Wienerwald ist eine Schnellrestaurantkette, die als Franchise- und Systemgastronomie-Unternehmen hauptsächlich Hähnchenprodukte als Fast Food anbietet. Sie ist benannt nach dem Wienerwald.
Geschichte mini|Wienerwald-Restaurant in der Bonngasse 7 in Bonn, 1988
Gründung und rascher Aufstieg Die Unternehmensgeschichte begann 1955, als Friedrich Jahn das erste Restaurant in der Amalienstraße Nr. 23 in München eröffnete, das anfangs noch als „Linzer Stube“, dann als „Weinstube zum Wienerwald“ firmierte. Es folgten bald weitere Filialen in Süddeutschland. Berühmt wurde die Kette mit dem Werbeslogan „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“. Alle Filialen hatten ein rustikales Interieur und servierten vornehmlich süddeutsche Küche.
Das Unternehmen wuchs rasch zur erfolgreichsten europäischen Restaurantkette mit rund 700 Restaurants allein in Deutschland und Österreich im Jahr 1978 und weltweit 1.600 Lokalen mit fast 30.000 Mitarbeitern. In Spitzenzeiten hat Jahn nach eigenen Angaben 700.000 Hähnchen am Tag verkauft.Beatric Novy: Als die Küche kalt blieb. Frankfurter Rundschau, Zeit und Bild, Ostern 1995. Filialen und Franchisebetriebe befanden sich schwerpunktmäßig in Europa, aber auch Übersee, darunter in den Niederlanden, in den USA und Japan. Australien und Südafrika. Neben den Restaurants wurden auch Hotels gebaut („Tourotels“ und „Wienerwaldhotels“), eigene Mastbetriebe eröffnet, der Gastronomiegerätehersteller WIWA und das Reiseunternehmen Jahn Reisen gegründet. 1980 erhielt das Unternehmen die österreichische Staatliche Auszeichnung und durfte damit das Bundeswappen im Geschäftsverkehr führen.
Erste Insolvenz Die rasche Expansion war in großen Teilen durch Kredite finanziert. Zudem verkalkulierte Jahn sich mit dem Einstieg bei den US-Restaurantketten Lum’s und IHOP 1978, die sanierungsbedürftig waren und hohe Investitionen erforderten. Auch der Reiseanbieter Jahn Reisen brachte nicht den erhofften Profit, sondern erforderte nur hohe Investitionen und wurde 1982 an die LTU verkauft.
1982 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel, in dem die Kreditwürdigkeit des Unternehmens angezweifelt wurde. Die Banken reagierten umgehend, indem sie die sofortige Rückzahlung der Kredite einforderten. Am 27. August 1982 mussten die Wienerwald-Holding AG und der Inhaber Friedrich Jahn in der Schweiz Insolvenz anmelden. Am 30. August 1982 folgten auch die Wienerwald GmbH Deutschland und weitere Beteiligungsgesellschaften; sie mussten verkauft werden, ebenso wie die mittlerweile 880 Restaurants in den Vereinigten Staaten. Im September 1982 gab der im Vergleich befindliche Konzern eine Bilanzsumme von 479,6 Millionen Schweizer Franken bekannt.
Wienerwald-Affäre Ende Juni 1986 erwarb Renate Thyssen den damals angeschlagenen Gastronomiekonzern „Wienerwald“ von der Bayerischen Landesbank, der Dresdner Bank und zwei Schweizer Banken für 12 Millionen Franken statt der ursprünglich veranschlagten 40 Millionen DM. Thyssen fungierte hierbei als Strohfrau für Jahn, da eine Option die spätere Übernahme durch Jahn vorsah. Zur politischen Affäre kam es, da der Finanzberater von Thyssen, Dieter Krautzig, in der Verwertungsgesellschaft sowohl die Interessen der Bayerischen Landesbank als auch Thyssens vertrat und weil der Landesbankpräsident Ludwig Huber zu dieser Zeit ein Verhältnis mit Renate Thyssen hatte. Jahn übergab ihr unentgeltlich seine Anteile und wurde dafür bei Wienerwald angestellt. Einige Wochen später kaufte Jahn die deutschen Wienerwald-Lokale für 2,5 Millionen DM. Nach dem Verkauf anderer defizitärer Tochterunternehmen in Frankreich, Schweden und Ägypten konzentrierte Thyssen sich auf das Kerngeschäft in Österreich mit den dortigen 54 Restaurants, 10 Autobahnraststätten, fünf Hotels und 1.500 Mitarbeitern. Das kollidierte mit einer Option für Jahn, nämlich bis zum 31. August 1987 die gewinnbringenden österreichischen Wienerwald-Lokale für 25 Millionen DM zuzüglich Steuern zu erwerben. Ende Januar 1987 wollte Jahn diese Option ausüben. Es begann ein juristischer Streit, der sich bis zu öffentlichen Beschimpfungen steigerte. Jahn konnte schließlich das nötige Geld für die Option Ende August nicht erbringen. Öffentlich wurde die Affäre, als ruchbar wurde, dass Bankpräsident Huber im Juni für „Wienerwald Österreich“ in den Aufsichtsrat ging. Die Bayerische Landesbank war darüber nicht informiert worden, und so musste Huber als Präsident der Bayerischen Landesbank Anfang 1988 zurücktreten. Unter der Führung Thyssens stieg der „Wienerwald“ zum größten Gastronomieunternehmen in Österreich auf. 1988 kürte das österreichische Wirtschaftsmagazin Erfolg sie zur Managerin des Jahres. Ende der 1980er Jahre veräußerte sie das Unternehmen an die Stadt Wien. Jahn musste 1988 die 230 Wienerwald-Gaststätten an den britischen Mischkonzern Grand Metropolitan verkaufen.
In den 1990er Jahren existierten somit Wienerwald Österreich und Wienerwald Deutschland.
Wienerwald in Deutschland
Zweite Insolvenz und Neubeginn mini|Wienerwald-Restaurant in Nürnberg, 2006 2003 musste die Wienerwald AG mit 38 Filialen und circa 50 Franchise-Restaurants auf Grund der Hühnerpest und Konjunkturkrise zum zweiten Mal Insolvenz beantragen, auch der erste Wienerwald in der Münchner Amalienstraße musste schließen. Das Verfahren konnte aber 2005 beendet werden; daraufhin verkündete Wienerwald, mit dem neuen Konzept „Wienerwald Express“ erneut expandieren und bis 2009 70 weitere Filialen eröffnen zu wollen. In Anpassung an herkömmliche Schnellrestaurants sollte nicht mehr wie in der Vergangenheit auf klassische Restaurants mit Bedienung am Platz, alpenländischem Stil und Schrammelmusik gesetzt werden, sondern eher auf Selbstbedienungsrestaurants mit Sitzecken und Expressbedienung sowie Fingerfood bzw. Fastfood anstatt bürgerlicher Küche. Der Lieferservice hendl@home lieferte Gerichte wie beim Pizzaservice nach Hause oder an den Arbeitsplatz.
2006 waren bei der Wienerwald AG in Deutschland 105 Mitarbeiter beschäftigt, davon sieben Auszubildende. Die 65 Restaurants befanden sich schwerpunktmäßig in Süddeutschland.
Dritte Insolvenz und Übernahme durch Jahns Töchter Nachdem der Versuch weiterer Kapitalbeschaffung durch Auflegen einer Anleihe ohne Erfolg geblieben war, musste die Wienerwald AG am 2. April 2007 beim Amtsgericht München erneut Insolvenzantrag stellen (Nr. 1504 IN 1140/07), was zu weiteren Filialschließungen und Entlassungen führte.
Zum 1. Juni 2007 erwarben die Töchter Friedrich Jahns, Margot Steinberg und Evi Peitzner, aus der Insolvenzmasse die Markenrechte am Namen „Wienerwald“. Die neugegründete Wienerwald Franchise GmbH mit Evi Peitzners Sohn Daniel Peitzner, Betreiber mehrerer Restaurants auf Sylt, und Margot Steinbergs Schwiegersohn Michael Schrank als Geschäftsführer betreibt keine eigenen Restaurants mehr, sondern fungiert nur noch als Franchisegeber. Sie schloss zunächst für 42 bestehende Restaurants neue Franchiseverträge ab.„Nicht mehr nur das halbe Hendl“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2010
Neues Konzept 2010 stellte Wienerwald ein neues, erheblich überarbeitetes Konzept für seine Restaurants vor, mit dem man wieder stärker expandieren und zu alter Stärke zurückfinden wollte. Der Markenauftritt, das Innenraumdesign und die Speisekarte der Restaurants wurden verjüngt, als neue Vertriebswege neben dem klassischen Restaurant wurden Lieferservice und „Hendl-Wagen“ etabliert. Ein durchschlagender Erfolg mit dem neuen Konzept blieb jedoch aus. In den folgenden Jahren ging der Gesamtumsatz weiter zurück; einige Restaurants nach dem modernisierten Konzept wurden neu eröffnet (u. a. in Berlin und Frankfurt, wo man zuvor einige Jahre nicht vertreten war), andere hingegen geschlossen.
Anfang 2022 gab es noch 12 Standorte, fünf davon in München. Im Juni listete die Unternehmenswebsite noch fünf Wienerwald-Restaurants in Deutschland auf, kurze Zeit später wurden keine mehr aufgeführt. Ein noch bestehendes Wienerwald-Restaurant in München erhielt Mitte 2023 einen anderen Namen; auch mehrere andere Restaurants werden unter anderem Namen mit ähnlichem Konzept weitergeführt. In Hannover wurde noch bis Ende 2023 das letzte Restaurant unter der Marke Wienerwald in Deutschland betrieben, bevor auch hier die Rechte zur Nutzung des Namens ausliefen und das Restaurant unter anderem Namen weitergeführt wurde. Übernahme der Marke durch Family Brands Operations Company und erneuter Neuanfang Die Marke „Wienerwald“ wurde durch die Family Brands Operations Company GmbH in Hildesheim übernommen. Am 1. November 2023 eröffnete der erste neue Wienerwald im Clausthal-Zellerfelder Ortsteil Torfhaus im Harz (Landkreis Goslar) in unmittelbarer Nähe zum Harzturm, der am selben Tag eröffnet wurde.https://www.presseportal.de/pm/104228/5639342 Im Mai 2025 eröffnete die Filiale in Hildesheim. Der Konzern gab im Januar 2025 bekannt, künftig auch Produkte der Marke Wienerwald im Einzelhandel vertreiben zu wollen (ähnlich wie die Restaurantkette Nordsee). Darüber hinaus wurde ein Investoren- und Beirat-Team um Frank Rosin verkündet.https://www.wienerwald.de/aktuelles/
Wienerwald in Österreich mini|Eingang und Gastgarten einer Wienerwald-Filiale in Linz, 2007 Gegründet wurde Wienerwald Österreich im Jahr 1962 und bestand als „Wienerwald“ Restaurants-Gesellschaft m.b.H. bis August 2025.„Wienerwald“ Restaurants-Gesellschaft m.b.H., FN 41557p (gegründet am 2. April 1962). In: firmenabc.at, abgerufen am 25. August 2025;Wienerwald Restaurants-GmbH, Wien, Österreich. In: northdata.de, abgerufen am 25. August 2025; „Wienerwald“ Restaurants- Gesellschaft m.b.H. (41557p). In: Elektronische Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI), 7. August 2025, abgerufen am 25. August 2025: In Österreich wie auch in Deutschland gab es Wienerwald-Hotels in der Tourotel-Gruppe unter der gleichnamigen Marke, darunter in Wien das 1974 anlässlich der WIG 74 eröffnete Tourotel in Oberlaa (10. Bezirk),3.4.1974: Größtes „Tourotel“ geht in Wien in Betrieb. In: Historischer Rückblick aus dem Jahr 1974. Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz, abgerufen am 25. August 2025: das „Tourotel Roter Hahn“ auf der Landstraßer Hauptstraße (3. Bezirk) und das Tourotel Mariahilf auf der äußeren Mariahilfer Straße (15. Bezirk).
Das Unternehmen war über die Jahrzehnte von Eigentümerwechseln, Umstrukturierungen und Aufspaltungen geprägt. Ein unvollständiger Auszug: So hatte 1986 die Austria Presse Agentur (APA) über einen Eigentümerwechsel des „überschuldeten Wienerwald-Konzerns“ berichtet. 1989 wurde berichtet, dass die Wiener Holding die österreichische Wienerwald-Kette von der Unternehmerin Renate Thyssen-Henne übernehmen wird (siehe Abschnitt Wienerwald-Affäre). Eingegliedert wurde das Unternehmen unter die Wiener-Holding-Tochter WIGAST GmbH.vgl. Firmenhistorie Publikationen in: Wienerwald Restaurants-GmbH, Wien, Österreich. In: northdata.de, abgerufen am 25. August 2025. 1991 verkaufte auch Jahn seine deutsche Wienerwald-Kette an die Wigast. Nach Unternehmensangaben im Jahr 1995 seien in den vorangegangenen 40 Jahren insgesamt eine Milliarde Hendln verkauft worden. 1999 wurden Hauszustellung und Gassenverkauf angekündigt, um das an Fastfoodketten verlorene Marktsegment aufzuholen.