Die Burg Nagoya (jap. , Nagoya-jō), auch „Burg der goldenen Shachi“ () oder kurz Meijō (名城) genannt, ist eine japanische Burg in der Stadt Nagoya, Präfektur Aichi.
Geschichte mini|links|Dai-Tenshu (rechts) und Shō-Tenshu (links hinten) mit dem Honmaru-Palast (vorne) um 1880250x250px|mini|links|Nagoya-jō (Mai 2026)Der ursprüngliche Teil der Burg wurde von Shiba Yoshimune 1532 errichtet. Oda Nobuhide übernahm sie 1532, zerstörte jedoch später große Teile.
1609 ordnete Tokugawa Ieyasu mit Unterstützung verschiedener Daimyō, den Fürsten, den Neubau der Burg an. 1612 wurde sie fertiggestellt und diente bis zur Meiji-Restauration 1868 den Owari-Tokugawa, einer Zweigfamilie der Tokugawa, als Adelssitz. Es handelte sich um einen kompletten Neubau. Die ursprüngliche Burg Nagoya lag etwa im Bereich des heutigen Ni-no-maru; von ihr ist nichts erhalten, und nur ein Gedenkstein erinnert an sie. Das Gelände wurde vollständig von der neuen Burg überbaut. Die erzwungene Beteiligung von 20 Tozama-Daimyōs war politische Absicht, um durch Beschäftigung und Ressourcenminderung die Möglichkeit einer Usurpation zu mindern, wie das auch andernorts erfolgreich praktiziert wurde. Die Burg hatte einen hohen strategischen Wert durch ihre Nähe zur historischen Handelsstraße Tōkaidō, die von Edo nach Kyōto führte, und als Bollwerk gegen Osaka, da zur Bauzeit die finale Auseinandersetzung mit der rivalisierenden Familie Toyotomi noch bevorstand.
Die Burg überdauerte die Edo-Zeit und wurde erst 1945 im Zweiten Weltkrieg durch die Luftangriffe auf Nagoya bis auf die Grundmauern zerstört.
Anlage Die Burganlage besteht aus fünf durch innere und äußere Wassergräben voneinander getrennten Burgbereichen, Kuruwa: Im Zentrum liegt der Honmaru mit dem großen und kleinen Tenshu, Hauptturm, sowie dem Honmaru-Palast; östlich davon befindet sich der Ni-no-maru, westlich der Nishi-no-maru, nordwestlich der Ofuke-maru und östlich sowie südlich der größere San-no-maru. Nördlich des Ofuke-maru lag der Ofuke-Garten, während der San-no-maru die inneren Burgbereiche umschloss und unter anderem Verwaltungsgebäude, Tempel und Villen beherbergte. links|mini|Luftaufnahme des Burg-Komplexes (2020) Lediglich drei Tore (Mon) und drei Sumi-yagura, Eck-Wachtürme, (; und ) blieben von dem Feuer 1945 unversehrt. Alle drei Yagura sind als wichtige Kulturgut Japans ausgewiesen. Weiterhin sind alle Wälle und Gräben noch erhalten. Zur Burganlage gehört heute ein japanischer Garten mit dem Ni-no-maru-Teehaus.
Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der fünfgeschossige Dai-Tenshu (), der mit ihm verbundene kleinere Shō-Tenshu () sowie das Haupttor, Seimon (), bis zum Jahr 1959 in Stahlbetonkonstruktion wiederaufgebaut.
1952 wurde die ursprüngliche Anlage zur Besonderen historischen Stätte (tokubetsu shiseki) erklärt.
Die Burg ist insbesondere für ihre beiden goldenen Kinshachi () bekannt. Dabei handelt es sich um vergoldete Darstellungen des mythischen Shachihoko, ein Fabelwesen beschrieben als "Tiger-Fisch", die an den beiden Giebeln des Tenshu-Hauptdaches angebracht sind. Nach ihnen wird die Burg auch als Kinshachi-jō bezeichnet. Die Kinshachi gelten auch als eines der Wahrzeichen der Stadt Nagoya.
Honmaru-Palast
Im Februar 1615 wurde der südöstlich des Tenshu-Komplexes errichtete Honmaru-Palast (jap. ) fertiggestellt. Er diente zunächst Yoshinao Tokugawa, dem Gründer der Feudalfamilie Owari als Residenz, bis die Familie 1620 in den Ni-no-maru-Palast der Burg Nagoya umzog. Nach einem tiefgreifenden Umbau 1634 fungierte er als Herberge für Shōgune auf ihrem Weg in die Hauptstadt Edo.
Die Räume des Palastes wurden thematisch gestaltet; Wände und bewegliche Trennwände (Shōji) wurden durch die berühmten Maler Kano Sadanobu und Kano Tan'yū der Kano-Schule im japanischen Stil bemalt. Der Palast, der als eine der schönsten Palastanlagen in Japan galt und seinerseits zum Vorbild für andere Paläste wurde, brannte ebenso wie die Tenshu im Mai 1945 im Zweiten Weltkrieg nieder. Viele der beweglichen Wände und Schiebetüren mit Malereien konnten aber vor den Flammen gerettet werden, da sie in einem Lagerhaus im Ofuke-maru, ein befestigter Burgbereich im Nordwesten der Burg, eingelagert waren. 1.047 Malereien wurden als bedeutende Kulturgüter eingestuft.
Von 2009 bis 2018 wurde der Palast originalgetreu in drei Bauetappen wiederaufgebaut. Dabei kamen ausschließlich traditionelle Materialien und Baumethoden zum Einsatz. Einzelne Bereiche wurden bereits 2013 bzw. 2016 für Besucher geöffnet. Die Rekonstruktionsarbeiten in einer großen Halle waren seit dem Jahr 2010 der Öffentlichkeit zugänglich.
Rekonstruktion des Tenshu links|mini|Fünfgeschossiger Dai-Tenshu Wegen der Alterung der technischen Anlagen und unzureichender Erdbebensicherheit ist der aus Stahlbeton errichtete Tenshu seit Mai 2018 für den Besucherverkehr geschlossen. Die Stadt Nagoya plant eine erneute Rekonstruktion als Holzbau, die auf Grundlage der umfangreichen erhaltenen historischen Quellen möglichst originalgetreu erfolgen soll.
Nach einem 2026 vorgelegten Entwurf für den Bauablauf ist für die eigentliche Rekonstruktion eine Bauzeit von 31 Monaten vorgesehen. Der Entwurf sieht hierfür Arbeiten über den Zeitraum von 2026 bis 2028 vor. Für die Rekonstruktion werden unter anderem Hinoki-Zypressenholz für tragende Bauteile verwendet; daneben kommen weitere Holzarten wie Kiefer und Zelkove zum Einsatz.
Einzelnachweise
Literatur Oleg Benesch und Ran Zwigenberg: Japan's Castles: Citadels of Modernity in War and Peace. Cambridge, 2019, ISBN 978-1-108-48194-6.
Weblinks
Offizielle Internetpräsenz zur Burg Nagoya (englisch) Internetpräsenz zum Hommaru Palast (englisch) Burg Nagoya im Projekt Kultur-in-Asien: Teil 1, Beschreibung und Pläne - Teil 2, Photos - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5 Honmaru Goten im Projekt Kultur-in-Asien: Teil 1, Beschreibung und Pläne - Teil 2, Photos - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5 - Teil 6 - Teil 7 - Teil 8 - Teil 9 - Teil 10
Kategorie:Bauwerk in Nagoya Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Japan Kategorie:Besondere historische Stätte Nagoya Nagoya Kategorie:Landschaftlich Schöner Ort Japans Kategorie:Erbaut 1532