mini|Zeitschrift Ettelā'āt (1978) Iran und der schwarze und rote Kolonialismus () ist ein Artikel in der iranischen Tageszeitung Ettelā‘āt, der am 7. Januar 1978 (17. Dei 1356) unter dem Pseudonym Ahmad Rashidi Motlagh erschien. Dieser Artikel, der den im Exil lebenden Ajatollah Ruhollah Chomeini beleidigte und verunglimpfte,Monika Gronke: Irans Geschichte: 1941–1979 – Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution. Bundeszentrale für politische Bildung, 10. Juni 2009, bpb.de („massiv beleidigt“). Abgerufen am 14. August 2014.Monika Gronke: Geschichte Irans – Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 2003, ISBN 978-3-406-48021-8, S. 109. („grob verunglimpft“). löste einen Proteststurm unter Theologen und Einwohnern der Stadt Qom aus. Das Militär löste am 9. Januar 1978 die Demonstrationen gewaltsam auf, indem in die Menge geschossen wurde. Die Zahl der Toten und Verletzten ist bis heute nicht genau bekannt, die Angaben variieren zwischen 7 (Regierung) und 80 Toten und 300 Verletzten (Opposition). Damit begann in Iran die Periode gewalttätiger Straßendemonstrationen.Fariborz Riyahi: Ayatollah Khomeini. S. 48. Dieser Artikel gab der Islamischen Revolution eine entscheidende WendeBahman Nirumand, Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. S. 163. und gilt gemeinhin als Auslöser der Revolution.

Inhalt und Übersetzung in Auszügen Im Artikel Iran und der schwarze und rote Kolonialismus heißt es, es habe Versuche gegeben, die Weiße Revolution des Schahs zu verhindern. Man habe auch die Geistlichkeit für die konterrevolutionären Aktivitäten gewinnen wollen, sei aber auf Ablehnung gestoßen. Dennoch sei es wichtig gewesen, einen Geistlichen als Aushängeschild zu benutzen:

mini|Schwarzer Freitag (8. September 1978), Teheran mini|Anti-Schah-Demonstration 1978, Teheran mini|Schwarzer Freitag (8. September 1978), Teheran

Urheberschaft und Folgen Anfangs wurde als Urheber des Artikels der damalige Informationsminister Darius Homayun im Kabinett von Premierminister Dschamschid Amusegar vermutet.Fariborz Riyahi: Ayatollah Khomeini. S. 48. Doch dieser stritt die Autorenschaft ab und gab die Verantwortung an den kaiserlichen Hof, der ihm den Artikel zur Veröffentlichung gegeben habe.Bahman Nirumand: Mit Gott für die Macht. S 161. Der Autor ist bis heute unbekannt.Monika Gronke: Irans Geschichte: 1941–1979 – Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution. Bundeszentrale für politische Bildung, 10. Juni 2009, bpb.de (abgerufen am 14. August 2014)

„Jahrelang hatte der Propagandaapparat des Regimes nichts unversucht gelassen, die pure Existenz Chomeinis zu leugnen. Die plötzliche Verleumdungskampagne bewirkte nun ein Interesse bei Personen, die ihn tatsächlich nahezu vergessen hatten.“Hans-Georg Müller in: Die Islamische Republik Iran. Akademie Verlag Berlin, 1987, ISBN 3-05-000079-1, S. 98. Für Chomeini war der Schmähartikel ein „Geschenk des Himmels“.Bahman Nirumand: Mit Gott für die Macht. S 164. Genau vierzig Tage nach den Vorfällen fanden, nach dem islamischen Ritual des Totengedenkens, in vielen Städten Massendemonstrationen statt.Bahman Nirumand: Mit Gott für die Macht. S 163. Die nun im 40-täglichen Rhythmus landesweit ablaufenden Protestkundgebungen steigerten sich hinsichtlich der Masse der Teilnehmer und hinsichtlich der Verletzten und Todesopfer. Der Trauerzug zum Gedenken der Toten führte am 18. Februar 1978 in Täbriz mit rund 50.000 Teilnehmern zu Ausschreitungen mit weiteren Toten. Der Trauerzug zum Gedenktag der Toten von Täbris führte am 28. März zu weiteren Toten in Yazd, da die Trauerzüge in Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften endeten. Der Höhepunkt wurde mit über einer Million Menschen am 7. September 1978 in Teheran erreicht, die gegen den Schah demonstrierten.Ulrich Tilgner (Hrsg.): Umbruch im Iran. S. 15. In der Nacht auf den 8. September 1978 wurde das Kriegsrecht über Teheran und 10 weitere Städte verhängt: Es kam zum Schwarzen Freitag von Teheran.

Am 5. August 1978 übernahm Mohammad Reza Pahlavi zwar einige Forderungen der Regimekritiker und sagte politische Freiheiten, Demokratie und Parlamentswahlen für Mitte 1979 zu,Ulrich Tilgner (Hrsg.): Umbruch im Iran. S. 185. doch zu diesen tiefgreifenden Reformen des bestehenden politischen Systems sollte es nicht mehr kommen. Am 16. Januar 1979 verließ der Schah den Iran, am 1. Februar 1979 betrat Ruhollah Chomeini zum ersten Mal seit über 14 Jahren den Iran. Das Ende der Monarchie und die Errichtung einer Islamischen Republik Iran zeichneten sich ab.

Literatur Bahman Nirumand, Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-498-04628-4. Fariborz Riyahi: Ayatollah Khomeini. Ullstein, 1986, ISBN 3-548-27540-0. Ulrich Tilgner (Hrsg.): Umbruch im Iran. Augenzeugenberichte – Analysen – Dokumente. Rowohlt Verlag, Hamburg, März 1979, ISBN 3-499-14441-7.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte Irans (20. Jahrhundert) Kategorie:Mohammad Reza Pahlavi Kategorie:Medien (Iran)