mini|Robert Genin: Selbstbildnis mit Ehefrau Martha, Pastell, 1913, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg mini|Robert Genin: Balinesin II, Öl auf Leinwand, 1926, Sammlung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel Robert Genin (russisch Роберт Генин, französisch Robert Guénine; geboren 11. August 1884 in Wisokoje bei Klimowitschy, Russisches Kaiserreich;Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 41. gestorben 16. August 1941 in Moskau) war ein Maler, Grafiker, Illustrator und Schriftsteller, der in Russland, Deutschland, Frankreich, in der Schweiz und in der UdSSR lebte.

Sein Malstil entwickelte sich rasant vom Jugendstil (Zeichnungen für die Münchner Zeitschrift „Jugend“) in Jahren 1907–1910 zum Symbolismus/Neoklassizismus in Jahren 1911–1914; nach dem Kriegsbeginn 1914 fing er an, expressionistisch zu malen. Sein Expressionismus entwickelte sich im Laufe der Zeit, bis er Ende 1920er zum lyrischen Primitivismus kam.

1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ elf Arbeiten Genins aus dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau, der Kunsthütte Chemnitz, der Anhaltinischen Gemäldegalerie Dessau, der Kunstsammlungen der Universität Göttingen, dem Provinzialmuseum Hannover, dem Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg und dem Staatlichen Museum Saarbrücken beschlagnahmt. Mehrere Arbeiten wurden danach zerstört.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin

Seine umfassende retrospektive Ausstellung fand vom 27. März – 30. Juni 2019 im Schloßmuseum Murnau statt, welche sein Schaffen über alle Perioden veranschaulichte.Ausstellungskatalog des Schloßmuseums Murnau: Robert Genin (1884–1941). Russischer Expressionist in München, hrsg. von Alexej Rodionov und Sandra Uhrig, 2019

Leben Auf dem „Gut Krasowitschi, das sein Vater und Großvater gepachtet hatten“,Schremmer: Robert Genin – eine Wiederentdeckung. o. J., o. S. fing „der kleine Genin mit sieben Jahren leidenschaftlich an zu zeichnen. […] Der Lehrer in der Schule scheint den Jungen im Zeichnen ermutigt zu haben.“ Von 1898 bis 1900 besuchte er die Zeichenschule in Wilna und von 1900 bis 1902 die in Odessa.Jahn/Berger: Robert Genin. 1984, S. 203.

München – Paris – München 1902 ging der angehende Maler nach München und studierte an der privaten Malschule von Anton Ažbe.Baumgartner/von Tavel: Die Sammlung Karl und Jürg Im Obersteg. 1995, S. 131. Wie etliche seiner Kollegen von der Ažbe-Schule verließ Genin diese 1903 und begab sich nach Paris zu weiterem Studium.Bernd Fäthke: Im Vorfeld des Expressionismus. Anton Ažbe und die Malerei in München und Paris. Wiesbaden 1988, S. 9f. Hier soll ihn die Kunst von Pierre Puvis de Chavannes beeindruckt haben.

Die Jahre 1904–1907 verbrachte er auf Reisen in Frankreich, Italien und Ägypten, wo er 1905 in Kairo bei einer Schwester wohnte.Jahn/Berger: Robert Genin. 1984, S. 204.Robert Genin: Die ferne Insel, Aufzeichnungen von meiner Fahrt nach Bali in Wort und Bild. Berlin 1928, S. 10. Im Herbst 1905 zog Genin in die Pariser Künstlerkolonie La Ruche. Geldnot zwang Genin 1907 zur Rückkehr nach München. Für die Wochenzeitschrift Jugend schuf er „im Juni 1907 erstmals“ Illustrationen und Karikaturen. Insgesamt wurden in der „Jugend“ 40 Illustrationen von Genin veröffentlicht.

1907 stellte Genin sieben Bilder in Paris im Herbstsalon aus. In München hatte er spätestens 1911 Kontakt mit Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky, und Wladimir Bechtejeff.Förster/Frey: „In inniger Freundschaft“, Alexej Jawlensky, Paul und Lily Klee, Marianne Werefkin. 2013, S. 58. Mit Sicherheit sah er 1911 auch die Ausstellungen der Neuen Künstlervereinigung (N.K.V.M.) und des Blauen Reiters in der Galerie Thannhauser. Im Herbst des gleichen Jahres gehörte er zusammen mit Paul Klee, Alfred Kubin und anderen zu den Mitgliedern der Künstlergruppe Sema. 1912 brachte diese ein Mappenwerk heraus, in dem Genin vertreten ist.

Thannhauser nahm Genin 1913 unter Vertrag.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 75. Anm. 45. Darüber hinaus erschien 1913 im Delphin-Verlag von Fritz Burger ein Buch „Cézanne und Hodler. Einführung in die Probleme der Malerei“,Burger: Cezanne und Hodler. 1913. in dem Genins Kunst folgende Würdigung erfuhr: „Genins Bilder verkörpern ein sozialistisches Ideal. Das Glück der Gleichheit und der Arbeit. Aus der Gleichheit des Tuns folgt das Gefühl der Gemeinsamkeit und der Frieden der Arbeit. Sie ist Bestimmung der Natur und in ihrer Erfüllung liegt das Glück des Daseins. Vielleicht ist Genin der erste, der in dieser Weise die sozialistische Idee zu einem künstlerischen Ideal macht. […] Für Genin ist die Arbeit weder etwas Heroisches noch etwas Tragisches, sondern Gesetz und Schönheit zugleich. Es könnte sein, dass diesen Ideen die nächste Zukunft gehört, denn sie sind ein Zeichen der Zeit.“Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 47. 1913 wurde Genin Gründungsmitglied der Münchener Neuen Secession, an deren Ausstellungen er auch während des Ersten Weltkriegs teilnahm.

Während des Ersten Weltkriegs Genin wurde bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht aus Deutschland ausgewiesen, sondern in Trudering-Riem bei München interniert. Das wird in seiner Autobiographie sowie in den Briefen von 1916 und 1918 erwähnt, die Lily Klee an Werefkin schrieb. Für eine relativ liberale Internierung spricht die Tatsache, dass im November 1917 die Münchner Moderne Galerie Thannhauser eine Einzelausstellung von Genin eröffnete.

Nach der Beendigung des Ersten Weltkriegs im Herbst 1918 zog Genin nach Berlin.

Karl Im Obersteg Die ergiebigste Quelle zu Genins Leben und Werk ist die Korrespondenz mit Karl Im Oberstegsammlung-im-obersteg.ch und dessen Frau Marianne. Demnach übersiedelte Genin 1919, Jawlensky und Werefkin folgend, nach Ascona. Man geht davon aus, dass Cuno Amiet damals den Kontakt zu dem Kunstsammler Im Obersteg knüpfte, der Inhaber einer bedeutenden Transportfirma in Basel war.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 42.Mentha: Der Briefwechsel mit Alexej von Jawlensky. 2011, S. 77. Spätestens zu diesem Zeitpunkt begegnete er aber auch dem Tänzerpaar Alexander Sacharoff und Clotilde von Derp.Mentha: Der Briefwechsel mit Alexander und Chlotilde Sacharoff-von Derp. 2011, S. 131. In Ascona, auf dem Weg nach Ronco, erwarb er ein Haus.

1920 erschien im Allgemeinen Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart ein Artikel über Genin, der von Alfred Mayer verfasst worden war.Irene Dütsch: Alfred Mayer - ein Mäzen im Umkreis des „Blauen Reiter“. Hinter den Kulissen der Münchner Bohème. Jahrbuch des Historischen Vereins Murnau, Murnau 2005, S. 80f. und Abb. 7. Im gleichen Jahr fanden mehrere Werke Genins Eingang in die Sammlung Im Obersteg. Am 9. April 1921 brachte Genins zweite Ehefrau, Margarete Gurth-Genin, den gemeinsamen Sohn Mario zur Welt.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 50. Von Genins erster Frau Martha erfährt man durch einen Brief vom Anfang April 1924 an Marianne Im Obersteg, dass sie gegenwärtig in Riga lebe.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 58. Zur Gründung des Museo comunale di Ascona 1922 schenkte Genin – ebenso wie weitere ca. 50 einheimische und ausländische Künstler – ein Bild. Es trägt den Titel „Paesaggio d’inverno“.Kneubühler: Die Künstler und Schriftsteller und das Tessin. 1978, S. 157f. 1922 hatte Genin sein Haus in Ascona an Paul Bachrach-Baree (1863–1943), den Vater von Charlotte Bara, einer Schülerin von Isadora Duncan und Sacharoff, vermietet.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 51.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 124 Anm. 26.

Aus der Bekanntschaft zwischen Im Obersteg und Genin wurde 1923 eine Freundschaft, in der Genin die Rolle eines Protegé zukam. Ab dieser Zeit sprach Genin seinen Gönner – genauso wie Amiet, Jawlensky und die Sacharoffs – mit dem Nicknamen „Kio“ – einer Ligatur der drei Anfangsbuchstaben seines bürgerlichen Namens – an. Er dagegen unterzeichnete seine Briefe an Im Obersteg und seine Frau Marianne oftmals mit „Roro“, der Verdoppelung der beiden Anfangsbuchstaben seines Vornamens.

Berlin 1923 bezog Genin ein Atelier in Berlin in der Königin-Augusta-Straße 51, das er von Alfred Flechtheim zur Verfügung gestellt bekam. Von dort unterrichtete er Im Obersteg über aktuelle Preise, die seine Werke damals aufgrund der Inflation erzielen konnten: „Ein Bild kostet 9–700 Goldmark, eine Zeichnung 50–80 (schwarz), ein Pastell – je nach Ausführung.“Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 52.

Genins Frau informierte Im Obersteg Ende 1923 über eine schwere Erkrankung des rechten Kniegelenks ihres Mannes. Sie führte zu einer lebenslangen schmerzhaften, bleibenden Beeinträchtigung seines Gehapparates. Max Osborn beabsichtigte eine Monografie über Genin zu schreiben.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 53. Mit der Vossischen Zeitung verhandelte Genin über einen Artikel über eine geplante Italienreise. 1923 im Dezember lag er wegen einer Grippe und Gelenkrheumatismus im Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin und bekam aufgrund großer Schmerzen Morphium.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 56. Am 19. April 1924 schrieb Genin an Karl und Marianne Im Obersteg, dass er wegen seiner Behinderung und Schmerzen im Bein nun schon seit einem halben Jahr im Krankenhaus liege und nur bei gutem Wetter an 2 Stöcken ein wenig spazieren gehen könne.

Im Mai 1924 erholte sich Genin mit Ehefrau und Sohn in Sasbachwalden im Schwarzwald. Im August bekam Genin eine Kur in Acquarossa verschrieben, dessen Thermen im Tessiner Bleniotal für Fangobehandlungen bei Rheumaerkrankungen berühmt sind.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 59. Im Mai 1925 verwarf er die Idee, sich im Tessin behandeln zu lassen und entschloss sich stattdessen zu einem Kuraufenthalt in Termini Imerese in der Provinz Palermo auf Sizilien.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 60.

Am 6. Juni 1925 schrieb er an Im Obersteg aus dem Heilbad Abano, dass er sich demnächst in die Nähe von Padua begeben wolle, wo es „die besten Fangobäder“ gäbe. Weiterhin teilte er ihm mit, in der Zeitschrift „Der Querschnitt“ seien zwei seiner Zeichnungsentwürfe zu Gemälden abgebildet. Er habe inzwischen veranlasst, dass man ihm die Originale gerollt aus Berlin zuschicken würde.Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 61.

Reise nach Bali mini|Robert Genin: Die Legontänzerin Diablet, 1926. Illustration aus der „Fernen Insel“ mini|Robert Genin: Balinesin, 1926. Illustration aus der „Fernen Insel“ Genin zog es 1926 in die Südsee, wie zuvor Paul Gauguin, der sich 1891 auf Tahiti niedergelassen hatte und sich 1901 schließlich auf die Marquesas Insel Hiva Oa zurückzog. Schon Max Pechstein folgte dem Beispiel Gauguins und besuchte 1914/15 die Palauinseln im Pazifischen Ozean.Leonie von Rüxleben: Lebensdaten 1881-1955. In: Max Pechstein, Sein malerisches Werk. Ausstellungskatalog, Brücke-Museum, Berlin 1996, S. 16f. Ungeachtet seines Beinleidens – er selbst bezeichnete sich damals als „einbeinig“Fischer: Der Briefwechsel mit Robert Genin. 2011, S. 64. – reiste Genin im Februar 1926 von Berlin über Genua, Port Said, Colombo, Singapur und Java nach Bali.Rodionov, Alexej. Robert Genin. Auf der Suche nach dem Paradies: Bali, 1926. St-Petersburg, 2013, 96 S. Auf der Insel erlebte er die „großen Feiertage“ der Einheimischen und arbeitete „dort an Bildervorwürfen.“

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