch bis 1960 Schulgeld an die Stadt Neustadt zu entrichten war.
Am 8. Mai 1964 diente als neuer Namensgeber der pfälzische Kurfürst Ruprecht I. (1309–1390), der aus einer bayerischen Linie des Hauses Wittelsbach stammte. Die Namenswahl fiel auf ihn, weil er sich seinerzeit um die Bildung in seiner Residenzstadt Neustadt verdient machte: Nachdem er um 1360 die Neustadter Stiftskirche erbaut hatte (die seit 1705 Simultankirche mit 1707/08 eingezogener Trennwand ist), gliederte er ihr eine Stiftsschule an.
Ruprecht ist in der Grablege der Stiftskirche bestattet, ebenso seine zweite Gemahlin Beatrix von Berg, die ihn nur um fünf Jahre überlebte. Beider Gräber und Epitaphe sind erhalten. Die Grabstätten befinden sich im Mittelgang des heute katholischen Chors der Stiftskirche und sind durch neuzeitliche Bronze-Inschriften markiert. Die historischen Abdeckplatten wurden zwecks Schonung aus dem Fußboden entfernt und aufrecht an die Rückwand des katholischen Kirchenteils gestellt, die zugleich die Scheidewand zum protestantischen Bereich ist. An der Seite von Ruprecht und Beatrix fanden drei weitere Familienangehörige die letzte Ruhe: Pfalzgraf Rudolf II. (1306–1353), dessen Frau Margarete von Sizilien-Aragon (1331–1377) sowie Blanca von England (1392–1409), die früh verstorbene Gattin des späteren Kurfürsten Ludwig III.
Vorläufer mini|100px|links|Pfalzgraf Johann Casimir mini|Casimirianum
1578 gründete Pfalzgraf Johann Casimir an seinem Verwaltungssitz im damaligen Neustadt an der Haardt das nach ihm benannte Casimirianum. Dies war eine calvinistische Hochschule, der zur Vorbereitung auf das Studium eine Partikularschule sowie ein Pädagogium (auch Gymnasium illustre genannt und einem heutigen Gymnasium vergleichbar) vorgeschaltet waren. Die Hochschule blieb nur sechs Jahre in Neustadt; nachdem Johann Casimir, Anhänger der calvinistischen Richtung der Reformation, 1583 Administrator der Kurpfalz geworden war, wurde der Lehrbetrieb nach Heidelberg verlegt und in den der dortigen Universität integriert.
Das Pädagogium dagegen konnte sich mehr als 200 Jahre halten. Es ging 1797 unter, als die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz durch französische Truppen erobert und später größtenteils dem Département Donnersberg zugeschlagen wurden. Gleichzeitig verschwand auch die einst von Jesuiten gegründete Lateinschule, um erst 1808 als École Secondaire wiederzuerstehen.
Mit dem Ende der französischen Besetzung nach Napoleons Niederlage in der Schlacht bei Waterloo (1815) wurde 1816 das Königreich Bayern für den Rheinkreis zuständig; so wurde der linksrheinische Teil der vormaligen Kurpfalz zunächst genannt, ehe er 1835 in der bayerischen Pfalz aufging, die mit der heutigen Pfalz in weiten Teilen identisch ist.
Bereits 1817 löste die bayerische Verwaltung die École Secondaire wieder auf. Eine neue private Lateinschule nahm den Unterricht auf, die nach zehn Jahren staatlich anerkannt wurde. In langsamen Schritten erfolgte der Ausbau zur vierklassigen, dann fünfklassigen Lateinschule, an die eine Art Gewerbeklasse als realer Zweig angehängt wurde.
Aufstieg zum Gymnasium mini|Neubau von 1886 in der Innenstadt
Schulleitung von bis Friedrich Burkhardt 2021 Lenelotte Möller 2016 2021 Hartmut Loos 2007 2016 Ursula AnkerAnmerkung: Die Schulleitung oblag 116 Jahre lang, von 1880 bis 1996, Männern und wurde dann erstmals einer Frau übertragen. 1996 2007 Günter Weingarth † 1978 1996 Berthold Emrich † 1970 1977 Karl Zeitlinger † 1963 1970 Herbert Silbernagel † 1953 1963 Hans Otto Kompter † 1945 1953 Friedolin Uhl † 1939 1945 Otto Müller † 1937 1939 Fritz Unkelbach † 1935 1937 Karl Mederle † 1929 1935 Heinrich LieberichJahresverzeichnis der an den deutschen Schulanstalten erschienenen Abhandlungen. . † 1919 1929 Karl Hammerschmidt † 1913 1919 Anton WeningerPersonalstatus der Gymnasien, Progymnasien und Lateinschulen im Königreich Bayern. . † 1909 1913 Jakob Müller † 1880 1909
Erst 1880 stieg die Schule zur Vollanstalt auf, einem humanistischen Gymnasium mit dem bayerischen Titel Königliche Studienanstalt. Latein und Griechisch standen noch im Vordergrund, doch neben der Muttersprache wurden auch die neueren Fremdsprachen berücksichtigt, dazu kamen Geschichte, Geographie, aber auch Naturkunde und Mathematik. Für die körperliche Ertüchtigung konnte man sich nur zögerlich erwärmen, Gesang anstelle von Instrumentalmusik wurde angeboten. 1886, nach zwei Jahren Bauzeit, wurde das damals neue Schulgebäude in der jetzigen Hindenburgstraße bezogen, das samt Bauplatz 265.793,16 Mark gekostet hatte.
Nach 1880 bewahrte das altsprachliche Gymnasium bayerischer Provenienz seine Prägung durch die alten Sprachen bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Fach Deutsch wurde aufgewertet, die modernen Fremdsprachen fanden ihren Platz, selbst Italienisch wurde angeboten. Mathematik wurde allmählich stärker als früher betont, und auch die Naturwissenschaften bekamen eine gewisse Bedeutung.
Weltkriege und NS-Zeit
Der Erste Weltkrieg brachte keine schulischen Veränderungen, führte aber zu erheblichen personellen Einschnitten: Ein Lehrer und 18 Schüler der Oberstufe fielen als Soldaten, dazu mindestens 120 ehemalige Schüler. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Sport stärker gefördert, doch hinterließ die Ideologie der Machthaber keine besonderen Spuren im Fächerkanon des altsprachlichen Gymnasiums. Gravierend waren allerdings die personellen Auswirkungen: Weitaus mehr Lehrer und Schüler verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben als im Ersten.
Den einzigen jüdischen Lehrer der Schule, Studienprofessor Karl Strauß (1883–1942), der seit 1922 die Fächer Mathematik und Physik unterrichtet hatte, entfernten die nationalsozialistischen Machthaber 1935 aus dem Dienst. 1940 wurde er mit seiner Familie zunächst ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert; 1942 wurde er nach Polen verbracht und dort im KZ Auschwitz-Birkenau vergast. Es überlebte lediglich die 1937 als 15-jährige Gymnasiastin ausgeschlossene und 1938 zu Verwandten in die USA emigrierte Tochter Margarete, die später als Naturwissenschaftlerin Margaret Strauss Berman bekannt wurde. 1998 war sie bei einem Besuch Gast ihrer Geburtsstadt. Zum Gedenken an ihren Vater wurde vor dem KRG am 16. Dezember 2002 der erste Neustadter Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt.
Nachkriegsepoche Schon vor der letzten großen Reform der Fächer 1964 waren drei Fremdsprachen gefordert, indessen spielte Englisch als zusätzliches Wahlfach nur eine Nebenrolle. Von Klasse 5 bis 13 wurde Latein gelehrt, von 7 bis 11 Französisch und von 8 bis 13 Altgriechisch. Beide alten Sprachen waren also – neben Deutsch und Mathematik – Bestandteil der schriftlichen Abiturprüfung.
1975 wurde am KRG als reformierte Oberstufe die Mainzer Studienstufe (MSS) eingeführt, die in modifizierter Form heute noch besteht. Das Kurssystem der MSS weitete den Unterricht auch auf die Nachmittage aus, der Samstag ist als Unterrichtstag ab dem Schuljahr 1994/95 weggefallen. In der MSS können die Schüler ihre Fächer in einem weiten Rahmen nach Leistungs- und Grundkursen festlegen.
Innerhalb von acht Jahren konnte das KRG drei Jubiläen feiern: 1978 die Gründung des Pädagogiums durch Johann Casimir vor 400 Jahren, 1980 das hundertjährige Bestehen als Gymnasium und 1986 hundert Jahre seit Neubau des Gymnasialgebäudes in der jetzigen Hindenburgstraße, wo allerdings 1969 die Volkshochschule einzog und heute hauptsächlich Büros der Stadtverwaltung untergebracht sind.
Am 28. November 2019 im Casimirianum richtete die Studiengenossenschaft dem KRG eine Feier anlässlich des 50. Jahrestages der Einweihung des damaligen Neubaus aus.
Anlage Hauptgebäude mini|Eingang des Hauptgebäudes
Die Anlage besteht aus einem dreistöckigen quadratischen Hauptgebäude mit einer Seitenlänge von etwa 65 m, das ein Atrium von 40 mal 40 m einschließt. Ein Brand des Flachdaches am 7. Februar 1968, der bei Belagsarbeiten gegen Ende der Bauphase ausgelöst worden war, hatte erheblichen Schaden angerichtet und die Einweihung des neuen Gebäudes um über ein Jahr verzögert.
Nebenanlagen