Die Kirche in Rautenberg () im einstigen Ostpreußen war ein Bauwerk aus der beginnenden zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im Rundbogenstil errichtet. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Bewohner im Kirchspiel des heute Uslowoje genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).

Geographische Lage Das heutige Uslowoje liegt im Südwesten des Rajon Krasnosnamensk (Kreis Lasdehnen, 1938 bis 1946 Haselberg) an einer Nebenstraße (27K-186), die Lunino (Lengwethen, 1938 bis 1946 Hohensalzburg) an der russischen Fernstraße A 198 (einstige deutsche Reichsstraße 132) mit Wesnowo (Kussen) an der Regionalstraße R 508 verbindet. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Der Standort der Kirche ist nicht mehr auszumachen, seit die letzten Ruinenreste abgerissen und beseitigt wurden.

Kirchengebäude Im Jahre 1853 begann man in Rautenberg mit der Nutzung einer provisorischen Kirche, zu der ein Gebäude auf dem Gelände des Gutsbesitzers Liebe diente. Erst ab 1867 wurde ein eigenes GotteshausWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2, Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 112, Abb. 498 errichtet, das im Jahre 1876 eingeweiht werden konnte.Bild der Rautenberger Kirche in den 1930er Jahren Dieses entstand auf den Grundmauern eines Pferdestalls des Gutsbesitzers Hofer aus Groß Skaisgirren (1938 bis 1946: Großschirren, russisch: Dunaiskoje, jetzt: Sorokino).

Bei dem Bauwerk handelte es sich um ein schlichtes, rechteckiges Gebäude im Rundbogenstil mit verputztem Ziegelmauerwerk. Ein kleiner Giebelturm diente als Träger für eine Glocke.

Der Innenraum war flach gedeckt und hatte seitliche Emporen. Hier fanden 500 Menschen Platz. Die Kanzel und der Altar waren übereinander angeordnet und einfach ausgeführt. Das Geläut der Kirche bestand aus nur einer Glocke.

In den beiden Weltkriegen wurde die Kirche nur unwesentlich in Mitleidenschaft gezogen. Nach 1945 allerdings diente sie zweckentfremdet als Lagerhalle und verfiel immer mehr. 1998 standen von dem Gebäude noch Ruinenreste,Bild der Ruinen der Kirche um 1993 die jedoch abgerissen und beseitigt wurden. Heute erinnert nichts mehr an die einstige Pfarrkirche in Rautenberg.

Kirchengemeinde Die Bevölkerung in der Gegend um Rautenberg war vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Die erst späte Gründung einer Kirchengemeinde führte dazu, dass man 1853 ein zunächst provisorisches Kirchspiel gründete,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3, Dokumente, Göttingen 1968, S. 488. das ab 1866 „Kirchspiel Friedrichswalde“ genannt wurde.

Dieses Kirchspiel entstand durch Umpfarrungen von Orten aus den bereits bestehenden Pfarreien der Kirchen Budwethen (1938 bis 1946: Altenkirch, heute russisch: Malomoschaiskoje), Kraupischken (1938 bis 1946: Breitenstein, russisch: Uljanowo) und Kussen (russisch: Wesnowo). Das nachmalige Kirchspiel Rautenberg gehörte zunächst zum Kirchenkreis Ragnit (russisch: Neman), danach bis 1945 zur Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel bei einer Volkszählung insgesamt 4.000 Gemeindeglieder, die in nahezu 40 Orten, Ortschaften und Wohnplätzen lebten.

Infolge des Zweiten Weltkrieges mit Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie dem nachfolgenden Verbot aller kirchlichen Aktivitäten in der Sowjetunion erlosch die Kirchengemeinde Rautenberg. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der seit 1991/92 zur Russland gehörenden Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden. Die Uslowoje am nächsten liegende ist die in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) gehört.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel der Rautenberger Kirche gehörten 38 Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze, die sowohl im Kreis Ragnit (ab 1922: Landkreis Tilsit-Ragnit) als auch im Kreis Pillkallen (ab 1939: Landkreis Schloßberg [Ostpr.]) lagen: Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Alt Moritzlauken Altmoritzfelde Kortschagino Grünkrug Bolochowo Alt Stonupönen Altstonen Grünwalde Alt Wingeruppen Windungen Dunaiskoje Iwenberg Alt Wischteggen Altweiden (Groß) Kamanten Uslowoje Antagminehlen Kernwalde Karalkehmen Karlen Kaschtanowka Bärenfang(Anteil Rautenberg) Kurganskoje Karohnen Korobowo Baltruschatschen Balzerhöfen Jakowlewo Klein Jodupönen Kleinsorge Sumarokowo Barachelen Brachfeld Uslowoje Klein Meschkuppen Bärenbach Kuprino Birkenfelde[Kr. Pillkallen] ab 1928:Birkenhof Kustarnikowo Klein Skaisgirren Lichtenrode Birkenfelde[Kr. Tilsit-Ragnit] Stolbowoje Kuttkuhnen Kuttenhof Blumenthal Lugowoje Laugallen Kleehausen Mostowoje Brödlauken Bröden Melnitschnoje Lindenthal Czuppen Schuppen Dunaiskoje Neu Moritzlauken Moritzfelde Neu Stonupönen Hagenrode Dro(s)zwalde Darwino Neuweide Djatlowo Friedrichswalde Neu Wingeruppen ab 1928:zu Neuweide Girrehlischken A (zu) Drozwalde Krasnoselskoje Neu Wischteggen Henndorf Priwolnoje Girrehlischken B Ebenwalde Orupönen Grünrode Sinjawino Groß Baltruschehlen ab 1935:Grüneichen Rautenberg Uslowoje Groß Jodupönen Schwarzfelde Trakeningken Ritterswalde Groß Skaisgirren Großschirren Sorokino Uszgirren ab 1930:Waldenau Grünfelde Welnabalis ab 1927:Jägerfeld

Pfarrer Zwischen 1853 und 1945 amtierten in der Pfarrei Friedrichswalde bzw. Rautenberg neun evangelische Geistliche:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 119.

Adolf Leonhard Hermann Karck, 1853–1866 Otto Friedrich Hermann Krauss, 1866 Albert Hammer, 1866–1881 Martin Anton Friedrich Brausch, 1886–1896 Moritz Arthur Scheduikat, 1896–1909 Ernst Edwin Freutel, 1909–1914 Rudolf Erich Sack, 1913–1914 Hermann Rudolf Rumpel, 1914–1935 Walter Noetzel, 1936–1945.

Weblinks Uslowoje – Rautenberg Werner Metschulat: Das Kirchdorf Rautenberg Кирха Раутенберга – Die Kirche Rautenberg (russisch)

Einzelnachweise

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