mini|hochkant=1.2|Ein auf Schloss Burgk bei der Errichtung lebendig eingemauerter Hund
Ein Bauopfer ist ein vor oder während der Errichtung von Bauwerken dargebrachtes Opfer. Es soll den Bestand des Bauwerkes sichern bzw. den mit dem Bau verfolgten Zweck befördern. Die Übergänge von Bauopfer und Opfer zur Verehrung eines Hausgeistes oder gar zum Totenkult sind fließend. Als sicheres Identifizierungsmerkmal gilt, dass das Opfer unter dem Fußboden oder dem Herd oder unter der Wand so angebracht ist, dass es unsichtbar blieb.
Vor- und Frühgeschichte Kultische Deponierungen innerhalb des Hauses und der Hauskonstruktion sind seit der Einführung von Ackerbau und Viehhaltung mit neolithischen Bauwerken verknüpft. Die Deponierungen gelten in der Forschung als Bauopfer. Es handelt sich um Steingeräte, die einzeln oder zu mehreren gefunden werden, um zumeist vollständige Gefäße und um Skelette oder Teilskelette von Menschen und Tieren.
In Südskandinavien offenbart sich im Laufe des Neolithikums eine Sitte, die durch die Niederlegung so genannter Bauopfer zu charakterisieren ist. Die Befunde und deren Verbreitungsabfolge verdeutlichen, dass Vorstellungen aus dem südöstlichen Europa in den Norden gelangten. Doch sind die Ursprünge der Ideen in der Levante zu suchen. Sie scheinen von dort nach Europa vorgedrungen zu sein.
Der Hauptteil derartiger Funde stammt aus Pfostengruben, die eine Gleichzeitigkeit mit dem Bauprozess belegen. Bevorzugter Deponierungsort waren die Gruben der Eckpfosten die über ein Drittel der Befunde aufweisen.
Weitere Deponierungen erfolgten in den Wandgräbchen oder unter dem Fußboden. Zahlenmäßig dominierend ist das Auftreten von Steingeräten, vor allem von Beilen. Die Bedeutung von Beilen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit sowie die abergläubische Behandlung von Beilfunden bis in die Neuzeit hinein, sind allgemein bekannt. Aus diesem Grund kann für die Beildeponierung eine Vielzahl von Interpretationen erwogen werden. Eine Niederlegung als Bauopfer ist dabei nicht auszuschließen. Im Neolithikum lassen sich eindeutige Tendenzen in der zeitlichen Häufung von Deponierungen erkennen. Treten Befunde dieser Art mit dem Frühneolithikum noch sporadisch auf, so steigert sich ihre Anzahl bereits in mittelneolithischer Zeit. Auch Megalithanlagen scheinen mit Bauopfern bedacht worden zu sein (Sh. Megalithanlagen von Hagestad). Die Mehrzahl der Befunde stammt jedoch aus dem Spätneolithikum.
Frühneolithische Siedlung von Sofia-Slatina Ein Befund vom Beginn des 6. Jahrtausends stammt aus der frühneolithischen Siedlung von Sofia-Slatina, in Bulgarien. Hier wurde ein ebenerdiger Pfostenbau mit leicht trapeziodem Grundriss und etwa 17 m² Grundfläche ausgegraben, dessen lehmverputzte Wände aus Pfosten und Flechtwerk bestanden. Es handelt sich um ein Zweiraumhaus, wie es für neolithische und chalkolithische Siedlungen dieses Raumes typisch ist. Der winzige nördliche Teil des Hauses wurde als Werkstatt und Lager gedeutet. Der südliche Raum war Arbeits-, Schlaf- und Wohnraum. Hier fanden sich eine Feuerstelle, ein Kuppelofen, eine Plattform, ein Webstuhl, ein Mahlstein mit einer davor liegenden Mehlmulde, 18 Vorratsgefäße sowie zwei hölzerne Bettgestelle.
Mehrere Funde in dem Gebäude deuten auf kultische Niederlegungen. Zunächst fand man in der südwestlichen Ecke des kleineren Bereiches ein kleines Tonmodell, das als Miniaturaltar anzusehen ist, vom Ausgräber jedoch als Hausmodell bezeichnet und als kultische Wohnstätte des häuslichen Schutzgeistes interpretiert wurde. In der Nordwestecke des Hauptraumes entdeckte man unter dem Fußboden eine vollständige Tonschüssel, in der Nahrungsreste festgestellt werden konnten. Die Schüssel war mit einer weißen Bemalung verziert, die vom Ausgräber als „Fruchtbarkeitskranz“ gedeutet und der Befund als Bauopfer interpretiert wird.
In einer Aussparung der Südwand befand sich in einer Höhe von 1,8 m eine bienenkorbförmige Nische von 10 × 26 cm und einer Tiefe von 18 cm. Unmittelbar unterhalb der Nische entdeckte man zwei kleine Tonfiguren (eine Frau und einen Stier – Göttin und Gott), die wahrscheinlich ursprünglich in der Nische standen. Schließlich befand sich in der Hausmitte neben den drei Pfosten eine zylinderförmige etwa 35 cm eingetiefte, fundleere Grube von 40 cm Durchmesser, die nach V. Nikolov möglicherweise zur Aufnahme von Speiseopfern diente und auf den Vollzug von Kulthandlungen deutet. Niederlegungen von Tierknochen oder vollständigen Tierskeletten sind innerhalb des Gebäudes nur vereinzelt nachzuweisen.
Bandkeramik In der bandkeramischen Siedlung Köln-Lindenthal fanden sich in einigen Wandgräben Feuersteinartefakte. Im Wandgraben des Gebäudes Nr. 50 dicht nahe dem nordöstlichen Eckpfosten lagen drei große Feuersteinklingen, die laut den Ausgräbern Werner Buttler und Waldemar Haberey vielleicht als Bauopfer zu deuten sind.
In Hienheim, Bayern, wurde der Grundriss eines 15,60 × 5,90 m großen Gebäudes (Nr. 29) der jüngeren Linienbandkeramik gefunden. In einer Wandpfostengrube stak ein Dechsel vom Typ II a, der mit der runden Seite nach unten gerichtet war. Das außerordentlich gut erhaltene Stück und die Fundumstände veranlassen den Bearbeiter, von einem Bauopfer zu sprechen.
Stichbandkeramik In der Pfostengrube des stichbandkeramischen Hausgrundrisses Nr. 1 von Stary Zamek (Altenburg, Landkreis Breslau) in Niederschlesien fand man ein Depot aus drei Steinbeilen und einem Halbfabrikat. Die Schneiden zeigen alle in nordwestliche Richtung. Nach M. Rech lässt sich dieser Fund in die rituell zu deutenden neolithischen Beildepots einordnen, die jedoch eine besondere Funktion besitzen.
Eine direkte Analogie stammt vom stichbandkeramischen Fundplatz von Mšeno, Okres Mělník in Böhmen. Hier fand man in der Pfostengrube 52 des Hauses No. 1 ein Depot, bestehend aus je zwei geschliffenen Beilen und Hammeräxten aus Schiefer, deren Schneiden, die Gebrauchsspuren zeigten, nach Norden bzw. Nordwesten gerichtet waren. Lengyel Anfang der 1960er Jahre wurde von J. Vladár die lengyelzeitliche Siedlung von Branč in der Slowakei untersucht. Man fand u. a. fünf Großhäuser (etwa 30 × 8 m). In einem fand sich im nordöstlichen Eckpfostenloch ein Spondylusarmband, das der Ausgräber als Grundsteinlegungsopfer wertet. In einem weiteren Gebäude war auf der Sohle des nordöstlichen Eckpfostenlochs das etwa 12 cm lange, aus Ton gefertigte vollständige Modell einer Halbgrubenhütte niedergelegt. M. Rech sieht darin auf besonders eindrucksvolle Weise die abwehrende Komponente des Bauopfers. Auch für Hermann Müller-Karpe handelt es sich bei dem Befund um ein Bauopfer. Er verweist in diesem Zusammenhang auf nahe der Nordseite des Gebäudes paarweise liegende Gruben, die vom Ausgräber als Opfergruben gedeutet werden und deren auffallend regelmäßige Schichtung (15–20 Schichten) aus Asche, Gefäßresten, Holzkohle und Tierknochen bestand.
Dänemark und Südschweden Troldebjerg Frühe Befunde dieser Art treten sporadisch mit dem Beginn der Trichterbecherkultur (TBK) in Dänemark auf. Werkzeugdepots fanden sich in den Wandgräben mehrerer Hausreste der mittelneolithischen Siedlung Troldebjerg, auf Langeland. So wurde im Wandgraben des Hauses No. XXV ein roh zugeschlagenes, ungeschliffenes Feuersteinbeil flach zwischen Stützsteine gelegt. Es zeigt mit der Schneide nach Süden. Nach Ansicht des Ausgräbers war es ein flüchtig und speziell für diesen Zweck gefertigtes Stück, das als Blitzschutz fungieren sollte. Auch J. Brønsted schreibt den unter den Hauswänden gefundenen Feuersteinbeilen eine Blitzabwehrmagie zu. Je ein Feuersteinbeil befand sich in den Wandgräben der Häuser VIII, B und C, wobei in letzterem außerdem ein Feuersteinmeißel gefunden wurde. Im Norden Troldebjergs wurden hufeisenförmige Hausgrundrisse mit Feuerstellen von bis zu 1,85 m Durchmesser ausgegraben, die nicht wie üblich aus Feldsteinen, sondern aus teilweise zerkleinerten Steinen bestanden. Von der Umgebung waren sie durch eine dünne Kiesschicht getrennt, was nach Ansicht des Ausgräbers, auf eine besondere Funktion hinweist.
Etwa 60 cm von dieser so genannten „Heiligen Feuerstelle“, befand sich eine 35 × 40 cm große Grube, die etwa 18 cm in den Boden eingetieft war. Auf dem Grubenboden stand ein gewissenhaft geschliffenes, dünnackiges Feuersteinbeil, von kleinen Steinen gestützt senkrecht mit der Schneide nach oben. Daneben stand die Bodenpartie eines Gefäßes, das bei der Niederlegung intakt war, denn die weiteren Scherben fanden sich in der Grubenfüllung. Der Befund führte zu verschiedenen Interpretationen:
Für Jens Winther repräsentiert die Axt den Gott selbst, dem in dem Gefäß Opfer dargebracht wurden.„Er Oxen, som reprsesenterer Guden, til hvem der bringes offer i det lille Lerkar“. Laut Winther ist eine Donnergottheit gemeint, die man in der Eigenschaft als Gott der Fruchtbarkeit im Frühsommer um gute Ernten anrief. Laut Johannes Brøndsted (1890–1965) stand hier der Beilgott, neben dem ein Speise- oder Trankopfer aufgestellt wurde Für Hermann Hinz (1916–2000) handelt es sich um ein Hausheiligtum. Die Niederlegung spricht für eine kultische Handlung bzw. einen Ort mit einer bestimmten Verehrung. Ein Bauopfer, wie es Torsten Capelle vermutet, schließt Hinz aus. Hermann Müller-Karpe (1925–2013) bezeichnet den Befund vorsichtiger als Zeichen einer rituellen Handlung.
Blandebjerg Parallelen zu der Kombination von Axt/Beil und Keramikgefäß finden sich auf weiteren trichterbecherzeitlichen Fundplätzen. Zwischen 1939 und 1942 wurde in Blandebjerg, auf Langeland, eine Siedlung der jüngeren Trichterbecherkultur ausgegraben. Dort entdeckte J. Winther eine 40 × 35 cm große und 30 cm tiefe Grube, die er als „Opfergrube“ bezeichnet. Auf dem Grubenboden fanden sich eine hochkant gestellte Axt und daneben die vertikale Hälfte eines verzierten Gefäßes. Bei der zerbrochenen Axt handelte es sich um ein Halbfabrikat das nicht geschliffen und ohne Schaftloch war. H. Müller-Karpe und T. Capelle halten es für ein Bauopfer, obwohl keine Verbindung zu einem Hausgrundriss erkennbar ist. Eine Parallele stammt aus dem frühneolithischen Haus Nr. 2 von Tygapil, in Schonen in Südschweden. Hier fand man ungefähr in der Hausmitte unter dem Fußboden eine runde Eintiefung, auf deren Boden ein kleines geschliffenes dünnackiges Feuersteinbeil und ein intakter etwa 10 cm hoher Trichterbecher deponiert waren.
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