mini|Domhof Ratzeburg (1736 von Pierre Joseph du Plat, Karte nicht genordet) Der Domhof Ratzeburg liegt auf der Dominsel im Ratzeburger See. Das Gebiet gehörte bis zum Groß-Hamburg-Gesetz 1937 als historische Exklave zu Mecklenburg-Strelitz und fiel dann an die Stadt Ratzeburg. Auch die Haupterschließungsstraße führt den Namen Domhof. Der Domhof wird architektonisch vom Ratzeburger Dom mit seinem Domkloster beherrscht, der Komplex ist von zahlreichen weiteren eingetragenen Kulturdenkmalen, aber auch von Bauten aus neuerer Zeit umgeben.

Geographie mini|Blick von Norden auf den Domhof und die dahinter liegende Altstadt von Ratzeburg mini|Alter Grenzstein des Domhofs zur Stadt Ratzeburg Das Gebiet des Domhofs liegt westlich des Domsees und nördlich des Königsdamms. Der Domsee geht mit nordwestlicher Biegung in den Großen Ratzeburger See über; von diesem ist er nicht durch einen Damm abgetrennt, sondern durch eine etwas schmalere Passage zwischen der Domhalbinsel und dem Seeufer bei Römnitz, die sogenannte „Römnitzer Enge“; der Große Ratzeburger See geht dann im Westen und Norden der Dominsel bis nach Rothenhusen. Das Gebiet steigt von West nach Ost an und bildet auf seiner Ostseite nach Norden bis zum Standort des Doms mit dem Kloster ein hohes Ufer aus.

Von 1842 bis 1847 wurde die Ratzeburger Stadtinsel dann auch erstmals östlicherseits an das Umland angebunden. Die Errichtung des Ratzeburger „Königsdamms“ erfolgte unter dänischer Herrschaft im Lauenburgischen; der Damm erhielt 1854 in Anwesenheit und zu Ehren des dänischen Königs Friedrich VII. offiziell diesen Namen.

Der Domhof war an seinem nordöstlichen Ende durch die Domfähre über den Domsee mit der Bäk verbunden. Sie diente vor allem dem Kirchgang der dem Dom eingepfarrten Orte Bäk und Römnitz.

Landseitig verlief die Grenze zwischen dem mecklenburgischen Domhof und der lauenburgischen Kreisstadt Ratzeburg bis 1937 nördlich der Kleine Kreuzstraße und nördlich Zum Süßen Grund entlang; zwei Grenzsteine aus Granit in Größe von ca. 40 × 20 cm befinden sich plan eingepflastert an der Kreuzung Domstraße/Domhof und Zum Süßen Grund auf beiden Seiten der Straße Domhof, ein weiterer straßenmittig im Kopfsteinpflaster des Domhofs auf Höhe der Südfassade der Domkaserne eingelassen.

Domhof und Palmberg mini|Erinnerungskreuz auf dem Palmberg Im Zentrum der Halbinsel befindet sich südlich des Doms der Palmberg, ein großer, ursprünglich viereckiger, heute dreieckiger, mit drei Linden-Alleen umsäumter und begrünter Platz.

Der historische Name der mecklenburgischen Ortschaft war Domhof und Palmberg bei der Stadt Ratzeburg. Er umfasste zwei seit Jahrhunderten zusammengehörende, aber unterschiedene Bereiche: den eigentlichen Domhof, den Immunitätsbereich der Domkirche und ihres Kapitels, der hinter dem westlich des Doms gelegenen Steintor begann, und den sich südlich anschließenden Palmberg mit seinen angrenzenden Grundstücken.

Den Palmberg (mons polaborum, Polaben-Berg) hatte das Domkapitel 1439 von den Herzögen Magnus und Bernhard von Sachsen-Lauenburg für 530 Lübische Mark erworben,Joachim H. Neuendorff: Die Stiftsländer des ehemaligen Bisthums Ratzeburg: topographisch dargestellt. Stiller, Rostock 1832, S. 94 unter der Bedingung, dass keine weltliche Person dort Gebäude errichten und kein Handel und Gewerbe dort betrieben werden sollte.Siehe dazu ausführlich die Übersetzung der Urkunde und die Reverse des Domkapitels bei Adolf von Duve: Mittheilungen zur näheren Kunde des Wichtigsten der Staatsgeschichte und Zustände der Bewohner des Herzogthums Lauenburg von der Vorzeit bis zum Schlusse des Jahres 1851 ... H. Linsen, 1857 (Digitalisat, Bayerische Staatsbibliothek), S. 226–230.

Es blieb lange strittig, ob dies lediglich ein zivilrechtlicher Eigentumstransfer war oder, wie das Domkapitel und in seiner Nachfolge die mecklenburgische Regierung es sah, auch einen Transfer der hoheitlichen Rechte bedeutete. Die diesbezüglichen Streitigkeiten flammten immer wieder auf, so etwa 1723 aus Anlass der Beisetzung des Mecklenburg-Strelitzer Geheimerrats-Präsidenten Franz Heinrich Matthiassen von Ehrenberg und bei weiteren BeerdigungenStreitigkeiten mit dem Magistrat der Stadt Ratzeburg anlässlich der Beisetzung des Präsidenten von Ehrenberg über die Grenzen des Palmbergs und die Hoheitsrechte auf dem Domhof, Landeshauptarchiv Schwerin; siehe auch die Akte Die zwischen Sachsen-Lauenburg und Mecklenburg-Strelitz streitige Hoheit über den Palmberg, speziell das erstererseits beanspruchte Recht des Geleites von Leichen über den Palmberg, LASH, Abt. 210, Nr. 946: Präsident v. Ehrenberg, 1723; Schulkollege und Organist Trenckels, 1732; Domdechantin v. Witzendorff, 1733; Oberkommissar Kaiser, 1737; Frau v. Ahlden, 1745; Generalmajor v. Maider, 1746; Kammerrat Wetberg, 1751; Landdrost v. Oldershausen, 1754.

Die 1692 von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg stark befestigte Stadt Ratzeburg erregte das Missfallen des dänischen Königs Christian V., der Ratzeburg daraufhin 1693 bis auf die Domhalbinsel mehr oder weniger komplett in Schutt und Asche legte. Noch die dänische Besatzung Ratzeburgs übte ein, von mecklenburgischer Seite widersprochenes, Waffenrecht auf dem Palmberg aus.Gustav Hempel: Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Meklenburger Landes. Band 2, Hinstorff, Parchim / Ludwigslust 1843, S. 477.

Der Darstellung Ratzeburgs von Georg Braun und Frans Hogenberg mit dem Schloss und der dahinter liegenden Stadtinsel samt Dombezirk von 1588 kann man entnehmen, dass die Domhalbinsel im 16. Jahrhundert im Bereich des Palmbergs noch nicht bebaut war. Diese erfolgte als Randbebauung erst ab Ende des 16. Jahrhunderts. Der Domhof wurde 1714 durch den hannoverschen Ingenieuroffizier Carl Friedrich von Persson (1684–1747) vermessen und kartiert.Lauenburgische Heimat. Heft 65 (1969), S. 41; Persson führte später auch die Vermessung Hamelns durch. Eine weitere Vermessung und Kartierung erfolgte 1736 durch den hannoverschen Ingenieuroffizier Pierre Joseph du Plat.

Geschichte mini|Heinrichstein mini|Herzogtum Lauenburg und Fürstentum Ratzeburg (1795) Während die Stadt später zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg, dem späteren preußischen Landkreis Herzogtum Lauenburg, gehörte, gelangte das Stiftsgebiet mit Domhof und Palmberg 1648 durch den Westfälischen Frieden als Fürstentum Ratzeburg in die Hand der Mecklenburger und wurde 1701 ein Teil des mecklenburgischen Teilherzogtums von Strelitz. Bis zur Verwaltungsreform von 1814 hatten die Regierung und das Konsistorium für das Fürstentum Ratzeburg ihren Sitz am Palmberg. Dann wurde sie mit der Regierung in Neustrelitz vereinigt, untergeordnete Aufgaben übernahm die neu eingerichtete Landvogtei in Schönberg (Mecklenburg) und für die Kirchenaufsicht wurde eine Konsistorialkommission eingerichtet.

Bei der Zählung 1817 umfasste der Domhof 36 bewohnte Gebäude und hatte 252 Einwohner.Gustav Hempel: Geographische Beschreibung der Großherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Dümmler, Neustrelitz 1829, S. 139f Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor der Domhof eine Reihe an Institutionen und kulturellem Kapital: 1809 ließ Herzog Karl II. wichtige Teile der Dombibliothek, darunter die wertvolle Bibelsammlung von Andreas Gottlieb Masch,Nilüfer Krüger: Die Inkunabeln der Universitätsbibliothek Rostock: Mit den Inkunabeln der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin und der Kirchenbibliothek Friedland. Harrassowitz, Wiesbaden 2003, ISBN 3-447-04788-7, S. 25. dort Anm. 75 auch zu anderen Versionen, wonach die Bibelsammlung trotz Verkauf an die Dombibliothek Ratzeburg 1784 Neustrelitz nicht verlassen habe; das würde allerdings die Ratzeburger Besitzvermerke nicht erklären. nach Neustrelitz bringen und der herzoglichen Bibliothek einverleiben, 1814 wurde die Verwaltung verlegt, 1829 kam das Stiftsarchiv mit dem Ratzeburger Zehntregister nach Neustrelitz, und 1845 schloss die Domschule. Er gewann aber auch neue Bedeutung als (Teil)-Garnisonsstandort, als 1887 die Domkaserne Standort des Lauenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 9 wurde. 1847 wurde ein Predigerseminar in den Räumen der Domschule eingerichtet, das aber nur für fünf Jahre Bestand hatte.

Während bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, dem Vertrag von 1439 entsprechend, noch fast alle Liegenschaften im Eigentum des Doms waren, kam es dann vermehrt zu Verkäufen an Privatpersonen.

Erst mit dem Groß-Hamburg-Gesetz 1937 wurde der Dombezirk Teil der Stadtgemeinde Ratzeburg und so Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

2016 erwarb die Nordkirche die zwei Gebäude Domhof 33 und 34 und übernahm die dazugehörigen Grundstücke für 99 Jahre als Erbbauberechtigte. Die zuvor der Domkirchengemeinde gehörenden Immobilien werden für den Betrieb der landeskirchlichen Aus- und Fortbildungseinrichtungen Predigerseminar und Pastoralkolleg genutzt.Theologische Aus- und Fortbildung auf Ratzeburger Domhalbinsel langfristig gesichert, Pressemeldung der Nordkirche vom 31. Mai 2016, abgerufen am 2. Juni 2016 Nach Umbau der bestehenden Gebäude und der Fertigstellung eines Erweiterungsbaus fand die Neueröffnung am 25. Juni 2024 statt. Der Neue Campus Ratzeburg vereint „neben dem Prediger- und Studienseminar sowie dem Pastoralkolleg der Nordkirche, das von der Diakonie Nord-Nord-Ost betreute Gästehaus Domkloster und das Café Bischofsherberge sowie die Lutherakademie, die Paramentenwerkstatt, die Prädikant*innenausbildung, das CVJM Freizeit- und Segelzentrum und die Domkirchengemeinde.“Nordkirche weiht Neuen Campus Ratzeburg ein, Mitteilung vom 25. Juni 2024, abgerufen am 1. Juli 2024

Bauten mini|Ehemaliges Fährhaus (vor 1927) Einige historisch bedeutsame Bauwerke des Domhofs mussten neuen Nutzungen weichen, darunter z. B. die traditionsreiche Daldorfsche Kurie am Domhof 25,ratzeburg.de heute mit einem privaten Wohnhaus bebaut, oder das alte Fährhaus der Domfähre nach Bäk am nordöstlichen Ende der Halbinsel, wo sich heute das Vereinsgelände des Ratzeburger Segler-Vereins befindet. Neue Domizile fanden auf dem Domhof die Ruderakademie Ratzeburg von Karl Adam am Domhof 37 wie auch die traditionsreiche Dombibliothek am Domhof 35.Fabian: Handbuch der historischen Buchbestände. Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen, S. 135. Museen, ein Kindergarten, das Segelzentrum des CVJM und die Luther-Akademie machen die neue Mischung des Campus des Domhofs aus, die neben dem kirchlichen Zentrum um Dom und Domkloster von kulturellen Einrichtungen und wassersportlichen Zentren wie von privater Wohnnutzung geprägt wird. Trotz aller Neubauten besteht auf dem Domhof heute noch eine hohe Denkmaldichte.

Kulturdenkmale auf dem Domhof Siehe Liste der Kulturdenkmale in Ratzeburg

Persönlichkeiten des Domhofs vor 1937 Söhne und Töchter Franz Heinrich Matthiassen von Ehrenberg (1670–1723), Verwaltungsjurist, 1718 bis 1723 Präsident des Geheimen Ratses und der herzoglichen Kammer von Mecklenburg-Strelitz Ludwig Nauwerck (1772–1855), Verwaltungsjurist, Grafiker und Dichter Adolf Johann Otto von Wickede (1785–1853), Forstbeamter und Vermesser Heinrich Riemann (1793–1872), Theologe und Burschenschafter Karl Friedrich Wilhelm Rußwurm (1812–1883), Pädagoge, Ethnologe und Historiker Johannes Rußwurm (1814–1890), evangelisch-lutherischer Geistlicher, Dompropst am Ratzeburger Dom Eberhard Becker (1823–1897), evangelisch-lutherischer Geistlicher, Propst in Mirow Otto Becker (1828–1890), Ophthalmologe und Hochschullehrer

Weitere Persönlichkeiten, die auf dem Domhof wirkten

Ulrich Wettstein († 1676 in Lübeck), Buchdrucker Nicolaus Otto von Wickede (1757–1793), Drost im Fürstentum Ratzeburg Carl Gottlob Heinrich Arndt (1751–1830), Dompropst Johann Christian Friedrich Dietz (1765–1833), Rektor der Domschule von 1804 bis 1812 Johann Wilhelm Bartholomäus Rußwurm (1770–1855), Kantor, dann Konrektor der Domschule Johann Georg Rußwurm (1781–1848), Kantor, dann Rektor der Domschule Karl Friedrich Ludwig Arndt (1787–1862), Rektor der Domschule