Im Labyrinth des Schweigens ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2014, das die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse thematisiert. Der Film hatte seine Premiere beim Toronto International Film Festival am 6. September 2014. In den deutschen Kinos lief er am 6. November 2014 an. Im Labyrinth des Schweigens wurde im August 2015 als deutscher Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film benannt.Deutschland schickt „Labyrinth des Schweigens“ ins Oscar-Rennen, Spiegel Online, 27. August 2015. In Folge wurde der Film im Dezember 2015 in die neun Filme umfassende „Shortlist“ aufgenommen, letztlich jedoch nicht nominiert.
Handlung Ende der 1950er Jahre, zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, geraten die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs langsam in Vergessenheit.
Als der Journalist Thomas Gnielka im Gericht der Stadt Frankfurt am Main einen ehemaligen Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz anzeigen möchte, den sein Bekannter Simon Kirsch als Lehrer auf einem Schulhof gesehen hat, stößt dies auf breite Ablehnung. Der junge Staatsanwalt Johann Radmann befasst sich jedoch mit dem Fall und beginnt mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer mit den Ermittlungen.
Radmann sucht nach Tätern und Zeugen, die die Verbrechen im KZ bezeugen können. In der Wohnung des Malers Kirsch finden Radmann und Gnielka eine Liste mit SS-Leuten, die Gefangene im KZ getötet haben. Die aufgelisteten Täter finden er und seine Mitarbeiter in Telefonbüchern der gesamten Bundesrepublik. Weitere Unterlagen kann er im Document Center der Amerikaner in Frankfurt auftreiben.
Trotz hinhaltenden Widerstands der Behörden kann Radmann die ersten Täter verhaften lassen, u. a. den Adjutanten des Lagerkommandanten Rudolf Höß namens Robert Mulka und den letzten Lagerkommandanten von Auschwitz, Richard Baer. Seine Bemühungen, den SS-Arzt Josef Mengele festzusetzen, scheitern allerdings.
Die Schwierigkeiten, denen Radmann bei seinen Ermittlungen begegnet, zerren an seinen Nerven; er beginnt zu trinken. Die Beziehung zu seiner Freundin Marlene scheitert. Mit seiner Mutter streitet er über die Rolle seines Vaters während der NS-Zeit. Er überwirft sich mit seinem Mitstreiter Gnielka und kündigt seine Stelle. Als er jedoch an seiner neuen Stelle mit dem Anwalt zusammenarbeiten soll, der zuvor bei der Vernehmung eines Mandanten durch Radmann zynisch die Selektion an der Rampe gutgeheißen hatte, kehrt er zur Staatsanwaltschaft zurück.
Seine Bemühungen haben gefruchtet: 1963 beginnt der erste Auschwitz-Prozess. Zum Auftakt gibt Fritz Bauer seinen Staatsanwälten mit auf den Weg: „Heute wird Geschichte geschrieben“.
Hintergrund Die Figur des Johann Radmann ist fiktiv und basiert auf den drei Staatsanwälten, welche die Anklage für den Prozess vorbereitet haben: Joachim Kügler, Georg Friedrich Vogel und Gerhard Wiese. Wieses Erinnerungen an den Prozess flossen ins Drehbuch ein.„Auschwitz? Ich wusste herzlich wenig“ bei welt.de, abgerufen am 24. Februar 2015Viele Filmhelden und ein echter Held bei faz.net, abgerufen am 24. Februar 2015
Bei der Deutschland-Premiere des Films war Wiese eingeladen und wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht.
Rezeption Der Film feierte seine Premiere unter dem internationalen Titel Labyrinth of Lies beim Toronto International Film Festival 2014, wo er überwiegend positive Kritiken erhielt.Labyrinth Of Lies bei sheldonkirshner.com, abgerufen am 9. September 2014TIFF Review: ‘Labyrinth of Lies’ bei margsmeanderings.wordpress.com, abgerufen am 9. September 2014TIFF 2014: Labyrinth Of Lies review bei heyuguys.com, abgerufen am 9. September 2014
Auszeichnungen 2014: Bayerischer Filmpreis – Auszeichnung in der Kategorie Bester Darsteller für Alexander Fehling 2014: Preis der deutschen Filmkritik – Nominierung in der Kategorie Bester Darsteller für Gert Voss (posthum) 2014: Jupiter – Nominierung in der Kategorie Bester deutscher Darsteller für Alexander Fehling 2014: Les Arcs European Film Festival – Publikumspreis für Giulio Ricciarelli 2014: Les Arcs European Film Festival – Spezielle Erwähnung der Jury für Giulio Ricciarelli 2014: Zurich Film Festival – Nominierung in der Kategorie Deutschsprachiger Spielfilm 2015: Deutscher Filmpreis – vier Nominierungen, darunter in der Kategorie Bester programmfüllender Spielfilm
Siehe auch Filme über Fritz Bauer
Literatur Christine Arendt: Kampf gegen das Vergessen: Der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ im DaF-Unterricht. In: Torsten Schaar, Mahasen Altal, Chang Shi Wen (Hrsg.): Fokus DaF/DaZ: Gegenwärtige Tendenzen in Forschung und Lehre. Band 2, LIT Verlag, Münster 2022, S. 461–490.
Weblinks
Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung Zur väterlichen Nebenrolle degradiert – „Im Labyrinth des Schweigens“. Ein Film über und ohne Fritz Bauer von Nora Bereich bei Zeitgeschichte-online
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 2014 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Holocaust-Film Kategorie:Film über Fritz Bauer Kategorie:KZ Auschwitz Kategorie:Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Film