Die Iljuschin Il-22 (, NATO-Codename „Type 10“) war einer der ersten sowjetischen Bomber mit Strahlantrieb.
Entwicklung Von dieser Maschine entstand nur ein Erprobungsexemplar. Grundlage war das Projekt des nie verwirklichten deutschen Bombers Heinkel He 343.Horst Lommel: Vom Höhenaufklärer bis zum Raumgleiter 1935–1945. Geheimprojekte der DFS. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-02072-6, S. 8. Bei der Eroberung Wiens zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Rote Armee in den Heinkel-Werken Wien-Schwechat technische Dokumentationen erbeutet. Auf Grundlage dieser in mehreren Varianten bearbeiteten deutschen Überlegungen konzipierte das OKB von Sergei Iljuschin ab 1946 die sehr nahe an den deutschen GestaltungsgrundlagenUlrich Albrecht: The Soviet armaments industry. Routledge, 1993, ISBN 3-7186-5313-3, S. 51 (englisch). orientierte Il-22 als Parallelentwurf zur Tu-12. Für die Entwicklung der dazugehörigen TR-1-Strahltriebwerke zeichnete Archip Ljulka verantwortlich.
Das Modell war im Spätfrühling 1947 fertiggestellt, am 24. (27.?) Juli flog es erstmals. Die Erprobung lag in den Händen der Brüder Konstantin und Wladimir Kokkinaki.
Die Il-22 verfügte über Druckkabinen sowie je einen bemannten Waffenstand im Rumpfheck sowie -rücken. Ausgelegt war sie als Schulterdecker in Ganzmetall-Halbschalenbauweise mit kreisrundem Rumpfquerschnitt. Die Tragflächen waren zweiholmig, das Leitwerk freitragend und in Normalbauweise ausgeführt. Das Fahrwerk konnte in den Rumpf eingefahren werden.
Schon am 3. August 1947 stellte man während einer Luftparade den Typ in Tuschino der Öffentlichkeit vor, um die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Luftfahrtindustrie zu demonstrieren. Gebaut wurde die etwas untermotorisierte Il-22 trotzdem nicht und das Testprogramm wurde am 22. September 1947 eingestellt. Auch das TR-1 erreichte nicht die Serienreife.Holger Lorenz: Start ins Düsenzeitalter. Hollipress, Marienberg 2008, ISBN 978-3-931770-75-4, S. 17. Die gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere der Aufbau der Tragflächen, flossen jedoch in die Konstruktion der Il-28 ein. Allerdings wurden noch Versuche mit angebauten Feststoffraketen zur Verkürzung der Startstrecke durchgeführt.Konstantin Kosminkow: Der Beginn des sowjetischen Jetzeitalters. In: Flieger Revue Extra Nr. 17, 2007, S. 46–47. Es entstand noch ein Nachfolgeentwurf unter der Bezeichnung Il-24, bei dem je zwei Triebwerke in Gondeln an Pylonen zusammengefasst waren. Realisiert wurde das Projekt nicht.
Technische Daten mini|Zeichnung der Il-22 Kenngröße Daten Hersteller OKB Iljuschin Baujahr(e) 1947 Besatzung 5 Länge 21,05 m Spannweite 23,06 m Höhe 7,40 m Flügelfläche 74,50 m² Flügelstreckung 7,1 Leermasse 14.950 kg Startmasse normal 20.000 kgmaximal 24.000 kg Antrieb vier Ljulka TR-1 Leistung je 1.300 kp Höchstgeschwindigkeit 656,5 km/h in Bodennähe718 km/h in 7.000 m Höhe Steiggeschwindigkeit 582 m/min Dienstgipfelhöhe 11.000 m Reichweite 865 km Flugdauer 1,4 h Bewaffnung vier 23-mm-MK NS-232.000–3.000 kg Bomben
Andere Muster Die Bezeichnung IL-22 bzw. IL-22M wurde vom OKB Iljuschin später an eine militärische ELINT-Version der IL-18 nochmals vergeben. Weiterhin erhielt eine zum fliegenden Kommandostand umgebaute IL-18-Variante das Kürzel IL-24. Sie haben zu dem hier beschriebenen Bombenflugzeug keinerlei Bezug.
Literatur Rainer Göpfert: Frühe sowjetische Strahlflugzeuge: Iljuschin Il-22. In: Fliegerrevue Nr. 6/2022, PPV Medien, Bergkirchen, , S. 66–70.
Weblinks
Einzelnachweise
#::22 IL022 IL022 Kategorie:Erstflug 1947 Kategorie:Nicht realisiertes Militärflugzeugprojekt (Sowjetunion)