mini|Bünde des Waidhofener Verbandes Der Waidhofener Verband der wehrhaften Vereine Deutscher Studenten in der Ostmark (WV) war ein Korporationsverband deutsch-völkischer Studentenverbindungen in Österreich. Er bestand von 1890 bis 1938 und war maßgeblich an der Entstehung und Formulierung des antisemitischen Waidhofener Prinzips beteiligt. Mit dem Bund deutscher Studenten bestand bis 2004 ein Nachfolger.Paulgerhard Gladen: Die deutschsprachigen Korporationsverbände. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-28-7, S. 438.

Geschichte mini|hochkant=0.8|Geschichte des Waidhofener Verbandes mit Vorgänger- und Nachfolgeorganisationen

Ursprünge Spätestens in der Mitte der 1880er Jahre hatten sich die Burschenschaften an den Hochschulen Cisleithaniens durchgesetzt und neben dem Prinzip der Satisfaktion und des Mensurenschlagens auch dem Antisemitismus zum Durchbruch verholfen. Die Konkurrenz erwies sich als zu schwach, war oft in einem Anpassungsprozess begriffen oder drohte, wie die Progress-Bewegung, zu verschwinden. Doch das studentische Milieu blieb dynamisch und es formierte sich eine dritte Welle akademischer Körperschaften, die zwischen 1880 und 1890 entstandenen Vereine. Ihren Grundsätzen nach deutschnational und antisemitisch, waren sie anfangs meist landsmannschaftlich ausgerichtet. Der älteste dieser Vereine war der Verein deutscher Studenten aus Böhmen in Wien, hervorgegangen aus einer Tischgesellschaft.

Entwicklung Im ideologischen Umfeld Georg von Schönerers gründete sich 1885 der Vereins-Delegierten-Convent als Zusammenschluss von Wiener Studentenvereinen.Dem Vereins-Delegierten-Convent gehörten nach seiner Umwandlung zum Verband deutscher Vereine zwischen 1885 und 1890 folgende Wiener Vereine an: Athenaia, Cremsiria, Deutschböhmen, Deutsche Lesehalle an der Technischen Hochschule, Düringbund, Frankonia, Lentia, Nordmähren, Oberösterreichische Germania, Oppavia, Ostmark, Ostschlesier, Philadelphia, Rabenstein, Salzburger und Wartburg. In den Folgejahren traten weitere Vereine bei, spalteten sich in einen eigenen Verband ab und schlossen sich schließlich am 24. Mai 1890 in Waidhofen an der Ybbs im Waidhofener Verband der wehrhaften Vereine deutscher Studenten in der Ostmark zusammen.Michael Wladika: Hitlers Vätergeneration. Die Ursprünge des Nationalsozialismus in der k. u. k. Monarchie. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2005, ISBN 3-205-77337-3, S. 226; Liste der wehrhaften Vereine in Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die deutsch-völkischen Korporationsverbände. Deutsche Wehrschaft, Waidhofener Verband u. a. WJK-Verlag, Hilden 2009, ISBN 3-933892-11-2. S. 55 ff.

Noch vor 1890 hatten alle Vereine die unbedingte Satisfaktion angenommen. 1894 hieß es: „Wehrhaft sein heißt, mit dem Säbel Genugtuung zu nehmen und zu geben.“ Vorangegangen war hier Ostmark Wien, die besonderen Wert auf die Wehrhaftigkeit legte. Soziale Anerkennung und Respekt innerhalb der informellen Hierarchie der Verbindungen ließen sich nur mittels Säbel und Schläger erkämpfen. Mit Einrichtung eines kontinuierlichen Fechtbetriebs wuchs aber den Burschenschaften Konkurrenz heran, die sich anschickte, die Burschenschaften auf einem Gebiet zu übertrumpfen, welches diese als ihr ureigenstes Terrain ansah. Entsprechend gereizt reagierten sie, was bis zu Schlägereien gehen konnte, im Falle Ostmarks etwa mit der Wiener akademischen Burschenschaft Albia. Die fechterische Konkurrenz war aber nicht die einzige zwischen Vereinen und Burschenschaften. Die Vereine waren sozial inferiorer, ihre Mitgliedschaft kleinbürgerlicher als die der Burschenschaften. Kompensiert wurde dies von den Vereinen auf dem Feld der Politik. Sie präsentierten sich gerne als die besseren Burschenschaften, die, in Mensur- und Commentstreitigkeiten versunken, die burschenschaftliche und nationale Idee längst verraten hätten.Alexander Graf: Deutschnationaler Bruderkampf. Burschenschaften und wehrhafte Vereine 1880–1914. In: Harald Lönnecker (Hrsg.): „Deutschland immer gedient zu haben ist unser höchstes Lob!“ – Zweihundert Jahre Deutsche Burschenschaften. Eine Festschrift zur 200. Wiederkehr des Gründungstages der Burschenschaft am 12. Juni 1815 in Jena (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 21). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-8253-6471-7, S. 845–878.

Im März 1896 führte der WV das Waidhofener Prinzip ein, an dessen Formulierung verschiedene Mitgliedsvereine des WV maßgeblich beteiligt waren. Als Reaktion wurde im Mai 1896 der Verband durch die staatlichen Behörden aufgelöst.Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die deutsch-völkischen Korporationsverbände. Deutsche Wehrschaft, Waidhofener Verband u. a. WJK-Verlag, Hilden 2009, ISBN 3-933892-11-2. S. 34. Im Jahr 1912 wurde der WV mit dem Landsmannschaftlichen Verband wehrhafter Vereine deutscher Studenten aus den Sudetenländern zusammengeführt, trennte sich 1913 wieder, um sich 1919 erneut zusammenzuschließen, diesmal unter dem Namen Deutsche Vereinsstudentenschaft in der Ostmark.

In den 1910er und 1920er Jahren schlossen sich viele der Vereine den größeren waffenstudentischen Korporationsverbänden der Burschenschaften, Landsmannschaften und Corps an. Dort bildeten die vormaligen Vereine dann oftmals den radikal-nationalen Flügel des jeweiligen Verbandes. Innerhalb der Deutschen Burschenschaft bildeten etwa die ehemaligen Vereine Alania, Gothia, Hubertus, Ostmark und Silvania Wien, Ostmark und Rhaetogermania Graz gemeinsam mit der Burschenschaft Germania Innsbruck am 24. September 1922 den Schwarz-Weiß-Roten Verband, der sich besonders für die strikte Durchsetzung des Waidhofener Prinzips („Dem Juden keine ritterliche Genugtuung“) einsetzte.Harald Seewann: Das „Waidhofener Prinzip“. Die versuchte Ehrabsprechung Juden gegenüber als Manifestation studentischen Antisemitismus an österreichischen Hochschulen im Jahre 1896. In: Burschenschaftliche Blätter, 114. Jg. (1999), H. 2, S. 97.

Ende Es folgten weitere Umbenennungen und Abspaltungen des verbliebenen vereinsstudentischen Verbandes, die am 17. Juni 1927 in der Wiederbegründung als Waidhofener Verband mündeten. Im Jahr 1931 fusionierte der WV mit der Deutschen Grenzmannschaft, war ab 1936 wieder eigenständig und löste sich schließlich am 17. März 1938 auf, wenige Tage nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Mitglieder Personen der Waidhofener Zeit mit ihrer Vereinszugehörigkeit (in Klammern) Anton Apold (1877–1950), Generaldirektor der Alpine Montangesellschaft sowie Unterstützer und Mitglied der NSDAP (Cruxia Leoben) Franz Ballner (1870–1963), österreichischer Arzt, Bakteriologe und Hygieniker (Nordmähren Wien, seit 1952 Sudetia)Verein Deutscher Studenten "Sudetia" zu Wien. In: Sudetenpost - Offizielles Organ des Bundes-Verbandes der Sudetendeutschen Landsmannschafter Österreichs, 2. Jahrgang, Folge 1, 14. Januar 1956, S. 5 (Online-Version). Franz J. Beranek (1902–1967), deutscher Sprachwissenschaftler (Saxonia Prag)Marc Zirlewagen: Biographisches Lexikon der Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Mitglieder A–L. Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7357-2288-1, S. 48/49. Ludwig Bittner (1877–1945), Archivar und Historiker (Arminia Wien) Adolf Braun (1862–1929), österreichisch-deutscher Journalist und Politiker der SPD (Philadelphia Wien, 1887 ausgetreten)Marc Zirlewagen: Biographisches Lexikon der Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Mitglieder A–L. Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7357-2288-1, S. 93. Fritz Czermak (1894–1966), österreichisch-mährischer Jurist und deutscher Politiker (GB/BHE, später FDP) (Nordmähren Wien, seit 1952 Sudetia)Verein Deutscher Studenten "Sudetia" zu Wien. In: Sudetenpost - Offizielles Organ des Bundes-Verbandes der Sudetendeutschen Landsmannschafter Österreichs, 2. Jahrgang, Folge 9, 12. Mai 1956, S. 7 (Online-Version). Franz Dinghofer (1873–1956), Richter, Dritter Nationalratspräsident und Vizekanzler (Ostmark Graz) Adolf Eigl (1883–1958), Landeshauptmann von Oberösterreich (Oberösterreichische Germania Wien) Ferdinand Grimm (1869–1948), Finanzminister der Republik Österreich 1920–1921 (Ostmark Wien) Karl Innerebner (1870–1970), Bauingenieur und Bauunternehmer (Tiroler Hochschüler Graz) Rudolf Jugoviz (1868–1932), Forstwissenschaftler (Silvania Wien) Kurt Knoll (1889–1959), österreichischer Linguist und SS-Standartenführer (Oppavia Wien)Alexander Graf: "Los von Rom" und "heim ins Reich". Das deutschnationale Akademikermilieu an den cisleithanischen Hochschulen der Habsburgermonarchie 1859–1914. LIT Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-643-12834-8, S. 58 (Online-Version). Hans Koch (1894–1959), lutherischer Theologe, Osteuropahistoriker (Wartburg Wien) Ferdinand Krackowizer (1851–1929), Arzt, Heimatforscher und Bürgermeister von Gmunden (Oberösterreichische Germania Wien) Josef Pfitzner (1901–1945), sudetendeutscher Historiker und nationalsozialistischer Kommunalpolitiker (Oppavia Prag)Michael Fahlbusch, Ingo Haar, Alexander Pinwinkler (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Akteure, Netzwerke, Forschungsprogramme. 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-042989-3, S. 596. Eduard Pichl (1872–1955), Bergsteiger, Biograph Georg von Schönerers (Gothia Wien) Theodor Georg Rakus (1869–1929), österreichischer Studentenführer, Arzt und Gesandter (Philadelphia Wien).Michael Wladika: Hitlers Vätergeneration. Die Ursprünge des Nationalsozialismus in der k. u. k. Monarchie. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2005, ISBN 3-205-77337-3, S. 431. Othmar Rieger (1904–1966), Germanist, Lehrer und Dichter (Ostmark Wien) Theodor Rittler (1876–1967), Rechtsanwalt (Oberösterreichische Germania Wien) Heinrich von Srbik (1878–1951), Historiker und Reichstagsabgeordneter der NSDAP (Gothia Wien) Joseph Maria Stowasser (1854–1910), Altphilologe (Oppavia Wien) Wilhelm Türk (1871–1916), österreichischer Hämatologe (Oppavia Wien) Karl Wache (1887–1973), Bibliothekar, Schriftsteller sowie Schulungs- und Kreisstellenleiter der NSDAP im Gau Wien (Hilaritas Wien) Hans Watzlik (1879–1948), Schriftsteller (Landsmannschaft Böhmerwald Prag) Friedrich Wichtl (1872–1921), österreichischer deutschnationaler Politiker und Reichsratsabgeordneter (Arminia Wien)Günther Berka: 100 Jahre deutsche Burschenschaft in Österreich 1859–1959. Die geistige Leistung ihrer bedeutenden Männer. Bearbeitet im Auftrage des Allgemeinen Delegiertenkonventes der Deutschen Burschenschaft in Österreich. (= Geschichte des Europäischen Studententums. Bd. 1). Aula Verlag, Graz 1959, S. 19.

Hans Zötl (1846–1938), Jurist und Heimatforscher (Oberösterreichische Germania Wien)

Mitgliedsverbindungen und -vereine

Dem WV gehörten folgende Verbindungen und Vereine an:

Brünn

V.D.St. Sudetia V.D.St. Cheruscia V.D.St. Zips

Graz

Graecensia Oberösterreicher und Salzburger Studenten (1912 als Burschenschaft Ostmark Graz in der BdO, später DB, DBÖ, 1956 vertagt) Tauriska (heute: Akademische Sängerschaft Tauriska zu Klagenfurt im VTaK) Techniker-Club (aufgegangen in der Akademischen Burschenschaft Allemannia Graz in der DB) Tiroler Hochschüler (heute: als Burschenschaft Rhaetogermania 1967 fusioniert mit der Grazer akademischen Burschenschaft Cheruskia in der DB)

Innsbruck

Pappenheimia (aufgegangen in der Akademischen Burschenschaft Suevia zu Innsbruck in der DB und der Wiener akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia in der DB)

Leoben

Cruxia (gegr. 1884 als Kreuzgesellschaft, 1890 Deutsch-akademischer Verein Cruxia und Gründungsmitglied des WV, 1892 Deutsch-akademische Verbindung Cruxia, 1899 Austritt aus dem WV, 1913 als Leobner akademische Burschenschaft Cruxia in der BdO, heute DB)Johannes Hainzl: 140. Stiftungsfest der Leobner akademischen Burschenschaft Cruxia. In: Burschenschaftliche Blätter, 139. Jg. (2024), H. 3, S. 116–120. Deutscher Leseverein, ab 1902 Verein Deutscher Studenten Erz (heute: Corps Erz im KSCV)

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