mini|Einstiges Truppengattungsabzeichen der Panzeraufklärungstruppe

Die Panzeraufklärungstruppe war eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Hauptaufgabe der Panzeraufklärer waren Aufklärung und Erkundung unbekannten Geländes. Dazu verfügte die Panzeraufklärungstruppe über Späh- und Kampfpanzer. Die Panzeraufklärungstruppe zählte zu den Panzertruppen und war damit Teil der Kampftruppen.

Die Panzeraufklärungstruppe wurde 2008 aufgelöst. Personal und Gerät wurden zur Aufstellung der Heeresaufklärungstruppe herangezogen.

Aufgaben und Taktik mini|Taktisches Zeichen Hauptaufgabe der Panzeraufklärungstruppe war die Aufklärung im Einsatzraum der übergeordneten Brigade oder Division. Der Führung sollte eine möglichst aktuelle, genaue und zur erleichterten Entscheidungsfindung verdichtete Meldung zur Lage übermittelt werden. Die Panzeraufklärungstruppe war dabei Teil des „Informationsverbundes Aufklärung“, in dem beispielsweise im Heer auch Aufklärungskräfte der Artillerie, Fernspäher und die Fernmeldetruppe EloKa wirkten (vgl. dazu auch → diesen Abschnitt im Artikel zur Heeresaufklärungstruppe). Die Spähtrupps besetzten Aufklärungspunkte von dauerhaftem Interesse und operierten auf sich gestellt möglichst unauffällig nach dem Motto der Truppe „videre sine videri“ (Deutsche Übersetzung aus dem Lateinischen: „Sehen ohne selbst gesehen zu werden“). Die Eindringtiefe konnte von 30 bis zu 70 Kilometer hinter den feindlichen Linien liegen. Besonders geeignet dazu waren leichte Spähtrupps mit Luchs. Panzeraufklärer verstanden sich deshalb als eine besonders selbstständige, unabhängige Truppe, denn die eigene Entscheidung bestimmte weit stärker über Erfolg oder Misserfolg als bei anderen Truppengattungen. Der Einsatz gepanzerter Spähtrupps erfolgte oft, um Ergebnisse von Aufklärungsmitteln anderer Truppengattungen des Informationsverbundes Aufklärung zu bestätigen, zu ergänzen und das weitere Verhalten des Feindes zu überwachen. Mit ihren gepanzerten Fahrzeugen, insbesondere mit Kampfpanzern, war die Panzeraufklärungstruppe aber auch in der Lage, Aufklärung durch Kampf zu leisten. Weiterhin war die Truppe befähigt zum Überwachen großer Räume und Flanken, eingeschränkt zur ABC-Aufklärung sowie dem Einrichten und Aufrechterhalten weiterreichender Fernmeldeverbindungen zu und zwischen anderen Truppenteilen. In der modernen Panzeraufklärungstruppe kamen neben den etablierten optischen Systemen zunehmend elektronischen Aufklärungssystemen wie Radar und Sensoren Bedeutung zu.

Die Truppe wirkte im Gefecht der verbundenen Waffen mit Kampf- und Kampfunterstützungstruppen zusammen, wurde aber nicht vorrangig in den Gefechtsarten oder zur Sicherung von Räumen und Objekten eingesetzt, denn ein Aufreiben der Truppe war zu vermeiden, um die Aufklärungsfähigkeit zu erhalten. Die Panzeraufklärungstruppe mit ihren gepanzerten Fahrzeugen war in den Auslandseinsätzen zuletzt häufig im erweiterten Aufgabenspektrum wie dem Konvoi-Schutz, Überwachen von Marschstraßen oder Herstellen und Halten von Fernmeldeverbindungen über weite Entfernungen, eingesetzt.

Die Schwerpunkte der Aufklärung bestanden aus folgenden Bestandteilen: Korps-Ebene: elektronische Aufklärung durch Fernmeldebataillon ELOKA Divisions-Ebene: technische Aufklärung durch Beobachtungsbataillone (i.d. Regel Artillerie) Brigade-Ebene: Spähaufklärung durch Brigadespähzug (BrigSpähZg)

Gefechtsfeldradar Die Verantwortung der Gefechtsfeldradarsysteme lag entsprechend ihrer Reichweite in der Verantwortung der Brigaden, bzw. Kampftruppenbataillone. Häufig sollte dieses Verfahren als stehende Spähtrupps nah am Feind praktiziert werden. Diese bestanden aus kleineren und leichten Spähtrupps mit weitreichender Fernmeldeausstattung und leichten Bordmaschinenwaffen, wie zum Beispiel Bord-MG.

Panzeraufklärungskompanie TPz Die mit TPz Fuchs ausgestattete PzAufklKp bildete die Infanteriekomponente eines PzAufklBtl.: abgesessenen Spähtrupps, Handstreichen gegen Sprengsicherungskommandos, Überwachen von Lücken etc. Halten von unübersichtlichen Geländeabschnitten für die Verteidigung eines Kampftruppenbataillons wechselnde Sicherungsaufgaben aller Art in der Gefechtsart Verzögerung oder Angriff fehlt dem PzAufklBtl eine Spähpanzerkompanie. Dies könnte mit der Unterstellung einer Panzergrenadierkompanie gelöst werden.

Geschichte In der Geschichte der Panzertruppe wurde mehrfach die Aufgabenstellung der vorgelagerten Panzeraufklärungstruppe in einer Doppelrolle als Aufklärung oder Kampf bzw. Aufklärung durch Kampf diskutiertPanzeraufklärungstruppe. Aufklärung oder Kampf als Hauptaufgabe? Oberst i. G. Gero Koch in Truppenpraxis 4/1984. S. 251ff. Darmstadt, Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft. Im Gefecht kommt der Panzeraufklärungstruppe hauptsächlich die Aufklärung angreifender Panzer- und Mot-Schützenverbände zu. Dazu wurden den Panzeraufklärern, insbesondere in der Verwendung als Verzögerungsverband, Panzergrenadiere, Panzerjäger, Panzerpioniere und Panzermörser unterstellt. Neben dem Fühlungshalten rechnete man auch die Überwachung der feindlichen Panzerbewegungen dazu. Je nach Aufgabenstellung und Schwerpunkt wurde dem in Struktur und Bewaffnung eines Panzeraufklärungsbataillons Rechnung getragen.

Diese Problematik wurde von Guderian bereits angesprochen:

Heeresstruktur 1 (1956–1958) Die Heeresstruktur 1 sah erstmals in der deutschen Militärgeschichte die Panzeraufklärer als eigenständige Truppengattung vor. Die sechs Panzerdivisionen sollten über je ein Panzeraufklärungsbataillon (3, 5, 7, 10, 11 und 12) verfügen, die Panzergrenadierdivisionen, die Gebirgs- und die Luftlandedivision über jeweils eine Panzeraufklärungskompanie. Strukturell orientierte man sich stark an der Panzeraufklärungsabteilung Typ 1944 (Panzerdivision).

Ausgestattet waren die Bataillone mit den offenen Kettenfahrzeugen Bren Carrier sowie dem leichten Kampfpanzer M 41. Im Kalten Krieg gingen die Militärplanern der NATO von einem Aufeinandertreffen großer gepanzerter Kampfverbände der beiden Machtblöcke aus. Deshalb befähigte man die Panzeraufklärung zur Aufklärung durch Kampf mit Hilfe von Kampfpanzern.

Ein Panzeraufklärungsbataillon einer Grenadierdivision der Heeresstruktur 1 verfügte über: Stabskompanie 1 Panzerspähkompanie mit je 5 schweren Spähtrupps (mit je 2 Kampfpanzern M 41) 1 Panzeraufklärungskompanie mit je 11 leichten Spähtrupps (mit je 2 Kettenfahrzeugen Bren Carrier) Versorgungskompanie

Ein Panzeraufklärungsbataillon einer Panzerdivision der Heeresstruktur 1 verfügte über: Stabskompanie 2 Panzerspähkompanien mit je 5 schweren Spähtrupps (mit je 2 Kampfpanzern M 41) 2 Panzeraufklärungskompanien mit je 11 leichten Spähtrupps (mit je 2 Kettenfahrzeugen Bren Carrier) Versorgungskompanie Die bei allen Bataillonen vorhandenen Mörser- und Pionierzüge waren entsprechend größer oder kleiner.

Heeresstruktur 2 (1959–1970) mini|Schützenpanzer kurz (SPz 10) Hotchkiss des Spähzuges der Stabskompanie (später Panzerspähzug 350) der Panzergrenadierbrigade 35, 1967 In dem Streben, kleinere, mobilere Verbände zu schaffen, wurden ab 1959 Brigaden unterhalb der Divisionen als selbstständig operierende Großverbände aufgestellt. Bei der Umsetzung der neuen Heeresstruktur 2 wurden die Aufklärungskräfte der Divisionen zugunsten von Panzeraufklärungskompanien bei den Brigaden reduziert.

Nur zwei Jahre später wurden die Bataillone in der Erkenntnis, dass diese zur Erzwingung von Aufklärungsergebnissen über zu wenig Kampfkraft verfügen, wieder verstärkt. Bei den Brigaden verblieben Panzerspähzüge.

Ab 1960 wurde der Bren Carrier durch den Schützenpanzer kurz (SPz 10) Hotchkiss ersetzt, der mit einer 20-mm-Bordkanone ausgestattet war. Beginnend ab 1965 wurden die M 41 durch Kampfpanzer Leopard 1 oder Kampfpanzer M 48 ersetzt.

Struktur der Panzeraufklärungsbataillone in der Heeresstruktur 2 (Stand November 1961): Stabs- und Versorgungskompanie, u. a. mit einem Radarzug 2 Panzeraufklärungskompanien mit 4 schweren Spähtrupps (mit je 2 M41 und 1 SPz 10) und 2 leichten Spähzügen (mit je 4 leichten Spähtrupps bestehend aus je 2 SPz 10) schwere Kompanie bestehend aus 2 Schützenpanzerzügen (je 9 SPz 10), 2 Panzerzügen (je 6 M 41), 1 Panzermörserzug (6 mittlere Panzermörser 81 mm) sowie 1 Pionierzug (mit MTW 113)

Heeresstruktur 3 (1970–1979) Der Wechsel zur Heeresstruktur 3, mit der die NATO-Strategie der Flexible Response strukturell umgesetzt wurde, ergab für die Panzeraufklärungsbataillone keine Veränderungen.

Ab 1975 wurde der Schützenpanzer kurz gegen den schwimmfähigen 8-Rad-Spähpanzer Luchs, der mit einer 20-mm-Bordkanone bewaffnet war, ersetzt. Im Panzeraufklärungslehrbataillon 11 in Munster und im Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lüneburg wurden die schweren Kompanien mit dem Schützenpanzer Marder ausgestattet. Diese Bataillone hatten in der Heeresstruktur 3 folgende Struktur: Stabs- und Versorgungskompanie, u. a. mit einem Radarzug 2 Panzeraufklärungskompanien mit 2 leichten Spähzügen (mit je 4 leichten Spähtrupps mit je 2 SpPz Luchs) und 1 schweren Spähzug (mit 3 schweren Spähtrupps mit je 3 KPz Leopard 1) schwere Kompanie bestehend aus 2 Schützenpanzerzügen (je 5 SPz Marder), 2 Panzerzügen (je 5 KPz Leopard 1), 1 Panzermörserzug (6 Panzermörser 120 mm) sowie 1 Pionierzug mit 2 Pioniergruppen MTW M113 und Schlauchbootbrückengerät MLC 60

Die übrigen Bataillone waren noch statt mit SPz Marder und SpPz Luchs mit SPz kurz, und statt mit dem Kampfpanzer Leopard 1 mit dem Kampfpanzer M48 ausgestattet.

Heeresstruktur 4 (1980–1990)

Ein Panzeraufklärungsbataillon der Heeresstruktur 4 bestand aus 31 bis 34 Kampfpanzern und 32 Spähpanzern mit einer Gliederung, die prinzipiell auf Spähtrupps zugeschnitten war. Die Konzentration auf die Kampfpanzerkomponente führte zwangsläufig zu einer Ausrichtung auf Kampfaufträge. In der Führungsvorschrift der Panzertruppe war den schweren und leichten Spähzügen ein Aufgabenspektrum von Gefechtsaufträgen wie Aufklärung, Sicherung und Verzögerung zugewiesen.

Auf fast allen Heeresübungen wurden die Panzeraufklärungsbataillone als gemischte Panzerbataillone vorne im Verzögerungsgefecht eingesetzt. Diese gemischten Panzeraufklärungsbataillone fungierten als 4. Manöverelement unter Führungsvorbehalt für Kampfaufgaben. Dazu würden auch die Bereinigung von Krisenlagen durch schnelles Verstärken in einem Schwerpunkt, Schließen von Lücken bei Panzerdurchbrüchen oder kurze lokale Gegenangriffe zählen.

Es war davon auszugehen, dass die Spähaufklärung auf der Breite des Divisionsgefechtsstreifens nicht in zehn aufgesplitterte schwere Spähtrupps (Spähaufklärungsschleier unter Divisionsverantwortung) stattgefunden hätte, sondern im geschlossenen Einsatz aller 34 Kampfpanzer. An den Gefechtsstand eines PzAufklBtl kämen daher in schneller Folge ein unterschiedliches Aufgabenspektrum zu.

Die Nachteile dabei wären: reduzierte Verantwortung der Brigadekommandeure in ihrem Gefechtsstreifen Zeitverzögerung der Weitergabe von Aufklärungsergebnissen an die Kampftruppe hohe Verluste bei der Kampfaufklärungstruppe durch eigenes Feuer in der kritischen Aufnahmephase am VRV

Die Heeresstruktur 4 veränderte die Panzeraufklärungsbataillone stark, weil die 4. Kompanie, die mit ihren Panzergrenadier-, Panzer-, Mörser- und Pionierkräften das Bataillon bisher zum selbstständigen Gefecht der verbundenen Waffen befähigte, 1980 aufgelöst wurde. Stattdessen erhielt das Bataillon eine weitere Panzeraufklärungskompanie vom Typ der 2. und 3. Kompanie. 1982 wurden die 2. und 3. Kompanie in schwere Kompanien und die 4. Kompanie in eine gemischte Kompanie umgegliedert. Außerdem wurde eine 5. Kompanie mit Jägern und Transportpanzer Fuchs zur infanteristischen Gewinnung von Aufklärungsergebnissen gebildet. Schließlich wurde das Panzeraufklärungsbataillon um einen Radarzug mit dem Aufklärungsradar Rasit verstärkt, der der 4. Kompanie unterstellt war.

Es ergab sich folgende Gliederung des Panzeraufklärungsbataillons (Stand 1982):