mini|Siegfried Altmann bei einem Vortrag (2011)

Siegfried Altmann (* 20. Juli 1936 in Riesa) ist ein deutscher Ingenieur und Professor für Allgemeine und Theoretische Elektrotechnik. Seine fachliche Kompetenz liegt auf den Gebieten Elektrische Energietechnik, Oberleitungsanlagen elektrischer Bahnen, Elektrosicherheit, Zuverlässigkeit, Sicherheits- und Unfallforschung.

Werdegang Siegfried Altmann ist der zweite Sohn des Maurers Richard Altmann (1912–1985) und seiner Ehefrau Anna Altmann, geb. Frank (1914–1963). Von 1942 bis 1950 besuchte er eine Grundschule in Riesa und anschließend erfolgte bis 1953 seine Berufsausbildung als Betriebselektriker im Stahl- und Walzwerk Riesa sowie eine kurze Tätigkeit als Lehrausbilder. Im Jahr 1953 ging er zum Studium an die Ingenieurschule für Elektrotechnik Mittweida und belegte hier die Fachrichtung Elektromedizinische Geräte und Röntgentechnik. Er war während seines Studiums auch Hilfsassistent bei Helmut Lindner. Seinen Abschluss als Ingenieur erlangte er 1956.

Er ist seit 1958 mit der Industriekauffrau Johanna Altmann, geb. Fegert verheiratet; das Ehepaar hat eine erwachsene Tochter, die ein Studium als Klinische Diplom-Psychologin absolviert hat.

Elektrotechniker in Industrie und Hochschule Altmann arbeitete zunächst von 1956 bis 1960 als Montage- und Projektierungsingenieur auf dem Gebiet des Fahrleitungsbaus für die Reichsbahn-Elektrifizierung im Betrieb Starkstromanlagenbau in Halle (Saale). Während dieser Tätigkeit war er als Montageingenieur tätig bei der Elektrifizierung des Leipziger Hauptbahnhofs und der angrenzenden Strecken bis Dessau-Rosslau-Meinsdorf, Magdeburg und Probstzella. Als Projektierungsingenieur wurden von ihm die Strecken einschließlich der jeweiligen Bahnhöfe projektiert: Leipzig–Altenburg, Leipzig–Rötha/Espenhain, Leipzig–Neukieritzsch/Böhlen, Leipzig–Lobstädt–Borna, Versuchsstrecke im Reichsbahnausbesserungswerk Dessau-Süd, externe Bahnhöfe Leipzig-Leutzsch, -Lützschena und -Wahren, Versuchsstrecke für 200 km/h im Braunkohlenrevier Nochten (Lausitz) im Auftrag des Lokomotivbau Elektrotechnische Werke (LEW) Hennigsdorf.

Hier sammelte er Praxiserfahrungen, die zugleich eine wesentliche Grundlage für seine späteren Forschungen im Hochschulbereich bildeten.

Im Zeitraum von 1960 bis 1972 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Oberassistent am Institut für Elektrische Bahnen und Anlagen (Direktor: Helmut Koch), später umbenannt in Arbeitsgruppe Verkehrselektro-Technik (Leiter: Rudolf Schulze) der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden (HfV). In dieser Zeit absolvierte er von 1960 bis 1967 neben seiner beruflichen Tätigkeit ein Hochschulfernstudium im Studiengang Elektrotechnik an der HfV, Fachrichtung Elektrische Bahnen und Anlagen, Spezialisierung „Energieversorgung Elektrischer Bahnen“. Hier erlangte er mit einer Arbeit zum Thema „Ein Beitrag zur Verminderung der Unterhaltungsarbeiten im Fahrleitungsnetz“ (Gutachter: Helmut Koch) seinen ersten akademischen Grad Diplomingenieur (Dipl.-Ing.).

Im unmittelbaren Anschluss hieran erfolgte 1970 seine Promotion zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) an der gleichen Bildungseinrichtung mit der Dissertation „Ein Beitrag zur praktischen Berechnung wichtiger Seilkonstruktionen in Fahrleitungsanlagen für höhere Geschwindigkeiten, Vorschläge über einheitliche Berechnungsmethoden und die experimentelle Ermittlung der über die Hänger im Gleichstromfahrleitungsnetz fließenden Ströme bei Belastung durch das elektrische Triebfahrzeug“ (Gutachter: Rudolf Schulze und Paul Kahler, HfV Dresden).

Während seiner Tätigkeit an der HfV Dresden war er mit folgenden Lehrveranstaltungen beauftragt: Energieversorgung elektrischer Bahnen mittels Umrichter (1960 bis 1962) und Projektierung, Betreiben und Berechnung von Fahrleitungsanlagen elektrischer Bahnen (1960 bis 1971), gekoppelt mit zugeordneter Forschungstätigkeit. Er betreute in dieser Zeit über 30 Diplomarbeiten. Erfolgreich absolvierte Altmann 1970 an der HfV Dresden einen Weiterbildungskurs auf dem Gebiet der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) – als Abschluss wurde das fachspezifische Problem „Berechnungen für festverspannte Fahrleitungen“ bearbeitet (Rechenanlage Minsk 22 und FEL-ALGOL) – und einen Kurs auf dem Gebiet der systematischen Heuristik. An der HfV war er berufenes Mitglied der Kommission für Ausländerstudium.

Von 1972 bis 1976 wechselte er erneut in den Industriebereich und übernahm den Aufbau und die Leitung der Forschungsgruppe „Elektrosicherheit“ im Zentralinstitut für Arbeitsschutz (ZIAS) der DDR in Dresden (Blaues Haus, Direktor: Horst Rehtanz), der heutigen Außenstelle der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Es entstanden die ersten Arbeiten auf dem Gebiet der „Quantitativen Bewertung der Elektrosicherheit und Schutzgüte“ auf der Grundlage objektiver und subjektiver Wahrscheinlichkeiten, gekoppelt mit Modellen der Fuzzy-Logik und Qualimetrie. Dieses Arbeitsgebiet hat er später an der TH Leipzig und an der HTWK Leipzig fortgesetzt.

Während dieser Zeit erwarb er 1975 die Facultas Docendi (Hochschullehrbefähigung) für „Praktische Elektrotechnik“. 1975 absolvierte er erfolgreich beim KDT-Bezirksverein Dresden einen Fernkurs “Zuverlässigkeit in der Elektrotechnik/Elektronik” (Kursleiter und Mentor der Abschlussarbeit: Kurt Reinschke).

In den Jahren 1971 bis 1975 unterrichtete Altmann nebenberuflich an der Betriebsakademie des Elektromaschinenbaus Sachsenwerk Dresden die Fächer Wirtschaftsmathematik und Anwendung mathematischer Methoden in der Ökonomie. 1975 erhielt Altmann vom Rektor der Ingenieurhochschule Leipzig einen Lehrauftrag für das Thema „Elektrotechnik/Elektronik“.

In diese Zeit fallen auch seine Arbeiten als berufenes Mitglied in der Expertengruppe Zweiseitiger Eisenbahnverkehr der Deutsch-Polnischen Transportkommission, in der Expertengruppe Kohleverbindungsbahn zum Kraftwerk Boxberg, in der Expertengruppe Elektrosicherheit im Kernforschungszentrum Dresden/Rossendorf (Inbetriebnahme eines Beschleunigers) und als Leiter einer Expertengruppe zur Untersuchung der Ursachen einer Havarie in einer Öl-Fabrik in Bulgarien in Folge einer elektrostatischen Entladung.

Hochschuldozent Im Jahr 1976 erhielt Altmann eine Berufung als Hochschuldozent (entsprach C3-Professor) für Grundlagen der Elektrotechnik an die Ingenieurhochschule Leipzig.

In diese Zeit fällt auch seine B-Promotion zum Dr. sc. techn. (Elektrotechnik) an der HfV Dresden im Jahr 1977 zum Thema „Probleme der Zuverlässigkeit und Schutzgüte bei speziellen elektrotechnischen Erzeugnissen und Ableitung langfristiger Schwerpunktaufgaben für die Elektrosicherheit“ (Gutachter: Rudolf Schulze, HfV Dresden; Paul Wolowczyk, TU Dresden und Walter Frischmann, TH Leipzig), die nach der Wiedervereinigung als Habilitation anerkannt wurde.

Wirken als Professor für Elektrotechnik mini|Leipzig, Wächterstraße 13, Gebäude der ehemaligen TH Leipzig für die beiden Sektionen Automatisierungsanlagen und Elektroenergieanlagen; heute Wiener-Bau: Fakultätsgebäude der HTWK Leipzig (errichtet vom Architekten Hugo Licht) Im Herbst 1979 wurde Altmann als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Grundlagen der Elektrotechnik und Leiter des Wissenschaftsbereiches „Betreiben von Elektroenergieanlagen“ an die Technische Hochschule Leipzig (THL; Rektor: Kurt Fiedler) berufen, hier in die Sektion Elektroenergieanlagen (Direktor: Friedrich-Wilhelm Kloeppel). Im Frühjahr 1980 wurde er zum Direktor der Sektion Elektroenergieanlagen ernannt, und diese Funktion übte er bis zum Herbst 1990 aus. An der TH Leipzig hat sich in diesem Zeitraum im engen Zusammenwirken mit der Sektion Automatisierungsanlagen (Direktor: Werner Richter) die technologische Profillinie Anlagen des Elektroingenieurwesens in Ausbildung und Forschung als eine im deutschsprachigen Raum einmalige Spezialisierung herausgebildet.

Altmann führte akademische Lehre in größerem Umfang aus. Neben seinem Hauptfach Grundlagen der Elektrotechnik lehrte er auch Theoretische Elektrotechnik, Nichtlineare elektrische Netzwerke, Theorie der Leitungen sowie Elektrosicherheit. Er hat die Ausbildung von Diplom-Ingenieuren in der Spezialisierung Elektroenergieanlagen durch seine Lehrveranstaltungen für die Grundlagen sowie durch seine zugehörigen Buchveröffentlichungen nachhaltig stabilisiert und durch seine Spezialfächer deutlich erweitert. Nennenswert ist auch die Mitarbeit seines Lehrstuhls am fünfsprachigen Fachwörterbuch Elektrotechnik; für Kuba 1982 by Edition Leipzig in Kooperation mit EDITORIAL CIENTIFICO-TECNIKA, La HABANA. Erarbeitet wurden hierzu die Definitionen zu mehr als 1200 Fachwörtern mit nahezu 300 Illustrationen von den Mitarbeitern Karl-Heinz Ahke und Klaus Hirschfeld. Altmann war zugleich Mitglied der Fakultät für Technische Wissenschaften und des Senats der TH Leipzig (1980 bis 1990). In dieser Funktion leitete er über 50 Promotionsverfahren.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Altmann während seiner Tätigkeit als Sektionsdirektor auch dem Aufbau von internationalen Kontakten zu den Hochschulen und Universitäten in Kiew (Ukraine), Wrocław und Poznań (Polen) sowie in Budapest (Ungarn), wo er selbst mehrfach Gastvorlesungen hielt und an Promotionsverfahren mitwirkte. Zu nennen sind auch seine kooperativen Kontakte zur ETH Zürich und zur Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg auf den Gebieten der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und bei Promotionsverfahren.

In seiner Funktion als Direktor initiierte er, in enger Zusammenarbeit mit dem Prorektor für Natur- und Technikwissenschaften Dietrich Balzer, die Bildung einer Hochschul-Industrie-Forschungsgruppe Elektroenergieanlagen (HIFOG-EEA). Sie bildete die Basis für eine noch engere Kooperation mit den Praxispartnern, insbesondere dem Institut Prüffeld und Hochspannungstechnik (IPH) Berlin. Die HIFOG-EEA wurde von Wolfgang Löschner geleitet. Wesentliches Ziel war die schnelle Einführung von CAD/CAM-Lösungen im Elektroanlagenbau. Gefördert und unterstützt wurde sie vom Kombinat Elektroenergieanlagenbau (KEA) Leipzig und vom KDT-Bezirksvorstand Leipzig (Werner Kriesel als Stellv. Vorsitzender).

In Kooperation mit dem Rat der Stadt Leipzig und in Abstimmung mit dem Rektor der TH Leipzig Wolfgang Altner gründete Siegfried Altmann als Lehrstuhlinhaber und Sektionsdirektor im November 1986 an der TH Leipzig eine Technische Schülergesellschaft Elektrotechnik/Elektronik „Spitzenkader von Morgen“. Zur ersten Vorlesung erhielten die 20 ausgewählten Schüler der 9. Klasse aus der Hand des Rektors eine von ihm unterzeichnete Berufungsurkunde. Die Studiendauer betrug 4 Jahre. Es wurde beabsichtigt, dass sie nach Abschluss dieser Ausbildung auf der Basis von Sonderstudienplänen verkürzt das Hochschulstudium an der TH Leipzig absolvieren können.

Mit einem Personalbestand von rund 100 Mitarbeiterstellen, zahlreichen Doktorandenstellen, etwa 30 Personalstellen im HIFOG-EEA als Transfereinrichtung sowie rund 300 Studenten war in Leipzig eine der größten Hochschuleinrichtungen im deutschsprachigen Raum mit ausschließlicher Spezialisierung für Elektroenergieanlagen entstanden. Dies ermöglichte Altmann als Sektionsdirektor, zusammen mit allen 5 Lehrstühlen für die Hauptkomponenten von Elektroenergieanlagen, auch umfangreiche Forschungsprojekte mit der Industrie aufzunehmen, konzentriert auf den Schwerpunkt „Vorlauf für eine künftige Generation von Elektroenergieanlagen“. Als Mitglied im Beirat Elektroingenieurwesen (Vorsitzender: Gerhard Linnemann, damals Rektor der TH Ilmenau) beim Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen seit 1980 konnte Altmann den Wissenschaftszweig „Technologie der Elektroenergieanlagen“ als Lehr- und Forschungsgebiet profilieren.