Tolstowo (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Geographische Lage Tolstowo liegt am Südufer der Inster (heute russisch: Instrutsch) an einer Nebenstraße (27K-105), welche die Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) über Belkino (Groß Wersmeningken/Langenfelde) mit Uslowoje (Rautenberg) verbindet. Bis zur einstigen Kreisstadt Pillkallen (1938 bis 1945 Schloßberg, russisch Dobrowolsk) sind es 19, bis nach Krasnosnamensk 9 Kilometer. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Geschichte mini|Der Gutsbezirk Löbegallen auf zwei Messtischblättern von 1927 und 1937

Das heutige Tolstowo geht auf die 1539 erstmals genannte größere Ansiedlung Boiorgallen zurück. Bei diesem Dorf wurde 1563 der herzogliche (staatliche) Hof Bayorgallen errichtet, auf dem die Bauern der Umgebung erstmals scharwerken mussten. Dieser Ortsname ging auf Bajoras zurück, ein Angehöriger des niederen litauischen Adels. Das nach der Großen Pest ausgestorbene Bauerndorf Bajohrgallen wurde zum staatlichen Hof Bajohrgallen geschlagen und das Ganze 1723 zur Domäne Löbegallen gemacht. Der neue Ortsname enthielt den Personennamen des Generallieutenants Freiherr von Löben und die litauische Endung –gallen (gallas = Ende eines Flusses, Quellgebiet). Um 1730 wurde auch das wüst liegende Schatull-Dorf Lindicken zur Domäne gezogen.Übernommen von Löbegallen auf wiki.genealogy.net Es gab dort eine Wasser- und eine Windmühle.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 4.

Im Jahre 1874 wurde der Gutsbezirk Löbegallen namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Pillkallen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Löbenau Zu dem Gutsbezirk gehörten neben dem eigentlichen Gut auch das Dorf Löbegallen mit Schule und Wirtshaus – auch Schule Löbegallen genannt – und die Vorwerke Neu-Löbegallen und Schradersleben. 1928 wurde der Gutsbezirk in eine Landgemeinde umgewandelt. 1938 wurde Löbegallen in Löbenau umbenannt. Entsprechend wurde der Name von Neu-Löbegallen in Neulöbenau geändert.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt er den russischen Namen Tolstowo und wurde gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Krasnosnamensk.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Das ehemalige Vorwerk Neu-Löbegallen wurde 1950 mit dem ehemaligen Gutsbezirk Ragupönen zum neuen Ort Meschduretschje zusammengefasst und gehört heute laut Karte zu Uslowoje. Das ehemalige Vorwerk Schradersleben wurde 1950 mit den ehemaligen Orten Alt und Neu Moritzlauken (Moritzfelde) zum neuen Ort Kortschagino zusammengefasst und wurde verlassen.

Nach der Auflösung des Dorfsowjets im Jahr 1965 gelangte Tolstowo in den Chlebnikowski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Wesnowskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 267 1871 269 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 312 Davon im Dorf Löbegallen 14, in Neu-Löbegallen 50, in Schradersleben 24 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 193 Davon in Schule Löbegallen 13, in Neu-Löbegallen 39, in Schradersleben 11 1910 171 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 236 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 211 1939 188 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 230 2002Allrussische Volkszählung von 2002 158 2010Allrussische Volkszählung von 2010 186 2021Allrussische Volkszählung von 2021 185

Amtsbezirk Löbegallen/Löbenau 1874–1945 Der Amtsbezirk Löbegallen setzte sich anfangs aus sechs Landgemeinden (LG) und zwei Gutsbezirken (GB) zusammen. Am Ende gehörten noch sieben Gemeinden zum 1939 umbenannten Amtsbezirk Löbenau:

Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Bagdohnen (LG) Rodungen Scheikino Groß Wersmeningken (LG) Langenfelde Belkino Klein Wersmeningken (LG) Dreßlershausen Klohnen (LG) (Wyschkino) Laukehlischken (LG) seit 1928:Cäsarsruhe Danilewskoje Löbegallen (GB) Löbenau Tolstowo seit 1928 LG Payszeln (LG)1936–38: Payscheln Insterwangen Lwowskoje Trakinnen (GB) 1928 in die LG Laukehlischken eingemeindet

Tolstowski selski Sowet 1947–1965 Der Dorfsowjet Tolstowski selski Sowet (ru. Толстовский сельский Совет) wurde im Juli 1947 eingerichtet. Im Jahr 1965 wurde er wieder aufgelöst und seine Orte an die Dorfsowjets Chlebnikowski selski Sowet, Dobrowolski selski Sowet und Wesnowski selski Sowet verteilt.

Ortsname Name bis 1947/50 Ortsname Name bis 1947/50 Belkino (Белкино) Groß Wersmeningken/Langenfelde Priwolnoje (Привольное) Neu Wischteggen/Henndorf Chlebnikowo (Хлебниково) Schilleningken/Ebertann Samarskoje (Самарское) Bergershof Danilewskoje (Данилевское) Trakinnen/zu Cäsarsruhe und Laukehlischken/Cäsarsruhe Scheikino (Шейкино) Bagdohnen/Rodungen Dunaiskoje (Дунайское) Alt Wingeruppen/Windungen und Czuppen/Schuppen Schirokodolje (Широкодолье) Antskrebben/Hutfelde Korobowo (Коробово) Karohnen Schkolnoje (Школьное) MittenwaldeVermutlich der Ortsteil von Mittenwalde mit der Schule, vgl. Meschduretschje Kortschagino (Корчагино) Alt Moritzlauken/Altmoritzfelde, Neu Moritzlauken/Moritzfelde und Schradersleben Sorokino (Сорокино) Groß Skaisgirren/Großschirren Krasnoselskoje (Красносельское) GirrehlischkenVermutlich Girrehlischken A, auch wenn im Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 der Ort Girrehlischken/Ebenwalde genannt wird. Stolbowoje (Столбовое) Birkenfelde [Kr. Tilsit-Ragnit] Kurganskoje (Курганское) Bärenfang Sumarokowo (Сумароково) Klein Jodupönen/Kleinsorge Lugowoje (Луговое) Blumenthal Lwowskoje (Львовское) Payszeln/Insterwangen Suslowo (Суслово) Poplienen/Poplingen Melnitschnoje (Мельничное) Brödlaugken/Bröden Sussanino (Сусанино) Paulshof Meschduretschje (Междуречье) Neu Löbegallen/Neulöbenau und Ragupönen/Mittenwalde Tolstowo (Толстово) Löbegallen/Löbenau Mostowoje (Мостовое) Laugallen/Kleehausen Uslowoje (Узловое) Rautenberg Plankino (Планкино) Bagdohnen [Fh.]/Rodungen [Fh.] Wyschkino (Вышкино) Königshuld I

Der laut Erlass ebenfalls in den Tolstowski selski Sowet eingeordnete Ort Torfjanoje (Waszeningken/Waschingen) gelangte (vor 1975) in den Malomoschaiski selski Sowet im Rajon Neman.

Kirche Die Bevölkerung Löbegallens resp. Löbenaus war vor 1945 fast ohne Ausnahme evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg, heute russisch: Krasnosnamensk) eingepfarrt. Sie war Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schkloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Tolstowo im weitflächigen Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Weblinks Tolstowo bei bankgorodov.ru Tolstowo bei prussia39.ru Löbegallen auf wiki.genealogy.net Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Löbenau

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk