mini|hochkant|Catherine Breillat (2023) Catherine Breillat (* 13. Juli 1948 in Bressuire) ist eine französische Regisseurin, Schriftstellerin und Drehbuchautorin.

Leben und Wirken Breillat begeisterte sich bereits als Kind fürs Kino. Mit zwölf Jahren entschloss sie sich, Schriftstellerin und Regisseurin zu werden. Mit 17 zog sie aus ihrem strengen, katholischen Elternhaus aus und ging nach Paris. Dort schrieb sie mit 17 Jahren ihren ersten Roman Der leichte Mann (L' homme facile, 1968), der als nicht jugendfrei eingestuft wurde. Seither steht sie im Mittelpunkt einer Debatte über die sexuelle Identität der Frau und sieht sich dabei mit dem Vorwurf der Pornografie konfrontiert. Ihre Bücher und Filme zeichnen sich häufig durch explizite Darstellung von Sexualität aus, was oft kontroverse Diskussionen auslöst. Als junge Frau trat Catherine Breillat außerdem in ein paar kleineren Rollen in Filmen auf, etwa mit ihrer Schwester, der Schauspielerin Marie-Hélène Breillat, in Der letzte Tango in Paris von Bernardo Bertolucci (1972). Bekannt ist Breillat aber vor allem als Autorenfilmerin. Die meisten ihrer Filme basieren auf einem von ihr selbst verfassten Roman oder einer Romanadaption von ihr.

Catherine Breillat hatte ihr Regiedebüt 1976 mit der Verfilmung ihres vierten Romans Le Soupirail unter dem Titel Ein Mädchen (Une vraie jeune fille). Der Film wurde ebenfalls für nicht jugendfrei erklärt. Auch ihr zweiter Film Tapage nocturne von 1979 wurde zensiert. Infolgedessen hatte Breillat zunächst Schwierigkeiten, ihre Filme finanziert zu bekommen. Daher arbeitete sie ab Ende der 1970er bis in die 1990er Jahre sehr erfolgreich als Drehbuchautorin. Nach dem Erfolg ihres dritten Films Lolita ’90 (36 fillette) konnte sie ab Ende der 1980er Jahre weitere Filme drehen.mini|hochkant|Catherine Breillat (2014)

International bekannt wurde Breillat als Regisseurin 1999 durch ihren Film Romance XXX (Romance) auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam – das Festival widmete ihr eine Retrospektive. Im Zuge der Neubewertung ihres künstlerischen Schaffens kam ihr erster Film Ein Mädchen ebenfalls in die Kinos.

Im Jahr 2004 erlitt Catherine Breillat einen Schlaganfall, der einen fünfmonatigen Krankenhausaufenthalt nach sich zog.

Im Jahr 2023 erhielt sie für ihren Spielfilm Im letzten Sommer (L’été dernier) erneut eine Einladung in den Wettbewerb von Cannes. Mit Im letzten Sommer legte Breillat ihren ersten Spielfilm seit zehn Jahren vor. Der Film ist ein Remake des dänischen Spielfilms Königinnen von May el-Toukhy aus dem Jahr 2019, übernimmt dessen zentrale Motive und verschiebt sie in eine stärker opake Figurenzeichnung. Im Zentrum steht eine erfolgreiche Anwältin, deren Affäre mit ihrem jugendlichen Stiefsohn ihre bürgerliche Existenz gefährdet; damit knüpft der Film an Breillats bereits zuvor ausgetragene Auseinandersetzung mit Begehren, Macht und weiblicher Selbstgefährdung an.

Neben ihren Arbeiten als Filmemacherin unterrichtet sie an verschiedenen Instituten im Fach Drehbuchschreiben.

Filmografie Als Regisseurin und Drehbuchautorin: 1976: Ein Mädchen (Une vraie jeune fille) 1979: Tapage nocturne 1988: Lolita ’90 (36 fillette) 1991: Schmutziger Engel (Sale comme un ange) 1996: Eine perfekte Liebe (Parfait amour !) 1999: Romance XXX (Romance, Alternativtitel: Romance X) 2001: Meine Schwester (À ma sœur !) 2001: Kurze Überfahrt (Brève traversée) 2002: Sex Is Comedy 2003: Romance 2 – Anatomie einer Frau (Anatomie de l’enfer) 2007: Die letzte Mätresse (Une vieille maîtresse) 2009: Blaubarts jüngste Frau (Barbe bleue) 2010: Die schlafende Schöne (La belle endormie) 2013: Missbrauch (Abus de faiblesse) 2023: Im letzten Sommer (L’été dernier)

Als Drehbuchautorin (Auswahl): 1976: Bilitis – Regie: David Hamilton 1981: Die Haut (La pelle) 1982: Die Augen, der Mund (Gli occhi, la bocca) – Regie: Marco Bellocchio 1985: Der Bulle von Paris (Police) 1986: L’araignée de satin – Regie: Jacques Baratier 1988: Zanzibar – Regie: Christine Pascal 1988: Der schwarze Milan (Milan noir) – Regie: Ronald Chammah 1990: Aventure de Catherine C. – Regie: Pierre Beuchot 1991: Aus Liebe zum Geld (La thune) – Regie: Philippe Galland 2000: Die Frau des Chefs (Selon Matthieu)

Als Darstellerin: 1972: Der letzte Tango in Paris (Ultimo tango a Parigi) 1976: Die Herren Dracula (Dracula père et fils) 2002: Laura wirbelt Staub auf (Une femme de menage) 2025: No Mercy

Auszeichnungen (Auswahl) 1988: Nominierung für den Goldenen Leoparden des Filmfestivals von Locarno für Lolita ’90 2001: Nominierung für den Goldenen Bären der Berlinale für Meine Schwester 2001: Manfred Salzgeber Preis der Berlinale für Meine Schwester 2001: France Culture Award der Internationalen Filmfestspiele von Cannes für Meine Schwester 2001: Gold Hugo für den besten Film beim Chicago International Film Festival für Meine Schwester 2001: Elvira Notari Prize – Special Mention des Filmfestivals von Venedig für Kurze Überfahrt 2002: MovieZone Award des Filmfestivals Rotterdam für Meine Schwester 2003: Blauer Salon Preis vom Literaturhaus Frankfurt 2007: Nominierung für die Goldene Palme für den besten Langspielfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes für Die letzte Mätresse 2010: C.I.C.A.E Preis des Filmfestivals von Venedig für Die schlafende Schöne 2013: Nominierung für den Grand Prix des Warschauer Filmfestivals für Missbrauch 2014: Trägerin des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur)

Literatur (Auswahl)

Dörte Richter: Pornographie oder Pornokratie? Frauenbilder in den Filmen von Catherine Breillat. Avinus, Berlin, ISBN 978-3-930064-55-7.

Weblinks

Rezension zu Catherine Breillat „Pornokratie“ in der taz Interview mit Catherine Breillat über „Intimität“ auf CINE-FILS.com Essay über Breillats Filmwerk auf :Ikonen: Breillats Auszeichnungen in der IMDb

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Hochschullehrer (Columbia University) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Frau