Der Grand Canyon [] ist eine steile, etwa 450 Kilometer lange Schlucht im Norden des US-Bundesstaats Arizona, die über Jahrmillionen vom Colorado River ins Gestein des Colorado-Plateaus gegraben wurde.

Der Canyon zählt zu den großen Naturwundern auf der Erde, 2018 wurde er von über sechs Millionen Menschen besucht. Er liegt größtenteils im Grand-Canyon-Nationalpark, der seit 1979 zum Weltnaturerbe in den Vereinigten Staaten gehört.

Geographie

Der Grand Canyon erstreckt sich von Nordosten nach Westen im Norden Arizonas. Er trennt den Nordwesten des Bundesstaates, den sogenannten Arizona Strip, vom Rest Arizonas. Über den eigentlichen Grand Canyon gibt es keine Brücken, Süd- und Nordufer des Colorados sind auf Straßen nur östlich des Nationalparks bei Lees Ferry und Page oder rund 400 km weiter im Westen über Nevada am Hoover Dam verbunden. Der Südrand ist von Flagstaff zugänglich, der Nordrand und der Arizona Strip sind kaum besiedelt, die nächstgelegene Stadt ist St. George im benachbarten Utah.

Der Grand Canyon ist etwa 450 km lang (davon liegen 350 km innerhalb des Nationalparks), zwischen 6 und 30 km breit und bis zu 1800 m tief. Der Name Grand Canyon für „groß“ bzw. „großartig“ wurde 1869 von John Wesley Powell geprägt. Vorher waren verschiedene Bezeichnungen im Umlauf.

Das Gebiet um das Tal wird in drei Regionen aufgeteilt: den Südrand (South Rim), der die meisten Besucher anzieht, den im Durchschnitt ca. 300 m höher gelegenen und kühleren Nordrand (North Rim) und die Innere Schlucht (Inner Canyon). Der Südrand des Grand Canyons liegt im Durchschnitt auf 2100 m ü. M., während der Colorado im Durchschnitt auf 750 m ü. M. fließt.

Flussaufwärts, im südlichen Utah, liegen andere große Schluchten des Colorado. Der Glen Canyon, der seit 1964 im Stausee des Lake Powell versunken ist, galt landschaftlich als besonders schön. Weiter im Nordosten liegt der Canyonlands-Nationalpark. Flussabwärts, in der Nähe von Las Vegas, liegt der Stausee Lake Mead am Hoover Dam.

Geschichte

mini|Der Colorado River – durchschnittlich 100 m breit, während gegenüber­liegende Randplateaus mehr als 20 km weit auseinander liegen können

Besiedlung durch Indianer

Bereits vor über 3000 Jahren lebten Menschen im Bereich des Grand Canyon. Die Desert Culture genannten Indianer waren Jäger und Sammler, die Körbe und Sandalen herstellen konnten und mit Speerspitzen aus Stein auf die Jagd gingen.

Vor etwa 2000 Jahren besiedelten die als Anasazi bekannten Völker das Gebiet. Sie wohnten in Lehmhütten und bauten ihre Behausungen in die Wände der Schlucht. Sie lebten von der Landwirtschaft und hinterließen viele Felszeichnungen. Im 12. Jahrhundert setzte eine etwa 3 Jahrhunderte andauernde Dürreperiode ein und die Anasazi verließen ihre Heimat.

Die ebenfalls zur Pueblo-Kultur gehörenden Hopi sind ihre Nachfahren und lebten wie andere Indianerstämme in jüngerer Vergangenheit in der Gegend. Noch heute wohnen einige Havasupai-Indianer im Canyon.

Erforschung durch Spanier und Amerikaner

Der Grand Canyon wurde durch García López de Cárdenas aus Spanien erstmals von einem Europäer gesichtet, der im Auftrag des Eroberers Francisco Vásquez de Coronado auf der Suche nach den sagenumwobenen Sieben Städten von Cibola war. Er kam im September 1540 mit einer Gruppe spanischer Soldaten und mit Führern der Hopi-Indianer am Südrand der Schlucht an. Drei Soldaten stiegen in die Schlucht, kehrten aber nach etwa einem Drittel des Weges aus Wassermangel um. Der Grand Canyon wurde als wertlos eingestuft und über 200 Jahre von keinem Europäer mehr besucht.

Im Jahr 1776 kamen zwei spanische Priester bei der Erforschung des südlichen Utah am Nordrand des Canyon entlang. Sie waren auf der Suche nach einem Weg von Santa Fe (New Mexico) nach Kalifornien.

In den 1850er Jahren schickte der Mormone Brigham Young die ersten Siedler in das Gebiet, mit dem Ziel, eine einfache Möglichkeit zur Flussüberquerung zu finden. Nachdem die Siedler gute Beziehungen zu den einheimischen Indianern geknüpft hatten, wurden zwei Orte zur Überquerung des Flusses entdeckt, Lee’s Ferry und Pierce Ferry.

mini|Satellitenfoto des Grand Canyon

Berühmt wurde die wissenschaftliche Expedition des einarmigen John Wesley Powell, der am 24. Mai 1869 mit neun Mann und vier Holzbooten in Green River, Wyoming aufbrach. Nach 1500 km und durch zahlreiche gefährliche Stromschnellen im Green River und im Colorado River kam die Expedition schließlich am 30. August zum Virgin River, dem Endpunkt des Grand Canyon. Zwei Jahre später wiederholte Powell die Fahrt und fertigte genaue Karten und Berichte an.John Wesley Powell: First Through the Grand Canyon. Outing Pub., New York 1915.Charles William Maynard: John Wesley Powell: Soldier, Scientist, and Explorer. The Rosen Publishing Group, New York 2003, ISBN 0-8239-6290-3. Er gab dem Canyon auch seinen heutigen Namen.

Entstehung des Nationalparks

Ab den 1880er Jahren wurde der Grand Canyon als touristisches Ziel entdeckt und entwickelt. 1901 erhielt er eine direkte Anbindung durch die Eisenbahn.

Am 11. Januar 1908 wurde das Gebiet um den Grand Canyon durch US-Präsident Theodore Roosevelt, der sich oft in dem Gebiet aufgehalten hatte, zum National Monument erklärt, bevor es am 26. Februar 1919 als Nationalpark unter Schutz gestellt wurde. Die Einrichtung des Parks gilt als früher Erfolg der Naturschutzbewegung. Der ganze Park ist seit seiner letzten Erweiterung 1975 etwa 4900 km² groß.

1979 wurde der Grand Canyon in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.

Flugzeugabsturz

Am 30. Juni 1956 kollidierten zwei Verkehrsflugzeuge, deren Piloten (damals nicht unüblich) ihren Passagieren den Grand Canyon zeigen wollten, und stürzten nahe einer Flussmündung in den Nationalpark. Alle Insassen starben. Viele Überreste wurden geborgen. Das Gebiet ist für Wanderer gesperrt.National Park Service: 1956 Grand Canyon TWA-United Airlines Aviation Accident Site – NATIONAL HISTORIC LANDMARK NOMINATION, Februar 2011, S. 6.

Sturzflut August 2024

Im August 2024 ereignete sich eine Sturzflut des Havasu Creek. Dadurch wurden mehr als 100 Wanderer und Bewohner der Havasupai Indian Reservation eingeschlossen und sie mussten mit einem Helikopter des Militärs evakuiert werden. Nahe der Mündung in den Colorado River stürzte eine Frau ins Wasser und ertrank.

Sturzflut August 2026

Nach einer Sturzflut am Samstag 29. August 2026 werden aus dem Bereich der Unterkunft Phantom Ranch mindestens 15 Personen vermisst.

Geologie

mini|links|Schluchten des Grand Canyon mini|Schichtenfolge des Grand Canyon1 Vishnu Group2 Grand Canyon Supergroup3 Tonto Group4 Temple Butte, Redwall, Surprise Canyon5 Supai Group6 Hermit, Coconino, Toroweap, Kaibab

Die meisten Geologen stimmen überein, dass sich das Einzugsgebiet des heutigen Colorado River (zu dem der Grand Canyon gehört) vor 40 Millionen Jahren gebildet hat. Der Grand Canyon selbst ist höchstwahrscheinlich nicht viel älter als fünf bis sechs Millionen Jahre, wobei der Hauptteil der Tiefenerosion in den letzten zwei Millionen Jahren erfolgte. Ergebnis dieser Erosion ist der Einblick in eine der vollständigsten Schichtenabfolgen unseres Planeten.

Die Abfolge reicht vom metamorphen Grundgebirge (die älteste Datierung liegt zurzeit bei 1,840 Milliarden JahrenDas Alter der Erde beträgt ca. 5,9 Milliarden Jahre. Before Present für den Elves Chasm Granite) im tiefsten Bereich der Inner Gorge bis zum 230 Millionen Jahre alten Kaibab Limestone am Canyonrand. Das polymetamorphe Grundgebirge wird diskordant von nicht metamorphen proterozoischen Sedimenten überlagert. Diese wurden später schräggestellt und dann im Kambrium vor ca. 0,5 Milliarden Jahren ihrerseits von einer paläozoischen Schichtenfolge diskordant transgrediert. Daher gibt es keine kontinuierliche Schichtenabfolge, sondern zwei bedeutende (und mehrere kleinere) Schichtlücken.

Viele der Gesteinsformationen kamen entweder in warmen Flachmeeren, in Küstennähe (Strandbereich) oder in Sümpfen zur Ablagerung, synchron mit der mehrmals über den Kontinentalrand von Proto-Nordamerika oszillierenden Küstenlinie. Ausnahmen bilden der Coconino-Sandstein, den viele Geologen als Wüsten-Sanddünen interpretieren sowie Teile der Supai Gruppe.

Die große Tiefe des Grand Canyon (rund 1600 Meter) und die Gesamtmächtigkeit seiner Schichtenabfolge (die meisten Schichten wurden unter Meeresniveau abgelagert) lassen auf eine Heraushebung des Colorado-Plateaus um 1500 bis 3000 Meter schließen. Dieser Hebungsprozess erfolgte im Zuge der laramischen Gebirgsbildung, die vor etwa 65 bis 70 Millionen Jahren einsetzte und die Rocky Mountains entstehen ließ.

Durch die neu entstandene Barriere konnte der Colorado nun nicht mehr in seine ursprüngliche Richtung nach Südosten abfließen. Deshalb grub er sich ein neues Bett quer über das im Entstehen begriffene Colorado-Plateau. Der Fluss bekam jetzt das Schmelzwasser der Rocky Mountains und zusätzlich mit dem größeren Gefälle hatte er wesentlich mehr erosive Kraft, um die Ausfräsung des Grand Canyon zu beginnen. Der Colorado floss nun durch Bruchzonen im Gestein, die durch die Anhebung des Colorado-Plateaus entstanden waren. Dort trug er das Gestein schneller ab, da es zerrüttet und ineinander verschoben war. Innerhalb von Millionen Jahren grub sich der Colorado immer tiefer ins Gestein ein. Heute arbeitet er an sehr harten und alten (1,8 bis 1,4 Milliarden Jahre) Graniten des Grundgebirges. Da diese Gesteine schwer zu erodieren sind, trägt der Colorado bevorzugt weichere Schichten an den Rändern ab (selektive Erosion). Das hat zur Folge, dass die Schlucht heute mehr in die Breite als in die Tiefe wächst.

Mit der Öffnung des Golfs von Kalifornien vor ca. 5,3 Millionen Jahren wurde die Erosionsbasis des Colorado (oder seines Vorläufers) drastisch abgesenkt, was eine enorme Erhöhung seiner Erosionskraft bewirkte. Im Oberlauf kam es zur Anzapfung anderer Flusssysteme. Dadurch hatte er bereits vor 1,2 Millionen Jahren schon fast sein jetziges Niveau erreicht.

Während der Eiszeiten herrschten wesentlich niederschlagsreichere Verhältnisse im Einzugsgebiet des Ur-Colorado, als Folge erhöhte sich die Geschwindigkeit, mit der sich der Fluss in die Tiefe einschnitt.

Selbst die vor einer Million Jahren einsetzende vulkanische Tätigkeit am Westrand des Nationalparks (Uinkaret volcanic field), deren Aschen und Laven den Canyon einst verstopften, konnte den Kräften des Flusses auf Dauer nicht standhalten. Noch immer ist diese Stelle anhand der abweichenden Farbgebung gut erkennbar.

Klima

Im Grand Canyon herrschen von November bis März regelmäßig Minusgrade; von Mai bis September steigt die Temperatur tagsüber regelmäßig über 20 °C; Der Juli ist mit durchschnittlich 29 °C (Tageshöchsttemperatur) der wärmste Monat, während der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von −8 °C (Tagestiefsttemperatur) der kälteste Monat ist. Dabei ist zu beachten, dass es insbesondere im Sommer in der Schlucht wesentlich heißer als an den Rändern ist. Am Nordrand regnet es im Durchschnitt gesehen erheblich mehr als am Südrand. Am Nordrand fallen jährlich durchschnittlich auch bis zu 5 m Schnee, am Südrand fällt ca. 1,5 m Schnee. Auf der Höhe des Colorado fällt dagegen selten Schnee (weniger als 2 cm im Jahresdurchschnitt). Die Jahresniederschlagssumme am Nordrand beträgt ca. 700 mm/Jahr, am Südrand aber nur 380 mm pro Jahr. Auf der Höhe des Colorados in der Schlucht fallen etwa 180 mm Regen pro Jahr.

Diese Werte (Regen und Klima) sind Durchschnittswerte.

Ökosysteme mini|hochkant|Dickhornschaf am Grand Canyon