mini|Thích Nhất Hạnh in Paris, 2006 Thích Nhất Hạnh (, im internationalen Schrifttum auch Thich Nhat Hanh, geb. 11. Oktober 1926 als Nguyễn Xuân Bảo in Thừa Thiên, Region Annam, Französisch-Indochina; gest. 22. Januar 2022 in Huế, Vietnam) war ein vietnamesischer buddhistischer Mönch, Schriftsteller, Lyriker und Begründer der Plum-Village-Tradition. Thích ist ein Titel vietnamesischer Mönche.

Neben dem Dalai Lama war Thích Nhất Hạnh ein zeitgenössischer Repräsentant der buddhistischen Lehre und ist auch als „Vater der Achtsamkeit“ bekannt. Schon seit seiner Jugend war er dezidierter Vertreter eines „engagierten Buddhismus“, so war er u. a. einer der Schirmherren des Internationalen Netzwerks Engagierter Buddhisten (INEB). Retreats und Vorträge führten ihn rund um die Welt. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, die sich an ein Laienpublikum in Europa und Amerika wenden und in viele Sprachen übersetzt wurden.

Leben mini|Thích Nhất Hạnh in Vietnam, 2007 mini|Thích Nhất Hạnh in Vietnam, 2007 Thích Nhất Hạnh wurde mit sechzehn Jahren im Từ Hiếu-Tempel in Huế zum Mönch ordiniert. Schon früh interessierte er sich neben den Texten der Mahayana-Tradition auch für Schriften anderer Schulen, insbesondere für die des Theravada. Auch europäische Philosophen und Religionstheoretiker fesselten ihn.

1949 war er einer der Gründer des An Quang Buddhist Institute in Saigon, wo er die erste Klasse von Novizen unterrichtete. Dort hatte er auch Kontakt mit französischen Soldaten.Thích Nhất Hạnh: History of Engaged Buddhism: A Dharma Talk by Thich Nhat Hanh, Hanoi, Vietnam, May 6-7, 2008. In: Human Architecture: Journal of the Sociology of Self-Knowledge, Vol. 6, Iss. 3, Article 7, 2008, S. 29–36.

Seine ersten Artikel zum engagierten Buddhismus veröffentlichte er 1954 in einer vietnamesischen Tageszeitung. Sie erschienen unter dem Titel A Fresh Look at Buddhism als Serie von zehn Artikeln. Kurz darauf veröffentlichte er eine weitere Serie von zehn Artikeln unter dem Titel Buddhism Today (Buddhismus Heute), die ins Französische übersetzt wurden (französisch: Aujourd’hui le Bouddhisme).

1956 errichtete er mit Freunden im Dai-Lao-Wald im Ort Bsu Danlu das Phuong Boi-Kloster (englisch Fragrant Palm Leaves Monastery), wo er für einige Jahre lebte.

1961 erhielt er ein Forschungsstipendium für vergleichende Religionswissenschaften an der Princeton University.

1963 bis 1964 hielt er Vorlesungen an der Columbia University.

Nach dem Machtwechsel in Vietnam 1963 kehrte er auf die Bitte seiner Kollegen hin Anfang 1964 nach Vietnam zurück, um dort zu helfen. Er gründete die Van Hanh University und publizierte unter dem Titel Dao Phat di vao cuoc doi (deutsch: engagierter Buddhismus) eine Sammlung seiner bisher erschienenen Artikel zu dem Thema. Sechs Monate später veröffentlichte er ein weiteres Buch, Dao Phat hien dai hoa (deutsch: erneuerter Buddhismus).

Er war Mitbegründer der „Vereinigten Buddhistischen Kirche von Vietnam“ (1963), die sich der Theravada- (frühbuddhistische, südliche Schule) und Mahayana-Tradition (spätere, nördliche Schulrichtung) gleichermaßen verpflichtet fühlt. Unter der Schirmherrschaft der „Vereinigten Buddhistischen Kirche von Vietnam“ wurde 1965 die „Schule der Jugend für Soziale Dienste“ (SYSS) gegründet, die aus Mönchen und Laienpraktizierenden bestand, die den Dörfern auf dem Land beim Aufbau von Schulen und Krankenhäusern halfen. Während des Vietnamkrieges half die SYSS beim Wiederaufbau der bombardierten Ortschaften, wodurch die Hilfsorganisation immer wieder zwischen die Fronten geriet und zahlreiche ihrer Mitglieder ums Leben kamen.

Im Jahr 1964 gründete Thích Nhất Hạnh den „Tiep-Hien-Orden“, () als „spirituelle Widerstandsbewegung“. Der Orden gründet sich vollständig auf den Lehren des Buddha. Die Ordensmitglieder engagieren sich in der praktischen Umsetzung der buddhistischen Lehre in konkreten Sozial- und Friedensprojekten.

Am 1. Juni 1965 schrieb Thích Nhất Hạnh einen offenen Brief an Martin Luther KingThich Nhat Hanh: In Search of the Enemy of Man (addressed to (the Rev.) Martin Luther King)." In Nhat Nanh, Ho Huu Tuong, Tam Ich, Bui Giang, Pham Cong Thien. Dialogue. Saigon: La Boi, 1965. P. 11-20., in dem er die Situation in Vietnam schilderte und King aufforderte, sich zum Vietnamkrieg zu äußern. Im Jahr 1966 fand ein Treffen zwischen Thich Nhat Hanh und Martin Luther King statt. Anfang 1967 schlug Martin Luther King Thích Nhất Hạnh für den Friedensnobelpreis vorNomination of Thich Nhat Hanh for the Nobel Peace Prize. Martin Luther King Jr., 25. Januar 1967. Abgerufen am 13. Juli 2013. und nahm öffentlich Stellung gegen den Vietnamkrieg.Martin Luther King: The Casualities of War in Vietnam. Rede vom 25. Februar 1967, The Nation Institute, Los Angeles. Abgerufen am 13. Juli 2013.Martin Luther King: Beyond Vietnam. Rede vom 4. April 1967 in der Riverside Church, New York City. Abgerufen am 13. Juli 2013.

Bei einer Audienz bei Papst Paul VI. im Juli 1966 bat Thích Nhất Hạnh in seiner Funktion als Mitarbeiter der buddhistischen Führer Thich Tri Quang und Thich Tam Chau diesen ebenfalls eindringlich, sich für den Frieden in Vietnam einzusetzen. Diese Bitte gab den Ausschlag, dass der Papst einen Botschafter nach Vietnam entsandte.Papst Paul VI. nach Vietnam? In: Die Zeit. 28. Oktober 1966, abgerufen am 13. Juli 2013.

1969 war Thích Nhất Hạnh Mitglied der buddhistischen Delegation bei den Friedensverhandlungen für Vietnam in Paris. Dort gründete er im selben Jahr die Vereinigte Buddhistische Kirche.

Aufgrund seiner Friedensaktivitäten wurde er von der südvietnamesischen Regierung zur persona non grata erklärtHeise am 23. Mai 2009 und musste im Exil bleiben. Da er in Vietnam nicht mehr unter seinem Namen veröffentlichen konnte, erschien sein folgendes Buch Buddhism of Tomorrow unter dem Pseudonym Bsu Danlu (in Anlehnung an den Ort seines o. g. Klosters). In der Folge veröffentlichte er in Vietnam mehrere Bücher unter verschiedenen Namen, unter anderem ein umfangreiches dreibändiges Werk zur Geschichte des vietnamesischen Buddhismus unter dem Pseudonym Nguyen Lang.

Nach einigen Jahren in Paris gründete er 1971 mit Weggefährten die Landkommune „Les Patates douces“ () bei der Ortschaft Fontvannes, 150 km südöstlich von Paris, und schuf 1982 schließlich östlich von Bordeaux das Praxiszentrum „Plum Village“ (). Jedes Jahr finden dort Retreats statt, die von tausenden von Menschen aus der ganzen Welt besucht werden. 2017 erzählte Benedict Cumberbatch in dem Dokumentarfilm Walk with me über die Gemeinschaft aus den frühen Tagebüchern Hạnhs.Judith Merkelt: Meister der Meditation spektrum.de, 1. Dezember 2017.

Die Weiterführung des sozialen Engagements für Vietnam war Thích Nhất Hạnh und seinen Wegbegleitern in Frankreich stets ein zentrales Anliegen. Hierzu zählt neben Projekten für die medizinische Versorgung auch die Unterstützung der Boat People (Vietnamflüchtlinge). In Plum Village verfasste Thích Nhất Hạnh – insbesondere in den 1990er Jahren – eine Vielzahl von Büchern, die sich im Wesentlichen an ein westliches Publikum wenden und die praktische Umsetzung der buddhistischen Lehre im Alltag zum Thema haben.

Im Januar 2005 kehrte er erstmals nach 39 Jahren Exil wieder für drei Monate in seine Heimat Vietnam zurück, wo er Vorträge und Retreats im ganzen Land abhalten konnte.

2007 initiierte Thích Nhất Hạnh in Waldbröl (Deutschland, Nordrhein-Westfalen) die Gründung des Europäischen Institutes für Angewandten Buddhismus (EIAB). Er erwarb ein großes denkmalgeschütztes Gebäude (jetzt: Ashoka-Institut), in dem vor dem Zweiten Weltkrieg eine „Heil- und Pflegeanstalt“ für psychisch Kranke und geistig Behinderte untergebracht war (gebaut 1894–1897).Rund ums Krankenhaus, Informationen zur ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Waldbröl auf www.waldbröl.de (abgerufen am 11. September 2012). Diese (etwa 700 Personen) wurden in der Zeit des Nationalsozialismus großteils Opfer des Euthanasie-Programms (Aktion T4). Ab 1939 wurde das Gebäude zum „KdF-Hotel“ umgebaut, später wurde es als städtisches Krankenhaus und von der Bundeswehr genutzt. Zum EIAB gehört zudem die ehemalige Zivildienstschule. Aufgrund von Brandschutzauflagen musste das EIAB nach seiner Gründung 2008 umfangreich renoviert werden. Das EIAB wurde nach längerem Umbau am 22. August 2012 von Thích Nhất Hạnh gemeinsam mit dem Bürgermeister von Waldbröl eingeweiht.Till-R. Stoldt: Buddhas sanfter Vormarsch. Welt Online, 19. August 2012.Christian Behrens: Ruhe und Kraft, WDR, Lokalzeit aus Köln vom 22. August 2012 (Video, 03:13 min)Michael Fiedler-Heinen: Ashoka-Institut: Das Fest einer friedlichen Welt. Kölner Stadt-Anzeiger, 22. August 2012 (abgerufen am 11. September 2012). Zu diesem Anlass (gleichzeitig 70 Jahre seit der Ordination von Thích Nhất Hạnh als Mönch und 30-jähriges Jubiläum von Plum Village) zeigte das EIAB auch eine Sammlung seiner Kalligraphien. Im Gedenken an die Euthanasie-Opfer von Waldbröl fand im Vorfeld die Aktion „Heilende Herzen“ statt.waldbroel.de, EIAB sucht Helfer für das Projekt “Heilende Herzen”. Abgerufen am 19. Oktober 2025Heilende Herzen, Lokal-Anzeiger Waldbröl Zudem wurden aus ungenutzten Säulen der Nationalsozialisten (die dort seitdem lagerten) ein Tor und eine Stupa gefertigt. In einer seiner Kalligraphien schrieb Thích Nhất Hạnh: „Aus dem Schlamm von Diskriminierung und Fanatismus ziehen wir den Lotus der Toleranz und Inklusivität.“ Im EIAB finden regelmäßig Retreats in der Tradition von Plum Village statt. Der Leiter des Institutes ist Thay Phap An (Dr. Thu Pham).

Am 11. November 2014 erlitt Thích Nhất Hạnh im Alter von 88 Jahren während eines Krankenhausaufenthaltes in Bordeaux eine schwere Hirnblutung.Buddhist Leader Thich Nhat Hanh Hospitalized With Brain Hemorrhage, Social Media Users Send Healing Messages. In: International Business Times. 13. November 2014. Abgerufen am 14. November 2014. Danach zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.Judith Merkelt: Meister der Meditation spektrum.de, 1. Dezember 2017.

Ab Oktober 2018 lebte Thích Nhất Hạnh im Từ Hiếu-Tempel, in dem er 1942 zum Mönch ordiniert worden war. Dort starb er am 22. Januar 2022.

Die buddhistische Lehre und besondere Akzente bei Thích Nhất Hạnh Die buddhistische Schule von Thích Nhất Hạnh kann man mit dem Begriff des Schweizer Dharmalehrers Marcel Geisser als „Sati-Zen“ bezeichnen. Thích Nhất Hạnh hat Elemente des Frühbuddhismus (Theravada) integriert, insbesondere solche der Achtsamkeitspraxis (sati ist der Palibegriff für Achtsamkeit). Diese Grenzen sprengende, große Offenheit gegenüber verschiedensten buddhistischen Traditionen kennzeichnete das Denken von Thích Nhất Hạnh. Vor allem dieser Offenheit – auch westlichem Gedankengut gegenüber – ist es zu verdanken, dass der vietnamesische Mönch eine Darlegung und Praxis der Buddha-Lehre entwickeln konnte, die keine bloße Imitation asiatischer Riten und Traditionen ist, sondern eine auch dem westlichen Menschen angemessene Form spiritueller Praxis eröffnet.

Folgende Schwerpunkte kennzeichnen Thích Nhất Hạnhs Denken:

Vorrang der Praxis Thích Nhất Hạnh beschreibt philosophische Aspekte des Buddhismus, betont aber, dass letztlich nur eine kontinuierliche meditative Praxis zu wirklicher spiritueller Reife führen wird. Eine unverzichtbare Stütze in der Praxis sei die Sangha.

Sutras Ein Sutra ist eine buddhistische Lehrrede. Folgende Texte spielen in der Plum-Village-Schule eine zentrale Rolle: Diamant-Sutra, Sutra von den 4 Grundlagen der Achtsamkeit, Sutra über die volle Vergegenwärtigung des Atems, Sutra über die Kenntnis vom besseren Weg alleine zu leben, Sutra über den besseren Weg eine Schlange zu fangen, Herzsutra und das Avatamsaka-Sutra.

Achtsamkeit