Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der kroatischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Kroatien konnte sich bisher siebenmal für Weltmeisterschaften qualifizieren und damit am häufigsten von den aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangenen Mannschaften. Die beste Platzierung ist der zweite Platz bei der Teilnahme 2018. Auf dem Gebiet des heutigen Kroatien geborene Spieler stellten 1950 und 1954 den Hauptteil der jugoslawischen Mannschaft, danach einen bedeutenden Anteil. Die Erfolge der jugoslawischen Mannschaft wurden aber von der FIFA zunächst der nur noch aus Serbien und Montenegro bestehenden Bundesrepublik Jugoslawien, die 1998 unter diesem Namen ebenfalls und dann 2006 als Serbien und Montenegro teilnahm, und nun Serbien zugerechnet, das erstmals 2010 teilnahm.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF-Datei; 195 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1994 USA nicht teilgenommen Kroatien wurde erst nach Beginn der WM-Qualifikation FIFA-Mitglied. 1998 Frankreich Spiel um Platz 3 Niederlande 3. Aus im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Frankreich, Davor Šuker Torschützenkönig 2002 Südkorea/Japan Vorrunde Mexiko,Italien,Ecuador 23. 2006 Deutschland Vorrunde Brasilien,Japan,Australien 22. Drei Gelbe Karten für Josip Šimunić in einem Spiel 2010 Südafrika nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Ukraine und an England gescheitert. 2014 Brasilien Vorrunde BrasilienKamerunMexiko 19. Eröffnungsspiel gegen Brasilien 2018 Russland Finale Frankreich 2. Zlatko Dalić Erster Finaleinzug einer Mannschaft des ehemaligen Jugoslawien. 2022 Katar Spiel um Platz 3Marokko 3. Zlatko Dalić Gegner in der Qualifikation waren die Slowakei, Russland, Slowenien, Zypern und Malta. Gegner bei der Endrunde waren Belgien, Kanada und Marokko in der Gruppenphase, Japan im Achtel-, Brasilien im Viertel- und Argentinien im Halbfinale. 2026 Kanada/Mexiko/USA Sechzentelfinale Portugal 20.Zlatko Dalić Gegner in der Qualifikation waren Tschechien, die Färöer, Montenegro und Gibraltar. Gegner bei der Endrunde waren England, Ghana und Panama

Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der jugoslawischen und kroatischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Nicht qualifiziert: 1× (4,3 %; 2010) Nicht teilgenommen: 1× (4,3 %; 1994) Sportliche Qualifikation: 6× (26,1 % bzw. bei 75 % der Versuche) Vorrunde: 3× (13 %; 2002, 2006 und 2014) Sechzentelfinale: 1× (4,3 %; 2026) Dritter: 2× (8,7 %; 1998) Finale: 1× (4,3 %; 2018) Vizeweltmeister: 1× (4,3 %; 2018)

WM-Endrundenteilnahme als Teil Jugoslawiens: 8× (36,4 %; 1930Ohne kroatische Spieler, 1950, 1954, 1958, 1962, 1974, 1982 und 1990) Nicht qualifiziert, als Teil Jugoslawiens: 6× (27,3 %; 1934, 1938, 1966, 1970, 1978, 1986)

WM-Turniere Turniere mit maximal 16 bzw. 24 Teilnehmern WM 1930 bis 1990

Jugoslawien nahm als eine von nur vier europäischen Mannschaften bereits an der ersten Weltmeisterschaft teil. Da es im jugoslawischen Verband bereits einige Zeit vor dem Turnier Streitigkeiten zwischen serbischen und kroatischen Funktionären gab, traten nur serbische Spieler an. Für die Weltmeisterschaften 1934 und 1938 konnte sich die jugoslawische Nationalmannschaft nicht qualifizieren. Nach der Zerschlagung Jugoslawiens während des Zweiten Weltkrieges war Kroatien von 1941 bis 1945 eigenständiges FIFA-Mitglied und bestritt während dieser Zeit auch 19 Länderspiele, aber es fanden keine Fußball-Weltmeisterschaften statt. Die nächste WM gab es erst wieder 1950 in Brasilien und da war Kroatien bereits eine Teilrepublik der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Immerhin stellten die Kroaten einen großen Anteil der jugoslawischen Fußballnationalmannschaft. Diese nahm an allen elf WM-Qualifikationen von 1950 bis 1990 teil und konnte sich siebenmal für das WM-Endrundenturnier qualifizieren. Die beste Platzierung gelang 1962 mit dem vierten Platz.

WM 1994 in den Vereinigten Staaten Kroatien hatte zwar 1992 die Unabhängigkeit erlangt und war am 3. Juli 1992 in die FIFA aufgenommen worden, die Auslosung für die Qualifikation fand aber bereits im Dezember 1991 statt, als Kroatien noch kein unabhängiger Staat war. Jugoslawien, das in Gruppe 5 gelost wurde, wurde vor Beginn der Qualifikation aufgrund von UN-Sanktionen ausgeschlossen.

Turniere mit 32 Teilnehmern WM 1998 in Frankreich

Nach der Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawien war die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft 1996 das erste große Turnier für die Kroaten, wobei unter Miroslav Blažević auf Anhieb das Viertelfinale erreicht wurde, in dem gegen den späteren Europameister Deutschland knapp verloren wurde. Damit waren die Hoffnungen groß, sich auch für die WM zu qualifizieren, was auch gelang. Der Mannschaft gelang es, sich, nachdem sie erstmals zu einer WM-Qualifikation zugelassen war, in der Gruppe mit Dänemark, Griechenland, Bosnien-Herzegowina und Slowenien als Gruppenzweiter für die Playoff-Spiele der Gruppenzweiten zu qualifizieren. Dort traf sie auf die Ukraine und gewann das Heimspiel mit 2:0. Im Rückspiel in der Ukraine konnte ein 1:1 verteidigt werden, womit die Qualifikation geglückt war.

Als Außenseiter angereist, wurden die Kroaten zur Überraschungsmannschaft bei der Endrunde in Frankreich. Im ersten WM-Spiel wurde der WM-Neuling Jamaika mit 3:1 besiegt, wobei Mario Stanić das erste WM-Tor für Kroatien erzielte. Auch gegen den anderen Neuling Japan konnte gewonnen werden (1:0 durch Davor Šuker). Das dritte Spiel gegen Routinier Argentinien wurde zwar 0:1 verloren, aber als Gruppenzweiter wurde die K.-o.-Runde erreicht. Im Achtelfinale wurde Rumänien mit 1:0 durch ein Elfmetertor von Davor Šuker besiegt. Wie bereits zwei Jahre zuvor bei der EM traf man im Viertelfinale erneut auf Deutschland, aber dieses Mal setzten sich die Kroaten mit 3:0 durch. In diesem Spiel wurde der deutsche Verteidiger Christian Wörns in der 40. Minute nach Notbremse vom Platz gestellt und Deutschland anschließend ausgekontert. Während die deutschen Stürmer immer wieder an Torhüter Dražen Ladić scheiterten, nutzten die Kroaten ihre Chancen. Gastgeber Frankreich war der Gegner im Halbfinale. Durch ein Tor von Šuker ging Kroatien Anfang der zweiten Halbzeit in Führung, doch brachte der Abwehrspieler Lilian Thuram den späteren Turniersieger mit zwei Toren zum 2:1-Sieg. Im Spiel um Platz 3 setzte sich Kroatien mit 2:1 gegen die Niederlande durch. Mit 6 Toren sicherte sich Davor Šuker den Titel des Torschützenkönigs. Da die Ergbnisse der jugoslawischen Mannschaft bei den vorherigen WM-Turnieren nun der Bundesrepublik Jugoslawien zugerechnet wurden, starteten die Kroaten in der ewigen Rangliste nur mit den Ergebnissen dieses Turniers als bestere Neuling auf Platz 27.

WM 2002 in Südkorea und Japan

Kroatien gelang die Qualifikation als Gruppensieger vor Belgien, Schottland, Lettland und San Marino. Dabei verlor Kroatien kein Spiel, konnte die direkte Qualifikation aber erst am letzten Spieltag durch ein 1:0 von Alen Bokšić gegen Belgien sichern.Croatia - Belgium 1:0 In die Qualifikation waren sie noch mit Miroslav Blažević als Nationaltrainer gegangen, der aber nach zwei Remis in den ersten beiden Spielen zurücktrat. Ihn beerbte Mirko Jozić, der zuvor die kroatische U-21-Mannschaft trainiert hatte.

Beim Endrundenturnier der ersten WM in Asien konnte die Mannschaft nicht an den Erfolg von 1998 anknüpften. Im ersten Spiel gegen Mexiko sah Boris Živković nach eine Notbremse im Strafraum die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Cuauhtémoc Blanco zum 1:0-Siegtreffer für die Mexikaner. Anschließend wurde aber EM-Finalist Italien mit 2:1 geschlagen, so dass wieder Hoffnung auf den Achtelfinaleinzug bestand. Im letzten Gruppenspiel gegen WM-Neuling Ecuador, der zuvor beide Spiele verloren hatte, wurde aber erneut mit 0:1 verloren, so dass Kroatien bereits in der Vorrunde ausschied und in der ewigen Rangliste einen Platz verlor. Mirko Jozić wurde aber nach dem Vorrundenaus entlassen.kicker.de: Aus für Mirko Jozic Sein Nachfolger Otto Barić blieb aber nur bis zum Ende der EM 2004 im Amt.

WM 2006 in Deutschland

Nachdem Kroatien bei der EM 2004 in der Gruppenphase ausgeschieden war, wurde Zlatko Kranjčar neuer Trainer und führte die Mannschaft in die WM-Qualifikation. Die Qualifikation gelang als Gruppensieger vor den punktgleichen Schweden, Bulgarien, Ungarn, Island und Malta. Erneut verlor Kroatien dabei kein Spiel.

Beim Endrundenturnier in Deutschland traf Kroatien im ersten Spiel auf Titelverteidiger Brasilien und verlor mit 0:1. Obwohl gegen Japan kein Tor gelang, wobei der japanische Torhüter einen Elfmeter von Darijo Srna halten konnte und nur ein 0:0 erreicht wurde, hätte ein Sieg gegen Australien noch gereicht, um das Achtelfinale zu erreichen. Mit einem 2:2, bei dem zwei Kroaten (Dario Šimić und der in Australien geborene Josip Šimunić, Letzterer erst nach seiner dritten Gelben Karte) mit Gelb-Roten Karten vom Platz verwiesen wurden, wurde auch diese Hoffnung verspielt und Australien erreichte stattdessen erstmals die K.-o.-Runde. In der ewigen Rangliste konnte sich Kroatien aber um zwei Plätze verbessern, wobei sie davon profitierten, dass sich Kamerun und Schottland nicht qualifizieren konnten. Zlatko Kranjčar wurde aber entlassen.transfermarkt.de: Kranjcar muß gehen Seine Nachfolge trat Slaven Bilić an, der zuvor für die U-21 verantwortlich war.

WM 2010 in Südafrika In der Qualifikation für die erste WM in Afrika belegte Kroatien hinter England und der Ukraine vor Belarus, Kasachstan und Andorra nur den dritten Platz. Verspielt wurde die Qualifikation am 9. September 2009 in London, als Kroatien beim 1:5 eine seiner höchsten Niederlagen kassierte. Aber auch die beiden Unentschieden (2:2 und 0:0) gegen die Ukraine waren letztlich dafür verantwortlich, dass die Ukraine einen Punkt mehr hatte. Die Ukraine scheiterte dann allerdings in den Playoffs der Gruppenzweiten an Griechenland. Durch die verpasste Qualifikation fiel Kroatien in der ewigen Rangliste um einen Platz. Bilić blieb zunächst im Amt und führte die Mannschaft zur EM 2012, wo die Kroaten hinter den späteren Finalisten Spanien und Italien die Vorrunde als Dritte beendeten. Bilić wurde anschließend Cheftrainer von Lokomotive Moskau.

WM 2014 in Brasilien links|mini|Kroatische und brasilianische Fans beim Eröffnungsspiel mini|Rudelbildung im Eröffnungsspiel