Das Büchlein von den ausgebrannten Wässern aus dem 15. Jahrhundert wird dem Wiener Arzt Michael Puff zugeschrieben. Es behandelte in 83 Kapiteln Destillate aus pflanzlichen Ausgangssubstanzen.
Als Druckfassung erschien es erstmals 1477 in Augsburg bei dem Drucker Johann Bämler. Diese basierte auf handschriftlichen Fassungen, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisbar sind und als Traktat von Tugenden der ausgebrannten Wässer bezeichnet werden. Ein niederdeutscher Druck aus dem Jahre 1484 (Lübeck, Bartholomäus Gothan) nennt einen „Dr. Bartholomäus von Benevent“ als Autor.Michael Puff von Schrick. Von den ausgebrannten Wassern. Bartholomäus Gothan, Lübeck 1484, Einleitung: „… Dit bockk hefft meyster Bartholomeus de Benevento (en doctor in d arstedie) dorch leue vnd bede willen erliker erbaren personen / vth velen boken ghesamelt vnde beschreuen. …“ (Digitalisat)Karl Sudhoff. Deutsche medizinische Inkunabeln. Leipzig 1908, S. 139–147 (Digitalisat) Arnold C. Klebs. Incunabula scientifica et medica. In: Osiris, Vol. IV, 8. 1-359, Brügge 1938. Nachdruck Olms, Hildesheim 2004, S. 295. Von Puffs Trakat ist die vergleichbare Abhandlung des „Gabriel von Lebenstein“ zu unterscheiden. mini|Druck Johann Zainer. Ulm 1498. Titelbild mini|Druck Hans Sporer. Erfurt 1498. Titelbild mini|Druck Gutknecht. Nürnberg 1518. Titelbild
Überlieferung Drucke des 15. Jahrhunderts Ort Drucker Datum Augsburg Bämler, Johann 1477, 27. Oktober Augsburg Bämler, Johann 1478, 14. Juni Augsburg Bämler, Johann 1479, 21. Mai Augsburg Bämler, Johann 1482, 12. Juli Augsburg Blaubirer, Johann 1481 (2 Versionen) Augsburg Blaubirer, Johann 1482 Augsburg Sorg, Anthonius 1481, 30. Juli Augsburg Sorg, Anthonius 1483, 11. Dezember Augsburg Schönsperger, Hans 1482 Augsburg Schönsperger, Hans 1484 (2 Versionen) Augsburg Froschauer, Johann 1496 Erfurt Sporer, Hans 1498 Erfurt Schenck, Wolfgang 1500 Lübeck Gothan, Bartholomäus 1484 Mainz Anonym 1481 Straßburg Anonym 1481 (2 Versionen) Straßburg Anonym 1483 Ulm Dinckmut, Conrad 1482, 19. Oktober Ulm Zainer, Johann 1488 Ulm Zainer, Johann 1498 Ulm Zainer, Johann 1500 Karl Sudhoff. Deutsche medizinische Inkunabeln. Barth, Leipzig 1908, S. 139–147.Arnold C. Klebs. Incunabula scientifica et medica. In: Osiris, Vol. IV, 8. 1-359, Brügge 1938. Nachdruck Olms, Hildesheim 2004, S. 295–297.
Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts Leopold Senfelder verzeichnete 11 Postinkunabeln für den Zeitraum von 1502 bis 1601.Leopold Senfelder. Michael Puff aus Schrick. In: Wiener Klinische Rundschau. 12 (1898), S. 351. Unter dem Titel Apotheke für den gemeinen Mann wurde das Büchlein von den ausgebrannten Wässern zusammen mit dem Thesaurus pauperum aus dem Liber de arte distillandi de compositis (= Großes Destillierbuch – 1512) des Hieronymus Brunschwig von 1529 bis 1619 dreißig Mal gedruckt. mini|Titelblatt des Kleinen Destillierbuchs. Straßburg 1500 Übernahme in andere Werke Hieronymus Brunschwig fügte im Jahre 1500 die Indikationsangaben aus dem „Büchlein von den ausgebrannten Wässern“ vollständig in sein Kleines Destillierbuch ein. Die Väter der Botanik Otto Brunfels und Hieronymus Bock integrierten diese Angaben selektiv in ihre Kräuterbücher.
Inhalt In 83 Kapiteln behandelte das Büchlein von den ausgebrannten Wässern Destillate aus pflanzlichen Ausgangssubstanzen. Ein Kapitel (71) beschrieb die Wirkung eines aus tierischer Substanz gebrannten Wassers. Die Destillationsmethoden wurden – mit einer Ausnahme (Kapitel 83) – nicht erläutert. Die Kapitel 83 (Kranwitber) und 84 (Gepranter Wein) stammen nicht aus den als Vorlage dienenden Manuskripten des Traktats von Tugenden der ausgebrannten Wässer, sondern sind anderen Quellen entnommen. Die zuletzt von Walther und Keil (1989, Sp. 909) aufgestellte Behauptung, es handle sich bei den im „Büchlein von den ausgebrannten Wässern“ beschriebenen Destillaten um „alkoholische Destillate“ ist nicht haltbar. Astrid Müller-Grzenda konnte 1996 nachweisen, dass schon aus destillationstechnischen Gründen das Büchlein von den ausgeprannten Wässern nicht als Anleitung zur Herstellung von alkoholischen Destillaten dienen konnte, da die hierzu benötigten gläsernen Geschirre teuer und verschleißanfällig waren. Zielpublikum des Büchleins aber war das „gemeine Volk“.Astrid Müller-Grzenda. Pflanzenwässer und gebrannter Wein als Arzneimittel zu Beginn der Neuzeit. Herstellungsverfahren, Hersteller und Handel, Beschaffenheit und Bedeutung für die Materia medica. Stuttgart 1996, S. 147–156.