mini|Blick auf Soest, vom südlich gelegenen Haarstrang aus gesehen. Im Hintergrund die ca. 20 km entfernten Beckumer Berge. Kirchen von links nach rechts: St. Petri, St. Pauli, St. Patrokli und Wiesenkirche mini|Bronzemodell der Innenstadt, Tastmodell für Sehbehinderte am Petrikirchplatz vor dem Rathaus, Blick von Norden auf den ottonischen Kern

Soest (gesprochen [] mit Dehnungs-e; , westfälisch Saust) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. In der Stadt, auf halbem Wege zwischen Dortmund und Paderborn, in der fruchtbaren Soester Börde, die Teil der Hellwegbörden ist, leben Einwohner. Neben der Kernstadt mit mehr als 40.000 Einwohnern verteilt sich die übrige Bevölkerung auf die umliegenden Stadtteile.

Schreibweise, Aussprache und Herkunft des Namens Weil sie schon den vor 1995 geltenden Regeln widersprach, bleibt die Schreibung mit oe (sog. Dehnungs-e) nach der dringenden Empfehlung des Ständigen Ausschusses für Geographische NamenEmpfehlung des ständigen Ausschusses für Geographische Namen (StAGN) vom 17. September 1999 – zur Anpassung der Rechtschreibung von Toponymen an die reformierten Regeln ebenso wie auch bei Coesfeld, bestehen. Am Bahnhof von Soest macht die Stadt Eigenwerbung: Es sind nicht nur Fotos der Fachwerk-Altstadt zu sehen, im Durchgang zu den Gleisen hängt auch folgender Text: „Willkommen in SÖST – (Neulinge dürfen das, einmalig! Danach bitte richtig: SOOOST!)“

mini|Im Durchgang zu den Gleisen am Bahnhof von Soest angebrachtes Informationsschild

Für die Herkunft des Namens „Soest“ ist bisher die Ableitung von „Sod-saten“ (etwa: die an der Quelle Ansässigen) beinahe volkstümlich. In der jüngeren Debatte zeichnet sich allerdings ab, dass der Name einer vor-germanischen Entwicklungsstufe des Indoeuropäischen entstammt, mit der mutmaßlichen Bedeutung „Stelle, an der gesiedelt wird“.Michael Flöer, Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest (= Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB), Band 1). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89534-791-7, S. 411–417 (Digitalisat).

Historische Schreibvarianten des Namens:Michael Flöer, Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest (= Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB), Band 1). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89534-791-7, S. 411–417, hier S. 411–412. In der Namenstabelle des Artikels zu Soest werden Überlieferungsinformationen gegeben. Hier im Wikipedia-Artikel sind nur belegte Formen mit referenziertem Erwähnungsjahr genannt. Aus den grammatischen Ableitungen, z. B. -iensis, lassen sich zeitgleiche Grundformen auf -ia, -ium rekonstruieren, z. B. Sosatia, Sosatium. Namensvariante Nennungsjahr Namensvariante Nennungsjahr Namensvariante Nennungsjahr Sosat(ii) 836, 864, 985, 1124/25, 1214–1220 Suzat(o/i) 1060–1075, 1121, 1589 Sosatia(m) 1179, 1188, 1194 Suosaz/Sûosaz 962, 1000, 1014, 1079–1089 Sosaz(iensis) 1068, 1091, 1169 Susacia 1184 Susacium 962 Suesac(en) 1072 Sosatum 1219 Susat(o/iensem) 962, 1204–1208, 1260, 1297 Shsaz(insis) 1091 Susatum 1354 Sosatio 965 Susat(i/iam/iensis) 1119, 1166, 1194 Zest 1367 Schûschît 965/966 Sosac(ia/iam) 1140, 1166 Zoest 1385 Sosatium 980 Shsac(ii) 1147 Sost 1429, 1458 Svhsaz 1014 Suosat 2. Drittel 12. Jahrhundert Soist 1441, 1531, 1590 Sosaet 1047 Sesat 2. Drittel 12. Jahrhundert Soest 1620 ff.

Lage und Gliederung Nachbargemeinden Soest grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden) an Lippetal, Bad Sassendorf, Möhnesee, Ense, Werl und Welver.

Geographische Basisinformationen Das Stadtgebiet umfasst 8581,6 ha. Die Stadtmitte liegt an der Marktstraße in der Soester Innenstadt bei 8° 6′ 24″ östlicher Länge, 51° 34′ 23″ nördlicher Breite. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung des Gemeindegebiets beträgt 11,5 km, die maximale Ost-West-Ausdehnung 13 km. Der niedrigste Punkt der Stadt liegt mit 73 m ü. NN im „Hammer Land“ zwischen der Schledde und der Bundesstraße 475 im Stadtteil Thöningsen; der höchste Punkt befindet sich mit 219 m ü. NN im Stadtteil Bergede; d. h. im Stadtgebiet gibt es einen Höhenunterschied von 146 m.Geographische Basisinformationen nach (PDF)

Stadtgliederung Im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1969 in Nordrhein-Westfalen wurde die alte Stadt Soest zum 1. Juli 1969 durch das Soest-Beckum-Gesetz mit 18 ursprünglich selbstständigen Gemeinden – jetzt Ortsteile – zusammengeschlossen. Diese Ortsteile standen schon immer in enger Beziehung zur Stadt Soest; im herrschaftlichen Sinne gehörten sie wie 30 weitere Gemeinden seit dem Mittelalter bis zum Jahr 1809 zur Soester Börde. Das heißt auch, dass die ursprüngliche Mehrheitskonfession der Bewohner dieser Ortsteile wie bei der Soester Stadtbevölkerung die evangelische war. Im landschaftlichen Sinn gehört ein Teil der Soester Ortsteile jedoch nicht zur Soester Börde, sondern zur Haar. Nicht alle Einzelortschaften der heutigen Stadt Soest – wie zum Beispiel das nördlich von Soest gelegene Ellingsen – sind Ortsteile im administrativen Sinn. Mit der kommunalen Gebietsreform erweiterte sich die Fläche der Stadt Soest am 1. Juli 1969 von 28 km² auf fast 86 km²; die Einwohnerzahl stieg von 35.511 auf 40.320.Die vorangegangenen Angaben zur Flächen- und Bevölkerungsentwicklung im Zuge der kommunalen Gebietsreform nach Marga Koske: Geschichte der eingemeindeten Soester Stadtteile. In: Soester Zeitschrift, 112, 2000, S. 23–78, hier S. 24. Im Jahr 2008 wohnten, bei einer Gesamtbevölkerung von 48.000 Einwohnern, 40.660 (~ 84,7 %) Einwohner in der Kernstadt und 7340 (~ 15,3 %) in den umliegenden Stadtteilen. (PDF-Datei; 76 kB) In der eigentlichen Altstadt innerhalb der Wälle leben 6.532 Einwohner (2008), etwa 13,6 % der gesamten Stadtbevölkerung.

Stadtteile der Stadt Soest im administrativen Sinn außerhalb der Kernstadt:

mini|Soest und seine Stadtteile Ampen Bergede Deiringsen Enkesen Epsingsen Hattrop Hattropholsen Hiddingsen Katrop Lendringsen Meckingsen Meiningsen, Kirchdorf Müllingsen Ostönnen, Kirchdorf Paradiese Ruploh Röllingsen Thöningsen

Die auffällige Häufung von Ortsnamen auf „-ingsen“ ist kennzeichnend für die gesamte nähere Umgebung von Soest. Es handelt sich um eine Verkürzung des ursprünglichen Namensbestandteils „-inghausen“.

Geschichte

Das Gebiet der heutigen Stadt Soest, das wie die gesamte Soester Börde einen Gunstraum für bäuerliche Bedürfnisse darstellt, ist spätestens seit der Zeit um 4800 bis 4500 v. Chr. kontinuierlich besiedelt.Manuela Buczka, Ingo Pfeffer: Eine Siedlung der Rössener Kultur am westlichen Stadtrand von Soest. In: Thomas Otten, Jürgen Kunow, Michael M. Rind, Marcus Trier (Hrsg.): Revolution Jungsteinzeit. Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen, 2015, S. 352–355, hier: S. 354 f.

Die Hansestadt Soest (Sosat, latinisiert: Susatum) mit weit über 1000-jähriger Geschichte zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten Europas. Zum Territorium der Stadt gehörte neben der 106 Hektar großen,Hubertus Schwartz: Die Straßennamen der Stadt Soest, Stand vom 1. April 1966. Soest 1966, S. 8. ummauerten Stadt auch das Umland der Soester Börde mit zehn Kirchspielen.

Lage und Ursprung mini|296px|Der karolingisch-ottonische Kern der Altstadt (grün umrandet): 1) Nikolaikapelle, 2) St.-Patrokli-Dom, 3) Morgner-Haus, 4) Standort der Alten Pfalz, 5) St.-Petri-Kirche, 6) Rathaus mit vier Gebäudeteilen aus verschiedenen Jahrhunderten; unten links ein Zipfel des Großen Teichs Urkundlich erwähnt wird Soest erstmals im Jahr 836 als villa Sosat anlässlich der Überführung der Gebeine des hl. Vitus von St. Denis bei Paris nach Corvey.Die in das 7. Jahrhundert verlegte so genannte „Dagobertsche Schenkung“ (nach Dagobert I. (623–638)) wird bereits seit Jahrzehnten als Fälschung des 12. Jahrhunderts angesehen; die Bezugnahme auf Dagobert und die sagenhaften sechs Urhöfe um den großen Teich entstammen einer historischen Interpretation der betreffenden Urkunde durch Friedrich Wilhelm Barthold im 19. Jahrhundert. Siehe Entgegnung von Rothert auf O.F. Timmermann S. 89 in Georg Niemeier, Hermann Rothert: Der Stadtplan von Soest, in: Westfälische Zeitschrift 103/104, 1954, S. 30–92 (PDF). Gleichwohl reichen die Siedlungsspuren der heutigen Stadt (also nicht etwaiger unabhängiger Vorgängersiedlungen) in die Merowingerzeit zurück. Tatsächlich finden sich im heutigen Stadtgebiet seit dem Neolithikum aus allen Zeiten Nachweise menschlicher Siedlungstätigkeit:Walter Melzer: Neue Ausgrabungen mit Funden zu mittelalterlichem Handel und Handwerk in Soest. In: Soest – Geschichte der Stadt, Bd. 2. Soest 1996, S. 437–458, hier: S. 437. So ist eine Besiedlung des Gebietes südöstlich des Patrokli-Doms bereits für die so genannte bandkeramische Zeit – etwa 5500 bis 5000 v. Chr. – nachgewiesen worden. Bei archäologischen Grabungen im Stadtzentrum wurde zu Anfang der 1990er Jahre ein Erdwerk der Michelsberger Kultur entdeckt. Steinzeitlich ist auch die Steinkiste beim Ortsteil Hiddingsen, ein bedeutendes Megalithgrab. Von überregionaler archäologischer Bedeutung sind die Fundorte der Rössener Kultur bei Deiringsen und Ruploh sowie die Siedlung Am Ardey/Rüenstein im Westen der heutigen Stadt.

Ferner fanden Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am östlichen Stadtrand (Soest-Gelmen) Besiedlungsspuren aus der Zeit um Christi Geburt. Ausgrabungen im Bereich des Sportplatzes am Ardey belegen eine Besiedlung von der Eisenzeit bis zur Merowingerzeit. Archäologische Funde am Kohlbrink (heute C&A-Gelände) zeigen darüber hinaus, dass hier spätestens um 600 n. Chr. Menschen lebten und Salz gewannen. Bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist das fränkische Gräberfeld am Lübecker Ring bekannt,Daniel Peters: Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Soest. Studien zur Gesellschaft in Grenzraum und Epochenumbruch. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, Band XIX. Münster 2010. dessen Siedlungszugehörigkeit bisher unbekannt ist.

Soest gehört, wie etwa die Städte Dortmund, Unna, Werl, Erwitte, zu einer Siedlungskette, die einerseits durch zahlreiche Quellen nördlich von Ardeygebirge und Haarstrang, andererseits durch die sehr alte Handelsverbindung der seit dem Mittelalter als Hellweg bezeichnetenZitat Hermann Rothert: „Erwähnt sei (…), daß der Name Hellweg in Westfalen urkundlich erst verhältnismäßig spät zu belegen ist. Im Jahre 1280 wird die curtis in Selehorst (Selhorst Kr. Wiedenbrück), quae appellatur Helewech (WUB III 1116) genannt, im Jahre 1291 erscheinen bona de Helewech (Helfshof in Stalleiken bei Wattenscheid (?) WUB VII 2206). Der Hellweg in der Stadt Soest kommt zuerst vor 1304 in vico qui dicitur Helewech apud portam beati Jacobi, ferner 1338 apud stratam regiam que Heleweg vocatur apud vulgus (Soester Zschr. 44/45 S. 66).“ In: Georg Niemeier, Hermann Rothert: Der Stadtplan von Soest. In: Westfälische Zeitschrift 103/104, 1954, S. 30–92, hier S. 88 (PDF). Fernstraße begünstigt ist. Die fruchtbare Landschaft der Soester Börde, das relativ trockene Klima sowie das reichlich vorhandene Wasser waren schon immer für eine Ansiedlung günstig. Die Solequellen in der Nachbarschaft ließen schon früh die Salzgewinnung zu einem bedeutenden mittelalterlichen Wirtschaftszweig der Stadt werden. Neben dem Salz spielte die Eisenverarbeitung, wie man seit einigen Jahrzehnten weiß, eine wichtige Rolle bei dem Aufstieg Soests zu einer der bedeutendsten Gewerbe- und vor allem Handelsstädte, deren Kontakte bis Nowgorod (Naugarden) im heutigen Russland reichten. Der Aufstieg zur Fernhandelsstadt wurde durch die günstige Lage am Kreuzungspunkt von Hellweg (Ost-West-Achse) und einer Nord-Süd-Straße unterstützt. Die Solequellen der Umgebung werden noch heute genutzt, allerdings nicht für die Salzgewinnung, sondern für den Kurbetrieb im benachbarten Bad Sassendorf und für eine Schausaline in Werl.