Der Leichtgewichts-Doppelzweier (Abkürzung LM2x bzw. LW2x) ist seit 1996 eine olympische Leichtgewichts-Bootsklasse im Rudern. Im Boot sitzen zwei Ruderer, die mit jeweils zwei Skulls das Boot antreiben, und deren Körpergewicht per Reglement begrenzt ist.
Beschreibung Im Unterschied zum ebenfalls olympischen, aber unbeschränkten Doppelzweier ist ein Gewichtslimit für die Sportler vorgegeben. In der Leichtgewichts-Variante dürfen Männer im Mannschaftsschnitt maximal 70,0 kg wiegen, für Frauen liegt das höchste erlaubte Mannschaftsschnittgewicht bei 57,0 kg.
Der leichte Doppelzweier ist die einzige olympische Skull-Bootsklasse für Leichtgewichte, da der „leichte Einer“ (L1x) und der „leichte Doppelvierer“ (L4x) nie im olympischen Programm waren. Die besten leichten Skuller treten deshalb bevorzugt im leichten Doppelzweier an, wo die Leistungsdichte entsprechend etwas höher als im leichten Einer bzw. Doppelvierer ist. Seit 1978 werden mit Ausnahme der olympischen Jahre jährlich Ruder-Weltmeister und seit 2007 jährlich Ruder-Europameister in dieser Bootsklasse ermittelt. Die Wettkampfstrecke entspricht dabei der olympischen Distanz von 2000 m.
Material und Konstruktion des Bootes entsprechen weitestgehend dem eines Doppelzweiers der offenen Gewichtsklasse. Das Boot ist etwa 9,5 Meter lang, etwa 35 cm breit und wiegt mindestens 27 kg. Auf jeder Seite des Bootes sind zwei Ausleger notwendig. Wie im Doppelzweier üblich gibt es auch in der Leichtgewichts-Variante keinen Steuermann. Da auch kein Fußsteuer vorhanden ist, wird das Boot durch einseitiges Überziehen der Mannschaft gesteuert (phasenweise einseitig mit mehr Kraftaufwand rudern).
Geschichte Der leichte Doppelzweier wurde zunächst bei den Ruder-Weltmeisterschaften 1978 für Männer als vierte Leichtgewichts-Bootsklasse eingeführt, wobei Norwegen den Titel gewann und im Folgejahr auch verteidigen konnte. Danach siegten fünf Jahre in Folge die Italiener Francesco Esposito und Ruggero Verroca, was bis heute die längste Siegesserie in der Bootsklasse darstellt. Die ersten Leichtgewichts-Bootsklassen der Frauen wurden im Rahmen der Ruder-Weltmeisterschaften 1984 als „Erprobungsmaßnahme“ ohne Meisterschaftscharakter ausgefahren. Darunter war auch der leichte Doppelzweier, der von Dänemark gewonnen wurde. Ab 1985 waren die leichten Bootsklassen der Frauen ebenfalls Meisterschaftsrennen, wobei in den 1980er-Jahren keine dominierende Mannschaft die Bootsklasse beherrschte.
Ab der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wurde das Leichtgewichtsrudern populärer, und der Weltruderverband verstärkte seine Bemühungen, einige Bootsklassen im Programm der Olympischen Sommerspiele zu verankern. Ab 1996 waren im Skull-Bereich die Doppelzweier der Männer und Frauen, sowie im Riemenbereich der Vierer ohne Steuermann der Männer olympisch, was diese Bootsklassen gegenüber den anderen Leichtgewichts-Klassen hervorhob. Als erste Olympiasieger durften sich Constanța Burcică und Camelia Macoviciuc aus Rumänien sowie die Brüder Michael und Markus Gier aus der Schweiz feiern lassen.
Seit Mitte der 1990er-Jahre ist damit auch im Leichtgewichtsrudern der olympische Vierjahresrhythmus maßgeblich für Bootsbesetzungen und Trainingspläne. Besonders hervorzuhebende Mannschaften waren in den letzten 20 Jahren bei den Männern neben den Schweizer Gier-Brüdern die Polen Tomasz Kucharski und Robert Sycz, die Italiener Elia Luini und Leonardo Pettinari, Dänemarks Mads Rasmussen und Rasmus Quist sowie die Briten Zac Purchase und Mark Hunter mit jeweils mehrfachen Goldmedaillengewinnen. Bei den Frauen waren insbesondere aus Rumänien Constanța Burcică mit Angela Alupei bzw. Camelia Macoviciuc, aus Deutschland in verschiedenen Besetzungen Janet Radünzel, Claudia Blasberg, Daniela Reimer und Marie-Louise Dräger sowie aus Griechenland Christina Giazitzidou und Alexandra Tsiavou erfolgreich.
Amtierende Meister
Weltmeister und Olympiasieger Veranstaltung Goldmedaillengewinnerinnen Goldmedaillengewinner WM 1978 nicht ausgetragen – Pal Boernick, Arne Gilje WM 1979 – Pal Boernick, Arne Gilje WM 1980 – Francesco Esposito, Ruggero Verroca WM 1981 – Francesco Esposito, Ruggero Verroca WM 1982 – Francesco Esposito, Ruggero Verroca WM 1983 – Francesco Esposito, Ruggero Verroca WM 1984 – Elisabeth Fraas, Kirsten Jensen (inoffiziell) – Francesco Esposito, Ruggero Verroca WM 1985 – Linda Clark, Beryl Crockford – Luc Crispon, Thierry Renault WM 1986 – Christine Ernst, Carey Sands – Carl Smith, Allan Whitwell WM 1987 – Lucia Focque, Marie-Anne Vandermoere – Enrico Gandola, Giovanni Calabrese WM 1988 – Laurien Vermulst, Ellen Meliesie – Enrico Gandola, Francesco Esposito WM 1989 – Carey Sands, Kristine Karlson – Christoph Schmölzer, Walter Rantasa WM 1990 – Ulla Jensen, Regitze Siggaard – Robert Dreher, Stephen Peterson WM 1991 – Claudia Waldi, Christiane Weber – Michael Buchheit, Kai von Warburg WM 1992 – Claudia Waldi, Christiane Weber – Bruce Hick, Gary Lynagh WM 1993 – Colleen Miller, Wendy Wiebe – Bruce Hick, Gary Lynagh WM 1994 – Colleen Miller, Wendy Wiebe – Michelangelo Crispi, Francesco Esposito WM 1995 – Colleen Miller, Wendy Wiebe – Markus Gier, Michael Gier OS 1996 – Constanța Burcică, Camelia Macoviciuc – Michael Gier, Markus Gier WM 1997 – Angelika Brand, Michelle Darvill – Tomasz Kucharski, Robert Sycz WM 1998 – Christine Collins, Sarah Garner – Tomasz Kucharski, Robert Sycz WM 1999 – Constanța Burcică, Camelia Macoviciuc – Michelangelo Crispi, Leonardo Pettinari OS 2000 – Constanța Burcică, Angela Alupei – Tomasz Kucharski, Robert Sycz WM 2001 – Janet Radünzel, Claudia Blasberg – Elia Luini, Leonardo Pettinari WM 2002 – Sally Causby, Amber Halliday – Elia Luini, Leonardo Pettinari WM 2003 – Marie-Louise Dräger, Claudia Blasberg – Elia Luini, Leonardo Pettinari OS 2004 – Constanța Burcică, Angela Alupei – Tomasz Kucharski, Robert Sycz WM 2005 – Daniela Reimer, Marie-Louise Dräger – Zsolt Hirling, Tamás Varga WM 2006 – Xu Dongxiang, Yan Shimin – Mads Rasmussen, Rasmus Quist WM 2007 – Amber Halliday, Marguerite Houston – Mads Rasmussen, Rasmus Quist OS 2008 – Marit van Eupen, Kirsten van der Kolk – Mark Hunter, Zac Purchase WM 2009 – Christina Giazitzidou, Alexandra Tsiavou – Storm Uru, Peter Taylor WM 2010 – Lindsay Jennerich, Tracy Cameron – Zac Purchase, Mark Hunter WM 2011 – Christina Giazitzidou, Alexandra Tsiavou – Zac Purchase, Mark Hunter OS 2012 – Katherine Copeland, Sophie Hosking – Mads Rasmussen, Rasmus Quist WM 2013 – Laura Milani, Elisabetta Sancassani – Kristoffer Brun, Are Strandli WM 2014 – Sophie MacKenzie, Julia Edward – James Thompson, John Smith WM 2015 – Sophie MacKenzie, Julia Edward – Stany Delayre, Jérémie Azou OS 2016 – Maaike Head, Ilse Paulis – Pierre Houin, Jérémie Azou WM 2017 – Ionela-Livia Lehaci, Gianina-Elena Beleagă – Pierre Houin, Jérémie Azou WM 2018 – Ionela-Livia Cozmiuc, Gianina-Elena Beleagă – Gary O’Donovan, Paul O’Donovan WM 2019 – Zoe McBride, Jackie Kiddle – Fintan McCarthy, Paul O’Donovan OS 2020 - Valentina Rodini, Federica Cesarini - Fintan McCarthy, Paul O’Donovan
Einzelnachweise
Kategorie:Olympische Bootsklasse Kategorie:Bootsklasse (Rudern)