mini|Lösnicher Scheffensiegel von 1792. Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 2897 mini|Lösnich vom nördlichen Moselufer aus gesehen
Dieser Artikel behandelt die Geschichte des Weinortes Lösnich an der Mosel. Die allgemeinen Informationen zur Ortsgemeinde sind enthalten im Artikel Lösnich.
Geschichte mini|Mauerwerksreste der ehemaligen römischen Villa oberhalb von Kinheim-Kindel 1992 mini|hochkant|Blick nach Lösnich vom Standort der ehemaligen Römervilla oberhalb von Kinheim-Kindel 2013
Erste Besiedlung Es ist davon auszugehen, dass auch in Lösnich keltische Siedlungsformen existierten, wie sie im gesamten Moselraum vertreten waren. Der Ortsname Lösnich lässt den Schluss zu, dass es sich um eine keltische Namensgebung handelt. Losuniacum – Besitz des Los – könnte eine der möglichen Grundformen gewesen sein.Cramer Franz (1901): Rheinische Ortsnamen. Mit Caesar drangen um 58 vor Christus die Römer in Gallien und den hiesigen Moselraum ein. Neben der Gründung der Moselmetropole Trier entstanden Orte wie Detzem, Neumagen, Bernkastel, Zell, Treis und Koblenz. Auch in Lösnich und der näheren Umgebung sind Zeugnisse römischer Siedlungsformen aus dem ersten bis vierten nachchristlichen Jahrhundert nachgewiesen.
Der römische Gutshof im Lösnicher Hinterwald Bei der Errichtung eines Wasserbehälters in der Lösnicher Gemarkung „Im Hinterwald“ wurden im Jahre 1927 im Wald herumliegende Trümmerreste als Baumaterial verwendet, die für ehemalige Siedlungsreste gehalten wurden.Trierische Zeitschrift, 1928, 3, S. 185. Das Landesmuseum Trier konnte in den Jahren 1973 bis 1978 an gleicher Stelle eine Gesamtanlage freilegen, die aus acht weit auseinandergezogenen Gebäudeeinheiten bestand. Besondere Beachtung fand dabei ein Kultbezirk mit Begräbnisstätte und ein Gebäudeteil, der als ehemaliges Kelterhaus ausgemacht werden konnte. Es handelte sich um ein römisches Land- und Weingut, dass im Lösnicher Hinterwald seit über tausend Jahren in Vergessenheit geraten war.A. Neyses: Kröver Festschrift, Juli 1979, S. 13 ff.
In einer Maueröffnung versteckt fand man einem Becher mit über 270 römischen Münzen mit Prägebildern der Söhne Konstantins des Großen. Als Prägeort konnte die nahegelegene römische Moselmetropole Trier benannt werden. Die Münzen stammen aus der Zeit von 342 bis 348 nach Christus und sind fast prägefrisch erhalten.A. Neyses: Kröver Festschrift, Juli 1979, S. 18.
Wie lange die Siedlung im Hinterwald bestanden hat, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden. Es liegt jedoch nahe, dass die Bewohner Opfer germanischer Söldnerverbände wurden, die etwa 350 n. Chr. raubend und plündernd durch die hiesige Gegend zogen.
Die römische Villa im Villenbungert Von dem kleinen Bach in der Schlucht nördlich des Gutshofes im Hinterwald führte in nördlicher Richtung ein Weg aus der Schlucht zu einem weiteren Landgut römischen Ursprungs. Im Distrikt Villenbungert oberhalb des Ortes Kindel wurde 1976 bei Wegebauarbeiten im Rahmen der Flurbereinigung das Wohnhaus eines Bauern oder Winzers entdeckt.Dr. Wolfgang Binsfeld: Kröver Festschrift, Juli 1979, S. 9. Das Landesmuseum Trier übernahm die Ausgrabungsarbeiten und legte eine Gesamtanlage beachtlicher Ausmaße frei. Besonders auffallend war die Existenz zweier Fundamente. Das erste Fundament, etwa 17 m tief und 29 m breit, wurde wahrscheinlich im 3. Jahrhundert durch einen Neubau von 25 m Tiefe und 43 m Breite ersetzt. Bemerkenswert war auch der Fund einer Sandsteinskulptur, die einen keltischen Weingott darstellt. Sie steht vor Fässern und hält in der Rechten den Schlegel zum Auftreiben der Reifen auf die Dauben. Im Bausch des Gewandes sind Weintrauben zu erkennen, die einen Hinweis auf die Nutzung der Fässer geben. Ein Abguss der Skulptur wird im Lösnicher Pfarrhaus aufbewahrt. Das Original befindet sich Landesmuseum Trier.
Römische Reste auf dem Lösnicher Friedhof Neben den Resten römischen Mauerwerks und einiger Scherben konnte 1911 der Totengräber eine Schale aus Terra Sigillata ans Tageslicht bringen.Trier. Jahrbuch 4, 1911, Stadtbibliothek Trier. Ein römischer Gutshof, anscheinend von größerer Ausdehnung, soll an der Stelle des heutigen Friedhofs gelegen haben. Etwa 200 m weiter nach Westen, vor dem Bacheinschnitt, wurden weitere römische Reste festgestellt. Die Erdwälle zwischen den Bacheinschnitten scheinen ebenfalls mit einer Siedlungsanlage bebaut gewesen zu sein. Pfarrer Simon (1907–1914) soll die Vermutung ausgesprochen haben, dass die flache Ausbuchtung des Kirchgrabens an der östlichen Friedhofsmauer einen Fischteich gebildet haben könnte, wie er bei römischen Villen sehr häufig anzutreffen gewesen sei.Festbuch Lösnicher Sängerfest 1928, Beitrag Pfr. Paul Koster, S. 10.
Die Ausgrabungen und Funde belegen, dass bereits seit dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. in Lösnich und Umgebung römische Siedlungsformen existierten. Dass seit dieser Zeit auch der Weinbau in der Umgebung von Lösnich betrieben wird, darauf weisen besonders die Ausgrabungen im Lösnicher Hinterwald und Villenbungert hin. Wo sich die Weinberge genau befunden haben, kann nur vermutet werden. Der nächstgelegene Weinberg des Gutshofes im Lösnicher Hinterwald, die Wolfer Sonnenlay, könnte möglicherweise zur Anbaufläche gehört haben.
Der Einbruch der Hunnen ins Moselland um 407 n. Chr. und schließlich der Einfall der Franken um 475 nach Christus brachten zwar die Befreiung von der Römerherrschaft, aber auch tiefgreifende Veränderungen, begleitet von schweren Verlusten und Zerstörungen.
Der fränkische Sarkophag Am 5. Mai 1937 stellte das Landesmuseum Trier im Distrikt Weidenrech auf dem damaligen Gelände der Familie Herges einen fränkischen Sarkophag sicher. Er enthielt neben Knochenresten auch Teile eines fränkischen Schwertes. Dieses Gräberfeld auf der flachen, unteren Terrasse des Moselufers, etwa 100 m vom Rande des Flusses entfernt, sei für einen fränkischen Friedhof so ungewöhnlich, dass die Grabstätte schon aus diesem Grunde als Bestattungsplatz der fortlebenden romanischen Bevölkerung angesprochen werden dürfe, mutmaßte Kurt Böhner in einer Veröffentlichung der Römisch Germanischen Kommission der Rheinischen Landesmuseen Bonn und Trier über die fränkischen Altertümer des Trierer Landes.Die Fränkischen Altertümer des Trierer Landes, 2. Teil, Kurt Böhner, Verlag Gebr. Mann, Berlin 1958, S. 69 f. Der Sarkophag soll während der Zeit des Zweiten Weltkrieges noch an der Lösnicher Schule gestanden haben. Nach Aussage von Ortseingesessenen waren beim Bau des Forsthauses im Jahre 1900 bereits vier Sarkophage gefunden worden, über deren Ausstattung jedoch nichts bekannt sei.
Erste urkundliche Erwähnungen mini|Gebäudereste der Burganlage in der Ürziger Urley 2013 mini|Chor der ehemaligen Lösnicher Pfarrkirche von 1638 und heutige Friedhofskapelle. Vorgängerbau 1066 vermutlich erste Grablege von Bischof Cuno von Pfullingen vor seiner Grablegung in der Abtei Tholey im Saarland.
Eine frühe urkundliche Erwähnung Lösnichs steht im Zusammenhang mit der Legende des Hl. Kuno im Jahre 1066. Am Karsamstag desselben Jahres verstarb der Trierer Erzbischof Eberhard. Auf Vorschlag des Kölner Erzbischofs Anno hatte daraufhin König Heinrich IV. den Kölner Dompropst Kuno, auch Konrad genannt, zum neuen Erzbischof von Trier bestimmt. Die Legende berichtet, dass Kuno am 17. Mai 1066 auf seiner Reise nach Trier auf Veranlassung des Grafen Theoderich, Statthalter von Trier, in Bitburg gefangen genommen und nach Ürzig verschleppt worden sei, wo man ihn im Verlies der Ürziger Urley eingekerkert haben soll.Das Moselthal zwischen Zell und Konz, Christian v. Stramberg, gedruckt 1837, S. 216.
Am 1. Juni 1066 wurde Kuno angeblich mehrmals von der Höhe des Felsen gestürzt, ohne Schaden an Leib und Leben zu nehmen, bis sich die Widersacher entschlossen, ihn mit dem Schwert zu töten. Vierzig Tage soll der Leichnam des Ermordeten unter den Felsen liegengeblieben sein, bis ihn einige Bewohner des nahegelegenen Ortes Lösnich heimlich weggenommen und vor den Mauern ihrer Kirche in Lösnich bestattet haben sollen.LHA Koblenz, EC3, G.H. Pertz, Mon. Germ, S. 217, Z. 45. Der Legende folgend hat Bischof Theoderich von Verdun den Leichnam des Ermordeten am 23. Juli 1066 zur Abtei Tholey im heutigen Saarland gebracht. Durch diese nach der Legende rühmliche Tat Lösnicher Bürger im Jahre 1066 ist ein erstes Zeugnis für die Existenz einer Kirche in Lösnich überliefert.
In einer jüngeren Veröffentlichung zur Person und zum Schicksal von Cuno von Pfullingen äußerte der Autor Franz-Josef Reichert erhebliche Zweifel an der überlieferten Version der ersten Grablegung in Lösnich an der Mosel. Nach seinen Recherchen über den möglichen Leichenzug des Ermordeten nach Tholey soll es sich bei dem mit „Loncetum“ bezeichneten Ort um den Ort Lorscheid bei Morscheid im Hunsrück gehandelt haben, der 40 km von Ürzig entfernt in zwei Tagesmärschen erreicht worden sei.Cuno von Pfullingen, Elekt von Trier, Veröffentlichung von Franz-Josef Reichert, Kleinblittersdorf/Saarland Kurtrierisches Jahrbuch; Stadtbibliothek Trier, Verein Kurtrierisches Jahrbuch (Hrsg.); 42. Jhg. 2002, S. 47–84.
Die Ritter von Lösnich mini|Die 1652 zerstörte Lösnicher Burg im Jahre 1689. Darstellung aus dem Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK5691.
Mit Beginn des 13. Jahrhunderts trat in Lösnich ein ortsansässiges Rittergeschlecht in Erscheinung, die Ritter von Lösnich. Ihr Stammsitz war die seit 1368 erstmals urkundlich bezeugte Burg in der ehemals reichsunmittelbaren Herrschaft Lösnich. Die Herrschaft wurde 1368 durch Heinrich Beyer von Boppard, dem zweiten Ehemann von Lisa von Lösnich, zu einem kurkölnischen Lehen erhoben.Stadtbibliothek Trier, Kesselstattarchiv DK 2826, Bericht von 1690. Diesen Status behielten Dorf und Burg bis zum Ende des Feudalsystems mit dem Einzug der französischen Truppen in die Rheinlande im Jahre 1794.
Weiterführende Artikel:
Die Pfarrei St. Vitus mini|St. Vitus-Kirche Lösnich 2013
Die Geschichte des Patronats der Pfarrei Lösnich mit ihrer ersten Kirche von 1638 und der jetzigen Kirche von 1879 kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. 1252 gelangte das Patronat zusammen mit dem der Nachbarpfarreien Zeltingen, Rachtig und Erden durch eine Schenkung an den Deutschen Orden. Der Ursprung des Lösnicher St.-Vitus-Patroziniums liegt allem Anschein nach in der Benediktinerabtei Mönchengladbach.
Wegekreuze Innerhalb der Gemarkung von Lösnich befinden sich einige Wege- oder Flurkreuze aus Buntsandstein, wie sie im moselländischen Raum immer wieder anzutreffen sind. Sie wurden gestiftet und aufgestellt zum Dank an Gott für überstandene Kriege oder Seuchen, wegen der Errettung aus einer besonderen Notlage oder zur Abwendung von Wetterkatastrophen.
Angliederung an die Erste Französische Republik von 1794–1815 mini|hochkant|Napoleon Bonaparte
Unter den Freiherrn von Kesselstatt, den letzten Feudalherren in Lösnich, erlebten die Lösnicher die Auswirkungen der Spanischen Erbfolgekriege (1701–1714) und der Französischen Revolution (1789).
Mit der Besetzung von Koblenz durch die Franzosen im Oktober 1794 fiel das gesamte linksrheinische Gebiet an Frankreich. Dies bedeutete das Ende der Kurfürstentümer Trier, Köln und Mainz. Das bisher bestehende System der Feudalherrschaft wurde aufgelöst und eine neue Territorialorganisation eingeführt.
Es entstanden 1798 vier rheinische Departements. Das Saardepartement mit seinem Präfektursitz in Trier war aufgeteilt in die vier Arrondissements Trier, Prüm, Saarbrücken und Birkenfeld. Zum Arrondissement Trier zählte der Kanton Bernkastel mit seinen Mairien Bernkastel, Lieser, Mülheim und Zeltingen. Die Mairie Zeltingen vereinigte die Dörfer Wolf, Lösnich, Erden, Ürzig mit der Ürziger Mühle, Walholz, Wehlen, Rachtig und die Gemeinde Zeltingen.