Schopfloch ist ein Markt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken (Bayern) und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geographie Geographische Lage Der Markt liegt an der Romantischen Straße zwischen den Städten Feuchtwangen und Dinkelsbühl in einer von Wiesen und Wäldern umgebenen Landschaft an einem sanft nach Westen abfallenden Talhang der Wörnitz.

Der Markt liegt im westlichen Mittelfranken; es sind nur wenige Kilometer bis zum baden-württembergischen Landkreis Schwäbisch Hall.

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Dickersbronn, Lehengütingen, Schopfloch und Waldhäuslein (Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Schopfloch hat eine Fläche von 4,336 km². Sie ist in 1675 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2588,79 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Buchhof, Deuenbach, Neumühle und Rohrmühle.

Nachbargemeinden Im Norden grenzt Schopfloch an die Stadt Feuchtwangen, im Osten an die Gemeinde Dürrwangen und im Süden an die Große Kreisstadt Dinkelsbühl. Im Westen treffen die Grenzen von Dinkelsbühl und Feuchtwangen aufeinander.

Geschichte mini|Ortskern mit Kirche St. Martin und Gemeindehaus von Südwesten aus mini|Jüdischer Friedhof, einer der größten Süddeutschlands Die erste schriftliche Erwähnung des Orts findet sich in Schenkungsurkunde vom 11. März 1260, in der als Zeuge der Name „Ulricus de Schopfloch“ erwähnt ist. Später wurde das Adelsgeschlecht derer von Schopfloch dort ansässig. Der Ortsname leitet sich von einem gleichlautenden Flurnamen ab, dessen Grundwort „lôch“ (mhd. für Gebüsch, Wald, Gehölz) und dessen Bestimmungswort „schopf“ (mhd. für Scheune) ist und demnach Gehölz bei einer Scheune bedeutet.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 202.

Von der Burg Schopfloch in der Ortsmitte sind nur spärliche Reste erhalten. Dokumente, die den Ursprung des Dorfs belegen, sind nicht vorhanden.

Die Fraisch über Schopfloch wurde sowohl vom ansbachischen Oberamt Feuchtwangen als auch vom oettingen-spielbergischen Oberamt Dürrwangen beansprucht. Die Reichsstadt Dinkelsbühl wollte sie auf ihre Anwesen geltend machen. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft war strittig zwischen dem Kastenamt Feuchtwangen und dem Oberamt Dürrwangen.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 459 f.

Im sozial- und kulturgeschichtlichen Bereich gibt es in Schopfloch einige Besonderheiten: Während des Dreißigjährigen Krieges siedelten sich 1634 Protestanten aus dem Raum Salzburg in Schopfloch an. Sie brachten traditionelle Berufe wie das Maurer- und das Steinmetzhandwerk mit in die neue Heimat. Da die nähere Umgebung Schopflochs nicht genügend Arbeit im Bausektor bot, zogen die Maurer und Steinmetze von Frühling bis Herbst meist in Gruppen von sechs bis acht Mann als Wanderarbeiter durch Süddeutschland, die Schweiz und Österreich. Die Frauen der Maurer erzogen die Kinder und bewirtschafteten die Nebenerwerbslandwirtschaft; viele Frauen stammten aus Böhmen und hatten vor ihrer Heirat als Hilfsarbeiterinnen, sogenannte „Mörtelschicksen“, auf Baustellen gearbeitet.

1732 bestand der Ort aus 77 Anwesen mit 88 Mannschaften. Des Weiteren gab es ein ansbachisches Schloss (Streifer- und Schultheißwohnung) mit Ringmauer, eine Kirche (evangelisch), ein Pfarrhaus, ein Schul- und Mesnerhaus und ein Hirtenhaus. Grundherren waren das Vogtamt Schopfloch: 39 Güter und Häuser (davon eine Tafernwirtschaft mit Brau- und Backrecht und 11 Güter und Häuser mit doppelten Mannschaften), 1 Zapfenwirtschaft mit Backrecht, 4 Bäckereien, 1 Schmiede, 1 Hafner, 1 Badstube, 5 Judenhäuser das Oberamt Dürrwangen: 32 Güter und Häuser (darunter 1 Tafernwirtschaft mit Braurecht, 1 Zapfenwirtschaft mit Backrecht, 1 Bäckerei und 16 Judenhäuser) der Deutsche Orden: 1 Gut die Reichsstadt Dinkelsbühl: 4 Güter, 1 Gut mit Backrecht.Nach der Vetterischen Beschreibung des Oberamtes Feuchtwangen von 1732 (s. a. Schopfloch (Grundherrschaft) auf der Website geschichte-feuchtwangen.de). (= J. K. Bundschuh, Bd. 5, Sp. 179 f.)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es 117 Anwesen zuzüglich der kommunalen, kirchlichen und herrschaftlichen Gebäude. Die grundherrliche Verteilung sah wie folgt aus: das Vogtamt Schopfloch: 1 Mühle, 1 Erbschenkstatt mit Backrecht, 4 Halbhöfe (1 mit Zapfschenkrecht), 8 Gütlein, 5 Söldengütlein (1 mit Back- und 1 mit Schmiederecht), 2 halbe Söldengütlein, 5 Sölden, 26 Halbsölden, 4 Viertelsölden, 4 Söldenhäuser, 1 Haus, 8 halbe Söldenhäuser das Oberamt Dürrwangen: 1 Wirtschaft, ca. 41 Kleingüter (darunter ca. 25 Judenhäuser) das Ämtlein Weidelbach des Deutschen Ordens: 1 Gut die Reichsstadt Dinkelsbühl (Prädikaturpflege: 1 Gut, 1 Gütlein; Spital: 2 Güter, 1 Gütlein).

Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Feuchtwangen.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 577.

1806 kam Schopfloch an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1809 der Steuerdistrikt Schopfloch gebildet. Zu diesem gehörten Buchhof, Deuenbach, Dickersbronn, Flinsberg, Franzenmühle, Froschmühle, Gersbronn, Goschenhof, Hellenbach, Kemmleinsmühle, Köhlau, Lehenbuch, Lehengütingen, Lohe, Neumühle, Neuses, Pfaffenhof und Rohrmühle. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Schopfloch mit den Orten Buchhof, Deuenbach, Neumühle und Rohrmühle.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 532 f. und 539. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Dinkelsbühl zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Dinkelsbühl (1919 in Finanzamt Dinkelsbühl umbenannt, seit 1973 Finanzamt Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr gebildeten Stadt- und Landgericht Dinkelsbühl (1879 in das Amtsgericht Dinkelsbühl umgewandelt, seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,287 km².

Nach dem Anschluss Schopflochs an das Eisenbahnnetz 1881 verkehrte der „Schopflocher Maurerzug“ (auch „Architektenzug“), der auf die Bedürfnisse von Wochenendpendlern zugeschnitten war. Zu dieser Zeit arbeiteten die Schopflocher Maurer bevorzugt in den Großstädten Nürnberg und Stuttgart. Noch 1938 lebte etwa ein Drittel der Bevölkerung vom Bauhandwerk.Anton Großmann: Milieubedingungen von Verfolgung und Widerstand am Beispiel ausgewählter Ortsvereine der SPD. In: Martin Broszat, Hartmut Mehringer: Die Parteien KPD, SPD und BVP in Verfolgung und Widerstand (= Bayern in der NS-Zeit. Band 5). Oldenbourg, München 1983, ISBN 3-486-42401-7, S. 433–540, hier: S. 481 f.

Die „durch berufsbedingtes Herumwandern entstandene Hellhörigkeit für das, was sich Neues in der Welt tat“, führte im 19. Jahrhundert zur frühzeitigen Aufnahme demokratischer und gewerkschaftlich-sozialdemokratischer Ideen in Schopfloch. Der 1897 gegründete SPD-Ortsverein hatte im Januar 1932 etwa 250 Mitglieder bei damals knapp 2000 Einwohnern des Dorfes. 1905 war Schopfloch die erste Gemeinde Bayerns, die mit dem Steinhauer Heinrich Grimm einen Sozialdemokraten zum Bürgermeister wählte. Nach der Auflösung des Ortsvereins 1933 in der Zeit des Nationalsozialismus wurde der SPD-Ortsverein im Dezember 1945 neu gegründet. Bei den Kommunalwahlen 1946 erzielte die SPD neun von zehn Mandaten.Großmann: Milieubedingungen. S. 484 f. und 491.

1965 erhielt das Dorf Marktrecht.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 539. Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Schopfloch an den Landkreis Ansbach. Im März 1979 erhielt Schopfloch von der Regierung Mittelfranken die Zustimmung zur Annahme eines Wappens und zur Führung einer Fahne (s. unten).

Jüdische Gemeinde Eine sehr große Rolle spielten die jüdischen Mitbürger im gesellschaftlichen Leben von Schopfloch. Die ersten Juden wurden bereits im frühen 16. Jahrhundert hier ansässig, belegt in ersten urkundlichen Erwähnungen für die Jahre 1561 und 1566.Gunther Reese (Hrsg.): Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg (= Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg. Band 6). Unterschwaningen 2011, ISBN 978-3-9808482-2-0, S. 88.Eva Maria Kraiss, Marion Reuter: Bet Hachajim. Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Württembergisch Franken. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2003, ISBN 3-89929-009-7, S. 34 (). Aufgrund der politischen Verhältnisse des 17. und 18. Jahrhunderts, durch die Schopfloch in zwei Verwaltungsbezirke eingeteilt war, entstanden im Ort zwei jüdische Gemeinden, eine unter der Herrschaft von Oettingen-Wallerstein, die andere unter der Herrschaft der Markgrafen von Ansbach. Beide Gemeinden schlossen sich erst am Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer jüdischen Gemeinde zusammen.

1612 (oder schon einige Jahre zuvor) wurde der jüdische Friedhof angelegt und seitdem mehrfach erweitert, wobei 1802 die letzte große Erweiterung erfolgte.Gunther Reese (Hrsg.): Spuren jüdischen Lebens. S. 91 f.Jüdische Geschichte: Betsaal/Synagoge. In: Alemannia Judaica. 30. August 2016, abgerufen am 8. Dezember 2017. Er war als Verbandsfriedhof – bis zur teilweisen Anlage eigener Begräbnisstätten – zentraler Friedhof für die jüdischen Gemeinden einer weiten Region, darunter für Dinkelsbühl, Feuchtwangen, Mönchsroth und Wittelshofen sowie für mehrere heute in Baden-Württemberg liegende Gemeinden: insbesondere bis 1841 für Crailsheim, Goldbach, Ingersheim an der Jagst, Hengstfeld und bis 1840 für Michelbach an der Lücke, Steinbach, Unterdeufstetten, Wiesenbach. 1938 fanden die letzten Beisetzungen statt (Paula Jordan aus Wittelshofen und Fanny Benjamin geb. Dinkelsbühl). Das extrem weit umfassende Gebiet bedingte die mehrmalige Erweiterung und die Friedhofsfläche beträgt letztlich 12.980 m². Ganz im Osten des Geländes befinden sich die ältesten Grabdenkmäler, teilweise eingesunken. Nach neuerer Zählung finden sich auf dem Friedhof 1172 Grabsteine.Schopfloch: Jüdischer Friedhof. In: alemannia-judaica.de. 29. Oktober 2016, abgerufen am 8. Dezember 2017. Die erste Synagoge wurde 1679 auf oettingischer Seite errichtet. Sie wurde von der jüdischen Gemeinde im Brandenburg-Ansbacher Teil Schopflochs mitgenutzt. Erst im 19. Jahrhundert schlossen sich die beiden jüdischen Gemeinden zusammen und unterstanden dem Distriktsrabbinat Schopfloch unter dem Distriktsrabbiner Nathan Ehrlich (1841–1872). 1830 wurde in Schopfloch eine jüdische Volksschule errichtet, in der neben der Mikwe auch die Lehrerwohnung integriert war. Der Bau eines neuen Synagogengebäudes erfolgte 1877. Um 1900 waren ein Drittel der Schopflocher Bürger Angehörige der jüdischen Religionsgemeinschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten allerdings viele ortsansässige Juden nach Amerika aus, sodass die Zahl der jüdischen Einwohner erheblich sank.Für das Jahr 1905 werden 111 jüdische von 655 Einwohnern insgesamt angegeben. Eva Maria Kraiss, Marion Reuter: Bet Hachajim. Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Württembergisch Franken. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2003, ISBN 3-89929-009-7, S. 72 (). Das lange friedliche Miteinander zwischen Juden und Christen fand mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 ein Ende. 1938 mussten die letzten 18 noch verbliebenen jüdischen Bürger Schopfloch verlassen. Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht zerstört. Insgesamt 54 aus Schopfloch stammende Juden fanden in verschiedenen Konzentrationslagern den Tod.Gunther Reese (Hrsg.): Spuren jüdischen Lebens. S. 88 f. Eine weitere sichtbare Spur jüdischen Lebens ist das Haus Bahnhofstraße 8 (Jüdische Schule). An die zerstörte Synagoge erinnert ein Gedenkstein, der vor dem Gebäude Bahnhofstraße 5 seinen Platz fand. Ein prominenter Zeitzeuge, Hans Rosenfeld, spielte bis zu seinem Tod im Jahre 2015 eine tragende Rolle bei der Schilderung der jüdischen Lebensverhältnisse in Schopfloch in Form von zahlreichen Dokumentationen und Vorträgen.

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